Die Grumman F-14 Tomcat ( für Kater) ist ein überschallschnelles, zweistrahliges, mit Schwenkflügeln ausgestattetes zweisitziges Kampfflugzeug, das für die United States Navy entwickelt und ab 1974 eingesetzt wurde. Ihre primären Aufgaben bei der US Navy waren die eines Luftüberlegenheitsjägers, Aufklärers und die Flottenverteidigung. Später wurden noch rudimentäre Luft-Boden-Fähigkeiten eingerüstet. Die letzte Tomcat wurde von der US Navy am 22. September 2006 außer Dienst gestellt. Ersatz ist die F/A-18E/F Super Hornet. Heute fliegt nur noch die iranische Luftwaffe die F-14.

Geschichte Entwicklung Ende der 1950er-Jahre suchte die US Navy nach einem Langstreckenabfangjäger mit hoher Ausdauer, um ihre Flugzeugträgerkampfgruppen gegen Seezielflugkörper großer Reichweite zu verteidigen, welche von sowjetischen Bombern und U-Booten aus starten konnten. Dieses Fleet-Air-Defense-Kampfflugzeug (FAD) sollte ein stärkeres Radar und Lenkwaffen größerer Reichweite als die F-4 Phantom II haben, um feindliche Bomber und Lenkwaffen abzufangen.Tommy Thomason: Grumman Navy F-111B Swing Wing (Navy Fighters No. 41). Steve Ginter, Simi Valley 1998, ISBN 0-942612-41-8 (englisch). Auf Anweisung des Secretary of Defense Robert McNamara musste die Navy am TFX-Programm der US Air Force teilnehmen. McNamara wollte streitkräfteübergreifende Lösungen, um die Kosten zu reduzieren, und hatte bereits die Air Force angewiesen, die F-4 Phantom II zu kaufen, welche ursprünglich für die Navy und das Marine Corps entwickelt worden war.The McDonnell F-4 Phantom II. In: aviation-history.com (englisch). Die Navy protestierte heftig dagegen, da dieser Kompromiss die Luftkampfeigenschaften des Flugzeuges verschlechtert hätte. mini|F-111B über Elisabeth Islands, etwa 1965 Als auch das TFX-Programm zu scheitern drohte, begann Grumman, welche mit General Dynamics die Marineversion F-111B entwickelte, mit alternativen Flugzeugentwürfen. Die F-111B wurde für die Aufgabe der Flottenverteidigung und nicht als Dogfighter entwickelt. Um den Erfahrungen des Vietnamkrieges Rechnung zu tragen, untersuchte die Navy im VFAX-Programm die Entwicklung eines zusätzlichen Luftüberlegenheitsjägers mit Luft-Boden-Kapazitäten. In: georgespangenberg.com, 16. September 1973 (englisch). Im Juli 1968 veröffentlichte das Naval Air Systems Command (NAVAIR) eine Ausschreibung für das Naval Fighter Experimental-(VFX)-Programm. Gefordert wurde ein zweisitziger Luftüberlegenheitsjäger mit zwei Triebwerken und einer Höchstgeschwindigkeit von Mach 2,2. Die Bewaffnung des VFX sollten entweder sechs AIM-54 Phoenix oder eine Kombination aus sechs AIM-7 Sparrow und vier AIM-9 Sidewinder sein. Eine eingebaute M61 Vulcan war ebenfalls gefordert, um Luftnahunterstützung leisten zu können. Gebote kamen von General Dynamics, Grumman (Model 303E/F), McDonnell Douglas (Modell 225), Ling-Temco-Vought, Convair (LTV V-507 Vagabond) und North American Rockwell (Model D323). Vier Anbieter setzten auf Schwenkflügel.Capt. E.T. Woolridge (Hrsg.): Into the Jet Age. Conflict and Change in Naval Aviation 1945–1975, an Oral History. Naval Institute Press, Annapolis 1995, ISBN 1-55750-932-8 (englisch). McDonnell Douglas und Grumman wurden im Dezember 1968 als Finalisten ausgewählt. Schließlich erhielt Grumman, die seit drei Jahrzehnten immer wieder erfolgreiche Flugzeugmuster für die Navy gebaut hatten, im Januar 1969 den Zuschlag. Der Entwurf sah vor, die Pratt & Whitney-TF30-Triebwerke der F-111B zu verwenden, wobei diese später durch die Pratt & Whitney F401-400 ersetzt werden sollten, welche sich zu diesem Zeitpunkt noch in der Entwicklung befanden. Obwohl leichter als die F-111B, war die Maschine immer noch das größte und schwerste Trägerkampfflugzeug, da das große AN/AWG-9-Radar und die sechs AIM-54-Lenkwaffen sowie 7300 kg Treibstoff transportiert werden sollten.Bill Gunston, Mike Spick: Modern Air Combat. Crescent Books, New York 1983, ISBN 0-517-41265-9 (englisch).

Der Name Tomcat wurde zu Ehren der Rolle des Konteradmirals Thomas Tomcat Connolly gewählt, da dieser bei der Entstehung der F-14 eine wichtige Rolle spielte. Er absolvierte Flüge mit dem Prototyp der F-111A und stellte fest, dass dieser Schwierigkeiten hatte, Überschallgeschwindigkeit zu erreichen, und hauptsächlich wegen der viel zu großen Masse (40 % über der Spezifikation) und dem damit verbundenen schlechten Gewichts/Schub Verhältnis, der miserablen Sicht nach vorne im Langsamflug und nicht zuletzt wegen der gigantischen Abmessungen (zu groß für die Aufzüge) ungeeignet für den Trägerbetrieb sei. Connolly opferte die Aussicht auf die Beförderung zum Admiral, als er sich in einer öffentlichen Anhörung des Senate Armed Forces Committee auf die Frage des Vorsitzenden nach seiner persönlichen, nicht offiziellen, Meinung über die F-111B äußerte.Robert Mcg. Thomas Jr: Thomas Connolly, 86, Top-Gun Admiral, Dies. In: New York Times. 9. Juni 1996, abgerufen am 8. Juli 2017 (englisch).

Wörtlich sagte er:

Zudem passte dieser Spitzname zur Tradition der Navy, die Flugzeuge von Grumman mit felinen Namen zu belegen,George Marrett: Flight of the Phoenix. Airpower, Volume 36, No. 7, Juli 2006 (englisch). wie beispielsweise Wildcat und Hellcat.

mini|F-14 Tomcat Prototyp (1973) Nachdem Grumman den Vertrag zum Bau der F-14 unterzeichnet hatte, wurde die Fabrik in Calverton deutlich ausgebaut. Von hier aus wurde ein Großteil der Tests absolviert. Um Zeit zu sparen, wurde die Prototypphase übersprungen und gleich mit der Serienproduktion begonnen, was die US Air Force auch bei der Entwicklung der McDonnell Douglas F-15 machte.Dennis R. Jenkins: F/A-18 Hornet. A Navy Success Story. McGraw-Hill, New York 2000, ISBN 0-07-134696-1 (englisch). Der Erstflug der F-14 fand am 21. Dezember 1970 statt, 22 Monate nach Vertragsunterzeichnung. Der erste Prototyp (Bureau Number 157980) stürzte am 30. Dezember 1970 bei einem weiteren Testflug im Endanflug wegen des sequentiellen Ausfalls beider Hydrauliksysteme ab. Der Grund hierfür war ein Ermüdungsbruch der Hydraulikleitungen infolge hochfrequenter Vibrationen. Bei dem Absturz ging das Flugzeug zu Bruch, die beiden Grumman-Testpiloten Robert Smythe und William Miller mussten kurz vor dem Aufprall in ca. 50 m über Grund den Schleudersitz auslösen. Die Piloten überlebten den Absturz leicht verletzt. Der zweite Prototyp absolvierte seinen Erstflug dann am 24. Mai 1971. Das Testprogramm konnte ohne weitere gravierende Probleme nach zwei Jahren abgeschlossen werden, sodass die Initial Operational Capability (IOC) 1973 erreicht wurde. In: fliegerweb.com, FliegerWeb.com Magazin – Hobby Verlag AG, abgerufen am 28. Dezember 2024. Das United States Marine Corps plante ursprünglich, auch F-14 zu beschaffen, um die F-4 Phantom II zu ersetzen; dazu wurden sogar Offiziere zur VF-124 geschickt, um zu Ausbildern ausgebildet zu werden. Nachdem sich aber abgezeichnet hatte, dass eine Luft-Boden-Bewaffnung des Flugzeuges nicht weiter verfolgt würde, zog das USMC sein Engagement zurück.

Die Schussversuche mit der Langstreckenrakete AIM-54 Phoenix begannen im April 1972. Dabei wurde die Lenkwaffe auf verschiedene Ziele abgefeuert, von Marschflugkörpern bis zu hochfliegenden Bombern. Der weiteste Schuss wurde auf 110 Seemeilen (200 km) im April 1973 durchgeführt. Am 22. November 1973 wurden sechs AIM-54-Flugkörper innerhalb von 38 Sekunden bei Mach 0,78 und 7600 m Höhe abgefeuert, wovon vier Lenkwaffen trafen.

Dienstzeit Im September 1972 begann die Truppenerprobung in Point Mugu. Im Oktober erhielt die Ausbildungsstaffel VF-124 in Miramar die F-14.Karl Schwarz: Jeder kennt die Tomcat – oder? In: Flug Revue, 17. Januar 2021, . Im September 1974 lief der Flugzeugträger Enterprise zur ersten Einsatzfahrt mit Tomcat in den Pazifik aus. An Bord befanden sich die beiden F-14-Staffeln VF-1 Wolfpack und VF-2 Bounty Hunters als Teil des Bordgeschwaders Carrier Air Wing 14. Insgesamt erhielt die Navy inklusive der zwölf Prototypen 478 Flugzeuge des Typs F-14A, mit denen die McDonnell Douglas F-4 Phantom II und F-8 Crusader im Flottendienst ersetzt wurden. Die Produktion der Tomcat setzte Grumman unter starken finanziellen Druck, da der Vertrag mit der Navy die Stückkosten festschrieb. Zudem waren die späten 1970er-Jahre eine Zeit besonders starker Inflation in den USA. Der Iran kaufte unter dem Schah Mohammad Reza Pahlavi 80 Tomcats, was Grumman vor der Insolvenz bewahrte.New York Magazine: How the Pentagon silenced Grumman. 9. Mai 1977 (englisch). mini|Eine F-14A Tomcat der VF-114 fliegt neben einem sowjetischen Patrouillenflugzeug Tu-95RT (NATO-Codename Bear) Ende der 1970er-Jahre wurde das Tactical Airborne Reconnaissance Pod System (TARPS) für die F-14 entwickelt. Etwa 65 F-14As und alle F-14Ds konnten dieses System tragen. Das TARPS wurde hauptsächlich durch den Waffensystemoffizier (engl. Radar Intercept Officer, RIO) gesteuert, dem dafür ein spezielles Display zur Verfügung stand. Die TARPS wurden 1996 mit einer digitalen Kamera ausgerüstet, was sie zu TARPS-DI machte. Mit der Kampfwertsteigerung auf TARPS-CD ab 1998 konnten die Bilder nun in Echtzeit übertragen werden. In: sdl.usu.edu, abgerufen am 28. Dezember 2024 (englisch).

Manche F-14A wurden 1987 auf das GE-F110-400-Triebwerk aufgerüstet. Diese leistungsgesteigerten Tomcats wurden als F-14A+ geführt, was später (1991) zu F-14B abgeändert wurde.Torsten Anft: F-14 Bureau Numbers. In: anft.net, Home of M.A.T.S. Abgerufen am 28. Dezember 2024 (englisch). Zur gleichen Zeit wurde mit der Entwicklung der F-14D begonnen, die GE-F110-400-Triebwerke, verbesserte Avionik, Glascockpit und Link 16 erhielt.Norman Friedman: F-14. In: The Naval Institute Guide to World Naval Weapon Systems. Fifth edition, Naval Institute Press, Annapolis MD 2006, ISBN 1-55750-262-5 (englisch). Das Digital Flight Control System (DFCS) verbesserte das Handling der F-14 bei hohen Anstellwinkeln und/oder im Luftkampf spürbar.F-14 upgrades. In: global security.org. Abgerufen: 24. März 2012 (englisch).

Mit der Außerdienststellung der A-6 Intruder im Jahr 1990 wurde das Luft-Boden-Programm der F-14 ins Leben gerufen. Bombentests waren bereits in den 1980er-Jahren durchgeführt worden, und die Tomcat war vorher schon in der Lage, ungelenkte Bomben abzuwerfen. Nachdem in der Operation Desert Storm die meisten Luft-Boden-Einsätze an die A-7 und F/A-18 ausgelagert wurden, begann nach dem Krieg eine umfassende Modernisierung. Dabei wurden die Avionik und Displays verbessert, um präzisionsgelenkte Munition einsetzen zu können, die Verteidigungssysteme verbessert und die Struktur verstärkt. Die neue Avionik war mit der der F-14D vergleichbar, die modernisierten Maschinen wurden als F-14A (Upgrade) und F-14B (Upgrade) geführt.David Donald: Northrop Grumman F-14 Tomcat, U.S. Navy today. In: Warplanes of the Fleet. AIRtime Publishing Inc, London 2004, ISBN 1-880588-81-1 (englisch).