Kriegsheim ist ein Ortsteil von Monsheim im südlichen Rheinhessen, dem Wonnegau im Landkreis Alzey-Worms.
Geschichte Mittelalter Frühere Namensformen von Kriegsheim sind Kreikesheim (766), Crigesheim (1137), Crigisheim (1276), Chrisheim (1306), Criegesheim (1335), Krysheim (1344) und Griesheim (1496).
Kriegsheim wird mit drei Schenkungen an das Kloster Lorsch im Lorscher Codex erwähnt. Die älteste dieser Urkunden, Nr. 1261, bezeugt, dass Richer am 5. April 767 dem Kloster einen Weinberg schenkte.Karl Josef Minst: Lorscher Codex III, Lorsch 1970, Urkunden 1259–1261 Die älteste Erwähnung der Kirche des Dorfes stammt von 1309. Das Patronatsrecht hatten ursprünglich die Bischöfe von Worms, die es den Herren von Bolanden zu Lehen gaben. Doch trat im Jahr 1309 Otto von Bolanden, kaiserlicher Kämmerer, das Patronat an den Bischof von Worms ab, der es dem Domkapitel überwies.
Im Ort war das Geschlecht der Ritter von Kriegsheim ansässig. Die älteste erhaltene Erwähnung der Familie stammt von 1277, die letzte von 1435.Krienke, S. 139. Von deren Burg ist der Wohnturm erhalten.Krienke, S. 144f.
Das Dorf gehörte zu den Besitzungen des Hochstifts Worms. 1137 gab Bischof Burchard II. seinen Hof zu Kriegsheim mit allem, was er im Dorfe besaß, dem Wormser Domkapitel, um dessen Einkünfte aufzubessern. Die Vogtei über den Ort hatten die Herren von Bolanden, teils von den Bischöfen, teils von der Kurpfalz, zu Lehen. Spätestens seit 1338 waren die Leininger die Lehensnehmer.Krienke, S. 139.
Frühe Neuzeit 1494 war der Ort noch eines der pfälzischen Ausdörfer. Später bildete sich aus den pfälzischen Rechten die Landeshoheit aus.Krienke, S. 139. Kriegsheim blieb bis zum Ende des 18. Jahrhunderts kurpfälzisch. Dort gehörte es zum Oberamt Alzey. In der pfälzischen Kirchenteilung 1705, fiel die Kirche den Reformierten zu. Die römisch-katholische Minderheit richtete 1752 im Rathaus eine Kapelle ein, dem Heiligen Joseph geweiht. Den großen Zehnten bezog bis zum Ende des Alten Reichs das Domstift in Worms, den kleinen Zehnten der reformierte Pfarrer.
Mennoniten Bereits in der Reformationszeit hatte sich in Kriegsheim eine Täufergemeinde gebildet. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurden Mennoniten aus der Schweiz und Quäker von Kurfürst Karl Ludwig eingeladen, sich in entvölkerten Dörfern der Kurpfalz niederzulassen.Krienke, S. 139. Ab 1656 ist ihre Anwesenheit in Kriegsheim bezeugt. Am 23. Juni und am 27. September 1677 besuchte William Penn, der später in der nach seinem Vater benannten amerikanischen Kolonie „Pennsylvania“ tätig war, die Kriegsheimer Glaubensgenossen. Da die Quäker sich aus ihrer religiösen Überzeugung heraus standhaft weigerten, Steuern und Abgaben zu zahlen und Militärdienst zu leisten, beschlossen sie auszuwandern.
Am 12. Oktober 1685 kamen die ersten Kriegsheimer Auswanderer mit dem Schiff Francis & Dorothy in British America an. Unter den Auswanderern war auch der Quäker Gerrit Hendricks, der zum Mitautor des Anti-Sklaverei-Petition von Quäkern in Germantown 1688 wurde.Ralf-Peter Fuchs: Von der Unterdrückung am Niederrhein zum politischen Engagement in Pennsylvania? Überlegungen zum Germantown-Protest gegen die koloniale Sklaverei (1688). In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein, Heft 224, 2021, S. 79–103, hier S. 92. Mit „Krie(g)sheim“ gründeten die Auswanderer einen Ortsteil von Germantown im heutigen Philadelphia. Spuren dieser Gründung sind bis heute vorhanden: Die Straßennamen „Cresheim Valley Drive“ und „Cresheim Road“ sowie der Restaurantname „Cresheim Cottage Cafe“ sind etymologisch auf „Kriegsheim“ zurückzuführen.
Die in Kriegsheim verbliebene Mennonitengemeinde besteht bis heute. Das Zentrum der Gemeinde befindet sich seit 1820 mit der mennonitischen Kirche in Monsheim.
Neuzeit Während der Zeit des Ersten Koalitionskrieges wurde der Ort von französischen Revolutionstruppen geplündert und gebrandschatzt. 1797 wurde mit großem Aufwand ein Freiheitsbaum gepflanzt, unter dem Ruf: „Es lebe die Republik!“Krienke, S. 139. Von 1798 bis 1814 gehörte das Dorf zum französischen Departement Donnersberg und war dem Kanton Pfeddersheim zugeordnet. Aufgrund der vom Wiener Kongress (1815) getroffenen Vereinbarungen und einem mit Österreich und Preußen geschlossenen Staatsvertrag kam die Region Rheinhessen 1816 zum Großherzogtum Hessen und wurde deren Provinz Rheinhessen.
Nordwestlich des Dorfes wird seit 1906 Quarzsand abgebaut.Krienke, S. 139.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Kriegsheim innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz und gehörte weiterhin zum Landkreis Worms im Regierungsbezirk Rheinhessen.
Am 7. Juni 1969 wurde die Gemeinde Kriegsheim (seinerzeit 579 Einwohner) aufgelöst und der Gemeinde Monsheim (1.603 Einwohner) zugeschlagen.
1986 wurde das 1890 errichtete und nun überflüssige Rathaus abgerissen.Krienke, S. 140. In der Folgezeit erhielt Kriegsheim eine Kanalisation, Anfang der 1990er Jahre wurde es an die Gasversorgung angeschlossen und erhielt Verkabelung. Die Ton- und Sandwerke schlossen.
Ehemaliges Gemeindewappen
Sehenswürdigkeiten mini|Die evangelische, historische Kirche von Kriegsheim
Neugotische römisch-katholische Kirche St. Joseph (1867) klassizistische Evangelische Kirche Kriegsheim mit spätmittelalterlichem Turm Mittelalterlicher Wohnturm
siehe auch Liste der Kulturdenkmäler in Monsheim
Söhne und Töchter der Gemeinde Christian Adalbert Kupferberg (* 18. April 1824 in Kriegsheim), Gründer der Sektkellerei Kupferberg
Vereine Brauchtums- und Kerwe-Gemeinschaft 1990 Kriegsheim Turngemeinde Kriegsheim
Brauchtum und Kerwe Trotz der Eingemeindung zu Monsheim führt der Ortsteil Kriegsheim weiterhin ein weitgehend eigenständiges Ortsleben. Am Freitag vor dem dritten Sonntag im September beginnt die „Kriesemer Kerwe“ mit dem Höhepunkt des sonntäglichen Kerweumzugs und der Kerwered. Sie endet erst am darauffolgenden Dienstag mit der Verbrennung der „Kerb“, einer leeren Flasche Wein. Während dieser Tage sind auffällig viele Häuser mit der eigenen Kriegsheimer Fahne verziert, die sich im Eigentum der jeweiligen Hausbesitzer befinden.
Literatur nach Autoren / Herausgebern alphabetisch geordnet Claus Bernet: Quäker und Mennoniten: Frühe Kontakte in der Pfalz, in Krefeld, Friedrichstadt, Hamburg, Emden und Danzig. In: 400 Jahre Mennoniten in Krefeld. Referate vom 26.-28. Oktober 2007. Bolanden 2008, 49–61 (Mennonitische Geschichtsblätter, 63). Brauchtums- und Kerwe-Gemeinschaft 1990 Kriegsheim (Hrsg.): 50 Jahre Kerwered und Umzug – 10 Jahre Vereinsbestehen, Kriegsheim 2000. Brauchtums- und Kerwe-Gemeinschaft 1990 Kriegsheim (Hrsg.): Erzehl emol wie des so war... – 1250 Johr Kriesem, Kriegsheim 2016. Karl Johann Brilmayer: Rheinhessen in Vergangenheit und Gegenwart – Geschichte der bestehenden und ausgegangenen Städte, Flecken, Dörfer, Weiler und Höfe, Klöster und Burgen der Provinz Rheinhessen nebst einer Einleitung, Gießen 1905. Dieter Krienke und Ingrid Westerhoff: Kreis Alzey Worms. Verbandsgemeinden Eich, Monsheim und Wonnegau (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz 20.3). Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2018. ISBN 978-3-88462-379-4, S. 139–145. Paul Michel: Täufer, Mennoniten und Quäker in Kriegsheim bei Worms, Das Täufertum bis zum 30 jährigen Krieg, in Der Wormsgau 1965. Paul Michel: Die Quäker in Kriegsheim, in "Wonnegauer Heimatblätter", 14. Jahrgang Nr. 8, 1969. Paul Michel: Chronik von Monsheim. Geschichte eines rheinhessischen Dorfes, Monsheim 1981. Turngemeinde 1904 Kriegsheim (Hrsg.): 1904–2004 / 100 Jahre Turngemeinde Kriegsheim, Kriegsheim 2004. Felix Zillien: Kriegsheim: Viele Besitzer und Herren – Vor 140 Jahren Grundsteinlegung für die katholische Kirche, in: Heimatjahrbuch Landkreis Alzey-Worms 2005, S. 98–100.
Weblinks Bestand Gemeindearchiv Kriegsheim im Stadtarchiv Worms
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Alzey-Worms Kategorie:Monsheim Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Alzey-Worms) Kategorie:Ersterwähnung 767 Kategorie:Gemeindeauflösung 1969 Kategorie:Quäkertum im deutschsprachigen Raum
Kategorie:Christentumsgeschichte (England)