Stechow-Ferchesar [] ist eine Gemeinde im brandenburgischen Landkreis Havelland. Sie gehört zum Amt Nennhausen mit Sitz in Nennhausen.
Geografie Stechow-Ferchesar liegt ca. 10 km nordöstlich von Rathenow, ca. 62 km westlich von Berlin-Spandau und südlich des Großen Havelländischen Hauptkanales. Der Ortsteil Ferchesar liegt am Havelsee Hohennauener-Ferchesarer See, an dem sich der Yachthafen Ferchesar befindet. Die Region um Ferchesar-Stechow ist sehr wald- und seenreich. Der Ortsteil Ferchesar selbst liegt am Ende des Hohennauener-Ferchesarer Sees. Zu weiteren Seen in unmittelbarer Nähe gehören der Fennsee, der Trintsee und der Lochower See. mini|Hohennauener-Ferchesarer See mini|Ortseingang von Ferchesar Nachbarorte
An Stechow-Ferchesar grenzen folgende Gemeinden (im Uhrzeigersinn, von Norden beginnend): Kleßen-Görne, Kotzen, Nennhausen, Rathenow und Seeblick.
Gemeindegliederung Zur Gemeinde gehören laut ihrer HauptsatzungHauptsatzung der Gemeinde Stechow-Ferchesar (PDF) die Ortsteile Ferchesar Stechow der Gemeindeteil Lochow der Wohnplatz Tegeland
Geschichte Der Ortsteil Ferchesar wurde im Jahr 1438 und der Ortsteil Stechow im Jahr 1375 erstmals urkundlich erwähnt. Nordöstlich des heutigen Ortes Stechow befand sich die vor 1375 wüst gefallene Siedlung Dranse, südwestlich die Wüstung Lietzen.Günter Mangelsdorf: Die Ortswüstungen des Havellandes. In: Veröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin. Band 86. De Gruyter, Berlin 1994, ISBN 3-11-014086-1, S. 53 ff., 95, 198, 207. Der Name von Ferchesar leitet sich vom polabischen *vierch jězora ("Anhöhe über dem See") ab. Die beiden Adelsgeschlechter von Knoblauch und von Bredow besaßen hier, über Jahrhunderte hinweg, Lehensrechte und Grundbesitz.Geschichte der Dorfkirche in Ferchesar, abgerufen am 3. September 2023.
Ferchesar und Stechow gehörten seit 1817 zum Kreis Westhavelland in der preußischen Provinz Brandenburg und ab 1952 zum Kreis Rathenow im DDR-Bezirk Potsdam. Seit 1993 liegen die Orte im brandenburgischen Landkreis Havelland. Die jetzige Gemeinde entstand am 31. Dezember 2002 aus dem freiwilligen Zusammenschluss der bis dahin selbstständigen Gemeinden Ferchesar und Stechow.siehe StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2002 und ABl. Brandenburg Nr. 38/2002 (PDF; 153 kB) S. 838
Seit Anfang des 19. Jahrhunderts war Ferchesar Erholungsort und wurde die Perle des Havellandes genannt.
Bevölkerungsentwicklung Jahr Stechow Ferchesar Jahr Stechow-Ferchesar1875 464 406 2002 9111910 485 357 2005 9391939 542 358 2010 9161946 801 476 2015 8951950 750 447 2020 8781971 520 314 2021 8961990 465 325 2022 8751995 463 326 2023 8882000 545 348 2024 8732001 557 335 2025 872
Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991),Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Havelland. (PDF) statistik-berlin-brandenburg.de, S. 22–25.Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden. (Office Open XML) statistik-berlin-brandenburg.de, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember) ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Stechow-Ferchesar besteht aus zehn Gemeindevertretern und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Unabhängige parteilose Wählergruppe Stechow 56,4 % 6 43,1 % 4 Freie Wähler Ferchesar 35,8 % 4 25,3 % 3 Wähler – Wir Gemeinsam – – 15,4 % 2 AfD – – 14,7 % 1 Einzelbewerberin Annette Isensee 2,6 % – 1,5 % – Einzelbewerber Wolfgang Wegwerth 5,2 % – – – Insgesamt 100 % 10 100 % 10
Bürgermeister 2003–2014: Wolfgang WergwerthKommunalwahlen 26.10.2003. Bürgermeisterwahlen (PDF) S. 25 seit 2014: Michael Spieck (Unabhängige parteilose Wählergruppe Stechow)Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014
Spieck wurde bei der Wahl des ehrenamtlichen Bürgermeisters am 9. Juni 2024 mit 62,0 % der gültigen Stimmen erneut in seinem Amt bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 Seine Amtszeit beträgt fünf Jahre.Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 73 (1)
Sehenswürdigkeiten mini|Dorfkirche Stechow mini|hochkant=0.7|Dorfkirche Ferchesar mini|Dorfstraße in Ferchesar In der Liste der Baudenkmale in Stechow-Ferchesar stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Denkmäler.
Weitere Sehenswürdigkeiten sind: die Dorfkirche Stechow, gotischer Saalbau aus dem 13. Jahrhundert, erneuert 1731 mit Turm aus Fachwerk unter barocker Haube, Altaraufbau mit Kreuzigungsgemälde und als plastische Figuren Jesus mit zwei Engeln als Symbol der Auferstehung von 1736 die Dorfkirche Ferchesar, eine Fachwerkkirche von 1735, mit spätgotischem Flügelaltar aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts, dazu Kanzelaltar von 1788 und spätgotische Fünte, das Kirchenschiff 1906 westwärts erweitert und dabei Zwiebelturm mit Laterne neu errichtet das ehemalige Forsthaus in Lochow, 1848 anstelle eines Vorgängerbaus errichtet und einstige Heimat der Schriftstellerin Ilse Gräfin von Bredow mehrere Fachwerkhäuser aus dem 17. Jahrhundert uralte Linden und Kastanien an der Dorfstraße von Ferchesar
Die Naturdenkmale sind in der Liste der Naturdenkmale in Stechow-Ferchesar erfasst.
Verkehr Durch den Ortsteil Stechow führen die B 188 zwischen Rathenow und Friesack und die Landesstraße L 982 nach Nennhausen.
Der nächstgelegene Bahnhof ist Nennhausen an der Bahnstrecke Berlin–Lehrte. Er wird vom Regionalexpress RE 4 (Rathenow–Berlin–Jüterbog) bedient. Vom 2. April 1900 bis 1945 führte die Kleinbahn von Rathenow nach Paulinenaue, die „Stille Pauline“, durch den Ortsteil Stechow und hatte hier einen Haltepunkt.
Auf dem Gemeindegebiet befindet sich der Flugplatz Stechow-Ferchesar, ein Sonderlandeplatz der Kategorie III.
Persönlichkeiten Söhne und Töchter von Stechow Friedrich Wilhelm von Stechow (1692–1771), preußischer Oberst Joachim von Bredow (1858–1914), Admiral der Kaiserlichen Marine Clara Schuch (1879–1936), Politikerin (SPD), Mitglied des Reichstages 1920–1933 Christoph von Bredow (1930–2016), Politiker (CDU), Landtagsabgeordneter in Niedersachsen
Mit der Gemeinde verbundene Persönlichkeiten Ilse von Bredow (1922–2014), Schriftstellerin, im Forsthaus Lochow aufgewachsen Mark Heinrich von Nathusius (1932–2020), Generalmajor der Bundeswehr, in Stechow aufgewachsen
Weblinks
Gemeinde Stechow-Ferchesar Gemeinde Stechow-Ferchesar beim Amt Nennhausen Ortsteil Ferchesar Ortsteil Stechow
Literatur Almut Andreae, Udo Geiseler (Hrsg.): Die Herrenhäuser des Havellandes. Eine Dokumentation ihrer Geschichte bis in die Gegenwart. Lukas-Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-931836-59-2, S. 92–288. Mit Beiträgen zu Stechow, Ferchesar und Lochow.
Einzelnachweise
Kategorie:Ersterwähnung 1375 Kategorie:Ersterwähnung 1438 Kategorie:Gemeindegründung 2002