Die Gemeinde Seeblick liegt im Westen des Landkreises Havelland (Brandenburg). Sie wird vom Amt Rhinow verwaltet.
Geografie Seeblick liegt nördlich von Rathenow, östlich der Havel und südlich des Rhinower Ländchen am Ufer des Hohennauener Sees. Das Naturschutzgebiet Untere Havel Nord liegt teilweise im Gemeindegebiet.
Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht aus den Ortsteilen Hohennauen, Wassersuppe und Witzke, dem bewohnten Gemeindeteil Elslaake und dem Wohnplatz Kohlhof.Dienstleistungsportal der Landesverwaltung Brandenburg
Geschichte mini|links|Luftbild des Burgwalls Hohennauen-Witzke Das Gebiet der Gemeinde Seeblick war im Frühmittelalter slawisch besiedelt. Zwischen den Orten Elslaake und Witzke befindet sich der Burgwall Hohennauen-Witzke, der Überrest eines slawischen Burgwalls aus dem 7. bis 9. Jahrhundert. Von der einstigen Anlage sind noch der ehemaligen Wall und Burggraben erkennbar.
Die Ortsteile Wassersuppe und Witzke wurden im Jahr 1441 in einem Lehnbrief der Familie von der Hagen erstmals urkundlich erwähnt.
Das Dorf Hohennauen wurde um 1200 über einer slawischen Anlage errichtet. Hier stand die im Jahr 1386 erstmals erwähnte Burg Hohennauen. Diese sicherte schon seit dem ausgehenden 12. Jahrhundert das Land Rhinow nach Süden. Das Dorf war bis 1350 im Besitz der Markgrafen von Brandenburg, dann der Grafen von Lindow-Ruppin und der Bischöfe von Brandenburg. Danach waren die Familien von Stechow und Friesack Besitzer des Dorfes. Seit 1486 war die Familie von der Hagen Eigentümer von Hohennauen. Die Burg war bereits nach dem Dreißigjährigen Krieg völlig verfallen, auf der Ruine wurde das Gutsschloss derer von Bornstedt errichtet.
Im 17. Jahrhundert wurde das Rittergut Hohennauen in vier Teile gegliedert. Einen Teil besaß ab 1692 Johann Gottfried von Rauchhaupt. Die anderen Teile waren unter der Familie von Hagen vereinigt. Ab 1692 bzw. 1731 bestanden zwei Herrensitze. Zwischen 1781 bzw. 1802 wurden die Güter mit Wassersuppe, Witzke, Schönholz und Elslake majorisiert. Von 1802 bis 1945 blieb das Gut im Besitz der Familie Kleist von Bornstedt. Die im Ort ansässige Familie von der Hagen errichtete im Ort ebenfalls ein Gutshaus.
Hohennauen, Wassersuppe und Witzke gehörten seit 1817 zum Kreis Westhavelland in der preußischen Provinz Brandenburg und ab 1952 zum Kreis Rathenow im DDR-Bezirk Potsdam. Seit 1993 liegen die Orte im brandenburgischen Landkreis Havelland.
Die Gemeinde Seeblick entstand am 31. Dezember 2001 aus dem freiwilligen Zusammenschluss der bis dahin selbstständigen Gemeinden Hohennauen, Wassersuppe und Witzke.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2001
Bevölkerungsentwicklung Jahr Hohennauen Wassersuppe Witzke Jahr Seeblick1875 400 159 162 2001 10001910 500 172 138 2005 10031939 660 158 138 2010 9461946 951 267 247 2015 9101950 993 212 198 2020 8841971 732 140 156 2021 8601990 767 112 138 2022 8851995 725 113 123 2023 8772000 752 115 121 2024 859 2025 886 Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Havelland. S. 22–25Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Seeblick besteht entsprechend der Einwohnerzahl der Gemeinde aus zehn Gemeindevertretern und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Freie Wählergemeinschaft Seeblick – – 35,7 % 4 Gemeinsam für Seeblick – – 23,7 % 2 Einzelbewerber Patrick Höffler 12,4 % 1 20,1 % 1 Einzelbewerberin Kathy Seidel 6,9 % 1 7,7 % 1 FDP 24,5 % 2 7,6 % 1 SPD 50,2 % 6 5,2 % – CDU 3,2 % – – – Einzelbewerber Bernhard Bukowski 2,8 % – – – Insgesamt 100 % 10 100 % 9
Bei der Wahl 2024 entsprach der Stimmenanteil des Einzelbewerbers Patrick Höffler zwei Sitzen, daher bleibt ein Platz in der Gemeindevertretung unbesetzt.
Bürgermeister 2003–2008: Anke Bölke (FDP)Kommunalwahlen 26.10.2003. Bürgermeisterwahlen, S. 25 2008–2014: Ernst-Dietrich Wille (CDU)Kommunalwahlen im Land Brandenburg am 28.09.2008. Bürgermeisterwahlen, S. 9 2014–2024: Ulf Gottwald (SPD)Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 seit 2024: Patrick Höffler (parteilos)
Höffler wurde in der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 mit 61,3 % der gültigen Stimmen gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 Seine Amtszeit beträgt fünf Jahre.Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 73 (1)
Sehenswürdigkeiten
mini|Dorfkirche in Hohennauen In der Liste der Baudenkmale in Seeblick stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Baudenkmale. Weitere Sehenswürdigkeiten sind:
Gutshaus Wassersuppe, barocker, eingeschossiger Bau aus dem Jahr 1780. Am Türsturz weist der Bau ein Allianzwappen auf. Rittergut Hohennauen aus dem Jahr 1792 am nördlichen Ende des Gutsparkes. Der einfache zweigeschossige Putzbau von elf Achsen besitzt ein Walmdach. Im Inneren findet sich eine Eichenholztreppe mit ovalem Auge. Nach 1945 wurde der Bau als Kinderheim genutzt. Schloss Hohennauen, ursprünglicher Fachwerkbau, später als eingeschossige Dreiflügelanlage mit Wirtschaftsgebäuden umgebaut. Das Schloss wurde unter der Herrschaft des Hans Ehrentreich von Bornstedt im Jahr 1778 erheblich umgestaltet. Nach 1928 wurde der Bau stark verändert und erhielt den Mittelrisalit und diente als Schule. Dorfkirche Wassersuppe, ein Fachwerkbau mit Dachturm aus dem Jahr 1756, im 19. Jahrhundert als Backsteinbau umgebaut. Der hölzerne Kanzelaltar aus dem Jahr 1703 stammt von Johann Christoph Richter, die Kanzel aus dem frühen 15. Jahrhundert. Dorfkirche Witzke, ein Fachwerkbau mit Dachturm, war angeblich die ärmste Kirche der Mark Brandenburg Barocke Dorfkirche Hohennauen aus dem Jahr 1724. Der Westturm stammt vom romanischen Vorgängerbau aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Er ist ein typischer Wehrturm mit Schießscharten. Sehenswert sind der geschnitzte Altaraufsatz, die Kanzel von 1610, das Taufbecken aus Sandstein von 1603 und die Sandstein- und Holzepitaphe der Familien von der Hagen und Rauchhaupt-Bornstedt aus den Jahren 1759 bzw. 1708. Unter der Patronatsloge steht der um 1769 entstandene prunkvolle Sandsteinsarkophag der Katharina Hedwig von der Hagen mit Allianzwappen und Inschriften. Mehrere Gemälde aus dem 18. Jahrhundert zieren das Innere. Zwischen den Orten Elslaake und Witzke liegt der bereits erwähnte Burgwall Hohennauen-Witzke.
Verkehr Durch den Ort führt die B 102 von Rhinow nach Rathenow.
Der Haltepunkt Hohennauen lag an der 2003 stillgelegten Bahnstrecke Neustadt (Dosse)–Rathenow.
Persönlichkeiten Karl Theophil Guichard, auch Quintus Icilius (1724–1775), preußischer Offizier und Militärschriftsteller, gestorben in Wassersuppe Karl Wilhelm Heinrich von Kleist (1836–1917), preußischer Offizier, General der Kavallerie, geboren in Hohennauen
Weblinks
Gemeinde Seeblick beim Amt Rhinow Geschichtliches und Etymologisches zum Ortsteil Wassersuppe
Einzelnachweise
Kategorie:Gemeindegründung 2001