mini|300px|Blick auf Eislingen mit Hohenstaufen
Eislingen/Fils ist eine Große Kreisstadt im Landkreis Göppingen in Baden-Württemberg und gehört zum Regierungsbezirk Stuttgart.
Geographie Eislingen liegt im Filstal an der Mündung der Krumm in 320 bis 480 Meter Höhe und gehört zur inneren Region Stuttgart. Die Nachbarstädte sind im Uhrzeigersinn von Westen Göppingen, Ottenbach, Salach, Süßen und Göppingen-Holzheim.
Stadtgliederung Zur Gemeinde gehören das gleichnamige Stadtgebiet, der Weiler Eschenbäche, der Stadtteil Krummwälden und die Höfe Näherhof, Stumpenhof und Täleshof sowie die abgegangenen Ortschaften Ehrenstetten, Brunnenweiler und Hammertsweil.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2, S. 306–308. Auf dem Gebiet des ehemaligen Brunnenweilers befindet sich heute ein gleichnamiges Wohngebiet am Rande der Nordstadt.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Eislingen/Fils.
Geschichte Vor der Erwähnung Eislingens Um 125 n. Chr. befand sich im heutigen Eislingen ein römisches Holz-Erde-Kastell (Kastell Eislingen-Salach). Sein lateinischer Name und seine Garnison sind unbekannt. Das Kastell bestand vermutlich nicht länger als bis zur Verlegung des Limes vom Filstal in das Remstal um das Jahr 159 n. Chr. Das Kastell kann die Grenze der römischen Provinzen Rätien und Obergermanien markiert haben, deren exakter Nord-Süd-Verlauf im Raum Eislingen unbekannt ist. Um das Jahr 500 zeigten sich erste Spuren alemannischer Besiedlung. An der Gemarkungsgrenze zu Göppingen könnte der Fund einer Fibel auf eine Besiedlung im späten 3. Jahrhundert hinweisen.
Frühe Geschichte des Ortes als Isininga und Ußlingen 861 wird Eislingen erstmals in der Stiftungsurkunde des Klosters Wiesensteig als Isininga erwähnt. Etwa 250 Jahre später hatte Württemberg erstmals Besitzungen in Ußlingen, die aber bereits um 1100 an das Kloster Blaubeuren kamen. Das spätere Großeislingen bezieht sich auf den alten Ort Isininga, Ußlingen oder Isiningen. Kleineislingen entstand entweder erst später oder erlangte erst später einen Rang, sodass man der Siedlung einen eigenen Namen gab.
Geschichte Großeislingens 1343 kam Großeislingen (Isiningen) aus dem Besitz der Rechberger in die Abhängigkeit der Bischöfe von Würzburg. 1492 kaufte Graf Eberhard V. von Württemberg, der nachmalige Herzog Eberhard im Bart, ein Drittel des Ortes. Diese württembergische Beteiligung an Großeislingen blieb bis zum Ende des Heiligen Römischen Reichs bestehen, während sich die Besitzverhältnisse im Ortsteil des Hochstiftes Würzburg deutlich wechselhafter verhielten. mini|links|Die Stadtbücherei in Eislingen 1769 wurde das Eislinger Schloss durch den Freiherrn Constantin Adolph von Welden erbaut. Im Lauf der Zeit bis 1803 erlebte Großeislingen bald mehrfach wechselnde und aufteilende Herrschaften, so dass zwischendurch bis zu drei Bestandteile des Dorfes existierten und der Ort lange Zeit als Territorium non clausum (wörtl.: nicht abgeschlossenes Gebiet) anzusehen war, bei dem die Rechte Württembergs mit reichsritterschaftlichen und Würzburger Rechten sich überschnitten. Ähnliche Herrschaftsverhältnisse sind sonst vor allem in Franken bekannt. Vor 1803 befand sich der Ort überwiegend zu einem Drittel unter württembergischer und zu zwei Dritteln unter Würzburger bzw. reichsritterschaftlicher Herrschaft. 1803 kamen durch den Reichsdeputationshauptschluss die nichtwürttembergischen 2/3 des Ortes vom Besitz der Grafen Degenfeld-Schomburg an das Kurfürstentum Bayern. Drei Jahre später, 1806, fiel dieses Gebiet zusammen mit weiteren Gebieten im heutigen Landkreis Göppingen durch Staatsvertrag vom Königreich Bayern an das Königreich Württemberg und wurde dem Oberamt Göppingen zugeordnet.
Geschichte Kleineislingens mini|Kleineislingen in einer Darstellung von Andreas Kieser
Kleineislingen befindet sich an der Filsstraße, einer historischen Handelsroute, die Teil eines Netzes von Handelswegen war, das Europa durchspann. Dadurch war der Ort schon sehr früh am Verkehr und am Marktgeschehen orientiert. 1492 kaufte der württembergische Graf Eberhard im Bart den Hinterbliebenen des Göppinger Bürgers Werner Wernzhäuser das Dorf Kleineislingen (Clein-Yslingen) ab. Damit gehörte der Ort seit 1492 zu Württemberg, mit Ausnahme eines Forstes, der im Besitz der Grafen von Helfenstein war und zunächst blieb.
Geschichte Krummwäldens Der Ortsteil Krummwälden wird erstmals 1275 genannt. Als Weiler der Gemeinde Großeislingen teilte er meist deren Geschichte und verblieb mit dieser bei der Vereinigung der beiden Eislingen bei der neugegründeten Stadt.
Gemeinsame Geschichte beider Eislingen vor der Vereinigung In der Neuzeit erlebte der Ort unter anderem dank dem Anschluss an die Filstalbahn einen Aufschwung in der Industrialisierung. Der Bahnhof Eislingen (Fils) wurde 1847 in seiner ersten Form bei der Errichtung der Strecke erbaut, womit Eislingen an das Netz der Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen angeschlossen war.
1873 wurde der Eislinger Turnverein gegründet. Am 24. September 1933 wurden Großeislingen, die heutige Nordstadt, und Kleineislingen, die jetzige Südstadt, vereinigt und unter dem Namen Eislingen/Fils zur Stadt erhoben.
Geschichte der vereinten Stadt Eislingen Bei der Verwaltungsreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Eislingen 1938 zum Landkreis Göppingen. 1940 wurde mit dem Bau der Struttsiedlung begonnen, der nach dem Krieg ab 1951 mit der angrenzenden Vogelgartensiedlung fortgeführt wurde. 1945 wurde die Stadt Teil der Amerikanischen Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging. Durch den Zuzug von Flüchtlingen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten wuchs die Stadt stark an und überschritt noch bis zu den 1960er Jahren die 15.000-Einwohner-Marke. Nach vollzogener Aufnahme der Flüchtlinge legte sich dieses starke Bevölkerungswachstum bald wieder. 1969 wurde das Erich-Kästner-Gymnasium eröffnet, das Schüler aus Eislingen und den Gemeinden Salach und Ottenbach aufnimmt. 2009 wurde der Vierfachmord von Eislingen begangen, der zusammen mit dem anschließenden Prozess Aufsehen erregte. Durch Beschluss vom 26. Juli 2011 hat die Landesregierung von Baden-Württemberg Eislingen mit Wirkung vom 1. Januar 2012 zur Großen Kreisstadt erklärt.Gesetzblatt für Baden-Württemberg vom 13. Oktober 2011, S. 469.
Religionen mini|hochkant|Eislingen, Federzeichnung für„Sonntagsfahrt ums Filstal“ von Margret Hofheinz-Döring
Das Christentum besteht im Eislinger Gebiet seit dem 7. Jahrhundert, und man nimmt an, dass bereits zu dieser Zeit eine kleinere Kirche gebaut wurde. Eislingens erste Pfarrei soll im Jahr 1348 in Groß-Eislingen, also nördlich der Fils, entstanden sein. Politisch war Groß-Eislingen auf verschiedene kleine Herrschaften und Klöster aufgeteilt. Nach der Reformation gelangte der überwiegende Teil an das Hochstift Würzburg, welches sein Gebiet an verschiedene Herrschaften zu Lehen vergab. Etwa ein Drittel des Ortes war durch die Klöster Adelberg und Blaubeuren sowie das Stift Faurndau an Württemberg gekommen. Zunächst wurde im ganzen Ort die Reformation eingeführt. Im würzburgischen Teil wurde ab 1592 durch die Herren von Rechberg die Gegenreformation eingeführt, so dass die Pfarrkirche St. Maria (ab 1884 St. Markus) von Groß-Eislingen künftig wieder katholisch war. Die evangelischen Bewohner von Groß-Eislingen wurden dann von Klein-Eislingen betreut. 1903 wurden in Groß-Eislingen wieder eine evangelische Pfarrei errichtet und 1906 eine eigene Kirche, die Christuskirche erbaut. Krummwälden war ebenso wie Groß-Eislingen politisch geteilt. Im württembergischen Teil wurde die Reformation eingeführt, der rechbergische und Bubenhofener Teil blieb katholisch. Im Gegensatz zu Groß-Eislingen, das überwiegend katholisch blieb bzw. durch die Gegenreformation wieder katholisch geworden war, war Klein-Eislingen nach der Reformation durch Württemberg ein evangelischer Ort. Zunächst Filiale von Holzheim, wurde Klein-Eislingen 1863 eigene Pfarrei. - In Eislingen/Fils gibt es heute die aktiven Kirchengemeinden:
Evangelische Kirchengemeinden, zum Kirchenbezirk Göppingen gehörig: die ChristuskirchengemeindeWebsite der Evangelischen Kirchengemeinde Eislingen-Ottenbach mit der Christuskirche (siehe unten: Bauwerke). Die Gemeinde umfasst Teile der Stadt und zwar überwiegend die ehemalige Gemeinde Groß-Eislingen nördlich der Fils sowie den Stadtteil Krummwälden und die Gemeinde Ottenbach. die LutherkirchengemeindeWebsite der Evangelischen Kirchengemeinde Eislingen Lutherkirche mit der Lutherkirche (siehe unten: Bauwerke).
Katholische Kirchengemeinden: St. Markus mit St. Jakobus in Krummwälden. Liebfrauen.
Im Altenzentrum St. Elisabeth, das vom kath. Kranken- und Wohlfahrtspflegeverein St. Markus betrieben wird, befindet sich eine Kapelle, in der katholische und evangelische Gottesdienste stattfinden.
Daneben gab es von 1921 bis 2019 in Eislingen/Fils eine Neuapostolische Kirche. Die Kirchengemeinde wurde am 20. November 2019 von Apostel Volker Kühnle profaniert. Die Gemeinde Eislingen wurde in die Neuapostolische Kirche von Süßen integriert.NAK EislingenNAK Eislingen: Profanierung der Eislinger Kirche.
Einwohnerentwicklung Die Einwohnerentwicklung der Stadt Eislingen und ihrer Vorgängergemeinden seit 1837 (Zahlen vor 1933 geben die Summe beider Eislingen wieder): mini|300px|Einwohnerentwicklung von Eislingen von 1837 bis 2015 Datum Einwohner 1837 2.341 1844 2.240 1871 3.013 1880 3.559 1890 4.059 1900 5.305 1907 6.370 1910 7.501 1925 8.526 1933 9.139 Datum Einwohner 17. Mai 1939 9.342 13. Sept. 1950 13.399 1956 14.564 6. Juni 1961 15.648 31. Dez. 1961 15.837 31. Dez. 1965 17.328 27. Mai 1970 18.032 31. Dez. 1975 18.570 31. Dez. 1980 18.235 31. Dez. 1985 17.810 Datum Einwohner 25. Mai 1987 17.217 31. Dez. 1990 17.934 31. Dez. 1995 19.294 31. Dez. 2000 19.886 31. Dez. 2005 20.446 31. Dez. 2010 20.364 31. Dez. 2015 20.177 31. Dez. 2020 21.243
Aufgrund seiner relativ geringen Fläche ist Eislingen die am dichtesten besiedelte Stadt im Landkreis Göppingen und eine der am dichtesten besiedelten Städte im weiteren Umland.
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Eislingen besteht aus den 22 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Oberbürgermeister als Vorsitzendem. Der Oberbürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis (mit Vergleichszahlen der vorigen Wahl):Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums
Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019CDUChristlich Demokratische Union Deutschlands 26,65 6 28,60 6FWVFreie Wählervereinigung Eislingen 23,27 5 28,88 6SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands 13,69 3 20,24 5GrüneBündnis 90/Die Grünen 12,75 3 22,28 5EDMEislingerDemokratischeMitte 11,85 3 – –WIEWir für Eislingen 11,79 2 – – Gesamt 100 % 22 100 % 22 Wahlbeteiligung 47,45 % 50,93 %
Bürgermeister Schultheißen der Gemeinde Klein-Eislingen bis 1933 um 1508: Lienhard Ried um 1591: Ulrich Ried um 1682: Hans Ried um 1685: Jakob Link um 1694: Georg Engenwalt um 1700: Georg Kellenbenz um 1710: Adam Kötzle um 1711: Johann Bihler und Bißer um 1723: Leonhard Schuster um 1736: Johannes Rupp um 1740: Jakob Kellenbenz um 1761: Bernhard Kötzle um 1776: Leonhard Kötzle um 1790: Hans Georg Blessing um 1799: Johannes Rapp, dann Vetter und Holl um 1830: Stübler, dann Rapp, Haug und Nieß 1868–1884: Leo (1860 von Gschwend zugezogen) 1884–1890: Kleindienst (erster Fachmann) 1890–1906: Scheer (geb. 31. März 1864 in Klein-Eislingen) 1907–1932: August Umgelter (geb. 1. Februar 1872 in Stuttgart, zuvor 17 Jahre Holzheimer Schultheiß)