Die Oberpfalz ist ein Regierungsbezirk und flächengleich auch ein Bezirk (dritte kommunale Ebene) im Nordosten des Freistaates Bayern. Sie grenzt an Tschechien und an die bayerischen Regierungsbezirke Oberbayern, Niederbayern, Mittelfranken und Oberfranken.
Verwaltungssitz des Bezirks Oberpfalz und Sitz der Regierung der Oberpfalz ist Regensburg. Bis zum Jahr 1954 wurden die Regierungsbezirke Niederbayern und Oberpfalz gemeinsam verwaltet.
Der Name Oberpfalz leitet sich von der historischen Oberpfalz ab.
Gliederung Aktuelle Gliederung Der Regierungsbezirk Oberpfalz umfasst drei kreisfreie Städte und sieben Landkreise:
Kreisfreie Städte Amberg Regensburg Weiden
Landkreise Landkreis Amberg-Sulzbach Landkreis Cham Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz Landkreis Neustadt an der Waldnaab Landkreis Regensburg Landkreis Schwandorf Landkreis Tirschenreuth
Vor der Kreisreform
Vor der Landkreisreform am 1. Juli 1972 hatte der Regierungsbezirk Oberpfalz fünf kreisfreie Städte und neunzehn Landkreise. mini|Alte Landkreisgrenzen Kreisfreie Städte: Amberg Neumarkt in der Oberpfalz (heute Große Kreisstadt im gleichnamigen Landkreis) Regensburg Schwandorf (heute Große Kreisstadt im gleichnamigen Landkreis) Weiden in der Oberpfalz
Landkreise: Landkreis Amberg Landkreis Beilngries Landkreis Burglengenfeld Landkreis Cham Landkreis Eschenbach in der Oberpfalz Landkreis Kemnath Landkreis Nabburg Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz Landkreis Neunburg vorm Wald Landkreis Neustadt an der Waldnaab Landkreis Oberviechtach Landkreis Parsberg Landkreis Regensburg Landkreis Riedenburg Landkreis Roding Landkreis Sulzbach-Rosenberg Landkreis Tirschenreuth Landkreis Vohenstrauß Landkreis Waldmünchen
1939 bis 1945 Von 1939 bis 1945 gehörte zu Niederbayern-Oberpfalz ein Teil des Sudetenlands, das nach dem Münchner Abkommen von 1938 von der Tschechoslowakei annektiert worden war.Gesetz über die Gliederung der sudetendeutschen Gebiete vom 25. März 1939 (RGBl. I S. 745) Aus diesem Gebiet im Böhmerwald wurden drei Landkreise gebildet: Landkreis Bergreichenstein Landkreis Markt Eisenstein Landkreis Prachatitz Vom Landkreis Markt Eisenstein wurden 1940 11 Gemeinden abgetrennt und dem Landkreis Waldmünchen zugeteilt.Bekanntmachung über die Änderung der Gebiete der Landkreise Markt Eisenstein und Waldmünchen. Vom 9. Juli 1940 (GVBl. Nr. 20/1940, S. 136)
Bevölkerungsentwicklung Bevölkerungsentwicklung Jahr 1840 1871 1900 1925 1939 1950 1961 1970 1987 2004 2016 20182020 Einwohner 459.571 501.950 558.394 636.845 694.742 905.822 898.580 963.833 969.858 1.090.289 1.098.378 1.109.2691.112.267 Die Statistik spiegelt ein gleichmäßiges Wachstum wider; das sollte aber nicht überbewertet werden. Lokal gab es teilweise gravierende Unterschiede. Momentan wachsen Stadt und Landkreis Regensburg dynamisch, während im Norden der Oberpfalz die Bevölkerungszahlen seit 20 Jahren rückläufig sind. Der Ausländeranteil liegt aktuell (2018) bei 8,75 % und damit deutlich unter dem bayerischen Durchschnitt (13,20 %). Einem Sterbeüberschuss von 2960 Personen stand 2015 ein Wanderungszugewinn von 12.138 Personen gegenüber. 2017 betrug der Sterbeüberschuss 1963 Personen bei 9982 Geburten. Eine positive natürliche Bevölkerungsentwicklung wies (2017) nur die Stadt Regensburg auf (+201 Personen).
Sprache Fast die gesamte Oberpfalz gehört zum bairischen Sprachraum.
Im Norden und in der Mitte der Oberpfalz wird Nordbairisch gesprochen, im Süden der Oberpfalz, ab Waldmünchen und Burglengenfeld, beginnt ein breiter sprachlicher Mischraum zwischen Nord- und Mittelbairisch. Im Chamer Becken tendieren die Mundarten zum Niederbayerischen und im Regensburger Raum eher nach Oberbayern. Es gibt einen deutlichen Unterschied zwischen Sprechern aus Regensburg und Straubing, obwohl auch Straubing noch zu dieser Mischzone gehört.
Das Nordbairische ist eine urtümliche Variante des Bairischen, die noch viele Archaismen bewahrt, die im zentralen mittelbairischen Sprachraum schon ausgestorben sind. Es hat viele lautliche Eigenheiten, die es teilweise mit den benachbarten ostfränkischen Dialekten teilt. Das Nordbairische zeichnet sich besonders durch die „gestürzten Diphthonge“ (voraus lagen mhd. uo, ië und üe) und die diphthongierten mittelhochdeutschen Langvokale â, ô, ê und œ aus; beispielsweise entsprechen den standarddeutschen Wörtern Bruder, Brief und müde (monophthongierte Vokale) hier Brouda, Brejf und mejd (zuerst Monophthongierung, danach erneute Diphthongierung) anstatt Bruada, Briaf und miad (erhaltene Diphthonge) wie im Mittelbairischen südlich der Donau. Weiterhin entspricht beispielsweise dem standarddeutschen Schaf hier Schòuf (mittelbair. Schòòf), rot hier ròut/rout (mittelbair. rot/rout), Schnee hier Schnèj (mittelbair. Schnèè), oder böse hier bèjs (mittelbair. bèès).
Bei den Dialekten im Westen und im Nordwesten des nordbairischen Sprachraums ist charakteristisch auch eine Hebung der Vokale e (und ö nach Entrundung) und o zu i und u zu verzeichnen, beispielsweise Vuugl und Viigl, im Gegensatz zu den südlicheren Formen Voogl und Veegl für standardsprachlich Vogel und Vögel. Diese Hebung gilt auch als charakteristisches (ost-)fränkisches Merkmal. Im Nordosten des Sprachraums werden diese Laute zu den Diphthongen ua und ia, also Vuagl und Viagl.
Verkleinerungs- und Koseformen enden in der Mehrzahl meist auf -(a)la, in der Einzahl auf -(a)l, beispielsweise Moidl = Mädchen, d’ Moi(d)la = die Mädchen. Die Endung -en nach k, ch und f ist in den nördlicheren nordbairischen Dialekten als Konsonant erhalten geblieben, beispielsweise hockn, stechn, hoffn, Soifn (= Seife). In den südlicheren nordbairischen Dialekten ist sie wie in den mittelbairischen weiter im Süden zu -a geworden, also hocka, stecha, hoffa, Soifa. Kennzeichnend ist auch die Form niad für mittelbairisch net und die vielfältigen Formen des Personalpronomens für die 2. Person Plural: enk, enks, ees, èts, deets, diits, diats u. a.
Größte Städte der Oberpfalz
Stadt Landkreis Einwohner Bild Regensburg kreisfrei 151.465 100px|Regensburger Dom Amberg kreisfrei 42.217 100px|Stadtbrille und St. Martin Amberg Weiden kreisfrei 42.444 100px|Weidener Rathaus Neumarkt Neumarkt in der Oberpfalz 41.103 100px|Neumarkter Altstadt Schwandorf Schwandorf 29.929alt=|101x101px|Schwandorfer Marktplatz
Geografie Die Oberpfalz ist eine Landschaft mit Mittelgebirgen und in den flacheren Regionen mit zahlreichen Weihern und Seen. Sie hat im Vergleich zu anderen Regionen in Deutschland eher ländlichen Charakter, ist dünner besiedelt und grenzt (im Uhrzeigersinn von Norden aus) an Oberfranken, Tschechien, Niederbayern, Oberbayern und Mittelfranken.
Bemerkenswerte Landschaften sind: Stiftland, ehemaliges Reichsstift und Herrschaftsbereich des Klosters Waldsassen mit dem Marktort Konnersreuth, dem Kloster Fockenfeld, der Stadt Waldsassen und etwa 150 weiteren Ortschaften. Oberpfälzer Wald mit tiefen Tälern und vielen Burgen Oberpfälzer Seenland mit dem großen Steinberger See Oberpfälzer Jura, ein Teil des Fränkischen Juras Steinwald mit den flankierenden Basaltkuppen Großer Teichelberg und Armesberg Waldnaab/Wondrebsenke Bayerischer Wald, zusammen mit dem Böhmerwald ein weitflächiges Naturschutzgebiet. Ein Felsriegel westlich vom Gipfelkreuz des Großen Arber () stellt mit den höchsten Punkt der Oberpfalz dar. Naabtal Vilstal Laabertal Donauniederung, westlicher Teil des Gäuboden Unterbayerisches Hügelland südlich der Donau
Die Oberpfalz ist ein Vulkangebiet, welches im Tertiär mit ca. 150 Vulkanen aktiv war. Zusammen mit dem tschechischen Westböhmen fand eine jüngere vulkanische Aktivität im Pleistozän am Eisenbühl, dem Kammerbühl und dem Neualbenreuther Maar statt.
Der geografische Mittelpunkt der Oberpfalz befindet sich auf dem Gemeindegebiet des Marktes Schwarzenfeld. Der von der Bayerischen Vermessungsverwaltung errechnete Punkt liegt in einer ehemaligen, mittlerweile gefluteten Tongrube in der Nähe des Ortsteiles Frotzersricht ().
Schutzgebiete Im Regierungsbezirk gibt es 62 Naturschutzgebiete, 86 Landschaftsschutzgebiete, 95 FFH-Gebiete, 14 EU-Vogelschutzgebiete und mindestens 570 Geotope (Stand März 2017). Das größte Naturschutzgebiet im Bezirk ist die Regentalaue zwischen Cham und Pösing.
Siehe auch: Liste der Naturschutzgebiete in der Oberpfalz Liste der Landschaftsschutzgebiete in der Oberpfalz Liste der FFH-Gebiete in der Oberpfalz Liste der EU-Vogelschutzgebiete in der Oberpfalz Liste der Geotope in der Oberpfalz
Geschichte
Historisch ist die Oberpfalz mit dem bayerischen Nordgau des 7. bis 14. Jahrhunderts identisch. Der Name des Regierungsbezirkes Oberpfalz steht im direkten Zusammenhang mit dem Begriff der Königspfalz und dem davon abgeleiteten Namen der Kurpfalz (siehe auch Pfalz (Bayern)).
Nach dem Tod Ludwigs II. des Strengen teilte sich das Haus Wittelsbach 1329 (Hausvertrag von Pavia) in die ältere, pfälzische und die jüngere, bayerische Linie, wobei die Pfälzer Linie einen Teil der Gebiete in Nordbayern erhielt, die später zur Unterscheidung von der am Rhein gelegenen Unterpfalz Obere Pfalz gen Bayern genannt wurden. Aus dieser Bezeichnung entstand Anfang des 19. Jahrhunderts der Name Oberpfalz im Zuge der Neuordnung des Königreiches Bayern. Die Oberpfalz wurde seit 1329 von Heidelberg aus regiert; sie wurde im 16. Jahrhundert protestantisch. Nach der Niederlage des Kurfürsten Friedrich V. in der Schlacht am Weißen Berg bei Prag am 8. November 1620 wurden die kurpfälzischen Teile der Oberpfalz 1621 von Bayern besetzt, rekatholisiert und 1628 annektiert. Die oberpfälzischen Gebiete der Herzogtümer Pfalz-Neuburg und Pfalz-Sulzbach blieben unangetastet. Die Verlagerung der Handelsstraßen nach Prag und Nürnberg, die Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges sowie die Vertreibung der Protestanten, die nicht zur katholischen Kirche übertreten wollten, verursachten einen wirtschaftlichen Niedergang der Oberpfalz. mini|Karte der Oberpfalz um 1700 Für die nunmehr kurbayerische Oberpfalz wurde das Rentamt Amberg eingerichtet. Der Süden der heutigen Oberpfalz, etwa südlich von Chamb und Regen, gehörte schon vor dem Dreißigjährigen Krieg zum niederbayerischen Rentamt Straubing.
Von 1806 bis 1808 wurde das Königreich Bayern in fünfzehn Kreise eingeteilt, deren Namen sich nach Flüssen richteten. Der Regenkreis umfasste zunächst dreizehn Landgerichte und seit 1809 die kreisunmittelbare Stadt Straubing. 1810 wurde er erheblich vergrößert, unter anderem durch das Fürstentum Regensburg. Danach wurde Regensburg Sitz des Generalkreiskommissariats. Der Regenkreis gab aber auch Gebiete an den Unterdonaukreis ab.