Politik bezeichnet die Strukturen (Polity), Prozesse (Politics) und Inhalte (Policy) zur Regelung der Angelegenheiten eines Gemeinwesens durch allgemein verbindliche und somit in der Regel auf politischer Macht beruhende Entscheidungen.Dieter Fuchs, Edeltraud Roller: Politik. In: Dieselben (Hrsg.): Lexikon Politik: Hundert Grundbegriffe. Reclam, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-15-010628-0, S. 205–209.
Politik regelt dabei insbesondere das öffentliche, aber teilweise auch das private (Zusammen-)Leben der Bürger, die Handlungen und Bestrebungen zur Führung des Gemeinwesens nach innen und außen sowie die Willensbildung und Entscheidungsfindung über Angelegenheiten des Gemeinwesens.Manfred G. Schmidt: Politik. In: Derselbe: Wörterbuch zur Politik. 2., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 2004, ISBN 3-520-40402-8, S. 538–539.Eintrag: Politik. In: Klaus Schubert, Martina Klein: Das Politiklexikon. 7., aktualisierte und erweiterte Auflage. Dietz, Bonn 2020 (online auf bpb.de).Thomas Bernauer u. a.: Einführung in die Politikwissenschaft: Studienkurs Politikwissenschaft. Nomos, Baden-Baden 2009, S. 32. Abstrakt formuliert wird in der Politikwissenschaft auch von der „Verteilung von Werten (materiellen wie Geld oder nicht-materiellen wie Demokratie)“ gesprochen.Frank Schimmelfennig: Internationale Politik. Schöningh, Paderborn 2010, S. 19–21.
Wortherkunft Der Ausdruck Politik wurde, mit Umwegen über das Lateinische (politica, politicus, woraus auch Politikum abgeleitet ist), nach gebildet. Dieses Wort bezeichnete in den Stadtstaaten des antiken Griechenlands alle diejenigen Tätigkeiten, Gegenstände und Fragestellungen, die das Gemeinwesen – und das hieß zu dieser Zeit: die Polis – betrafen. Entsprechend ist die wörtliche Übersetzung von politiká anzugeben als „Dinge, die die Stadt betreffen“ bzw. die „politischen Dinge“. In dieser Bedeutung ist „Politik“ vergleichbar mit dem römischen Begriff der res publica, aus dem der moderne Terminus der „Republik“ hervorgegangen ist. Eine begriffsgeschichtlich besonders prominente Verwendung fand das Wort als Titel eines Hauptwerks des antiken Philosophen Aristoteles, der Politik (Πολιτικά).
Politikbegriffe mini|Niccolò Machiavelli in einem Bildnis von Santi di Tito mini|Max Weber (1894) mini|Systemtheorie Luhmanns alt=Deutscher Bundestag|mini|In Demokratien sind Parlamente wichtige Orte der politischen Entscheidungsfindung – hier der Deutsche Bundestag (2020). +Beispiele bekannter Politikdefinitionen Kategorie DefinitionMachtStaatFührungHierarchie / HerrschaftOrdnungFriedenFreiheitDemokratieKonsensKonfliktKampfKlassenkampf Die kontroversen Politikbegriffe und -definitionen können in drei Dimensionen sortiert werden, ohne dass diese sich untereinander ausschlössen.
Regierungszentriert versus emanzipatorisch Zu den regierungszentrierten oder gouvernementalen Politikbegriffen gehören die Konzepte Macht, Herrschaft und Führung. Im 19. Jahrhundert galt der Staat und seine Macht (Gewaltmonopol) als das Hauptwesen der Politik. Alle Machtphänomene wurden versucht dem Staat zuzuordnen. In den internationalen Beziehungen ist Macht bis heute einer der Grundpfeiler der Theoriebildung (vgl. zum Beispiel Politischer Neorealismus). Kurt Sontheimer (1962) weist auf die Gefahr hin, dass Politikwissenschaft bei diesem Politikverständnis leicht zum Handlanger der Macht und der Mächtigen werden kann.
Emanzipatorische Politikauffassungen konzentrieren sich dagegen auf Machtbeschränkungen durch Partizipation, Gleichheit und Demokratisierung als Gegengewicht zu einer ordnenden Macht. Dazu gehört auch die kritische Analyse der vorherrschenden Herrschaftsstrukturen und Gesellschaftskritik.
Normativ versus deskriptiv Zu den normativen Politikbegriffen lassen sich die Konzepte rechte Ordnung, Frieden, Freiheit und Demokratie zählen und insbesondere auch alle emanzipatorischen Politikdefinitionen. Dabei geht es nicht um die reine Beschreibung politischer Phänomene, sondern es wird ein wertender Soll- oder Zielwert als Hauptkategorie eingesetzt. Das Konzept Freiheit kann zum Beispiel als ein Gegenbegriff zum Konzept Macht oder Herrschaft verstanden werden. Meist werden harmonische Gemeinwohlvorstellungen angeboten, die sich nur schwer mit den heutigen pluralistischen Gesellschaftsbedingungen vereinbaren lassen. Ein spezielles Problem der Kategorie Frieden ist, dass sie nicht bloß die Abwesenheit von Gewalt, sondern auch den Abbau von Ungleichheiten meinen kann.
Die rein deskriptiven, also beschreibenden, Politikvorstellungen lehnen Sollwerte als Wesen der Politik ab. Zu ihnen zählen die in der Einleitung gegebene Politikdefinition, diejenige von Lehmbruch und die von David Easton (authoritative allocation of values; Systemtheorie). Ebenso wie die regierungszentrierten, Macht betonenden Politikbegriffe stehen diese in Gefahr, den Status quo zu stabilisieren und den gerade Herrschenden zu nutzen.
Konfliktorientiert versus konsensbezogen Konfliktorientierte Politikbegriffe gehen von der Existenz von Konflikten als unabänderlichen und notwendigen Erscheinungen des politisch-sozialen Lebens aus. Diese Konflikte müssten durch die politischen Prozesse geregelt werden. Die Voraussetzung für die Verwendung der Kategorie Konflikt ist, dass eine hinreichend flexible und stabile Gesellschaftsstruktur vorhanden ist, die die friedliche Konfliktaustragung zwischen den verschiedenen sozialen Gruppen mit ihren divergierenden Interessen ermöglicht. Zu den konfliktorientierten Politikbegriffen gehören neben dem deskriptiven systemtheoretischen Politikverständnis auch die Konflikttheorien von Ralf Dahrendorf und Lewis Coser, die Konflikte als die Triebkräfte jedes sozialen Wandels begreifen. Auch der marxistische Politikbegriff fußt auf Konflikt als Grundkategorie, nämlich dem Kampf der Klassen und ihrer Parteien um die Durchsetzung ihrer primär sozialökonomisch bedingten Interessen.
Im Gegensatz dazu ist bei konsensbezogenen Politikbegriffen das gesellschaftliche Gemeinwohl nur durch Konsens herstellbar. Zu diesen Politikbegriffen zählt neben dem klassischen emanzipatorischen Politikverständnis Jean-Jacques Rousseaus auch der Politikbegriff von Thomas Meyer.
Mehrdimensionaler Politikbegriff der jüngeren politikwissenschaftlichen Diskussion
Dimensionen der Politik
Auch ohne Entscheidung über die Hauptkategorie von Politik kann man drei Dimensionen unterscheiden, die uns eine begriffliche Klärung und Unterscheidung der komplexen Wirklichkeit der in verschiedener Gestalt auftretenden Politik ermöglichen. Dafür haben sich im deutschsprachigen Raum die englischen Bezeichnungen Policy, Politics und Polity eingebürgert.vgl. Karl Rohe 1994: S. 61 ff., dem dieses Kapitel folgt.
Policy: normative, inhaltliche Dimension Unterschiedliche normative Vorstellungen (wie etwas sein sollte) über den Inhalt, also Aufgaben und Ziele, von Politik, führen aufgrund begrenzter Mittel (Ressourcenknappheit) dazu, dass nicht alle Wünsche befriedigt werden können. Es kommt zu Interessenkonflikten innerhalb der unterschiedlichsten Politikbereiche, wie Sicherheitspolitik, Wirtschaftspolitik, Sozialpolitik und vielen weiteren. Diese Konflikte müssen im Sinne der Stabilität des politischen Systems durch Kompromisse und folgende allgemeinverbindliche Entscheidungen vermittelt werden.
Policy steht also für die inhaltliche Dimension der Politik. Bezüglich der Politik einer Partei oder Regierung umfasst der Begriff, was diese zu tun beabsichtigt bzw. auch tut. Dazu gehören neben den von einer Regierung vergebenen und bewilligten materiellen Gütern auch immaterielle Aspekte. Da aber die allermeisten Maßnahmen der Politik eine materiell-ökonomische Seite besitzen, können die öffentlichen Haushalte oder die eingebrachten Haushaltsentwürfe einen Eindruck geben welche policy ein Land bzw. eine Regierung umsetzt.
Wenn im Alltag von „guter“ und „schlechter Politik“ gesprochen wird, dann ist damit in der Regel die policy der Regierung gemeint. Insofern als die Bevölkerung damit beurteilt, was bei einer bestimmten Politik für wen dabei herauskommt, ist dies die Sicht der von politischen Entscheidungen Betroffenen. Die Beurteilungskriterien sind dabei in den pluralistischen Gesellschaften allerdings in der Regel sehr verschieden, abhängig von den jeweiligen Wert- und Gerechtigkeitsvorstellungen, abhängig davon, mit welchen gesellschaftlichen Gebilden (einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe oder Klasse, der Nation oder einem über die Landesgrenzen hinausreichenden gesellschaftlichen Kollektiv) sich identifiziert wird.
Da es in der policy stets um gesellschaftliche Inhalte, Werte und Interessen geht, geht es nie nur um die Antwort auf die Frage nach der besten Politik. Vielmehr stehen auch die an politischen Entscheidungsprozessen Beteiligten und die Konsequenzen der Entscheidung für den Einzelnen im Fokus der Analyse. Ebenfalls relevant ist die Frage nach den Begünstigten und den Belasteten.
Kategorien: Politisches Problem; Programme, Ziele, Lösungen; Ergebnisse der Politik; Bewertung der Politik
Bereiche der Gesamtpolitik nach der räumlichen Abgrenzung: Bundespolitik Europapolitik Kommunalpolitik Landespolitik Metropolenpolitik Mikropolitik Staatspolitik Stadtpolitik Weltpolitik
nach Sachgebieten: AbfallpolitikAbfallpolitik – abgerufen am 25. Februar 2023 Anleihenpolitik Antidiskriminierungspolitik Arbeiterschutzpolitik Arbeitsmarktpolitik Armutspolitik AsylpolitikAsylpolitik – abgerufen am 25. Februar 2023 Ausländerpolitik Außenpolitik Bankenpolitik Baupolitik Beamtenpolitik Behindertenpolitik Bildungspolitik Bürgerpolitik Demografiepolitik,Demografiepolitik - Die Demografiestrategie der Bundesregierung Demografiepolitikziel Digitalisierungspolitik Drogenpolitik Eisenbahnpolitik Energiepolitik Entschädigungspolitik Entwicklungspolitik Erdölpolitik Erinnerungspolitik Familienpolitik Filmpolitik Finanzpolitik FlüchtlingspolitikFlüchtlingspolitik – abgerufen am 25. Februar 2023 Forschungspolitik Forstpolitik Frauenpolitik Gaspolitik Geburtenpolitik Gleichstellungspolitik Gesundheitspolitik Gewerkschaftspolitik GrenzpolitikGrenzpolitik – abgerufen am 12. April 2023 GrundstückspolitikLiegenschaftsfonds: Keine neue Grundstückspolitik – abgerufen am 25. Februar 2023 Impfpolitik InformationspolitikInformationspolitik – abgerufen am 15. April 2023 Innenpolitik InnovationspolitikInnovationspolitik – abgerufen am 25. Februar 2023 IntegrationspolitikIntegrationspolitik – abgerufen am 25. Februar 2023 internationale Kulturbeziehungen Internationale Politik Investitionspolitik Jagdpolitik Jugendpolitik Justizpolitik Landwirtschaftspolitik Kinderpolitik Kirchenpolitik KohäsionspolitikKohäsionspolitik – abgerufen am 25. Februar 2023 Kohlepolitik KriegspolitikKriegspolitik – abgerufen am 16. April 2023 Krisenpolitik Kulturpolitik Lohnpolitik Medienpolitik Mietenpolitik MigrationspolitikScharfe Kontroverse über die Migrationspolitik – abgerufen am 25. Februar 2023 Militärpolitik Minderheitenpolitik MusikpolitikMusikpolitik – abgerufen am 12. April 2023 PolizeipolitikPolizeipolitik – abgerufen am 25. Februar 2023 Rechtspolitik RohstoffpolitikRohstoffpolitik – PDF-Datei, abgerufen am 17. April 2023 RückkehrpolitikRückkehrpolitik – abgerufen am 25. Februar 2023 RüstungspolitikRüstungspolitik – abgerufen am 12. April 2023 SammlungspolitikSammlungspolitik – abgerufen am 16. April 2023 Schulpolitik SchutzpolitikSchutzpolitik – abgerufen am 15. April 2023 Sicherheitspolitik Sozialpolitik Sportpolitik Sprachpolitik Steuerpolitik StraßenpolitikStraßenpolitik Protestbewegungen in Ostmitteleuropa – abgerufen am 15. April 2023 Sündenbockpolitik Technologiepolitik Tierschutzpolitik Umweltpolitik Verbraucherschutzpolitik VerfassungspolitikVerfassungspolitik in der Europäischen Union – PDF-Datei, abgerufen am 16. April 2023 Verkehrspolitik