mini|hochkant=0.9|Hans Maier (April 2012)

Hans Maier (* 18. Juni 1931 in Freiburg im Breisgau; † 8. Juni 2026 in München) war ein deutscher Politikwissenschaftler, Publizist und Politiker (CSU). Er lehrte als Professor für politische Wissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München und war von 1970 bis 1986 bayerischer Staatsminister für Unterricht und Kultus.

Leben Ausbildung und Beruf Hans Maier wuchs in einem bäuerlich-katholischen Milieu auf. Nach seinen Angaben hielt sich seine Familie vom Nationalsozialismus fern. Bei einem Luftangriff auf Freiburg am 27. November 1944 seien er und seine Schwester verschüttet worden, Nachbarn hätten die beiden ausgegraben und ihnen somit das Leben gerettet.Ich habe eigentlich genug Hoffnung gespeichert. In: sz.de, 17. Juni 2021.

Nach seinem Abitur am Freiburger Berthold-Gymnasium studierte Hans Maier in Freiburg, München und Paris Geschichte, Germanistik, Romanistik und Philosophie. 1956 legte er das Staatsexamen für das höhere Lehramt in den Fächern Geschichte, Deutsch und Französisch ab und promovierte 1957 bei Arnold Bergstraesser zum Thema Revolution und Kirche. Studien zur Entstehungsgeschichte der christlichen Demokratie in Frankreich.

1962 habilitierte er sich mit der Schrift Die ältere deutsche Staats- und Verwaltungslehre – Polizeiwissenschaft und wurde nach mehreren Rufen im selben Jahr ordentlicher Professor für politische Wissenschaft am Münchner Institut für Politische Wissenschaft (wenig später in Geschwister-Scholl-Institut umbenannt) der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Er wird der Freiburger Schule der Politikwissenschaft zugerechnet. Er wurde in der Politikwissenschaft unter anderem durch seine Publikationen zum Thema Politische Religion bekannt. Von 1966 bis 1970 war er Vertreter Bayerns im Deutschen Bildungsrat und dessen stellvertretender Vorsitzender.

Von 1988 bis zu seiner Emeritierung 1999 übernahm er den Guardini-Lehrstuhl für Christliche Weltanschauung, Religions- und Kulturtheorie an der LMU München.

Politik mini|Hans Maier (Mitte) bei der Fronleich­namsprozession 1971 in der Münchner Ludwigstraße mini|Hans Maier (rechts) zeichnet Journa­listen aus (1976)

Von 1970 bis 1986 war Hans Maier bayerischer Kultusminister. Im Kabinett wurde ihm 1986 vorgehalten, „er unternehme zuwenig gegen ‚linke‘ Lehrer – zum Beispiel gegen Pädagogen, die auf Unterschriftenlisten einen Verzicht auf die Atomenergie und die WAA in Wackersdorf gefordert hatten“.Handlicher und spritziger – Bayerns Ministerpräsident Strauß wollte eigentlich »kein Massensterben« veranstalten – nun hat er doch das halbe Kabinett um- oder neubesetzt. In: Der Spiegel vom 2. November 1986. In Einvernehmen mit dem damaligen Erzbischof von München, Joseph Ratzinger, lehnte Maier als zuständiger Kultusminister den als links geltenden Johann Baptist Metz für den Lehrstuhl für Fundamentaltheologie an der Münchner Universität 1979 ab.Christian Modehn, Der Religionsphilosophische Salon: Halbe Wahrheiten im offiziell – katholischen Journalismus: Zu Prof. Hans Maier (CSU), Juni 2026, als Memento gespeichert

In den ersten Jahren seiner Amtszeit gehörte er weder dem Landtag noch der CSU an. 1978 wurde er für den Stimmkreis Günzburg in den Bayerischen Landtag gewählt, dem er bis zu seiner Mandatsniederlegung am 31. Dezember 1987 angehörte. Als der damalige Ministerpräsident Franz Josef Strauß nach der Landtagswahl 1986 das Kultusministerium in zwei Ressorts, Unterricht und Kultus einerseits und Wissenschaft und Kunst andererseits, aufteilte, trat Maier von seinem Amt zurück.

Engagement als Katholik Von 1976 bis 1988 war Maier Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, dem er auch später viele weitere Jahre angehörte. Von 1999 bis 2005 war er Vorsitzender der Stiftung Bibel und Kultur.

Maier kritisierte den Ende der 1990er Jahre unter anderem von Joseph Ratzinger (2005–2013 Papst Benedikt XVI.) betriebenen Ausstieg der Kirche aus der Schwangerenkonfliktberatung und engagierte sich für Donum vitae. Er kritisierte Papst Benedikt auch in seiner im Jahr 2011 veröffentlichten Autobiografie (siehe #Schriften), die er unter anderem in den Katholischen Akademien Berlin, Köln und Hamburg vorstellte. Als er das Buch in Regensburg vorstellen wollte, verbot der Bischof von Regensburg Gerhard Ludwig Müller ein Auftreten Maiers in kirchlichen Räumen des Bistums.

Weitere Tätigkeiten Im Jahre 1970 gehörte Hans Maier zum engsten Gründerkreis des eher konservativen Bundes Freiheit der Wissenschaft: Gemeinsam mit Richard Löwenthal und Hermann Lübbe formulierte er den Gründungsaufruf.

Von 1985 bis 1988 war Hans Maier Präsident des Deutschen Bühnenvereins. Zudem war er Mitherausgeber der Wochenzeitung Rheinischer Merkur.

Privates Maier lebte in München. Er war ab 1962 verheiratet und hatte sechs Töchter. Seine Ehefrau Adelheid geb. Dilly starb am 9. März 2026 im 88. Lebensjahr.https://trauer.merkur.de/traueranzeige/adelheid-maier-1938

mini|Hans Maier beim Gottesdienst an der Orgel (2012)

Maier war passionierter Organist und wirkte als Kirchenmusiker in Konzerten mit, die auch auf Schallplatten und CDs aufgenommen wurden. Er sprach fließend Latein.Wilfried Stroh: Latein ist tot, es lebe Latein! Kleine Geschichte einer großen Sprache, Ullstein, Berlin 2007, S. 290. Am 8. Juni 2026 starb Hans Maier zehn Tage vor seinem 95. Geburtstag in München und wurde am 17. Juni 2026 nach einem Pontifikalrequiem im Münchner Dom auf dem Friedhof am Perlacher Forst in unmittelbarer Nähe zur Grabstätte der Geschwister Scholl beigesetzt.

Auszeichnungen und Ehrungen 1972: Bayerischer Verdienstorden 1973: Ehrenring der Stadt Bamberg. 1973: Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland 1975: Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland 1975: Großkreuz des Silvesterordens 1978: Großes Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland 1981: Offizier der Ehrenlegion 1983: Großes Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland 1985: Jacob-Burckhardt-Preis der Goethe-Stiftung Basel 1986: Ehrenbürger der Stadt Ichenhausen 1986: Spidem-Kristall für Verdienste um das zeitgenössische Musikschaffen 1987: Deutscher Preis für Denkmalschutz: Karl-Friedrich-Schinkel-Ring 1987: Wilhelm-Hausenstein-Ehrung der Bayerischen Akademie der Schönen Künste 1987: Ehrensenator der Hochschule für Musik in Würzburg 1988: Ehrensenator der Hochschule für Musik in München 1989: Großkreuz des Päpstlichen Ritterordens des heiligen Gregors des GroßenAAS 82 (1990), n. 4, p. 409. 1993: Bayerischer Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst 1993: Werner-Egk-Preis der Stadt Donauwörth 1994: Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg 1996: Ehrenring der Görres-Gesellschaft 1996: Bayerische Verfassungsmedaille in Silber (1996) und Gold (1999) 1998: Ehrenmedaille in Gold der Elisabeth J. Saal-Stiftung für Humanistische Bildung in BayernAlfred Selmaier: Erschöpft sich Europa wirklich im Euro? 15 Jahre Bürgerinitiative zur Förderung der Humanistischen Bildung in Bayern: III. Laudatio. In: Forum Classicum 41, 1, 1998, S. 8–9. 1999: Cicero-Rednerpreis 1999: Romano-Guardini-Preis der Katholischen Akademie in Bayern 2005: Eugen-Kogon-Preis 2005: Bayerischer Kulturpreis 2009: Karl-Bosl-Medaille des Bayerischen Philologenverbands 2009: Namensgeber für die Hans-Maier-Realschule in Ichenhausen 2011: Großer Preis der Bayerischen Volksstiftung. In: Bayerische Volksstiftung. 2014: Karl-Jaspers-Preis 2017: Dolf-Sternberger-Preis

Mitgliedschaften in Akademien: seit 1976 Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung seit 2004 Bayerische Akademie der Wissenschaften

Ehrendoktortitel: 1982: Dr. jur. h. c. – Universität Tübingen 1988: Dr. jur. h. c. – Universität Bayreuth 1988: Dr. phil. h. c. – Universität Augsburg 1988: Dr. phil. h. c. – Universität Würzburg 1992: Dr. phil. h. c. – Universität Passau 1996: Dr. phil. h. c. – Universität Kiew 1996: Dr. phil. h. c. – Universität Bamberg

Schriften (chronologisch) Revolution und Kirche, Studien zur Frühgeschichte der christlichen Demokratie 1789–1850, Freiburg 1959/1965/1973. Thomas von Aquin. Paderborn 1961. Politische Wissenschaft in Deutschland. Aufsätze zur Lehrtradition und Bildungspraxis, München 1969. Kritik der Politischen Theologie. Einsiedeln 1970. Erfahrungen mit Johann Sebastiann Bach. [In:] Bachwoche Ansbach [...] 1985. Vortrag, Pressestimmen, Ansbach 1985. Politische Religionen – Die totalitären Regime und das Christentum. Herder, Freiburg im Breisgau 1995, ISBN 3-451-04414-5. Demokratie in der Kirche. Möglichkeiten und Grenzen. Mit Joseph Ratzinger (1970, auch französisch, spanisch, portugiesisch, italienisch, polnisch), Neuauflage: Matthias-Grünewald, Limburg/Lahn 2000, ISBN 3-7867-8348-9. Gesammelte Schriften. Beck, München 2006–2010: Band 1: Revolution und Kirche. Zur Frühgeschichte der christlichen Demokratie. Mit einem Nachwort von Bronisław Geremek. 2006, ISBN 978-3-406-55016-4. Band 2: Politische Religionen. Mit einem Nachwort von Michael Burleigh. 2007, ISBN 978-3-406-56216-7. Band 3: Kultur und politische Welt. Mit einem Nachwort von Harald Weinrich. 2008, ISBN 978-3-406-57156-5. Band 4: Die ältere deutsche Staats- und Verwaltungslehre. Mit einem Nachwort von Michael Stolleis. 2009, ISBN 978-3-406-57157-2. Band 5: Die Deutschen und ihre Geschichte. Mit einem Nachwort von Hans-Peter Schwarz. 2010, ISBN 978-3-406-57158-9. Böse Jahre, gute Jahre. Ein Leben 1931 ff. Autobiographie. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-61285-5. Die christliche Zeitrechnung. Ihre Geschichte – ihre Bedeutung. Herder, Freiburg im Breisgau 2013, ISBN 978-3-451-06397-8. Die Orgel. Kleine Geschichte eines großen Instruments. Beck, München 2016, ISBN 978-3-406-69758-6. Deutschland. Wegmarken seiner Geschichte. C.H. Beck, München 2021, ISBN 978-3-406-76453-0.

Literatur Ahmet Cavuldak (Hrsg.): Hans Maier. Werk und Wirken in Wissenschaft und Politik. Nomos, Baden-Baden 2021, ISBN 978-3-8487-7164-6. Horst Möller: Hans Maier zum 90. Geburtstag. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Jg. 69 (2021), Heft 3, S. 549–557. Thomas Noetzel: Hans Maier – Traditionsbestände des summum bonum. In: Hans Karl Rupp, Thomas Noetzel (Hrsg.): Macht, Freiheit, Demokratie. Band 2: Die zweite Generation der westdeutschen Politikwissenschaft. Schüren Verlag, Marburg 1994, S. 99–110. Heinrich Oberreuter: Verantwortung in Gesellschaft, Staat und Kirche: Hans Maier. In: Hans-Rüdiger Schwab (Hrsg.): Eigensinn und Bindung. Katholische Intellektuelle im 20. Jahrhundert. Butzon & Bercker, Kevelaer 2009, S. 615–630. Hans Otto Seitschek (Hrsg.): Christ und Zeit. Hans Maier zum 75. Geburtstag. Symposion an der Ludwig-Maximilians-Universität München am 17. Juni 2006. Akademischer Verlag, München 2007. Hans Otto Seitschek: Hans Maier (geboren 1931). In: Eckhard Jesse, Sebastian Liebold (Hrsg.): Deutsche Politikwissenschaftler – Werk und Wirkung. Von Abendroth bis Zellentin. Nomos, Baden-Baden 2014, S. 525–537. Theo Stammen, Heinrich Oberreuter, Paul Mikat (Hrsg.): Politik – Bildung – Religion. Hans Maier zum 65. Geburtstag. Schöningh, Paderborn u. a. 1996.

Weblinks

Website von Hans Maier mit ausführlicher Biografie und Bibliographie

Einzelnachweise

Kategorie:Publizist Kategorie:Vertreter der Freiburger Schule der Politikwissenschaft Kategorie:Landtagsabgeordneter (Bayern) Kategorie:CSU-Mitglied Kategorie:Ehrendoktor der Universität Augsburg Kategorie:Ehrendoktor der Otto-Friedrich-Universität Bamberg Kategorie:Ehrendoktor der Universität Bayreuth Kategorie:Ehrendoktor der Nationalen Taras-Schewtschenko-Universität Kiew Kategorie:Ehrendoktor der Universität Passau Kategorie:Ehrendoktor der Eberhard Karls Universität Tübingen Kategorie:Ehrendoktor der Julius-Maximilians-Universität Würzburg Kategorie:Ehrensenator der Hochschule für Musik Würzburg