Creophilus maxillosus ist ein Käfer aus der Familie der Kurzflügler. Die Gattung Creophilus ist in Europa nur mit dieser Art vertreten. Weltweit werden derzeit 16 Arten unterschieden. Creophilus maxillosus tritt in Europa in der Unterart Creophilus maxillosus maxillosus auf. Die hauptsächlich in Nordamerika auftretende Unterart Creophilus maxillosus villosus wurde früher als eigene Art Creophilus villosus geführt.

Der Käfer wird in der forensischen Entomologie zur Abschätzung des nach dem Tod vergangenen Zeitintervalls verwendet.

Bemerkung zum Namen Es ist nicht verwunderlich, dass die auffällige und häufige Art bereits 1758 in der zehnten Auflage von Linnés Systema Naturæ aufgeführt ist, in der erstmals die heute übliche binäre Nomenklatur verwendet wird. Linné beschreibt die Art unter dem Namen Staphylinus maxillosus. Er gibt vier ältere Quellen an, beispielsweise wurde der Käfer bereits 1746 von Linné selbst als Staphylinus ater glaber, maxillis longitudine capitis (lat. schwarzer haarloser Staphylinus mit Maxillen von der Länge des Kopfes) beschrieben. Der Namensteil maxillosus bezieht sich also auf die großen Maxillen (in Abb. 4 rot getönt). Diese Eigenschaft war jedoch höchstens zur Unterscheidung weniger Arten hilfreich, bei steigender Artenkenntnis ist die Maxillenlänge nicht mehr von diagnostischem Wert. Da Linnés Aussage Maxillen von der Länge des Kopfes nicht offenkundig ist, andererseits die Mandibeln (Abb. 9) deutlich länger sind als die Maxillen, wird in einem englischen Buch maxillosus undifferenziert als 'großkiefrig' (large-jawed) übersetzt und indirekt die Vermutung geäußert, dass Linné nicht die Unterkiefer, sondern die Oberkiefer gemeint hat.

Im Band Der Käfersammler der Illustrierte(n) Taschenbücher für die Jugend wird der Käfer wegen des hellen Bandes auf den stark verkürzten Flügeldecken unter dem deutschen Namen 'Weisshaar-Halbflügler' abgebildet. Dieser Name hat sich jedoch nicht durchgesetzt. In einem modernen Sachbuch trägt der Käfer den Namen 'Aas-Raubkäfer'.

Der Name Staphylinus findet sich bereits 1634 in Muffets Insectorum sive minimorum animalium theatrum. Muffet unterscheidet dabei zwei verschiedene Staphylinus. Noch in der neunten Auflage der Systema Naturae von 1756 unterscheidet Linné ebenfalls nur zwei Staphylinus. In der zehnten Auflage zwei Jahre später dagegen trennt Linné die Gattung Staphilinus bereits in 19 Arten. Als Autor der Gattung Creophilus gilt Leach 1819. Genauer betrachtet war es Samouelle, der 1819 veröffentlichte, dass er von Leach darüber informiert wurde, dass Kirby inzwischen die Gattung Creophilus mit dem Typus Creophilus maxillosus von der Gattung Staphylinus abgetrennt hatte. Deswegen findet man als Autor der Gattung gelegentlich auch Samouelle oder Kirby angegeben.

Der Name Creōphilus ist von ‚Fleisch‘ und ‚Freund‘ abgeleitet und spielt darauf an, dass man das Tier auf verrottendem Fleisch, insbesondere auf Äsern, findet (Taxobild).

Merkmale 270pxAbb. 1: Aufsicht (tiefschwarzer Fleck aufKopf und Halsschild ist Beleuchtungsartefakt)270pxAbb. 2: Unterseite Creophilus maxillosus maxillosus270pxAbb. 3: Seitenansicht Creophilus maxillosus villosus175px80pxAbb. 4: Kopf von unten, teilweise getönt: rot: Unterkiefer, grün: Kie-fertaster, blau: Lippentaster,weiße Pfeilspitze: ZungenspitzeAbb. 5: Mittelschiene175px85pxAbb. 6: Detail Kopf ab Auge undVorderecke BrustschildAbb. 7: Spitze des Fühlers270pxAbb. 8: Vorderschiene und Tarsus270pxAbb. 9: rechter Oberkiefer von schräg oben/innenUmriss der drei Zähnchen blau, grün und pink270pxAbb. 10: Wehrdrüsen ausgebreitet, Präparat, An-sicht von unten auf das Hinterleibsende, Sternite, Pleurite, Genitalien, Enddarm entfernt, mit Gewebe-resten; obere Hälfte teilweise durchscheinend kolo-riert, gelb: 8. Tergit, grün: 7. Tergit, rot: Gelenkhaut zwischen 7. und 8. Tergit: weiß: Wehrdrüse, Pfeil-spitze: Öffnung der Wehrdrüse.

270pxAbb. 11: Larve nach Westwood 18391 Aufsicht, 2 Ozellen, 3 Fühler, 4 Mandibel, 5 Maxille mit Taster, 6 Lippe mit Lippentaster, 7 Bein, 8 letztes Abdominalsegment seitlichx270pxAbb. 12: Larvenkopf von unten nach Kemnermd (Mandibel) Oberkiefer, mx (Maxille) Unterkiefer, l (Labium) Unterlippe, mtp (Mentum) Kinnx170pxx170pxAbb. 13: Puppe, linksAufsicht, rechts seitlichAbb. 14: AedeagusAufsicht und seitlich

Der fünfzehn bis fünfundzwanzig Millimeter lange Käfer ist kaum zu verwechseln. Kopf und Halsschild sind glänzend schwarz, der Kopf nur an den Schläfen, der Halsschild nur am Seitenrand behaart (Abb. 6). Über die Flügeldecken, die den größten Teil des Hinterleibs frei lassen, läuft eine unscharf begrenzte, breite, gezackte Querbinde aus grauen Haaren mit schwarzhaarigen Flecken. Der Hinterleib ist oberseits scheckig weißlich oder gelblich grau behaart, die Unterseite des Hinterleibs ist bei Creophilus maxillosus maxillosus dicht überwiegend hell behaart (Abb. 2), bei Creophilus maxillosus villosus nur vorne hell, hinten dicht dunkel behaart (Abb. 3). Verschieden Varianten sind beschrieben worden, teilweise auch als Unterarten oder eigene Arten (anonymus Sulzer, arcticus Erichson, balteatus De Geer, bicinctus Mannerheim, canariensis Bernhauer, ciliaris Stephens, ciliaroides Hatch, cinearius Erichson, fasciatus Laporte de Castelnau, fulvago Motschulsky, imbecillus Sharp, medialis Sharp, nebulosus Geoffroy, orientalis Motschulsky, pulchellus Meier, sikkimensis Wendeler, subfasciatis Sharp). Die genauere Unterscheidung der beiden Unterarten findet man bei Richardson, einen Schlüssel für einige der Varianten bei Fauvel.

Der Kopf ist hinten halsförmig abgeschnürt (Abb. 6). Bei Weibchen und schwächeren Männchen ist der Kopf abgerundet und verbreitert sich nach hinten (Abb. 2), bei starken Männchen ist er vor den Augen ebenso breit oder sogar etwas breiter als vor dem Hals (Abb. 1). Der Kopf ist oben mäßig dicht punktiert. Die großen ovalen Augen sitzen weit voneinander entfernt auf der Kopfoberseite. Sie sind fast flach und etwas schräg gestellt, vorn weiter voneinander entfernt als hinten. Die schnurförmigen Fühler sind schwarz und wenig länger als der Kopf. Sie sind elfgliedrig, die letzten fünf Glieder bilden eine gestreckte Keule, deren Glieder breiter als lang sind. Die ersten sechs Glieder sind glänzend und nur mit einzelnen abstehenden Haaren besetzt, die letzten fünf Glieder dicht pubeszent behaart und somit matt. Das Endglied ist deutlich länger als jedes der beiden vorausgehenden und endet konkav ausgeschnitten (nur bei entsprechender Ausrichtung sichtbar, wie in Abb. 7). Die Oberlippe ist breit und zweilappig (in Abb. 1 bei voller Vergrößerung gut erkennbar). Der linke Oberkiefer hat zwei kleine, etwa gleich große Zähne auf der Mitte des Innenrandes, die durch eine tiefe Kerbe getrennt sind. Der rechte Oberkiefer zeigt drei noch kleinere Zähne. Zwei liegen in Höhe der Schneide (in Abb. 9 grün und blau umrandet), der dritte liegt tiefer und ist in Aufsicht vom vorderen oberen Zähnchen verdeckt. Er wird erst sichtbar, wenn man mehr von innen betrachtet (in Abb. 9 pink umrandet). Der weiter hinter liegende obere Zahn (blau umrandet) ist bei starken Männchen deutlich mächtiger als die beiden anderen. Die Unterkiefer (in Abb. 4 rot getönt) tragen fadenförmige, viergliedrige Kiefertaster (in Abb. 4 grün getönt). Das Endglied ist kürzer als das dritte Glied. Die Unterlippe trägt eine ausgebuchtete, häutige Zunge (weiße Pfeilspitze in Abb. 4). Die daran dicht anliegenden, innen bewimperten, ledrigen Nebenzungen überragen die Zunge deutlich. Die dreigliedrigen Lippentaster (in Abb. 4 blau getönt) sind ebenfalls fadenförmig.

Der Halsschild ist deutlich breiter als lang. Die Vorderecken sind abgerundet. Zur Basis hin verschmälert sich der Halsschild und geht ohne erkennbare Hinterwinkel in die Basis über. Die Seitenränder sind sehr seicht ausgeschnitten. Seiten und Basis sind fein gerandet. Der Halsschild ist nur an den Rändern und dort sehr fein punktiert. Der hintere Teil der untergeschlagenen Seiten des Halsschilds (Epipleuren) ist so stark zurückgeschlagen, dass er selbst von der Seite betrachtet nicht sichtbar ist. In Abb. 2 sind lediglich bei der vorderen Hälfte des Halsschilds die Epipleuren als schmaler kahler Streifen erkennbar.

Die Flügeldecken sind gemeinsam etwas breiter als der Halsschild. Sie lassen die letzten sechs der acht Hinterleibstergite unbedeckt. Die Außenwinkel sind stark abgerundet, und sie treffen im stumpfen Winkel auf die Naht. Sie sind dicht mit etwa gleich langen kurzen Haaren bedeckt, aus denen mehrere vielfach längere Haare herausragen.

Die Hinterflügel sind voll entwickelt und funktionsfähig. In Ruhe werden sie mehrfach quer gefaltet unter den verkürzten Flügeldecken aufbewahrt.

Das Schildchen ist länger als breit und herzförmig dreieckig. Es ist dicht und stark punktiert und überwiegend grau behaart.

Die gescheckte Behaarung der Hinterleibsoberseite ist durch einen medianen schwarzen Mittelstreifen und kurze breite Querstreifen unterbrochen. Der Hinterleib endet abgerundet mit dem achten Tergit. Das neunte und zehnte Hinterleibssegment bilden die äußeren Sexualorgane und sind in den beiden Geschlechtern verschieden ausgebildet, zeigen aber in beiden Geschlechtern lang behaarte paarige Anhänge, bei getrockneten Exemplaren sind jedoch nur deren Spitzen sichtbar (Vergleiche Taxobild und Abb. 10 mit Abb. 1 und 2).

Hüfte, Schenkelring und Schenkel sind kurz schwarz behaart. Die Schienen sind lang stachelig behaart. Alle Schienen tragen auf der Unterseite zwei ungleich lange Enddornen, der deutlich längere liegt innen (Abb. 5). Bei den Vorderschienen sind die Enddornen jedoch zwischen einem Stachelkranz wenig auffällig. Die Tarsen sind fünfgliedrig. Die Tarsen der Vorderbeine sind rundlich erweitert (Abb. 6) und tragen unterseits ein Kissen aus Hafthaaren. Im Unterschied zur Gattung Staphylinus sind die Mittelhüften breit voneinander getrennt.

Abbildung 14 zeigt das männliche Geschlechtsorgan (Aedeagus). Eine genauere Zeichnung und die Abbildung der weiblichen Genitalien findet man bei Clarke. Eine sehr ausführliche Beschreibung des adulten Käfers mit vielen Detailzeichnungen findet sich bei Blackwelder.

Entwicklungsstadien Ei Das Ei hat eine Länge von zwei bis drei Millimetern bei einer Dicke von 1,5 bis zwei Millimetern. Es ist dünnschalig, opak und weiß bis cremefarbig.

Larvenstadien Die Larve wurde bereits 1839 von Westwood mit genauen Details gezeichnet (Abb. 11), allerdings war sich der Autor nicht darüber im Klaren, ob es sich dabei um die Larve von Goerius olens oder von Creophilus maxillosus handelte. Diese Unsicherheit wurde 1912 von Kemner dahingehend entschieden, dass es sich zweifelsfrei um die Larve von Creophilus maxillosus handelt. Kemner beschrieb die Larve erneut und ausführlicher.

Die frisch geschlüpfte Larve erreicht eine Länge von 5,5 bis sechs Millimetern bei einer Breite von 1,2 bis 1,5 Millimetern. Im letzten Stadium (Bilder im Netz) ist sie fünfundzwanzig bis dreißig Millimeter lang und fünf bis sieben Millimeter dick. Sie wird im Folgenden beschrieben.

Der Kopf ist rundlich und platt. Auf jeder Seite befinden sich vier Ozellen (Abb. 11, Detail 2). Die dreigliedrigen Fühler (Abb. 11, Detail 3) entspringen weit vorn, fast zwischen den Mandibeln (Abb. 11, Detail 4 und Abb. 12, md). Sie sind knapp zwei Millimeter lang. Der Bau der Maxille (Abb. 11, Detail 5 und Abb. 12, Mx) und der Unterlippe mit Lippentaster (Abb. 11, Detail 6 und Abb. 12, L) kann den Abbildungen entnommen werden.