Ottawa ( [], oder ) ist die Bundeshauptstadt Kanadas. Sie liegt im östlichen Teil der Provinz Ontario am Fluss Ottawa, unmittelbar an der Grenze zur Provinz Québec. Ottawa bedeutet „Händler“ in der Sprache der Algonkin, eines Volkes, das zur Zeit der Besiedlung am Fluss Handel trieb. Am anderen Ufer des Flusses liegt die Zwillingsstadt Gatineau. Ottawa selbst zählt 1.068.821 Einwohner (Zensus 2021) und ist damit die sechstgrößte Stadt Kanadas, der Großraum Ottawa-Gatineau ist mit 1.488.307 Einwohnern (Zensus 2021) die viertgrößte Metropolregion Kanadas.
Die Bevölkerung ist zu 63 % englisch- und zu 15 % französischsprachig. Ottawa ist in der Region die einzige offiziell zweisprachige Stadt. In der Stadt selbst überwiegt die englische Sprache, im Gegensatz zu dem auf der anderen Seite des Ottawa-Flusses gelegenen Gatineau, in dem die französische Sprache überwiegt. Durch eine große Einwandererzahl sind auch zahlreiche weitere Sprachen geläufig.
Die Wirtschaft der Hauptstadt wird hauptsächlich von zwei Sektoren getragen: zum einen durch die Arbeitsplätze der Bundesbehörden und der Bundesregierung, zum anderen von denen der Hochtechnologieindustrie. Ottawa belegt beim Bruttoinlandsprodukt und dem Nettoeinkommen der Angestellten vordere Plätze im landesweiten Vergleich und belegt den ersten Platz bei der Pro-Kopf-Zahl von Einwohnern mit akademischem Grad. (→ Bildung)
In einer Rangliste der Städte nach ihrer Lebensqualität belegte Ottawa im Jahre 2018 den 19. Platz unter 231 untersuchten Städten weltweit.
Geografie Lage Die Stadt Ottawa liegt am südlichen Ufer des Ottawa-Flusses, an der Mündung von Rideau-Kanal und Rideau-Fluss. Von Norden her, über das Stadtgebiet Gatineaus, fließt der Rivière Gatineau in den Ottawa-Fluss. Die Stadt Ottawa befindet sich in der östlichen Ecke der Provinz Ontario und liegt etwa auf demselben Breitengrad wie Bordeaux und Venedig.
mini|Satellitenansicht von Ottawa und Gatineau mini|Bronze-Modell von Ottawa mit kanadischem Parlament und Canadian Museum of History Die ältesten Teile der Stadt werden als Lower Town bezeichnet und befinden sich im Bereich zwischen Rideau-Kanal und Rideau River. Am gegenüberliegenden Ufer des Kanals ist Centretown (auch Downtown genannt), das finanzielle und kommerzielle Zentrum der Stadt. Zwischen dem Stadtzentrum und dem Ottawa-Fluss liegt Parliament Hill, das Regierungsviertel. Im Ottawa-Fluss liegen mehrere kleinere Inseln. Vor einer stauen sich die rund 60 m breiten Chaudière-Fälle mit 15 m Falltiefe. Die natürlichen Wasserfälle werden heute zusätzlich künstlich gestaut und zur Stromgewinnung genutzt. Östlich der Innenstadt stürzen am Rideau River die Rideau-Fälle über mehrere Kaskaden in den Ottawa-Fluss und bilden damit die Mündung. Das gesamte Stadtgebiet ist vergleichsweise weitläufig und umfasst mit 2779 km² einen Bereich, der größer als die Fläche des Saarlands ist.
Ottawa grenzt an folgende Bezirke (counties) in Ontario: im Osten an die Prescott and Russell United Counties, im Südosten an die Stormont, Dundas and Glengarry United Counties, im Süden an die United Counties of Leeds and Grenville, im Südwesten an Lanark County und im Westen an Renfrew County. Im Norden grenzt es an die kreisfreie Stadt Gatineau und an die regionale Grafschaftsgemeinde Les Collines-de-l’Outaouais in Québec. Das Stadtgebiet wird südlich von einem Grüngürtel mit einer Gesamtfläche von 203,5 km² umgeben. Dieser wurde 1950 vom Stadtplaner Jacques Gréber im Rahmen eines Masterplans für die Stadt vorgeschlagen und ab 1956 von der Regierung umgesetzt.
Stadtgliederung mini|Karte der Stadt Ottawa 2001 wurde Ottawa (das damals rund 350.000 Einwohner zählte) mit den zuvor selbstständigen Städten Nepean, Kanata, Gloucester, Rockcliffe Park, Vanier und Cumberland sowie den ländlichen Gemeinden West Carleton, Osgoode, Rideau und Goulbourn verschmolzen. Das gesamte heutige Stadtgebiet gehörte von 1969 bis 2001 zur Regionalgemeinde Ottawa-Carleton, die einzelne gemeindeübergreifende Infrastrukturaufgaben wahrnahm. Seit der Verschmelzung ist das Stadtgebiet Ottawas auf ein Vielfaches gewachsen, was zur Folge hat, dass 80 % der Gesamtfläche ländlich geprägt sind. Die Stadt ist in 23 Verwaltungseinheiten (engl. wards) unterteilt.ottawa.ca: City Wards, zuletzt abgerufen am 5. Juni 2009. Diese wiederum werden informell in Viertel (Neighborhoods) unterteilt.
Obwohl Ottawa und seine Zwillingsstadt Gatineau verwaltungstechnisch getrennt sind und sogar in unterschiedlichen Provinzen liegen, bilden sie zusammen mit weiteren kleineren Gemeinden einen gemeinsamen Ballungsraum mit über 1,4 Millionen Einwohnern. Die offizielle Bezeichnung dieses seit 1959 bestehenden und 4715 km² großen Ballungsraums lautet National Capital Region (frz. Région de la capitale nationale). Im Gegensatz zu anderen Flächenstaaten gibt es in Kanada keinen eigentlichen Bundesregierungsbezirk, der Status Ottawas entspricht jenem anderer kreisfreier Städte in der Provinz Ontario. Die Bundesregierung übt jedoch über die National Capital Commission, die die Gebäude und weitläufigen Grundstücke im Besitz des Bundes verwaltet, indirekt Einfluss auf die städtebauliche Entwicklung in der National Capital Region aus.
Tektonik Die meisten tektonischen Bewegungen sind im Westen Kanadas auszumachen. Dennoch sind auch im östlichen Teil und damit in der Region um Ottawa leichte bis mittlere Erdbeben zu verzeichnen. Kanada liegt auf der vergleichsweise stabilen Nordamerikanischen Platte und damit hat der Osten – verglichen mit anderen Teilen der Erde – relativ geringe seismische Aktivitäten. Jedes Jahr werden ungefähr 450 Erdbeben in Ostkanada registriert, davon übertreffen etwa vier die Magnitude 4 auf der Richterskala.Natural Resources Canada: Background on earthquakes in eastern Canada, Rate of Activity, zuletzt abgerufen am 22. Juni 2009
Ostkanada wird in weitere Erdbebenzonen unterteilt. Ottawa selbst befindet sich in der ausgedehnten Zone Western Quebec Seismic Zone, die das gesamte Ottawatal von Montreal bis Témiscaming, eingeschlossen die Stadtregionen Montreal, Ottawa-Hull und Cornwall, umfasst.Natural Resources Canada: Western Quebec Seismic Zone, zuletzt abgerufen am 22. Juni 2009. Die Muster der bisherigen Beben zeigen eine Konzentration der Aktivitäten vor allem auf den beiden Gebieten entlang des Ottawa-Flusses und auf der Achse Montreal-Maniwaki.
Am 16. September 1732 ereignete sich in Montreal ein Beben mit einer geschätzten Stärke von 5,8 auf der Richterskala. Dieses richtete beträchtliche Schäden an. Am 1. November 1935 gab es mit einer Stärke von 6,2 das bis heute stärkste Beben, dessen Epizentrum bei Témiscaming in der Provinz Quebec nordwestlich von Ottawa lag., zuletzt abgerufen am 22. Juni 2009 Am 5. September 1944 richtete ein Beben der Stärke 5,6 mit Epizentrum bei Cornwall, einer Kleinstadt zwischen Ottawa und Montreal, etwa 2 Millionen Dollar Schaden an und ließ über 2000 Schornsteine zusammenfallen., zuletzt abgerufen am 22. Juni 2009 Zwischen 1980 und 2000 erreichten in Ottawa 16 Beben Stärken über der Magnitude 4.
Klima Das Klima in Ottawa ist ein feuchtes Kontinentalklima mit einer starken Bandbreite und Rekordtemperaturen (Effektive Klimaklassifikation: Dfb). Am 4. Juli 1913 wurde eine Höchsttemperatur von 37,8 °C gemessen, dagegen am 29. Dezember 1933 mit −38,9 °C die tiefste je gemessene Temperatur.climate.weatheroffice.ec.gc.ca: Klimadaten zu Ottawa Bezogen auf diesen Tiefsttemperaturrekord gehört Ottawa nach Ulaanbaatar, Astana und Moskau zu den vier kältesten Hauptstädten der Welt. Diese enormen Temperaturunterschiede erlauben es der Stadt, eine Vielzahl an jährlich wiederkehrenden Veranstaltungen abzuhalten, wie beispielsweise das Winterlude Festival auf dem zugefrorenen Rideau-Kanal. Durch die relativ warmen Sommer gehört Ottawa allerdings im Jahresdurchschnitt betrachtet weltweit nur zu den sieben kältesten Hauptstädten. zuletzt abgerufen am 5. Juni 2009
mini|Der Eissturm von 1998 als Beispiel für das extreme Klima der kanadischen Hauptstadt Während der Wintermonate dominieren Schnee und Eis. Jedes Jahr fällt in der Summe etwa 235 cm Schnee. Die größte je gemessene Schneemenge an einem Tag war 73 cm am 2. März 1947.Significant Weather Events in Canada, zuletzt abgerufen am 5. Juni 2009. Die durchschnittliche Temperatur im Januar beträgt −10,8 °C mit starken Schwankungen zwischen den Tag- und Nachttemperaturen. Während die Tagestemperaturen leicht über der Null-Grad-Grenze liegen können, fallen die Nachttemperaturen hin und wieder auf unter −30 °C. In einem durchschnittlichen Winter liegt die Hauptstadt von Mitte Dezember bis Anfang April unter einer geschlossenen Schneedecke, obwohl es auch schneefreie Tage um die Weihnachtszeit geben kann. Der Winter 2007/08 war dabei mit insgesamt 432,7 cm Schnee besonders ergiebig, die Schneehöhe lag damit nur knapp unter der des Rekordjahres 1970/71 von 444,1 cm. Hohe Windchills sind dabei ebenso üblich wie überfrierender Regen. Einer dieser Eisstürme verursachte im Januar 1998 sogar Stromausfälle und beeinträchtigte die lokale Wirtschaft erheblich.
Die Sommer sind verhältnismäßig feucht und warm, dauern allerdings nur relativ kurz. Die durchschnittliche Maximaltemperatur im Juli beträgt 26 °C mit gelegentlichen Einfällen von kalter Luft mit fallender Luftfeuchtigkeit aus dem Norden des Landes. Frühling und Herbst fallen aufgrund der Extreme dementsprechend wechselhaft aus. Heiße Tage mit über 30 °C können bereits Anfang März vorkommen, aber auch noch Ende Oktober. Der durchschnittliche Niederschlag beträgt rund 914 mm. Die größte Regenmenge innerhalb eines Tages wurde am 9. September 2004 mit 136 mm gemessen. In Ottawa scheint die Sonne etwa 2060 Stunden im Jahr, was 47 % der möglichen Sonnenstunden entspricht. Im Sommer kann es auch zu Tornados kommen.
Geschichte Frühgeschichte