mini|rechts|Schriftmuster der ITC Tiffany Die Tiffany – nach dem Schriftenhersteller, welcher sie herausbrachte, oft auch als ITC Tiffany bezeichnet – ist eine Antiqua-Schriftart mit humanistischem Charakter. Gestaltet wurde sie von dem US-amerikanischen Schriftdesigner Ed Benguiat. Vom Typ her in der Regel der venezianischen Renaissanceantiqua zugeordnet, avancierte die 1974 erschienene Schrift zu einer der meistverbreiteten Werbeschriften der 1970er-Jahre.
Entstehung mini|rechts|Ed Benguiat (2008, links) Die ITC Tiffany gehört zu jenen klassischen Designerschriften, welche der New Yorker Typedesigner Ed Benguiat für das – gleichfalls in New York ansässige Typedesigner-Schriftenlabel International Typeface Corporation (ITC) entwarf. Mit der ITC Souvenir (1970) – ebenso wie mit seiner Beteiligung an der Erstellung der ebenfalls 1970 auf den Markt gekommenen ITC Avant Garde – hatte sich Benguiat bereits einen Ruf erworben als (Mit-)Designer kommerziell erfolgreicher Schriften., FontShop (Hrsg.): Die 100 besten Schriften aller Zeiten, HTML-Version, aufgerufen am 23. September 2018. Die ITC Tiffany entstand 1974. Ihr Entwurf war keine (komplette) designerische Neuschöpfung. Vielmehr basierte das Zeichenbild auf zwei älteren Schriften: der 1884 von der in Philadelphia ansässigen Bleisatzgießerei MacKellar Smiths & Jordan auf den Markt gebrachten Ronaldson und der Caxton, einer weiteren, 1904 erstmals verlegten Bleisatz-Antiqua.ITC Tiffany. Ralf Herrmann, Typografie.info, 21. Oktober 2014.
Die 1974 erschienene ITC Tiffany wurde zunächst mit drei, später dann mit vier Strichstärken versehen. Aktuell kommen jeweils vier Italic-Varianten hinzu.Aktueller Ausbau siehe Kurzinfos und Credits zu bei MyFonts.com, aufgerufen am 23. September 2018 (Engl.) Erkennungszeichen der Tiffany sind die betonten, oftmals in Schrägposition angebrachten Serifen, die kalligrafische Strichführung bei der Ausführung der einzelnen Zeichen sowie die – für eine Renaissanceantiqua des venezianischen Typs ungewöhnlich starken – Stichstärkenkontraste.Schriftklassen-Zuordnung siehe: Venezianische Renaissance-Antiqua, Wolfgang Beinert, typolexikon.de, 1. August 2018. Letztere waren in den beiden Vorlagen – der Ronaldson und der Caxton – weniger präsent. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die Form des Kleinbuchstabens „e“: Anders als in den beiden Referenzschriften ist diese nicht horizontal, sondern schräg – ein typisches Kennzeichen von Schriften des venezianischen Typs aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts.
Obwohl für Mengentext-Einsätze ausgestattet, machte die ITC Tiffany vor allem als Werbeschrift von sich reden – also bei der Ausgestaltung optisch herausragender Elemente. Rückblickend gilt sie als eine der wichtigen Werbeschriften der 1970er-Jahre-Periode.Chimäre oder Wirklichkeit? Werbeschriften der Siebziger. Günter Schuler, Publishing Praxis, Ausgabe 12/2001 (Heftteil „Invers“; PDF) Zu einer markanten, vor allem bei Slogans und in der Headline-Gestaltung beliebten „Textmarke“ avancierten die beiden Ultrafett-Varianten (Heavy und Heavy Italic). Ein bekannter, in der ITC Tiffany gestalteter Schriftzug ist das Logo des 1997 erschienenen Quentin-Tarantino-Films Jackie Brown.Jackie Brown, design-is-fine.org, aufgerufen am 23. September 2018 (Engl.) Über diese Verwendung hinaus listet die US-amerikanische Schriftdesign-Archivseite Fonts in Use rund 30 weitere Artworks unter Verwendung der Tiffany auf – beispielsweise die 1978 erschienene Platte Cold Train des Rockabilly-Sängers Del Shannon sowie ein Veranstaltungsplakat der Wiener DJs Kruder & Dorfmeister für einen Sessionkonzert in Bern 2009.ITC Tiffany. Fonts in Use, aufgerufen am 16. Oktober 2023
Digitale Versionen Als bekannter Schrift-Klassiker ist die ITC Tiffany in den Bibliotheken vieler namhafter Schriftdistributoren mit vertreten – so etwa der von Linotype, Monotype sowie der von Adobe. Als Digitalfonts neu aufgelegt sind zwischenzeitlich auch die beiden Tiffany-Vorlagen Ronaldson und Caxton. Die Caxton wurde von Lee Usherwood neu gezeichnet und 1981 als ITC Caxton neu aufgelegt. Eine – 2006 entstandene – Digitalversion der Ronaldson wird von dem in Toronto ansässigen Label Canada Type vertrieben.Kurzinfos und Credits zur und zur ITC Caxton; jeweils bei MyFonts.com, aufgerufen am 23. September 2018 (Engl.)
Einzelnachweise
Kategorie:Schriftart