Die Paul Baerwald School, benannt nach Paul Baerwald, dem Mitbegründer und langjährigen Vorsitzenden des American Jewish Joint Distribution Committee (JDC), wurde 1949 als Paul Baerwald School of Social Work in Versailles gegründet, um jüdische Sozialarbeiter auszubilden, die in der Nachkriegszeit Juden in Europa, Nordafrika und in Palästina zur Seite stehen konnten. Nach einer vorübergehenden Schließung im Jahre 1954 wurde die Schule 1958 als Paul Baerwald School of Social Work and Social Welfare an der Hebräischen Universität Jerusalem neu gegründet.

Gründung und Gründer Der Hintergrund für die Gründung der Paul Baerwald School war die große Zahl von Holocaust-Überlebenden und anderen Vertriebenen in Europa, für die es keine oder nur unzureichende Unterstützung durch adäquate Sozialhilfeprogramme gab. Hinzu kam der Wunsch des American Jewish Joint Distribution Committee (JDC) nach professioneller Unterstützung beim Wiederaufbau jüdischer Gemeinden durch entsprechend ausgebildete Sozialarbeiter.

Zu den treibenden Kräften bei der Errichtung eines dafür geeigneten Ausbildungszentrums in Europa zählten Herman D. Stein, der erste Direktor für Sozialhilfe des JDC, und Philip KleinPhilip Klein auf jewishvirtuallibrary.org, Professor an der New York School of Social Work (der heutigen Columbia University School of Social Work) und Berater des JDC. Die gemeinsame Ausbildung durch und ihre Tätigkeiten für die New York School of Social Work prägten ihr Verständnis von Sozialarbeit, und nach Laura Hobson Faure könnte „die Paul Baerwald School fast als europäischer Satellit dieser Institution angesehen werden“.Laura Hobson Faure: Un «plan Marschall juif»

Im Oktober 1949NEW SCHOOL FOR EUROPE; Joint Distribution Committee to Teach Social Workers, THE NEW YORK TIMES, OCT. 7, 1949 wurde die Ausbildungsstätte offiziell eröffnet. Bei der Eröffnungsfeier sprachen Léon Blum und Guy de Rothschild.Irmi Selver: My Memoirs, S. 33 Dem zum Direktor berufenen Henry Selver stand ein Team von sechs amerikanischen Lehrkräften zur Seite. Die Einrichtung „war dafür konzipiert, ein Kader jüdischer Sozialarbeiter für den Dienst in den jüdischen Gemeinden Europas und Nordafrikas sowie im neu gegründeten Staat Israel auszubilden. Die Schule, die als „die erste Sozialarbeitsschule amerikanischen Typs in Europa“ bezeichnet wird, unterrichtete eine weitgehend weibliche Schülerschaft in Methoden der Individualfürsorge und in modernen psychologischen Theorien über menschliches Wachstum und Entwicklung. Alle Studierenden waren verpflichtet, einen Kurs in ‚psychologischen Konzepten, die der Sozialfürsorge zugrunde liegen‘, zu absolvieren. Die Wahl eines Schwerpunktes in der Kinderbetreuung und im Institutionenmanagement führte zu weiteren Kursen in der Kinderpsychologie.“Sara Fieldston: Raising the World, keine Seitennummerierung. „Staffed by a team of six American instructors, the school was designed to train a cadre of Jewish social workers for service in the Jewish communities of Europe and North Africa and in the newly established state of Israel. Described as “the first American-type social work school in Europe,” the school instructed a largely female student body in casework methods and in modern psychological theories of human growth and development. All students were required to complete a course in “psychological concepts underlying social service,” and students choosing a focus in child care and institutional management completed further courses in child psychology.“

Philip Klein habe als Forschungsdirektor der Paul Baerwald School „auf die Bedeutung der amerikanischen Methoden der Sozialarbeit in Übersee [hingewiesen]. Im Gegensatz zu den europäischen Systemen der Sozialversicherung, der Renten und der betrieblichen Sozialfürsorge, erklärte Klein, konzentriere sich die amerikanische Sozialarbeit auf die individuelle Anpassung und auf ‚Techniken, um die für Einzelpersonen und Familien angebotenen Hilfen effektiv und effizient zu gestalten‘. Die Absolventen der Paul Baerwald School, die in amerikanischer Sozialarbeit ausgebildet würden, wären in der Lage, den jüdischen Gemeinden in Europa und anderswo die individuellen Hilfen anzubieten, die sie benötigen.“Sara Fieldston: Raising the World, keine Seitennummerierung. „Philip Klein, a professor at the Columbia University School of Social Work who served as the Paul Baerwald School's director of research, argued for the relevance of American-style social work methods overseas. In contrast to European systems of social insurance, pensions, and industrial welfare services, Klein explained, American social work centered on individual adjustment and on “techniques for making the services offered to individuals and families effective and efficient.” Trained in American-style social work, graduates of the Paul Baerwald School would be equipped to offer the Jewish communities in Europe and elsewhere the personalized services of which they were in need.“

Auch für die Rekrutierung des Personals der Paul Baerwald School spielte die New York School of Social Work eine wichtige Rolle. Philip Klein und Herman Stein suchten nach Menschen mit Erfahrung in der amerikanischen Sozialarbeit und nutzten ihre Kontakte zur New York School of Social Work, um von dort Lehrkräfte zu rekrutierten. Die ersten von ihnen angeworbenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter warenDie nachfolgend genannten Personen entstammen den beiden Publikationen von Laura Hobson Faure: Henry Selver, der zum Direktor der Schule berufen wurde. Fred Ziegellaub. Freda Goldschmied, eine Sozialarbeiterin aus Detroit, die an der Tulane University unterrichtet hatte. In späteren Jahren unterrichtete sie an der l’École de service social in Lille.Laura Hobson Faure: Le travail social dans les organisations juives françaises après la Shoah, S. 56 Edith Schulhofer (1900–2001), deutsch-jüdischer Abstammung und als Flüchtling in die USA gekommen, hatte ebenfalls an der Tulane University unterrichtet. „Die 1900 in Nürnberg geborene Shulhofer studierte Rechtswissenschaften an der Universität München und wurde am 28. Oktober 1928 als erste Anwältin in Nürnberg zugelassen. Sie erkannte bereits 1933, dass ihre und die Existenz ihrer Familie in Nazi-Deutschland bedroht war. Nach dem Verlust ihres Rechts zu praktizieren, flüchtete sie vor den Nazis und emigrierte nach Lyon, Frankreich, wo sie als Pädagogin arbeitete. Nachdem sie ihre Mutter 1939 vor dem Holocaust gerettet hatte, gelang es ihr, in die USA auszuwandern, wo sie ihren MSW [Master in Social Work] an der Columbia University erwarb und 1943 ihren Abschluss machte. Nach Kriegsende kehrte sie nach Frankreich zurück, um bis 1950 mit Überlebenden des Holocaust zu arbeiten.“The National Association of Social Workers Foundation is pleased to present the NASW Social Work Pioneers to our members and others on the Web: Edith Schulhofer Nach ihrer Zeit an der Paul Baerwald School kehrte Schulhofer wieder an die Tulane University zurück, wo sie noch bis kurz vor ihrem Tode unterrichtete. Shirley Hellenbrand beendete ihre berufliche Laufbahn als emeritierte Professorin der Columbia University. Sie ist Autorin zahlreicher Bücher über Sozialarbeit.Bücher von Shirley Hellenbrand im WorldCat Ausführlich berichtet Laura Hobson Faure über Hellenbrands Tätigkeiten nach der Schließung der Paul Bearwald School (EPB): „Shirley Hellenbrand hingegen bleibt in Frankreich, um eine enge Zusammenarbeit mit den jüdischen Sozialdiensten in Paris zu pflegen. Während des Schuljahres 1953–1954 arbeitete sie mit Cojasor und der SSJ zusammen. Darüber hinaus leitet sie ein Seminar für die Abteilungsleiter der wichtigsten Sozialwerke und steht in Kontakt mit dem Charity Committee, der OSA, dem Œuvre de protection des enfants juifs (OPEJ) und der Union des étudiants juifs de France. Während des Schuljahres 1954–1955 trainierte sie das Charity Committee, das 8 Teilnehmer umfasste. Trotz dieses ohnehin schon vollen Terminkalenders organisiert sie eine weitere Schulung zur Kindervermittlung mit 11 Mitarbeitern von OSA, OPEJ, Colonie scolaire und FSJU und arbeitet weiterhin mit 9 Abteilungsleitern zusammen, von denen viele im Vorjahr an ihrem Seminar teilgenommen haben. […] Shirley Hellenbrand arbeitete mit jüdischen Institutionen in Paris zusammen, bis sie 1956 in die Vereinigten Staaten zurückkehrte. Obwohl das Joint versucht hat, sie zu ersetzen, scheint es, dass ihr Weggang das Zusammenspiel zwischen der EPB und den französischen jüdischen Sozialbehörden endgültig beendet hat. “ Bei den genannten Organisationen handelt es sich um jüdische Hilfsorganisationen in Frankreich.Laura Hobson Faure: Le travail social dans les organisations juives françaises après la Shoah, S. 52. „Shirley Hellenbrand, quant à elle, reste en France pour maintenir une collaboration étroite avec les services sociaux juifs à Paris. Pendant l’année scolaire 1953–1954, elle travaille avec le Cojasor et le SSJ. De plus, dirigeant un séminaire pour les chefs de service des œuvres sociales les plus importantes, elle est en contact avec le Comité de bienfaisance, l’OSE, l’Œuvre de protection des enfants juifs (OPEJ) et l’Union des étudiants juifs de France. Lors de l’année scolaire 1954–1955, elle dispense une formation au Comité de bienfaisance, laquelle attire 8 participants. Malgré cet emploi du temps déjà chargé, elle organise une autre formation sur le placement des enfants à laquelle participent 11 membres du personnel de l’OSE, de l’OPEJ, de la Colonie scolaire et du FSJU et continue de travailler avec 9 chefs de service, dont beaucoup avaient suivi son séminaire l’année précédente. […] Shirley Hellenbrand collabore avec les institutions juives parisiennes jusqu’à son retour aux États-Unis en 1956. Bien que le Joint ait cherché à la remplacer, il semble que son départ ait mis définitivement fin à l’interaction entre l’EPB et les agences d’aide sociale juives françaises. “ Janet Siebold, eine Sozialarbeiterin aus Minnesota, die für den Central British Fund for Jewish Relief gearbeitet hatte. In den 1950er Jahren hat sie für eine jüdische Hilfsorganisation in Marokko gearbeitet („Janet Siebold, the head of social services of OSE Casablanca“).Anat Mooreville: Oculists in the Orient: A History of Trachoma, Zionism, and Global Health, 1882–1973, UCLA Electronic Theses and Dissertations, 2015. Zur Bedeutung der OSE siehe: Guide to the OSE Photograph Collection 1937–1962 Libby Meyer, Sozialarbeiterin aus Ohio und bereits Mitarbeiterin des JDC-Büros in Frankreich, wurde mit der Leitung der Supervision von Praktika beauftragt.

„Mit Ausnahme eines Lehrers waren die ersten hauptberuflichen Lehrer alle jüdisch; die Hälfte wurde in den Vereinigten Staaten geboren, die andere Hälfte in Deutschland, und alle bis auf einen waren Frauen. […] Zusätzlich zu diesen hauptberuflichen Lehrern werden einige wenige Franzosen (aller Glaubensrichtungen) und mehrere amerikanische Mitarbeiter des Joint für den Unterricht bestimmter Fächer eingestellt.“Laura Hobson Faure: Le travail social dans les organisations juives françaises après la Shoah, S. 21. „À l’exception d’un professeur, les premiers enseignants à plein temps sont tous juifs; ils sont pour moitié nés aux États-Unis, l’autre moitié venant d’Allemagne, et tous, sauf un, sont des femmes. […] Outre ces enseignants à plein temps, on engage quelques Français (de toutes confessions) et plusieurs employés américains du Joint pour enseigner des sujets spécifiques.“