Organisation ist ein – je nach Fachgebiet – mit verschiedenen Begriffsinhalten versehener unspezifischer Allgemeinbegriff, der institutionell, funktional, strukturell oder als Tätigkeit des Gestaltens (Organisieren) verwendet werden kann.
Etymologie Organisation ist ein aus „Werkzeug“ () abgeleitetes Fremdwort, das wiederum aus mit der gleichen Bedeutung entlehnt ist.Ursula Hermann, Knaurs etymologisches Lexikon, 1983, S. 345; ISBN 3-426-26074-3 Unter Organon beschrieb Aristoteles die Kunst der Logik als Werkzeug der Wissenschaft. In der Biologie und Medizin wird Organisation als „planmäßiger Aufbau, Ordnung, Gliederung“ verstanden.Gerhard Wahrig, Deutsches Wörterbuch, 6. Auflage, 1997, S. 931; ISBN 978-3-577-10677-1 In den Wirtschaftswissenschaften beschreibt Organisation den gestaltenden Prozess und das Ergebnis dieses Prozesses, die Gesamtheit aller organisatorischen Regelungen.
Sprachlich ist „Organisation“ ein Homonym, also ein Begriff mit mehreren Begriffsinhalten. Das erschwert die lexikografische Behandlung als einheitliches Lemma.
Abgrenzung zur Institution Da jede Wissenschaft meist eine spezialisierte Sicht auf die verschiedenen Bedeutungen von Organisation hat, ist es entsprechend schwierig, den Begriff dem der Institution gegenüberzustellen. Teilweise kann man analoge Bedeutungen von Institution finden, zum einen als Regelwerk (z. B. die Institution der Ehe oder das Rechtsinstitut) oder als organisiertes Gebilde (z. B. ein Gerichtshof).
Im Unterschied zur Alltagssprache ist in den Sozialwissenschaften der Begriff Organisation klar vom Begriff der Institution abgegrenzt: Eine Organisation sei ein bewusst geschaffenes, zielgerichtetes Gebilde, das Gründer, ein Gründungsdatum und Mitglieder hat (bspw. Verein, Glaubensgemeinschaft, Unternehmen oder NGO). Institution hingegen sei ein „Regelwerk“ von Verhaltensmustern und -normen, das aus dem gesellschaftlichen Zusammenleben der Menschen, das heißt aus Regelmäßigkeiten ihres Verhaltens, gleichsam „naturwüchsig“ hervorgegangen ist (z. B. die Institution des Wettkampfes, der Gastfreundschaft, der Hochzeit, der Bestattung).
Für Institutionen gilt generell, dass sie ohne Mitglieder denkbar sind. So lässt sich beispielsweise die Universität einerseits als Organisation und andererseits als Institution beschreiben: Als Organisation ist sie ein soziales Gebilde aus Lehrenden und Lernenden sowie aus Forschern, Verwaltern und anderen Bediensteten, die in einem arbeitsteiligen, planvollen Zusammenspiel miteinander agieren; als Institution ist sie eine gesellschaftliche Einrichtung, die der Vermittlung, Tradierung und Generierung von praktischem und orientierendem Wissen dient.
Abweichend von der sozialwissenschaftlichen Distinktion beider Begriffe, subsumiert die Neue Institutionenökonomik auch Organisationen unter ihren Institutionsbegriff.
Definitionen Die einzelnen Begriffsinhalte lassen sich wie folgt systematisieren:
Art Fachgebiet Inhalt Beispiel institutionell Rechtswissenschaft Personenvereinigung als Institution internationale Organisationen wie Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung; Einsatzorganisationen funktional Organisationstheorie Kombination und Koordination von Produktionsfaktoren zwecks Erfüllung eines gesetzten Ziels Unternehmen, Behörden, öffentliche Einrichtungen strukturell Betriebswirtschaftslehre Ablauf- oder Aufbauorganisation als Betriebsorganisation Organisationsstruktur: Organisationseinheiten wie Organisationsabteilung, Personalabteilung Tätigkeit Allgemeinbegriff Gestaltung Arbeitsgestaltung, Freizeitgestaltung, Raumgestaltung
Von großer Bedeutung sind der funktionelle und instrumentelle Organisationsbegriff. Funktionell ist Organisation ein gestaltendes Handeln, also die Tätigkeit des Organisierens („Der Betrieb betreibt Organisation“). Instrumentell gilt Organisation als die durch Gestalten entstehenden Regelungen und Strukturen, also das Ergebnis des Organisierens („Der Betrieb hat eine Organisation“). Weniger bedeutend ist der institutionelle Organisationsbegriff, worunter die Institution verstanden wird („Der Betrieb ist eine Organisation“).Annemarie Matusche, Das Organisationsverschulden, 2001, S. 333
Bedeutung nach Fachgebiet In den Wirtschaftswissenschaften ist der Begriff der Organisation nicht eindeutig definiert.Adolf G. Coenenberg, Die Kommunikation in der Unternehmung, 1966, S. 20; ISBN 978-3-322-98417-3 In der Betriebswirtschaftslehre und Organisationstheorie versteht man unter Organisation alle planvollen Maßnahmen der Unternehmensleitung, den komplexen Geschäftsprozess (Arbeitsprozess, Beschaffungsprozess, Entscheidungsprozess, Führungsprozess, Managementprozess, Produktionsprozess und Vertriebsprozess) so zu strukturieren, dass die Effizienzverluste auf allen Ebenen minimiert werden.Günter Wöhe/Ulrich Döring, Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 25. Auflage, 2014, S. 101; ISBN 978-3-8006-4687-6 Organisation soll Ordnung schaffen durch dauerhafte Regelungen. Das unterscheidet sie von der Disposition, die Regeln im Einzelfall aufstellt, und der Improvisation, die allgemein spontane Kreativität zum Problemlösen benutzt.
Organizational Behaviour
Das interdisziplinäre Fachgebiet des organisatorischen Verhaltens () ist mit der Analyse menschlichen Verhaltens in Organisationen und mit Möglichkeiten der gezielten Einflussnahme darauf befasst. Dazu werden u. a. soziale Regeln, Prozesse, Funktionen, Strukturen, sowie diverse weitere Kontexte (z. B. Erwartungen, Verhalten oder Sinn) auf ihre verhaltenssteuernden Wirkungen hin betrachtet.
Marktfähige Organisationen bestehen demnach im Wesentlichen aus der Kommunikation von und über Entscheidungen, wobei jede Einzelentscheidung an vorherige Entscheidungen anknüpft und selbst eine Voraussetzung für Folgeentscheidungen ist. Im Blick auf die wirksamen wechselseitigen Verweisungen der Entscheidungen auf andere Entscheidungen in den Schnittstellen entlang der arbeitsteiligen Wertschöpfungsprozesse ergibt sich ein rekursiver Entscheidungsverbund, dessen Selbstreflexion anhand interner entscheidungsorientierter Kommunikationsprozesse erfolgt.
Organisationstheorie In der Organisationstheorie versteht die Fachliteratur unter Organisieren eine sinnvoll koordinierende, ordnende Tätigkeit, die Zuordnung von Personen und Sachen, Personen und Personen sowie von Sachen und Sachen auf ein Unternehmensziel hinRolf Erdmann, Grundlagen einer Organisationslehre, 1921, S. 3 mit Hilfe von Personal und Organisationsmitteln. Diese prozessuale Sicht betrachtet Organisation als die systembestimmende Arbeit des Organisierens in Handlungsgemeinschaften, d. h. das Verteilen von Aufgaben auf Organisationsmitglieder (Arbeitsteilung) und deren Ausrichtung auf übergeordnete Ziele (Koordination). Zur Konkretisierung wird unterschieden zwischen funktionaler, formaler/informaler, instrumenteller, institutioneller, und konfigurativer Deutung:
Die funktionale Organisation zielt darauf ab, gleichartige Verrichtungen und Tätigkeiten zu einer betrieblichen Funktion wie Beschaffung, Produktion, Finanzierung, Vertrieb und Verwaltung zusammenzufassen.Franz-Josef Herings, funktionale Organisation, in: Fritz Neske/Markus Wiener (Hrsg.), Management-Lexikon, Band III, 1985, S. 963; ISBN 3-88640-009-3 Funktional betrachtet Erich Gutenberg die Organisation als Tätigkeit in einem UnternehmenErich Gutenberg, Unternehmensführung: Organisation und Entscheidungen, 1962, S. 99 ff., die wie folgt unterschieden wird: Die Aufbauorganisation legt fest, wie die Aufgaben auf einzelne Abteilungen verteilt werden; Die Ablauforganisation regelt, wie die zur Erfüllung der Aufgaben notwendigen Funktionen durchgeführt werden. Formale Organisation geschieht durch Regeln, die personenunabhängig formuliert und in Schriftform (Organisationshandbuch) dokumentiert sind.Walter Schertler, Unternehmensorganisation: Lehrbuch der Organisation und strategischen Unternehmensführung, 1998, S. 23; ISBN 978-3-486-24810-4 Informale Organisation beruht auf Einstellungen und Vorstellungen der Mitarbeiter sowie auf deren persönlichen Zielen, Sympathien und Wünschen.Rolf Bühner, Betriebswirtschaftliche Organisationslehre, 2004, S. 6; ISBN 978-3-486-25096-1 Instrumentelle Organisation schafft durch Gestaltung dauerhafte Kompetenzen. Ihr gegenüber steht die dispositive oder improvisierte Organisation.Birgit Muskat, Total Quality Management im Tourismus, 2007, S. 7 Die institutionelle Organisation stellt das Wirtschaftssubjekt bzw. die juristische Person (wie Unternehmen, Vereine) in den Vordergrund. Konfigurativ ist Organisation Erich Kosiol zufolge das Ergebnis der Tätigkeit des Organisierens.Erich Kosiol, Organisation der Unternehmung, 1972, S. 15
Das Nomen Agentis in diesem Zusammenhang ist der Organisator.
Einzelne Organisationstheorien
Organisationstheorien haben zum Ziel, die Grundelemente und Funktionen von Organisationen, ihre Entstehung und ihren (Fort-)Bestand in dynamischen Umwelten zu verstehen und zu erklären. Es existiert eine Vielzahl verschiedener Organisationstheorien, die der Tatsache gerecht werden wollen, dass Organisationen hochkomplexe Gebilde sind. Allen theoretischen Ansätzen ist der Objektbereich – die Organisationen und ihre Zielsetzungen – gleich, jedoch erfassen sie jeweils nur bestimmte Aspekte des breiten Gegenstandsbereichs. Wichtige Organisationstheorien sind: Bürokratietheorie, Scientific Management, Human-Relations-Ansatz, Situativer Ansatz, Sozio-technischer Ansatz, Verhaltenswissenschaftliche Entscheidungstheorie, Systemtheorie, Politische Ökonomie der Organisation, Strukturationstheorie, Soziologischer Neoinstitutionalismus, Neue Institutionenökonomik mit Transaktionskostentheorie, Prinzipal-Agent-Theorie, Property-Rights-Ansatz, Evolutionstheoretischer Ansatz.
Betriebswirtschaftslehre Betriebswirtschaftlich sind Organisationen soziale Gebilde, die dauerhaft ein Ziel verfolgen (Unternehmen: Unternehmensziele, Privathaushalte: persönliche Ziele, Staat: Staatsziele) und eine formale Organisationsstruktur aufweisen, mit deren Hilfe die Aktivitäten der Organisationsmitglieder auf die Ziele ausgerichtet werden sollen.Andreas Gourmelon/Michael Mroß/Sabine Seidel, Management im öffentlichen Sektor, 2018, S. 25
Der funktionale Organisationsbegriff geht auf Erich Gutenberg zurück.Erich Gutenberg, Unternehmensführung – Organisation und Entscheidung, 1962, S. 101 Er verstand die Organisation als eine Aufgabe der Unternehmensleitung zur Realisierung einer geplanten Ordnung, die er als dispositiven Produktionsfaktor einstufte.Erich Gutenberg, Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre, Band 1: Die Produktion, 1983, S. 235; ISBN 978-0-387-05694-4 Für ihn ist Organisation eine der Planung nachgeordnete Funktion, die der Realisierung von durch Planung vorgegebenen Sollwerten sicherstellen soll.Erich Gutenberg, Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre, Band 1: Die Produktion, 1983, S. 236 Er sieht in der Organisation die Voraussetzung für die Erfüllung von Sachaufgaben und ein System von Regeln, das diesen Aufgaben erst zu ihrer Erfüllung verhilft.Erich Gutenberg, Unternehmensführung – Organisation und Entscheidung, 1962, S. 99 Für Erich Kosiol ist Organisation eine besondere Art gestaltender Tätigkeit.Erich Kosiol, Organisation der Unternehmung, 1972, S. 15; ISBN 978-3-409-88454-9 Für Konrad Mellerowicz ist Organisation „die planvolle Zuordnung von Menschen und Sachen zu optimaler Leistung“.Konrad Mellerowicz, Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Band 1, 1958, S. 139