mini|class=notpageimage|Peter Denz und Richard Dreyfuss bei der Oscar-Verleihung 1996

Der Academy Award, offizieller Name Academy Award of Merit ( für Verdienstpreis der Akademie), besser bekannt unter seinem Spitznamen Oscar, ist der bekannteste Filmpreis der Filmindustrie. Er wird alljährlich von der US-amerikanischen Academy of Motion Picture Arts and Sciences (AMPAS) In: www.oscars.org für die besten Filme des Vorjahres verliehen. Wegen der Zulassungsprozedur dominieren in den Siegerlisten in der Regel US-Produktionen. Die aktuelle Ausgabe war die 98. Verleihung der Oscars und fand am 15. März 2026 statt.

Die Auszeichnung wurde am 12. Februar 1929 vom damaligen Präsidenten der MGM Studios, Louis B. Mayer, ins Leben gerufen, acht Jahre nach der Verleihung des Photoplay Awards, der als erster Filmpreis der Welt gilt. Der Oscar wird in einer gemeinsamen Zeremonie in derzeit über 30 verschiedenen Kategorien vergeben; die Preisträger erhalten eine Statuette, die einen Ritter mit einem Schwert auf einer Filmrolle darstellt.

Geschichte Gegen Ende der 1920er Jahre befand sich die US-amerikanische Filmindustrie in einer Krise. Neue Erfindungen – zum Beispiel das Radio – führten dazu, dass die Kinos weniger Besucher verzeichneten. Für die Eigentümer der großen Studios wurde die Situation zunehmend schwieriger. Die Bildung von Gewerkschaften auch in der Filmindustrie führte dazu, dass sie die Arbeiter in ihren Studios angemessen bezahlen mussten, was bis dahin unüblich war. Im Rahmen von Demonstrationen wurden mehr Lohn und die Einführung geregelter Arbeitsverhältnisse gefordert. Eine weitere Schwierigkeit für die Studios bestand durch die Zensur.

Der Leiter der damals sehr erfolgreichen und einflussreichen Metro-Goldwyn-Mayer-Studios (MGM), Louis B. Mayer, traf sich mit zwei guten Freunden, um sich mit dem Problem auseinanderzusetzen. Zusammen mit Conrad Nagel und Fred Niblo ersann er eine Institution, die die Kunst des Filmemachens verkörpern und eine zentrale Steuerung der Interessen der Filmschaffenden gewährleisten sollte – eine Akademie schien diese Anforderungen zu erfüllen.

Am 11. Januar 1927 wurde ein Galadinner veranstaltet, bei dem sich 33 einflussreiche und namhafte Filmgrößen trafen, um die „Academy of Motion Picture Arts and Sciences“ zu gründen. Unter ihnen befanden sich Berühmtheiten wie Douglas Fairbanks, Mary Pickford, Cecil B. DeMille, die Warner Brothers und andere. Das erste offizielle Bankett der Akademie fand am 11. Mai 1927 statt.History In: www.oscars.org.

In den ersten Akademie-Statuten wurde festgeschrieben, um welche Aufgaben sich die Akademie zu kümmern hatte. Die Einführung des Preises wurde Anfang 1928 beschlossen und ergänzt. Am 16. Mai 1929 wurde der Akademiepreis zum ersten Mal vergeben, und zwar im Hollywood Roosevelt Hotel direkt am Hollywood Boulevard in Hollywood. Fotos, Film- oder Tonaufzeichnungen existieren von dieser Veranstaltung nicht. Die Verleihung fand vor 270 Veranstaltungsgästen statt. Die Oscar-Gewinner wurden drei Monate zuvor in der Presse angekündigt. Bereits im nächsten Jahr hielt die Akademie die Ergebnisse geheim und gab den Zeitungen üblicherweise erst am Vortag der Verleihung kurz vor Mitternacht eine Liste zur Veröffentlichung.

Die erste Schauspielerin, die mit dem „Academy Award of Merit“ ausgezeichnet wurde, war die amerikanische Schauspielerin Janet Gaynor. Der erste Schauspieler, der mit dem „Academy Award of Merit“ ausgezeichnet wurde, war der deutsche Schauspieler Emil Jannings. Er erhielt ihn in der Kategorie „Bester Hauptdarsteller“ für seine Leistung im Film Der Weg allen Fleisches (1927; Regie Victor Fleming); von dem Film sind keine Kopien mehr auffindbar. Die Auszeichnung galt zugleich für Jannings’ ein Jahr später entstandenen Film Sein letzter Befehl (1928; Regie Josef von Sternberg). Der Preis wurde ihm 1929 vorzeitig übergeben, da er auf dem Weg zurück nach Deutschland war; von der Zeremonie existieren keine Bilder. Mit dieser Auszeichnung als bester Hauptdarsteller ist Jannings der bisher einzige deutsche Schauspieler, der in dieser Kategorie gewonnen hat. Die in Düsseldorf geborene Schauspielerin Luise Rainer gewann den Preis als beste Hauptdarstellerin sogar zweimal (1936, 1937). Als erster Österreicher (mit Schweizer Herkunft) konnte 1961 Maximilian Schell für Urteil von Nürnberg in dieser Kategorie gewinnen.

Ab Mitte der 1930er Jahre, als das Interesse an der Veranstaltung auch außerhalb der Filmbranche gestiegen war, wurde die Liste der Gewinner vor der Verleihung an die Presse gegeben. Nachdem aber die Los Angeles Times 1940 die Sperrfrist missachtet und die Gewinner schon vor Beginn der Verleihung gedruckt hatte, wurde 1941 die vorherige Pressemitteilung abgeschafft; die Namen der Preisträger werden seitdem in versiegelten Umschlägen verschlossen gehalten. Die Gewinner sind bis zur Bekanntgabe in der Veranstaltung nur den beauftragten Notaren der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Price Waterhouse (seit 1998 PricewaterhouseCoopers) bekannt.

Das Interesse in der Öffentlichkeit in der Folge nahm kontinuierlich zu. Die dritte Oscarverleihung dauerte sieben Minuten und 38 Sekunden und wurde als erste auf Film aufgenommen, 1953 wurde die Verleihung erstmals im Fernsehen übertragen. Heute stimmen mehr als 5500 Mitglieder der Akademie in den einzelnen Kategorien ab; die Verleihung wird weltweit übertragen und jährlich von etwa 800 Millionen Menschen verfolgt.

Nach Bekanntgabe der Oscar-Nominierungen 2016 sah sich die Academy of Motion Picture Arts and Sciences wachsender Kritik ausgesetzt – alle Nominierungen in den Darsteller-Kategorien hatten wie schon im Vorjahr weiße Schauspieler erhalten, obwohl in der amerikanischen Filmpreissaison zuvor dunkelhäutige Darsteller wie Idris Elba (Beasts of No Nation), Michael B. Jordan (Creed – Rocky’s Legacy) oder Will Smith (Erschütternde Wahrheit) Berücksichtigung gefunden hatten. Smiths Ehefrau, die Schauspielerin Jada Pinkett Smith und der Ehrenpreisträger Spike Lee kritisierten daraufhin öffentlich diesen Mangel an ethnischer Diversität und kündigten an, nicht zur Oscarverleihung zu erscheinen. Der Vorstand der Akademie unter der afroamerikanischen Präsidentin Cheryl Boone Isaacs stimmte daraufhin für neue Regeln, um die Zahl von Frauen und Angehörigen ethnischer Minderheiten bis 2020 zu verdoppeln.Lifetime voting rights reframed; new governor seats added and committees restructured: Goal to double number of diverse members by 2020 bei oscars.org, 22. Januar 2016 (abgerufen am 23. Januar 2016). Im April 2016 wurde die Aufnahme 236 neuer Mitglieder bekanntgegeben, unter denen sich auch Wissenschaftler und Künstler befanden.American Academy of Arts and Sciences Elects 213 National and International Scholars, Artists, Philanthropists, and Business Leaders In: amacad.org, 20. April 2016. Am 29. Juni 2016 wurden weitere 683 Persönlichkeiten als Neumitglieder eingeladen. Hierunter befanden sich 46 Prozent Frauen und 41 Prozent Angehörige ethnischer Minderheiten. Unter den Neumitgliedern befinden sich Regisseure wie Ryan Coogler, Deepa Mehta und Abbas Kiarostami, aber auch die Schauspieler Emma Watson, Michael B. Jordan, Oscar Isaac, Regina King, Anthony Anderson, Adam Beach, Kate Beckinsale, Chadwick Boseman, John Boyega, Carmen Ejogo, Idris Elba, America Ferrera, Greta Gerwig, Carla Gugino, Luis Guzmán, Tom Hiddleston, Patti LuPone, Rachel McAdams, Nate Parker, Anika Noni Rose und Marlon Wayans.Oscar-Akademie nominiert Frauen, Schwarze und Latinos für die Jury In: Süddeutsche Zeitung, 30. Juni 2016.Steve Pond: Academy Invites Michael B. Jordan, Oscar Isaac in Huge Diversity Push In: thewrap.com, 29. Juni 2016. Auch die Sängerin Mary J. Blige erhielt eine Einladung.

Zuletzt wurden Ende Juni 2017 insgesamt 774 neue Mitglieder ernannt, so viele wie nie zuvor. Nach Angaben der AMPAS waren 39 Prozent davon Frauen. Damit stieg der Frauenanteil auf 28 Prozent, der Anteil nicht-weißer Mitglieder auf 13 Prozent an. Zu den neuen Akademie-Mitgliedern gehören neben u. a. Adam Driver und Gal Gadot auch die 2017 nominierten Lucas Hedges, Barry Jenkins, Ruth Negga und Justin Timberlake. Ebenfalls aufgenommen wurden die Deutschen Fatih Akin und Daniel Brühl,Oscar-Akademie ernennt 774 neue Mitglieder – Kultur – Süddeutsche.de. Zugegriffen am 30. Juni 2017. die Österreicherinnen Jessica Hausner und Monika WilliZwei Österreicherinnen sind neue Mitglieder der Oscar-Akademie « DiePresse.com. Zugegriffen am 30. Juni 2017. sowie die Schweizer Claude Barras, Giacun Caduff, Corinna Glaus, Max Karli, Michel Merkt und Timo von Gunten.Class of 2017. Zugegriffen am 30. Juni 2017. Anfang Mai 2018 beschloss der Aufsichtsrat der Akademie, Roman Polański und Bill Cosby infolge von Vorwürfen sexuellen Missbrauchs als Mitglieder auszuschließen. Im Oktober 2017 hatte die Akademie bereits Harvey Weinstein aus demselben Grund ausgeschlossen.

Aufgrund der Coronavirus-Pandemie entschied sich die Academy of Motion im Jahr 2020 erstmals und laut eigener Darstellung einmalig auch Filme für die Nominierung zuzulassen, die ausschließlich auf Streaming-Plattformen gezeigt wurden.

Im Rahmen des Hauptpreises Bester Film wurden zur Verleihung 2024 Neuerungen eingeführt. Bewerber sind seither verpflichtet, mindestens zwei Vielfältigkeits-Kriterien zu erfüllen. Es kann aus vier verschiedenen Vorgaben gewählt werden, die gewährleistet sein müssen – so geht es um Besetzungen von Filmrollen oder Inhalte des Films. Beispielsweise sollen LGBT-Inhalte beleuchtet werden oder wichtige Rollen mit Schwerbehinderten besetzt werden. Durch die Reformen erhofft man sich mehr Diversität im Wettbewerb.

Im Dezember 2025 wurde bekanntgegeben, dass der Vertrag mit dem US-Fernsehsender ABC 2028 ausläuft. Ab 2029 soll die Verleihung auf YouTube gezeigt werden.

Besondere Vorfälle Bei der Oscarverleihung 1938 wurde die Statuette für die beste Nebendarstellerin vor aller Augen von der Bühne gestohlen. Die Preisträgerin Alice Brady hatte sich den Fuß gebrochen und konnte daher nicht an der Verleihung teilnehmen. Die Auszeichnung wurde von einem Betrüger entgegengenommen, der unerkannt verschwinden konnte und nie ermittelt wurde. Brady wurde später eine Kopie des Preises überreicht.Heritage Auction Galleries “Signature Music & Entertainment Memorabilia Auction” Catalog Available Online (October 2008) bei originalprop.com, abgerufen am 15. Januar 2014

Mehrere Künstler verweigerten die Annahme des Oscars. Als Erster lehnte Dudley Nichols bei der Oscarverleihung 1936 seine Auszeichnung für das beste adaptierte Drehbuch zu Der Verräter ab, da er im Streit mit der Filmakademie lag. 1971 verweigerte der Schauspieler George C. Scott die Annahme der Auszeichnung für die Hauptrolle in Patton – Rebell in Uniform und protestierte gegen die zunehmende „Fleischbeschau“ in der Filmindustrie. Marlon Brando weigerte sich 1973, den Preis für die Hauptrolle in Der Pate entgegenzunehmen, aus Solidarität mit der Bewegung der US-amerikanischen Ureinwohner, und schickte stattdessen Sacheen Littlefeather zur Veranstaltung. In der von Brando vorbereiteten Rede machte Littlefeather auf die Unterdrückung der Bürgerrechte der amerikanischen Ureinwohner und besonders auf die Protestaktionen des American Indian Movement bei Wounded Knee aufmerksam. Littlefeather konnte aufgrund der begrenzten Redezeit nur ein improvisiertes Statement abgeben; sie verlas den gesamten Text erst hinter der Bühne vor den dort anwesenden Journalisten.Text der vollständigen Rede bei nytimes.com, abgerufen am 9. Januar 2012.

Bei der Oscarverleihung 1962 gelang es dem New Yorker Taxifahrer Stan Berman, sich auf die Bühne zu schleichen und einen selbstgemachten „Oscar“ für Moderator Bob Hope zu präsentieren. Berman nannte einen Bezug auf das Jahr 1938, in dem Hope seine erste Rolle in einem abendfüllenden Spielfilm (The Big Broadcast of 1938) hatte.Gatecrasher offers Bob Hope a homemade Academy Award – Oscar History bei ontheredcarpet.com, abgerufen am 14. Januar 2014.