300px|mini|Südwestseite des Theodosiusobelisks Der Obelisk des Theodosius (auch Obelisk von Istanbul; türkisch Theodosius Obeliski, Mısır Obeliski oder Dikilitaş) ist ein altägyptischer Obelisk, der unter Kaiser Theodosius I. nach Konstantinopel gebracht und dort im Jahr 390 n. Chr. im Hippodrom aufgestellt wurde, dem heutigen Sultanahmet Meydanı.
Bautechnische Daten mini|hochkant|Opferszene des Thutmosis III. vor den beiden Obelisken Der altägyptische Obelisk, geschaffen in der Regierungszeit von Pharao Thutmosis III., ist mit seinen ca. 3.500 Jahren das älteste Denkmal Istanbuls. Der Obelisk besteht aus rötlichem Granit und ist auf allen seiner vier Seiten mit Hieroglyphen beschriftet.
Die Höhe des Obelisken beträgt im heutigen Zustand nur noch 19,59 m,Laut Erik Iversen: Obelisk in Exile. Band 2: The Obelisks of Istanbul and England. Kopenhagen 1972, ISBN 87-12-35883-5, S. 9. Dagegen Labib Habachi: Die unsterblichen Obelisken. Überarbeitete und erweiterte Neuauflage von Carola Vogel. Zabern, Mainz 2000, ISBN 3-8053-2658-0, S. 85: sind es 19,80 m. da der untere Abschnitt fehlt. Erhalten ist nur noch der obere Teil. Gemäß verschiedenen Berichten ist das fehlende Stück entweder während der Niederlegung, dem Transport oder der Aufrichtung abgebrochenLuc Gabolde: An atlas of the obelisk of Karnak. In: Egyptian Archaeology 31, 2007, S. 34 (Digitalisat): bei dem Versuch, ihn niederzulegen, zerbrochen. oder abgeschnittenRüstem Aslan, Stephan W. E. Blum, Frank Schweizer: Byzanz – Konstantinopel – Istanbul. WBG, Darmstadt 2010, ISBN 978-3-8053-4192-9, S. 40: vor dem Transport zerschnitten. worden. Ursprünglich betrug die Höhe des ganzen Monolithen mehr als 30 m.Labib Habachi: Die unsterblichen Obelisken. Überarbeitete und erweiterte Neuauflage von Carola Vogel. Zabern, Mainz 2000, ISBN 3-8053-2658-0, S. 86. Dagegenüber Erik Iversen: Obelisk in Exile. The Obelisks of Istanbul and England. Bd. 2. Kopenhagen 1972, ISBN 87-12-35883-5, S. 9: betrug die Höhe 28 m. Und Nahit Yıldırım: Constatinopolis Hipodromu, MA-Arbeit, Selçuk Üniversitesi, Konya 2013, S. 103: sind es 34, 79 m. Diese Höhenangabe ist durch eine vermutliche Darstellung dieses Obelisken und seines Partners von Thutmosis III. im Annalensaal hinter dem 6. PylonThutmosis III. - Bauten Theben (mit Bild der Darstellung der beiden Obelisken) des Tempels des Amun in Karnak bekannt.Labib Habachi: Die unsterblichen Obelisken. Überarbeitete und erweiterte Neuauflage von Carola Vogel, Mainz am Rhein 2000, ISBN 3-8053-2658-0, S. 85. Demnach entspricht die Hieroglypheninschrift des rechts dargestellten Obelisken der Südostseite des Obelisken in Istanbul. Anhand der kompletten Hieroglypheninschrift konnte festgestellt werden, dass dem heutigen Obelisken ungefähr 1/3 seiner originalen Höhe fehlt.
Seine Breite beträgt ca. 2,5 mGerda Bruns: Der Obelisk und seine Basis auf dem Hippodrom zu Konstantinopel (= Istanbuler Forschungen 7). Istanbul 1935, Abb. 5. und sein Gewicht wird auf ca. 200 Tonnendiese Information ist aus dem Taha Toros Archiv in einem Werk unter der Überschrift: Istanbul ve Paris Dikilitaşları Mısırdan nasıl getirilmişti?, S. 279 vorzufinden. Der Autor dieses Berichtes ist unbekannt, somit bliebe diese Information zu überprüfen. geschätzt.
Anhand der oben genannten Opferszenendarstellung kann man darauf schließen, dass der Obelisk von Istanbul zu einem Obeliskenpaar gehörte, von dem am ursprünglichen Ort vor dem 7. Pylon in Karnak sich nur noch der Sockel und ein Teil des Schaftes befinden.Labib Habachi: Die unsterblichen Obelisken. Überarbeitete und erweiterte Neuauflage von Carola Vogel. Zabern, Mainz 2000, ISBN 3-8053-2658-0, S. 49 Abb. 51. Der Lateranische Obelisk, ein zweiter Obelisk aus dem Karnak-Tempel, wurde im 4. Jahrhundert nach Rom transportiert. Dieser stand jedoch östlich des Festtempels des Thutmosis III.Labib Habachi: Die unsterblichen Obelisken. Überarbeitete und erweiterte Neuauflage von Carola Vogel. Zabern, Mainz 2000, ISBN 3-8053-2658-0, S. 152.
Geschichte Pharao Thutmosis III. (1504–1450) Der Obelisk stammt ursprünglich aus Ägypten, wo ihn ein Pharao der 18. Dynastie Thutmosis III., ca. 1504–1490 v. Chr. zum Anlass seines Naharina-Feldzuges, gegen das Reich der Mitanni östlich des Euphrats, errichten ließ. Durch diese Überschreitung dehnten sich die Grenzen Ägyptens weiter aus als jemals zuvor. Somit wurde dieser Feldzug Thutmosis’ III. größter militärischer Triumph. Durch die Inschrift auf dem Obelisken „Herr der Jubiläen“ lässt sich zudem noch ableiten, dass der Obelisk eventuell auch anlässlich des Regierungsjubiläums von Thutmosis III. errichtet worden sein könnte.Laut Erik Iversen: Obelisk in Exile. The Obelisks of Istanbul and England. Bd. 2. Kopenhagen 1972, ISBN 87-12-35883-5, S. 9: zum Anlass des 30. Regierungsjahres. Dagegen Gerda Bruns: Der Obelisk und seine Basis auf dem Hippodrom zu Konstantinopel (= Istanbuler Forschungen 7). Istanbul 1935, S. 21: zum Anlass des 33. Regierungsjahres.
Der rote Granit, aus dem der Obelisk besteht, ist in Ägypten nur im Gebiet von Assuan vorhanden, weshalb davon ausgegangen werden kann, dass sich der Steinbruch des Obelisken von Istanbul in dieser Gegend befindet.
Der ursprüngliche Standort des Granitblocks befand sich an der Querachse des großen Tempels von Karnak, im Süden des siebenten Pylons.
Kaiser Konstantin I. (306–337) Im Jahre 330 machte Kaiser Konstantin I. Konstantinopel zur neuen Hauptstadt des römischen Reiches. Der Bau des Hippodroms (Pferderennbahn) hatte schon während der Regierungszeit des Kaisers Septimius Severus (193–211) begonnen und wurde in der Regierungszeit Kaiser Konstantin I. erweitert und abgeschlossen.Erik Iversen: Obelisk in Exile. Band 2: The Obelisks of Istanbul and England. Kopenhagen 1972, ISBN 87-12-35883-5, S. 14.
Um seine neu gegründete Stadt an Wert und Bedeutung gewinnen zu lassen und das Hippodrom auszuschmücken, ließ Kaiser Konstantin I. wertvolle Gegenstände und Monumente aus anderen Städten in seine Stadt bringen, etwa nach Vorbild des Circus Maximus in Rom. Somit wurde auf Befehl des Kaisers ein Obelisk aus Theben nach Alexandria gebracht, um von dort dann nach Konstantinopel auf der Spina des Hippodroms aufgestellt zu werden.
Kaiser Constantius II. (337–361) Nach dem Tod Konstantins I. brachte sein Sohn Constantius II. den in Alexandria zwischengelagerten Obelisken anstelle von Konstantinopel nach Rom und ließ ihn dort im Circus Maximus im Jahre 357 aufstellen (Lateranischer Obelisk).
Wann genau der zweite Obelisk dieses Paares für das Hippodrom in Konstantinopel aus Theben abtransportiert wurde, ist unbekannt. Jedoch blieb das Vorhaben, den Obelisken aus Alexandria nach Konstantinopel zu transportieren, auf Grund des Todes des Kaisers unvollendet.
Kaiser Julian (361–363) Constantius’ II. Nachfolger Julian übernahm diese unvollendete Aufgabe und wandte sich in einem Brief im Jahre 363Der komplette Brief von Kaiser Julian an die Alexandriner in: Erik Iversen: Obelisk in Exile. Band 2: The Obelisks of Istanbul and England. Kopenhagen 1972, ISBN 87-12-35883-5, S. 10 f. an die Bewohner Alexandrias, in welchem er diese zur Übersendung des Obelisken auffordert, welcher am Hafen von Alexandria auf dem Boden liegend verblieben war. Im Gegenzug für die Übersendung des Granitblocks bot Kaiser Julian ihnen eine Statue von sich selbst aus Bronze an. Aus dem Brief gelangt man zudem zu der Erkenntnis, dass Kaiser Constantius II. bereits zu seiner Zeit ein Transportschiff hatte erbauen lassen, um den Obelisken nach Konstantinopel zu bringen.
Wann und ob überhaupt der Forderung von Kaiser Julian nachgekommen wurde, bleibt ungeklärt.
Kaiser Theodosius I. (379–395) Erst ca. 30 Jahre später wurde schließlich der Obelisk im Jahre 390, während der Regierungszeit von Kaiser Theodosius I., auf der Spina im Hippodrom in Konstantinopel aufgerichtet.Erik Iversen: Obelisk in Exile. The Obelisks of Istanbul and England. Bd. 2. Kopenhagen 1972, ISBN 87-12-35883-5, S. 9. Transport und Aufstellung des Obelisken wurden auf dem Sockel dargestellt. Versinschriften in griechischer und lateinischer Sprache geben an, dass der Obelisk unter dem Stadtpräfekten von Konstantinopel Proculus in 32 TagenGemäß der griechischen Inschrift auf dem Sockel des Obelisken. Demgegenüber wird in der lateinischen Inschrift auf dem Sockel die Aufrichtung in 30 Tagen beschrieben. Erik Iversen: Obelisk in Exile. The Obelisks of Istanbul and England. Bd. 2. Kopenhagen 1972, ISBN 87-12-35883-5, S. 12 f. aufgerichtet worden sei.
Für den Obeliskentransport wurde von der Marmaraküste bis zum Hippodrom eine gesonderte Straße errichtet.In dem Bericht Istanbulun Taşları: Dikilitaş von M. Turhan Tan gibt Evliya Çelebi an, dass dieser Transport vom Hafen auf den Platz drei Tage gedauert haben soll.
Der Standort des Obelisken im Hippodrom glich dem Standort des Obelisken im Circus Maximus in Rom: mittig auf der Spina.
Aufbau Das eigentliche Fundament des Obelisken befindet sich unterhalb des heutigen Bodenniveaus des Sultanahmet Meydanı. Hier befindet sich ein fast quadratischer zweistufiger Unterbau mit einem Grundrissmaß von ca. 7,05 m mal 7,10 m, welcher aus einem porösen und grauen Kalkstein besteht.Gerda Bruns: Der Obelisk und seine Basis auf dem Hippodrom zu Konstantinopel(= Istanbuler Forschungen 7). Istanbul 1935, S. 12.
Auf diesem ruht mittig der untere Teil des Marmorsockels mit einer Höhe von 1,40 m und einer ebenso beinahe quadratischen Fläche von ungefähr 3,77 m mal 3,87 m.Gerda Bruns: Der Obelisk und seine Basis auf dem Hippodrom zu Konstantinopel (= Istanbuler Forschungen 7). Istanbul 1935, S. 13 Abb. 5. Dieser untere Teil der Basis ist zu seiner Nordost- und Südwestseite mit einem Relief, sowie zu seiner Nordwest- und Südostseite mit Inschriften verziert. Im darüber liegenden Bereich von ca. 55 cm Höhe reduziert sich der Grundriss des Sockels auf ca. 3,20 m mal 2,85 m, es wirkt so, als würde der Basisblock in diesem Bereich zurückspringen. Die Ecken wurden in diesem Abschnitt durch rote Granitblöcke verstärkt.In Gerda Bruns: Der Obelisk und seine Basis auf dem Hippodrom zu Konstantinopel (= Istanbuler Forschungen 7). Istanbul 1935, S. 14 wird erwähnt, dass die Granitblöcke aus dem Bruchstück des Obelisken stammen sollen. Zwischen diesen Granitecken wurde der Sockel mit einem Rillen- beziehungsweise einem Pfeifenornament ausgebildet.
Darauf folgt dann der obere Teil des Sockels, welcher mit einer Höhe von ca. 2,36 m und einer Fläche von ca. 2,50 m mal 2,25 m annähernd quaderförmig ausgebildet wurde.Gerda Bruns: Der Obelisk und seine Basis auf dem Hippodrom zu Konstantinopel (= Istanbuler Forschungen 7). Istanbul 1935, Abb. 5, Abb. 9. Auch dieser obere Teil der Basis wurde zu allen vier Seiten mit einem Relief geschmückt.
Über dem oberen Basisblock befinden sich, etwas nach innen versetzt, vier Bronzewürfel an den Ecken, welche die Funktion haben, die Lasten des darüber liegenden Obelisken abzutragen. Die Würfel weisen eine Höhe von ca. 49 cm sowie einer Kantenlänge von ca. 47 cm auf.Gerda Bruns: Der Obelisk und seine Basis auf dem Hippodrom zu Konstantinopel (= Istanbuler Forschungen 7). Istanbul 1935, Abb. 9. Jeder dieser Bronzewürfel lässt an drei Seiten einen Haken erkennen (einen diagonal aus der Ecke und zwei horizontal zur Grundfläche).Gerda Bruns: Der Obelisk und seine Basis auf dem Hippodrom zu Konstantinopel (= Istanbuler Forschungen 7). Istanbul 1935, Abb. 21–24. Welche Nutzung diese Haken hatten, bleibt ungewiss. Man geht davon aus, dass diese möglicherweise zum Befestigen und Anbringen von Kränzen und ähnlichem genutzt worden sind. Zudem ist bekannt, dass jeder dieser Bronzewürfel in Blei eingetaucht wurde.Gerda Bruns: Der Obelisk und seine Basis auf dem Hippodrom zu Konstantinopel (= Istanbuler Forschungen 7). Istanbul 1935, S. 15 f.