mini|280px|Landratsamt in Meiningen, Häuser 1 – 3 (v.l.) Der Landkreis Schmalkalden-Meiningen ist ein Landkreis im Südwesten des Landes Thüringen in Deutschland. Kreisstadt und größte Stadt des Landkreises ist Meiningen. Raumordnerisch gehört der Kreis zur Planungsregion Südwestthüringen.
Im kulturhistorisch fränkisch geprägten Landkreis wird Hennebergisch gesprochen, ein unterostfränkischer Dialekt.
Geografie Der Landkreis erstreckt sich vom Rennsteig auf dem Kamm des Thüringer Waldes im Norden bis zur Hohen Rhön und zum Grabfeld im Süden. Der Landkreis ist nach Fläche der zweit- und nach Einwohnern der drittgrößte Thüringens. Nachbarkreise sind im Nordwesten beginnend im Uhrzeigersinn: Wartburgkreis, Gotha, Ilm-Kreis, Suhl und Hildburghausen in Thüringen sowie Rhön-Grabfeld und Fulda in Bayern bzw. Hessen.
Nach dem Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands liegt der Landkreis auf der Grenze der Mittelgebirgsschwelle zum Südwestdeutschen Schichtstufenland im Schnittpunkt der Haupteinheiten: Mainfränkische Platten (13) mit den Meininger Kalkplatten (1382), Osthessisches Bergland (35) mit Salzunger Werrabergland (359), Vorder- und Kuppenrhön (353) im Westen und dem südwestlichsten Zipfel in der Hohen Rhön (354) sowie Thüringisch-Fränkisches Mittelgebirge (39) mit Südlichem Vorland des Thüringer Waldes (390) und Thüringer Wald (391) im Norden. Die Naturräume Thüringens (TLUG) entsprechen dem im Wesentlichen, mit Meininger Kalkplatten, Basaltkuppenland Vorderrhön, Bad Salzunger Buntsandsteinland und Südthüringer Buntsandstein-Waldland sowie dem Thüringer Gebirge im Norden.
Berge Großer Inselsberg (916 m ü. NN) Sommerbachskopf (941,5 m) bei Zella-Mehlis Ellenbogen (814 m ü. NN), höchster Berg der Thüringer Rhön Gebaberg (751 m ü. NN) Dolmar (739 m ü. NN)
Gewässer Der größte Fluss des Landkreises ist die Werra, die den Kreis von Süden nach Norden mit einer Flusslänge von zirka 50 km durchfließt. Sie fällt dabei von 300 auf 250 m ü. NN. Größte Nebenflüsse der Werra sind im Landkreis von rechts Hasel und Schmalkalde sowie von links Sülze, Herpf und Katza. Größere stehende Gewässer sind die Teiche in Untermaßfeld und die Breitunger Seen.
Geschichte Der Kreis wurde im Jahr 1994 durch die Zusammenlegung der bis dahin bestehenden Landkreise Meiningen und Schmalkalden mit großen Teilen des Landkreises Suhl gebildet. Der Landkreis Schmalkalden-Meiningen ist Teil des historischen Henneberger Landes, das später vorwiegend vom Herzogtum Sachsen-Meiningen und der zur Landgrafschaft Hessen gehörenden Herrschaft Schmalkalden eingenommen wurde.
2019 wechselte die Stadt Kaltennordheim vom Wartburgkreis in den Landkreis Schmalkalden-Meiningen.
Einwohnerentwicklung Seit der Bildung des Kreises geht die Einwohnerzahl kontinuierlich zurück. Ausnahmen bilden seit 2011 hier nur die beiden größten Städte Meiningen und Schmalkalden sowie einige der beiden Städte umliegenden Gemeinden, deren Einwohnerzahlen nur leichten Schwankungen unterliegen. Die Kreisstadt Meiningen kann seit 2011 – auf den Gebietsstand gerechnet – wieder ein Bevölkerungswachstum verzeichnen. 2019 gab es ein leichtes Wachstum bei der Einwohnerzahl des Landkreises bedingt durch das Hinzukommen von Kaltennordheim.
Jahr Einwohner 1994 147.860 1995 146.868 1996 146.348 1997 145.878 1998 145.190 1999 144.546 2000 143.702 2001 142.488 2002 141.055 2003 139.637 Jahr Einwohner 2004 138.642 2005 137.267 2006 135.805 2007 134.262 2008 132.780 2009 131.312 2010 129.982 2011 128.800 2012 126.208 2013 125.574 Jahr Einwohner 2014 125.056 2015 124.623 2016 123.506 2017 122.952 2018 122.347 2019 124.916 2020 124.241 2021 123.404 2022 121.791 2023 121.151 Jahr Einwohner 2024 120.214 Datenquelle: ab 1994 Thüringer Landesamt für Statistik – Werte vom 31. Dezember
Religionen Die evangelischen Einwohner des Landkreises gehören zum Kirchenkreis Südthüringen in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland und zum Kirchenkreis Schmalkalden in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Die katholischen Einwohner gehören zum Dekanat Meiningen im Bistum Erfurt.
Den Ergebnissen des Zensus vom 9. Mai 2011 zufolge waren 4 220 Einwohner katholisch und 50 970 evangelisch-lutherisch. Somit lag der Anteil der Katholiken bei 3,3 % und der der Protestanten bei 40,3 %. Weitere 1,1 % gehörten protestantischen Freikirchen an und 0,2 % waren orthodoxe Christen. Insgesamt 54,2 % machten keine Angaben zu ihrer Religionszugehörigkeit, gehörten einer anderen Konfession an oder waren bekenntnislos.
Politik Landrat Landrätin ist seit 2018 Peggy Greiser (parteilos), die den nicht wieder zur Wahl antretenden Peter Heimrich (SPD) ablöste. Bei den Landratswahlen am 15. April 2018 erreichte Greiser mit 52,8 % im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit. Gegen sie traten Christiane Barth (CDU) mit 33,3 % und Hartmut Kremmer (FDP) mit 13,8 % der Stimmen an.
Bei den Kommunalwahlen am 26. Mai 2024 wurde Greiser, die diesmal für die SPD antrat, mit 52,5 % der Wählerstimmen wiedergewählt. Sie setzte sich gegen Ralf Liebaug (CDU) durch, der 47,5 % erreichte.Wahlen im Freistaat Thüringen Wahl der Landräte und Oberbürgermeister der kreisfreien Städte 2024, abgerufen am 3. Juni 2024.
Erste hauptamtliche Beigeordnete und damit Stellvertreterin der Landrätin ist Susanne Reich (parteilos). Der Posten des ersten ehrenamtlichen Beigeordneten ist mit Ralf Liebaug (CDU) besetzt, zweiter ehrenamtlicher Beigeordneter ist Volker Rosenhahn (AfD).
Vorgänger Greisers im Amt waren von 2012 bis 2018 Peter Heimrich und von 1994 bis 2012 Ralf Luther (CDU). Luther war Mitinitiator mehrerer Kunstwerke im Nationaldenkmal Skulpturenpark Deutsche Einheit, darunter die Goldene Brücke, die Stahl-Glas-Figur Barbarossa sowie die Stahlplastiken Auf der Flucht erschossen und Vertreibung.
Kreistag
Der Kreistag ist die kommunale Volksvertretung auf Landkreisebene im Landkreis Schmalkalden-Meiningen. Der Kreistag ist das Hauptorgan zur Entscheidungsfindung für elementare Angelegenheiten auf Landkreisebene. Er hat 50 Sitze: Partei Sitze AfD 14 (+5) CDU 12 (−1) SPD 12 (±0) FREIE WÄHLER 4 (+1) DIE LINKE 3 (−2) FDP 2 (−1) GRÜNE 1 (−3) Rhön-Rennsteig-Freunde 1 (+1) PIRATEN/ÖDP 1 (±0) (Stand: Kommunalwahl am 26. Mai 2024)
Wappen mini|hochkant=0.6|Flagge des Landkreises Durch das Thüringer Landesverwaltungsamt wurde am 15. Juli 1995 folgendes Wappen für den Landkreis Schmalkalden-Meiningen genehmigt. Wappenbeschreibung „Das Wappen ist geviertet und zeigt in Feld 1 in Gold auf einem grünen Dreiberg eine schwarze Henne mit rotem Kamm und roten Lappen, in Feld 2 in Blau einen siebenmal von Silber über Rot geteilten, golden gekrönten Löwen mit goldener Bewehrung, in Feld 3 in Blau eine schrägrechte goldene Lanze mit einer rot-weiß gevierteten Fahne, deren linker Rand in jedem Feld eine halbkreisförmige Einbuchtung zeigt; Feld 4 ist neunmal von Schwarz über Gold geteilt und mit einem schrägrechten grünen Rautenkranz belegt.“PDF-Broschüre , Landeszentrale für politische Bildung Thüringen, 2000.
Das Kreiswappen stellt die verschiedenen Landesherren dar, die einst auf dem Gebiet des heutigen Landkreises regierten. Die Henne links oben steht für die Grafschaft Henneberg, die rot-weiße Flagge links unten präsentiert das Hochstift Würzburg (Meiningen, Walldorf, Leutersdorf), der rot-weiß-gestreifte Löwe rechts oben verweist auf Hessen (Schmalkalden, Brotterode und Steinbach-Hallenberg), die Raute mit den schwarz-gelben Streifen rechts unten steht für das Herzogtum Sachsen-Meiningen (Meiningen, Wasungen, Breitungen).
Eine Übersicht der Wappen von Städten und Gemeinden des Landkreises befindet sich in der Liste der Wappen im Landkreis Schmalkalden-Meiningen.
Flagge Die vom Thüringer Landesverwaltungsamt am 15. Juli 1995 genehmigte Flagge ist geviert von Grün und Weiß und trägt das Kreiswappen.
Wirtschaft und Infrastruktur Kultur und Tourismus Kultur Mit dem Staatstheater Meiningen, den Meininger Museen und der Meininger Hofkapelle existieren überregional bedeutende Kultureinrichtungen im Landkreis. Auch finden in der Kreisstadt zahlreiche überregional bedeutende Kulturveranstaltungen wie die Meininger Kleinkunsttage oder das Thüringer Märchen- und Sagenfest statt. Einen großen Anziehungspunkt für Dampflokbegeisterte aus ganz Europa bilden die Meininger Dampfloktage. Tourismus mini|Staatstheater Meiningen mini|Schloss Wilhelmsburg Touristische Anziehungspunkte sind neben der Residenzstadt Meiningen mit den Schlössern Elisabethenburg und Landsberg und der Fachwerkstadt Schmalkalden mit dem Schloss Wilhelmsburg der Wintersportort Oberhof sowie die Wanderregionen in der Rhön und am Rennsteig im Thüringer Wald. Zahlreiche Rad- und Wanderwege durchziehen den Landkreis, darunter der Werratal-Radweg, der Main-Werra-Radweg und der Rhön-Rennsteig-Wanderweg. Einen Wasserwanderweg für Kanuten bietet die Werra. Ausflugsziele sind des Weiteren das Meeresaquarium Zella-Mehlis, der Trusetaler Wasserfall, der Vulkanberg Dolmar mit seinem Sportflugplatz, die Viba-Nougatwelt in Schmalkalden, die Märchen- und Sandsteinhöhle in Walldorf, die Goetz-Höhle und die Dampflok Erlebniswelt Meiningen. Ein besonderes Naturerlebnis ist der Forstbotanische Garten in Wasungen.
Schutzgebiete Im Landkreis befinden sich 29 ausgewiesene Naturschutzgebiete (Stand Januar 2017).
Verkehr ÖPNV Der ÖPNV wird kreisweit mit Buslinien der Meininger Busbetriebs GmbH sichergestellt. Straße Mit dem Bau der Bundesautobahn 71 Sangerhausen–Erfurt–Schweinfurt fand der Landkreis im Jahr 2003 Anschluss an das deutsche Autobahnnetz. Anschlussstellen befinden sich je zweimal bei Zella-Mehlis und Meiningen sowie eine bei Rentwertshausen. Weitere überregional bedeutende Straßen sind die B 19 Eisenach–Meiningen–Würzburg, die B 89 Meiningen–Sonneberg–Kronach und die B 285 durch die Rhön. Bahn Als Eisenbahnstrecken durchqueren den Landkreis die Bahnstrecke Neudietendorf–Ritschenhausen mit den Bahnlinien Erfurt–Grimmenthal–Würzburg/Meiningen, die Werrabahn mit der Bahnlinie Eisenach–Meiningen–Eisfeld–Sonneberg, die Bahnstrecke Schweinfurt–Meiningen und die Bahnstrecke Zella-Mehlis–Schmalkalden–Wernshausen, auf denen Regionalbahnen verkehren. Flugverkehr Der nächstgelegene internationale Flughafen befindet sich in der Landeshauptstadt Erfurt (80 Kilometer). Bis zum bedeutenden Flughafen Frankfurt Main sind es über Fulda rund 175 Kilometer.
Wirtschaft Wirtschaftlich ist der Landkreis vielfältig geprägt. Metallverarbeitendes Gewerbe, Werkzeug- und Kunststoffindustrie sind insbesondere in Schmalkalden, Steinbach-Hallenberg und Zella-Mehlis zu finden. Maschinenbau, Elektrotechnik und die Hightech-Branche haben sich vornehmlich in Meiningen angesiedelt. Lebensmittelbetriebe und die Landwirtschaft befinden sich im Werratal, Grabfeld und in Teilen der Rhön. Ein traditioneller Standort für Verwaltung und medizinische Einrichtungen ist die Kreisstadt. Mit Stand 2024 bietet Meiningen mit 12.806 Stellen die meisten sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze im Landkreis, gefolgt von Schmalkalden (8.150) und Zella-Mehlis (5.989).Agentur für Arbeit, Arbeitsmarkt kommunal - Gemeindeverbände und Gemeinden (Jahreszahlen) Stand: Juni 2024. Größter Arbeitgeber im Landkreis ist das Helios Klinikum Meiningen mit rund 1200 Beschäftigten.
In Meiningen befindet sich seit 1914 das Dampflokwerk Meiningen, das in den 1950er Jahren bis zu 3000 Beschäftigte hatte. Heute ist das Werk mit mehr als 100 Beschäftigten einer der wenigen Betriebe in Europa, die Dampflokomotiven Instand setzen oder neu bauen können.