mini|300px|Staatenaufteilung des Landkreises vor 1922
Der Landkreis Sonneberg im fränkisch geprägten Süden des Freistaats Thüringen ist sowohl nach der Fläche als auch nach der Einwohnerzahl der kleinste Landkreis in den neuen Bundesländern. Nachbarkreise sind im nördlich und nordöstlich gelegenen Sonneberger Oberland die Landkreise Saalfeld-Rudolstadt und Kronach, im Sonneberger Unterland die Landkreise Kronach und Coburg und im Sonneberger Hinterland die Landkreise Coburg und Hildburghausen.
Raumordnerisch gehört der Kreis zur Planungsregion Südwestthüringen und ist Mitglied der Planungsgemeinschaft Südwestthüringen. Seit 2014 gehört der Kreis außerdem zur Metropolregion Nürnberg. Radio eins: Klares Votum in Richtung Franken.MDR: 2. April 2014: .
Geografie Der Landkreis Sonneberg teilt sich in verschiedene Landschaften auf: das Oberland mit dem Thüringer Schiefergebirge im Norden und dem Frankenwald im Nordosten, das Unterland mit dem Obermainischen Hügelland im Südosten und Süden und das Hinterland mit dem Schalkauer Plateau im Westen.
Geschichte Frühes und hohes Mittelalter In seiner heutigen Ausdehnung umfasst der Landkreis Sonneberg Territorien, deren historische Entwicklung über Jahrhunderte in verschiedenen Staaten verlief. Den größten Teil nehmen Gebiete ein, die aus dem ehemaligen Fürstentum Sachsen-Coburg hervorgegangen sind. Während des frühen Mittelalters bestanden im Gebiet um Coburg und Sonneberg neben größeren Reichsgutkomplexen, die sich 899 in Gestalt des Königshofes Radaha (heute Bad Rodach, Landkreis Coburg) fassen lassen,Walter Heins: Königsgut und Grundherren im östlichen Grabfeld während der Karolingerzeit. In: Friedrich Schilling (Hrsg.): Coburg mitten im Reich. Band I, Kallmünz 1956, S. 91–116; Rainer Hambrecht: Die Erstnennung Rodachs im Rahmen der Landes- und Reichsgeschichte. In: Rodacher Almanach 1986. Spezielle Beiträge zur Heimatgeschichte des Coburger Landes (= Schriften des Rodacher Rückert-Kreises. 10). Rodach 1986, S. 9–29. größere Allodialherrschaften der Grafen von Schweinfurt und der Grafen von Sterker-Wohlsbach.Helmut Demattio: Kronach. Der Altlandkreis (= Historischer Atlas von Bayern. Teil Franken. I/32). München 1998, S. 34–37; Helmut Demattio: Die Sterkere – Grafen von Wohlsbach. In: Ferdinand Kramer, Wilhelm Störmer (Hrsg.): Hochmittelalterliche Adelsfamilien aus Altbayern, Franken und Schwaben (= Studien zur Bayerischen Verfassungs- und Sozialgeschichte. 20). München 2005, S. 241–270; Rainer Hambrecht: Beiträge zur Gründungs-, Besitz- und Wirtschaftsgeschichte des Klosters Mönchröden. In: Reinhard Butz, Gerd Melville (Hrsg.): 850 Jahre Mönchröden. Die ehemalige Benediktinerabtei von der ersten urkundlichen Erwähnung 1149 bis zur Reformation (= Schriftenreihe der Historischen Gesellschaft Coburg. 13). Coburg 1999, S. 65–118. Der südöstliche Teil des Landkreises lag bis ins späte Mittelalter noch im Einflussgebiet des Bistums Bamberg. 1012 gelangten die Reste des Reichsgutes um Saalfeld und Coburg in die Hände des Pfalzgrafen Ezzo von Lothringen, dessen Tochter, die polnische Königin Richeza, diese Gebiete 1056 dem Erzbischof Anno von Köln vermachte. Nach dem Tod Richezas 1069 gründete Anno in Saalfeld ein Benediktinerkloster, das er mit den ezzonischen Besitzungen um Saalfeld und Coburg ausstattete.Walter Heins: Königsgut und Grundherren im östlichen Grabfeld während der Karolingerzeit. In: Friedrich Schilling (Hrsg.): Coburg mitten im Reich. Band I, Kallmünz 1956, S. 91–116; Friedrich Schilling: Die Ur-Coburg und ihr Umland im Licht der spätottonischen Reichsgeschichte. In: Friedrich Schilling (Hrsg.): Coburg mitten im Reich. Band I, Kallmünz 1956, S. 117–183; Helmut Talazko: Moritzkirche und Propstei Coburg. Ein Beitrag zur Geschichte der geistlichen Vermögen im Spätmittelalter (= Einzelarbeiten zur Kirchengeschichte Bayerns. 2). Nürnberg 1971.
Territorienbildung Am südlichen Rand des Thüringer Schiefergebirges etablierten sich die niederadligen Herren von Sonneberg und von Schaumberg mit eigenen Herrschaften. Bei den Herren von Sonneberg handelte es sich um Ministerialen der Herzöge von Andechs-Meranien. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts wurden mehrere Angehörige dieses Geschlechts erwähnt; ein Hinweis darauf, dass sich das Geschlecht nach seiner neu errichteten Burg Sonneberg nannte. Der Erwerb von größeren Besitzungen um Sonneberg vom Benediktinerkloster Saalfeld (1252) und die Gründung des Zisterzienserinnenklosters Sonnefeld bei Coburg durch Heinrich II. von Sonneberg markieren den Höhepunkt in der Geschichte des Geschlechts. Während der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts setzte ein wirtschaftlicher Verfall der Familie ein, die nach 1310 in männlicher Linie ausstarb.Erich Fhr. von Guttenberg: Die Territorienbildung am Obermain (= Bericht des Historischen Vereins Bamberg. 79). Bamberg 1926, S. 437 f.; Walter Lorenz: Campus solis. Geschichte und Besitz der ehemaligen Zisterzienserinnenabtei Sonnefeld bei Coburg (= Schriften des Instituts für fränkische Landesforschung an der Universität Erlangen. Historische Reihe. 6). Kallmünz 1955; Thomas Schwämmlein: Zur ersten urkundlichen Erwähnung des Namens „Sonneberg“. Quelle, Überlieferung, historisches Umfeld. In: Jahrbuch des Hennebergisch-Fränkischen Geschichtsvereins. 22 (2007), S. 43–59.
Die Herkunft der Herren von Schaumberg ist unsicher. Möglicherweise handelte es sich um Edelfreie, die aber um 1200 in einem Ministerialenverhältnis zu den Grafen von Sterker-Wohlsbach standen und diesen im Besitz der Burg Schaumberg folgten. 1216 nannten sie sich erstmals nach ihrer neu erworbenen Burg „von Schaumberg“. Die Besitzungen der Herren von Schaumberg umfassten Reichslehen, die von Schalkau bis zum Rennsteig reichten. Nach dem Aussterben der mit ihnen verwandten Herren von Sonneberg 1310 erweiterten sie ihre Besitzungen auch um die Burg Sonneberg und die umliegenden Anwesen.Oskar Frhr. von Schaumberg, Erich Freiherr von Guttenberg: Regesten des fränkischen Geschlechts von Schaumberg. Ein Beitrag zur Geschichte der Itz- und Obermainlande. I. Teil. 1216–1300 (= Coburger Heimatkunde und Heimatgeschichte. Zweiter Teil. Heimatgeschichte. 12). Coburg 1930; Regesten des fränkischen Geschlechts von Schaumberg. Ein Beitrag zur Geschichte der Itz- und Obermainlande. II. Teil. 1301–1400 (= Coburger Heimatkunde und Heimatgeschichte. Zweiter Teil. Heimatgeschichte. 17). Coburg 1939; Thomas Schwämmlein: Schaumberg und Schalkau. Burg, Stadt und Zent im Mittelalter. In: Schaumberg-Schalkau. Burg, Stadt, Kirche. Schalkau 2000, S. 11–58.
Die Territorienbildung im Raum Coburg-Sonneberg setzte unter Graf Hermann I. von Henneberg ein, der nach dem Aussterben der Herzöge von Andechs-Meranien im Jahr 1248 im entstandenen Machtvakuum mit dem Aufbau einer Landesherrschaft um den Mittelpunkt Coburg begann. Nachdem die Herrschaft Coburg zwischenzeitlich an die Markgrafen von Brandenburg gekommen war, gelang Berthold VII. (dem Großen) von Henneberg-Schleusingen 1315 der Rückerwerb dieser „Neuen Herrschaft“. Berthold war der neue starke Mann in der Region, dem sich auch der im Land ansässige Adel unterwarf. 1315 trugen die Herren von Schaumberg ihre Burgen Schaumberg, Sonneberg und Neuhaus Berthold zu Lehen auf. Sonneberg wurde in den folgenden Jahrzehnten völlig an die Henneberger veräußert. Über seine neuen Besitzungen ließ Berthold 1317 – und nach seinem Tod 1340 dessen Sohn Heinrich – Besitzverzeichnisse (Urbare) aufstellen.Wilhelm Füßlein: Hermann I. Graf von Henneberg (1224–1290) und der Aufschwung der hennebergischen Politik. Von der Emanzipation der Henneberger vom Burggrafenamte bis zu ihrer Teilnahme am Gegenkönigtum. In: Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte und Altertumskunde. 19 (1899), S. 56–109, 151–224, 295–342; Wilhelm Füßlein: Die Erwerbung der Herrschaft Coburg durch das Haus Henneberg-Schleusingen in den Jahren 1311–1316. In: Schriften des Hennebergischen Geschichtsvereins. 15 (1928), S. 51–132; Eckart Henning: Die Neue Herrschaft Henneberg 1245–1353. In: Jahrbuch der Coburger Landesstiftung. 26 (1981), S. 43–70; Johannes Mötsch: Die Grafen von Henneberg und das Coburger Land im 13. und 14. Jahrhundert. In: Reinhard Butz, Gerd Melville (Hrsg.): Coburg 1353. Stadt und Land Coburg im Spätmittelalter. Festschrift zur Verbindung des Coburger Landes mit den Wettinern vor 650 Jahren bis 1918 (= Schriftenreihe der Historischen Gesellschaft Coburg. 17). Coburg 2003, S. 129–138.
In hennebergischem Besitz blieb die Herrschaft oder Pflege Coburg, wie dieses Gebiet auch genannt wurde, nicht lange. Nach dem Tod Heinrichs 1347 und dessen Ehefrau Jutta 1353 kam die Herrschaft an die wettinischen Markgrafen von Meißen (später auch Herzöge) und an das Kurfürstentum Sachsen. Markgraf Friedrich dem Strengen gelang nach 1353 auch der Erwerb der Burg Schaumberg und des halben Gerichts Schalkau der Herren von Schaumberg. Die von Schaumberg konnten lediglich die Reste ihrer Reichslehen um die 1349 erbaute Burg Rauenstein als eigenständiges Gericht und die Hälfte des Amtes Schalkau behaupten.Wilhelm Füßlein: Der Übergang der Herrschaft Henneberg Coburg vom Hause Henneberg-Schleusingen an die Wettiner 1353. In: Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte und Altertumskunde. 36 (1929), S. 325–434; Reinhardt Butz: Die Wettiner und das Coburger Land von 1351 bis zum Tode Markgraf Friedrichs III. von Meißen 1381. In: Reinhardt Butz, Gerd Melville (Hrsg.): Coburg 1353. Stadt und Land Coburg im Spätmittelalter. Festschrift zur Verbindung des Coburger Landes mit den Wettinern vor 650 Jahren bis 1918 (= Schriftenreihe der Historischen Gesellschaft Coburg. 17). Coburg 2003, S. 139–157.
Nachdem an der zwischen Neustadt und Sonneberg gelegenen gebrannten Brücke schon seit längerem Brückengericht gehalten wurde, war Sonneberg seit Mitte des 14. Jahrhunderts Teil der Zent Neustadt, innerhalb der es ein eigenes Obergericht bildete. Die Zent Neustadt wiederum war seit dem 14. Jahrhundert Teil des Amtes Coburg, zu dem auch das halbe Amt Schalkau und das vor 1355 entstandene Gericht Neuhaus gehörte.Walter Lorenz: Die Geschichte der Großpfarrei Fechheim im Mittelalter. In: Nordfränkische Monatsblätter. 1954, H. 9, S. 453–471. 1534 wurde – vor allem wegen der großen landesherrlichen Waldungen – ein Amt Sonneberg gegründet, das allerdings schon 1572 wieder in das Amt Coburg eingegliedert wurde. 1669 wurden die beiden Gerichte Sonneberg und Neustadt aus dem Amt Coburg ausgegliedert und zu einem Amt Neustadt vereinigt. Der Marktflecken Neuhaus mit der gleichnamigen Burg als Verwaltungssitz wurde 1611 ein eigenständiges Amt.Ulrich Heß: Geschichte der Behördenorganisation der thüringischen Staaten und des Landes Thüringen von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis 1952 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Thüringen. Kleine Reihe. 1). Jena/Stuttgart 1993, S. 39.
Frühe Neuzeit