Der Landkreis Sömmerda ist ein Landkreis im Nordosten von Thüringen.

Geographie Das Territorium des Landkreises Sömmerda liegt im Gebiet der mittleren Unstrut im nordöstlichen Teil des Thüringer Beckens und erstreckt sich in Ost-West-Richtung von der Finne bis zum Unstrutstau bei Straußfurt und in Nord-Süd-Richtung von den Ausläufern der Hainleite bei Bilzingsleben bis zur Landeshauptstadt Erfurt. Nachbarkreise sind im Norden der Kyffhäuserkreis, im Osten der sachsen-anhaltische Burgenlandkreis, im Süden der Landkreis Weimarer Land und die kreisfreie Stadt Erfurt sowie im Westen der Landkreis Gotha und der Unstrut-Hainich-Kreis.

Gewässer Der Landkreis Sömmerda wird von der Unstrut durchflossen, die als Hauptfluss das Gebiet durchquert. Die wichtigsten Zuflüsse im Landkreis sind die Gera, die Helbe, die Gramme und die Lossa (mit Scherkonde).

Bedeutende stehende Gewässer sind das Hochwasserrückhaltebecken Straußfurt, die Talsperren Großbrembach, Frohndorf und Bachra, die Kiesteiche bei Leubingen und der Alperstedter See.

Berge Die Geländehöhen liegen im Landkreis zwischen 130 m Höhe im Unstruttal bei Kannawurf und etwa 391 m auf der Hainleite. Zu den Bergen gehören nach Landschaften gegliedert: Hainleite: Lauberkopf (390,6 m) Schmücke: Künzelsberg (380,1 m), Wendenburg (353,8 m) Hohe Schrecke: Wetzelshain (370,1), Beerberg (362,7 m), Bilsenhügel (341,3 m) Fahner Höhe: NN (359,5 m) bei Witterda Finne: Schockholzberg (344,1 m), Maienberg (336,3 m), Finnberg (332,4 m), Mühlberg (310,4 m) Thüringer Becken: Gr. Wartberg (253,5 m bei Dielsdorf), Weinberg (237,5 m bei Buttstädt), Walschberg (207,8 m bei Walschleben), Kranichborner Hügel (203,9 m bei Kranichborn)

Natur Naturschutzgebiete Im Landkreis Sömmerda gibt es acht Naturschutzgebiete. Die Naturschutzgebiete Wipperdurchbruch sowie Hohe Schrecke liegen außerdem teilweise im Kyffhäuserkreis.

NSG Nr. Name des Gebietes Naturraum Fläche (ha) 15 Finnberg 2.2 Hohe Schrecke – Schmücke – Finne 72,7 43 Im Haken 3.4 Fahnersche Höhe 18,6 46 Alperstedter Ried 6.3 Gera-Unstrut-Niederung 101,6 47 Schwansee 5.1 Innerthüringer Ackerhügelland 76,8 60 Haßlebener Ried 6.3 Gera-Unstrut-Niederung 58,7 71 Brembacher Weinberge 5.1 Innerthüringer Ackerhügelland 124,8 85 Wipperdurchbruch 3.2 Hainich – Dün – Hainleite 671,9 375 Hohe Schrecke 2.2 Hohe Schrecke – Schmücke – Finne 3459,3

Naturpark Der Naturpark Kyffhäuser liegt zu einem kleinen Teil auch im Landkreis Sömmerda.

Geschichte 1974 wurde bei Bilzingsleben, knapp an der Nordgrenze des Landkreises, ein Rastplatz von Urmenschen (Homo erectus bilzingslebenensis) gefunden, der zu den bedeutendsten Fundstätten Europas für die Zeit um 400000 v. Chr. zählt. Die Entdeckung und Ausgrabung des Leubinger Häuptlingsgrabes war Anlass, einen ganzen Kulturkreis als „Leubinger Kultur“ zu bezeichnen (1900–1600 v. Chr.). Vor rund 3000 Jahren begannen die Menschen auch im Gebiet des jetzigen Landkreises, beherrschende Geländeerhebungen zu Wallburgen auszubauen. Diese Anlagen hatten mitunter imposante Ausdehnungen und dienten dazu, in Zeiten der Gefahr viele Menschen, deren Habe und vor allem das Nutzvieh vor Feinden zu „bergen“, zu verbergen und zu schützen. Besonders bedeutend für die Region war die Monraburg bei Burgwenden. Vor etwa 2500 Jahren wanderten von Norden her Germanen ein. Das Gebiet des heutigen Landkreises Sömmerda wurde ein Teil des „Hermundurenlands“, so genannt nach dem Namen der germanischen Stammesgruppe, die im mitteldeutschen Raum dominant war und aus der sich unter Einbeziehung anderer germanischer Stämme (Angeln, Warnen) um 400 n. Chr. das Volk der Thüringer herausbildete. Das Gebiet zählte zum Kernland des Thüringer Königreiches. Mit der Zerschlagung dieses Reiches 531 n. Chr. herrschten die Beauftragten fränkischer Könige und Kaiser über das Gebiet, verwalteten es, errichteten Siedlungen und förderten den Landesausbau. Viele der heutigen Ortschaften im Landkreis wurden schon im 8. und 9. Jahrhundert urkundlich erfasst. In dieser frühmittelalterlichen Zeit kam es auch zu Einwanderungen slawischer Siedler in die Region: Thüringer, Franken und Slawen (Wenden) verschmolzen mehr und mehr miteinander, kultivierten die Landschaft und erweiterten ihren Siedlungsraum. Einhergehend mit der Eingliederung Thüringens in das Frankenreich vollzog sich seit dem 8. Jahrhundert die zunehmende Christianisierung Thüringens. Zu den mächtigsten Feudalherren des 9. Jahrhunderts gehörten die Landgrafen von Thüringen (Runneburg/Weißensee) sowie die Grafen von Beichlingen und Hohenstein. Letztere wurden Mitte des 14. Jahrhunderts durch die Grafen von Schwarzburg abgelöst. Aber auch die Stadt Erfurt respektive das Fürstentum Mainz verfügten seit 1418 über Territorialbesitz im Kreis. Durch den Ausbau der Landeshoheit kam es zur Entstehung der Städte – Ackerbürgerstädte, deren wirtschaftliches Leben besonders stark von der Landwirtschaft, dem Waidanbau („Göttergabe Thüringens“) geprägt war.

Nach dem Wiener Kongress wurde das Gebiet staatlich neu gegliedert, wobei der größte Teil 1815 an das Königreich Preußen gelangte. Der westliche Teil dieses preußischen Gebietes gehörte zum Kreis Weißensee und der östliche zum Kreis Eckartsberga. Nach der Abdankung der thüringischen Fürstenhäuser 1918 und der Bildung des Landes Thüringen wurden die bis dahin zum Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach gehörenden Gemeinden in den neu gebildeten Thüringer Landkreis Weimar eingegliedert. 1932 wurden die Landkreise Weißensee und Erfurt zu einem neuen Landkreis Weißensee zusammengeschlossen. 1945 erfolgte dessen Eingliederung in das Land Thüringen. 1950 wurde der Landkreis Weißensee aufgelöst und zu einem großen Teil Bestandteil des neu gebildeten Kreises Erfurt-Land; der sachsen-anhaltische Landkreis Eckartsberga wurde in Landkreis Kölleda umbenannt. Mit der Neugliederung 1952 entstand dann der Kreis Sömmerda, der dem Bezirk Erfurt zugeordnet wurde.

Nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten wurde der Kreis Sömmerda 1990 zum Landkreis Sömmerda des neuen Landes Thüringen. Bei der Gebietsreform 1994 wurde der Landkreis im Süden um Teile des ehemaligen Kreises Erfurt-Land und im Norden durch Teile des ehemaligen Kreises Artern vergrößert.

Einwohnerentwicklung mini|hochkant=1.25|Bevölkerungspyramide für den Kreis Sömmerda (Datenquelle: Zensus 2011Datenbank Zensus 2011, Kreis Sömmerda, Alter + Geschlecht) Jahr Einwohner 1994 82.667 1995 82.635 1996 82.543 1997 82.483 1998 82.158 1999 81.884 2000 81.204 2001 80.323 Jahr Einwohner 2002 79.592 2003 78.671 2004 77.831 2005 76.865 2006 76.097 2007 75.257 2008 74.359 2009 73.688 Jahr Einwohner 2010 72.777 2011 72.345 2012 71.005 2013 70.833 2014 70.534 2015 70.600 2016 70.118 2017 70.027 Jahr Einwohner 2018 69.655 2019 69.427 2020 69.107 2021 68.717 2022 68.325 2023 68.109 2024 67.693 Datenquelle: ab 1994 Thüringer Landesamt für Statistik – Werte vom 31. Dezember

Wirtschaft Das Bild des Landkreises Sömmerda wird geprägt von einer intensiv genutzten Agrarlandschaft. Die Region um Kindelbrück ist hierbei traditionelles Obstanbaugebiet. Die Industrialisierung begann nach der Gründung der ersten Gewehrfabrik durch Johann Nikolaus von Dreyse 1840 in der Kreisstadt Sömmerda. 1901 wird die Dreysische Gewehrfabrik ein Unternehmen des Rheinmetall-Konzerns, 1920 wurde mit der Produktion von Schreib- und 2 Jahre später mit der Produktion von Rechenmaschinen begonnen. 1945 entwickelte sich das Werk zum Büromaschinenwerk Sömmerda mit bis zu 12.000 Beschäftigten. Im nach der Wende auf dem Gebiet neu entstandenen Industriepark haben sich inzwischen wieder zahlreiche Unternehmen und Einrichtungen etabliert. Auch haben sich im Landkreis wieder Computerhersteller wie Fujitsu Siemens und logatec angesiedelt, die inzwischen europaweit zu den größten Herstellern zählen. Die anderen Kleinstädte blieben ländlich, von Handwerk und Kleinindustrie geprägt. Kölleda brachte im 19. Jahrhundert der intensive Anbau von Heilkräutern den Beinamen „Pfefferminzstadt“ ein.

Die größten Unternehmen im Kreis sind Mubea Fahrwerksfedern in Weißensee mit 530 Mitarbeitern, Fujitsu Siemens in Sömmerda mit 360 Mitarbeitern, Funkwerk AG in Kölleda mit 350 Mitarbeitern, EUT Erdrich Umformtechnik in Sömmerda mit 320 Mitarbeitern und MDC Power (Mercedes-Benz-Motorenwerk) in Kölleda mit 1.400 Mitarbeitern.

Jährlich findet die regionale Leistungsschau der Wirtschaft im Landkreis Sömmerda mit dem Namen SÖM statt. Mit der SÖM erhalten die Unternehmen, Handwerker und Dienstleister des Landkreises die Möglichkeit, ihre Leistungen und Produkte auf regionaler Ebene anzubieten und mit den Verbrauchern und Kunden vor Ort ins Gespräch zu kommen.

Im Zukunftsatlas 2016 belegte der Landkreis Sömmerda Platz 360 von 402 Landkreisen und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Regionen mit „Zukunftsrisiken“.

Arbeitslosigkeit Entwicklung der Arbeitslosenquote im LandkreisThüringer Landesamt für Statistik: 1996 – 18,0 % 1997 – 21,2 % 1998 – 20,1 % 1999 – 18,4 % 2000 – 17,9 % 2001 – 18,2 % 2002 – 19,5 % 2003 – 21,2 % 2004 – 20,6 % 2005 – 21,2 % 2006 – 19,3 % 2007 – 16,0 % 2008 – 14,7 % 2009 – 13,4 % 2010 – 11,2 % 2011 – 10,5 % 2012 – 9,8 % 2013 – 9,6 % 2014 – 8,7 % 2015 – 7,9 % 2016 – 6,8 %

Verkehr Straßen Gegenwärtig verfügt der Landkreis über ein Straßennetz mit den Bundesstraßen 4, 85, 86 und 176. Durch die Fertigstellung der Bundesautobahn 71 im Jahre 2015 wurde die Verkehrserschließung wesentlich verbessert.

Eisenbahn Das Eisenbahnnetz umfasst im Landkreis die Süd-Nord-Verbindungen von Erfurt nach Bad Langensalza, Nordhausen und Sangerhausen/Magdeburg sowie die Ost-West-Verbindung Naumburg–Bad Langensalza. Die erste Eisenbahnstrecke wurde im Westen des Kreises 1869 von der Nordhausen-Erfurter Eisenbahn-Gesellschaft über Straußfurt eröffnet. Von hier führt seit 1874 die Saale-Unstrut-Eisenbahn ostwärts über Buttstädt nach Großheringen. Sömmerda wurde 1879 zum Knotenpunkt, hier kreuzt die Nord-Süd-Strecke der Magdeburg-Halberstädter Eisenbahngesellschaft von Sangerhausen nach Erfurt die Saale-Unstrut-Eisenbahn. Die Preußische Staatsbahn ergänzte um die Jahrhundertwende das Bahnnetz: 1897 erhielten zwei Gemeinden in der Südwestecke des Kreises Stationen an der Strecke Bad Langensalza-Erfurt, ausgehend vom Knoten Straußfurt kam 1906 eine Bahnlinie nach Bad Tennstedt hinzu und 1914 wurde eine Querverbindung von Kölleda in Richtung Lossa an der Finne-Laucha hergestellt. Die Weimar-Rastenberger Eisenbahn-Gesellschaft hatte 1887 von Weimar aus Schmalspurbahnen in den Kreis Sömmerda und zwar sowohl nach Großrudestedt als auch über Guthmannshausen nach Rastenberg mit einer Stichbahn (* 1891) nach Buttstädt geführt. Später – im Jahre 1910 – verband sie Buttstädt und Rastenberg unmittelbar mit einer normalspurigen Bahn.

So war das Schienennetz im Jahre 1906 auf 121 km angewachsen, davon 25 km Schmalspur. Nach den folgenden Stilllegungen: 1910: Buttstädt – Mannstedt 3 km (Meterspur) 1923: (Buttelstedt–)Guthmannshausen – Rastenberg 13 km (Meterspur) 1946: (Buttelstedt–)Markvippach – Großrudestedt 9 km (Meterspur) 1947: Kölleda – Ostramondra – Rothenberga (– Lossa) 18 km 1968: Buttstädt – Hardisleben – Rastenberg 5 km 1998: (Bad Tennstedt –) Schwerstedt – Straußfurt 8 km sind heute noch 88 km in Betrieb.

Luftverkehr Im Luftverkehr besteht der Verkehrslandeplatz Sömmerda/Dermsdorf (Ortsteil von Kölleda).

Politik

mini|Landratsamt in Sömmerda

Kreistag Die Kommunalwahl am 26. Mai 2024 führte zum in den Diagrammen dargestellten Ergebnis.

Partei Sitzverteilung nach den Wahlen 2004 2009 2014 2019 2024 CDU 21 17 18 15 14 AfD – – – 7 13 LINKE 13 11 9 7 5 SPD 4 4 4 3 2 FW – 4 4 3 2 GfSuL – – – – 2 GRÜNE – 1 1 2 1 FDP 2 3 2 2 1 NPD – – 2 1 – Gesamt 40 40 40 40 40

(Stand: Kommunalwahl am 26. Mai 2024)

Landrat Landrat des Landkreises Sömmerda ist seit 2024 Christian Karl (CDU).

Ehemalige Landräte 1990–2012: Rüdiger Dohndorf (CDU) 2012–2024: Harald Henning (CDU)