Der Brennerpass, kurz Brenner ( oder kurz Brennero), ist ein Grenzpass in den Ostalpen zwischen dem österreichischen Bundesland Tirol (im Norden) und der zu Italien gehörenden Autonomen Provinz Bozen – Südtirol (im Süden).

Der Brenner ist ein hoch gelegener Übergang im östlichen Alpenhauptkamm. Er verbindet die Süd- und Nordtiroler Abschnitte des Wipptals miteinander, welches hier die Stubaier Alpen (im Westen) von den Zillertaler Alpen (im Osten) trennt. Der Pass ist zusammen mit St. Gotthard, Simplon und Mont Cenis eine der vier bedeutendsten Routen des Alpentransits, für den Straßenverkehr die meistgenutzte überhaupt. Er ist auch die meistbefahrene Verbindung zwischen Österreich und Italien. Im Gegensatz zu den Schweizer Pässen liegt das Schwergewicht hier nicht auf der Eisenbahn, sondern auf dem Straßenverkehr: Bei einem Frachtvolumen von 53,8 Millionen Tonnen, das im Jahr 2019 über den Brenner transportiert wurde, entfiel 26 % auf den Schienenverkehr, was einen historischen Tiefstand darstellte.

Seit dem Inkrafttreten des Vertrags von Saint-Germain 1920 verläuft über den Brenner und mitten durch das gleichnamige Passdorf Brenner die Grenze zwischen Italien und Österreich.

Name In der älteren Literatur wird bei der Diskussion der Herkunft des Namens Brenner oft auf das Alpenvolk der Breonen oder den keltischen Heerführer Brennus verwiesen. Allerdings ist weder aus der Antike noch aus dem frühen Mittelalter für den Brenner unmittelbar ein eigener Name überliefert, sondern Bezeichnungen wie oder – so wörtlich in der karolingischen Divisio Regnorum von 806 – (Weg durch die Rätischen bzw. Norischen Alpen). Eine weitere Herleitung ergibt sich aus der Vermutung, dass über den Brenner seit der Bronzezeit eine der Handelsrouten (die Bernsteinstraße) für Bernstein von der Ostsee bis an den Nil geführt haben könnte und der „Brennstein“ so zum Namensgeber wurde.Gisela Graichen, Alexander Hesse: Die Bernsteinstraße: Verborgene Handelswege zwischen Ostsee und Nil. Rowohlt Verlag, 2012, ISBN 3644022410, ISBN 9783644022416 (Kap. „Über den Brenner?“ online).J. Schmidkontz: Ortskunde und Ortsnamenforschung im Dienste der Sprachwissenschaft und Geschichte: I. Untersuchungen über deutsche Ortsnamen, im Anschluss an die Deutung des Namens Kissingen. M. Niemeyer, 1895, im Original: University of California. S. 70 All diese Verknüpfungen werden in der neueren Namenforschung jedoch als unplausibel betrachtet.Peter Anreiter: Der Brenner. In: Namenkundliche Informationen 109/110 (2017), S. 9–29 ().

Die wesentlich wahrscheinlichere Etymologie des Namens geht auf das Spätmittelalter zurück. 1288 ist urkundlich ein Prennerius de Mittenwalde (das heutige Passdorf Brenner hieß damals noch Mittenwald) belegt, der in den 1290er Jahren noch mehrmals erwähnt wird und am Pass zwei Hofstellen hatte.Peter Anreiter: Der Brenner. In: Namenkundliche Informationen 109/110 (2017), S. 19–20 ()Oswald Zingerle: Meinhards II. Urbare der Grafschaft Tirol (Fontes rerum Austriacarum. 2. Abt., Band 45/1). Wien: Tempsky 1890, Abschn. X, Nr. 3. Prenner lässt sich dabei wohl als Bezeichnung für einen Mann, der Brandrodung betreibt, deuten. Im 14. Jahrhundert vollzog sich dann der Wechsel, mit dem der Personen-/Hofname zu einer Bezeichnung für die gesamte Passhöhe wurde.Peter Anreiter: Der Brenner. In: Namenkundliche Informationen 109/110 (2017), S. 20. (). 1455 wird der Pass in Brixner Aufzeichnungen als der Prynner bezeichnet.Acta Cusana. Quellen zur Lebensgeschichte des Nikolaus von Kues. Hrsg. Johannes Helmrath und Thomas Woelki. Band II, Lieferung 3, Meiner, Hamburg 2017, S. 899, Nr. 4306. Am Ende des Mittelalters und zu Beginn der Neuzeit erscheint der mittel- bzw. neulateinische Name Mons Brennus.

Geografie mini|Schild auf der Passhöhe Der Brenner und die von ihm nach Osten und Westen verlaufenden Gebirgsketten bilden die Wasserscheide zwischen der Sill und dem Eisack – und damit die Hauptwasserscheide zwischen der Adria und dem Schwarzen Meer. Regional trennt diese die Einzugsgebiete der großen Nordalpenströme Inn und Donau vom Gebiet südlich des Alpenhauptkamms (Südtirol und Oberitalien), das hauptsächlich von der Etsch (italienisch Adige) entwässert wird.

Die Passhöhe präsentiert sich als tief eingeschnittene, rund 200 m breite Furche, die als Transfluenzpass entstanden ist. Im Westen wird der Brennerpass vom zu den Stubaier Alpen gezählten Sattelberg () überragt. Im Osten erhebt sich der zu den Zillertaler Alpen gerechnete Wolfendorn (). Die beiden nord- und südseitig zum Brenner führenden Täler der Sill und des Eisack werden gemeinsam Wipptal genannt.

Die Staatsgrenze orientiert sich am Brenner nicht exakt an der natürlichen Wasserscheide, sondern verläuft etwas nördlich davon. Auf der Passhöhe befindet sich das Dorf Brenner. Der Großteil dieser Ansiedelung liegt auf italienischem Staatsgebiet in der Autonomen Provinz Bozen – Südtirol, wo er die Fraktion Brenner der gleichnamigen Gemeinde Brenner bildet, deren Hauptort allerdings Gossensaß ist; die wenigen Häuser auf österreichischem Staatsgebiet auf Nordtiroler Seite bilden den Ortsteil Brenner (auch Brennerpass oder veraltet Brennerpaß) der Gemeinde Gries am Brenner im Bundesland Tirol.

Die Talsohle im Bereich des Brennerpasses war ursprünglich moorig sowie sumpfig und in historischen Zeiten bestanden wenigstens drei Seen. Der einzige noch existierende ist der Brennersee rund 1 km nördlich der Wasserscheide. Nicht mehr erhalten sind die mindestens bis ins 18. Jahrhundert bestehenden Gewässer unmittelbar nördlich der St.-Valentin-Kirche und südlich der Wasserscheide im Bereich des historischen Wolf-Hofs.Alois Trenkwalder: Brenner. Bergdorf und Alpenpaß – Brennero. Storia di un paesino e di un valico internazionale. Brenner 1999, S. 46–47 (online).

Brennerachse Die Brennerroute ist der Hauptübergang zwischen beiden Hälften Tirols und für den internationalen Verkehr von großer Bedeutung. Die Brennerroute verbindet München (519 m) über Innsbruck (574 m) und Bozen (262 m) mit der Po-Ebene. Somit verlaufen die nördliche und die südliche Zulaufstrecken zum Brenner durch Haupttäler der Alpen: im Norden durch das Inntal, im Süden durch das Etschtal.

Die Verkehrsverbindung umfasst: eine vierspurige Autobahn mit Mautpflicht, die von 1959 bis 1975 gebaute Brennerautobahn, heute ein Teilstück der Europastraße 45 (in Österreich als „Brenner Autobahn“ A 13 bezeichnet, in Italien als „Autostrada del Brennero“ A 22), die „Brennerstraße“ B 182 (alte Passstraße) auf österreichischer Seite beziehungsweise SS 12 auf italienischer Seite, eine Eisenbahnstrecke, die Brennerbahn mit dem Bahnhof Brenner auf der Passhöhe, die an das italienische Fernradwegenetz angebundene Radroute 1 „Brenner–Salurn“ auf italienischer Seite.

Auf der Brennerachse betreibt die Rail Cargo Group eine Rollende Landstraße zur Entlastung der Straßenverbindungen. Damit können auch Fahrverbote im LKW-Verkehr umgangen werden. Zusätzlich wird bis zum Jahr 2032 zwischen Innsbruck und Franzensfeste ein etwa 55 km langer Eisenbahntunnel gebaut, der Brennerbasistunnel (BBT). Man strebt damit eine Verlagerung eines Teils des Transit-Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene an.

Der Brenner ist der mit Abstand am stärksten frequentierte Alpenpass. Dieser wird von LKWs besonders häufig genutzt und über den Brenner allein wird ein Fünftel der gesamten alpenquerenden Güter transportiert. Eine zentrale Charakteristik des Transitverkehrs ist, dass er im Laufe der Zeit immer schneller geworden ist und sich dabei auf immer weniger Routen konzentriert hat. Außerdem wächst das Volumen seit den 1960er Jahren stark. Die Tabelle zeigt die Entwicklung des Gütertransports über den Brenner in Millionen Nettotonnen.

+ 1994 1999 2001 2006 2011Straße 17,6 25,2 25,0 33,3 28,2Eisenbahn 8,3 8,3 10,8 11,6 14,1 Die Brenner-Autobahn wurde im Jahr 2019 von 16,83 Millionen PKW und 2,77 Millionen LKW genutzt.statista.com Abfertigungen an der Brenner-Autobahn …

Geschichte Antike Wege über den Brenner dienten, als die umliegenden Gebiete von Breonen und Genaunen besiedelt waren (ab dem 5. Jh. v. Chr.), hauptsächlich den lokalen Verkehrsbeziehungen.Alois Trenkwalder: Brenner. Bergdorf und Alpenpaß – Brennero. Storia di un paesino e di un valico internazionale. Brenner 1999, S. 77 (online).

Im Jahr 15 v. Chr. zog ein römisches Heer unter der Leitung von Drusus gegen schwachen Widerstand der einheimischen Stämme über den Alpenhauptkamm Richtung Norden, wo es sich (vermutlich beim heutigen Augsburg-Oberhausen) mit den aus Gallien über die Bodenseeregion kommenden Truppen unter Drusus' Bruder Tiberius vereinte.Mario Bloier: Ländliche Besiedlung zur Römerzeit und Typologie der villae rusticae. In: Archäologie im Dachauer Land 2008–2010. Archäologischer Verein für Stadt und Landkreis Dachau, Dachau, 2011, S. 61–84 (academia.edu). Während dabei Drusus selbst das Gebirge über den Reschenpass überquerte, drangen parallel in einer Zangenbewegung seine Heerführer Publius Silius Nerva westlich davon durch das Unterengadin und Lucius Calpurnius Piso östlich davon über den Brenner nach Norden vor. Die römische Invasion Tirols 15 v. Chr., Website des Vereins fontes historiae – Quellen der Geschichte. Der griechische Geograph und Historiker Strabon berichtet, dass insbesondere südlich des Brenners die alteingesessene Bevölkerung zum Teil völlig ausgerottet oder versklavt wurde. Die Region wurde in der Folgezeit von einigen wenigen römischen Siedlern bewohnt, aber auch norische Siedler ließen sich im Eisacktal, Wipptal und seinen vielen Nebentälern nieder. Die einheimischen Stämme bewohnten weiterhin die kargen Seitentäler. So werden die Breonen noch bis in das 9. Jahrhundert hinein urkundlich erwähnt, ehe sie gänzlich in der bairischen Bevölkerung aufgingen.

Der Pass bildete zur Römerzeit eine wichtige Verbindung zwischen Italien und der Provinz Raetia. Zwischen 195 und 215 ließ Kaiser Septimius Severus die alten, unbefestigten Pfade ausbauen und eine befestigte Straße errichten, die jedoch relativ schmal und teilweise sehr steil war. Diese heute Via Raetia genannte Römerstraße führte von Verona und Tridentum (Trient) über den Pass nach Veldidena (heute Innsbruck) und von dort über den Seefelder Sattel bis Augusta Vindelicorum (Augsburg). Im Jahre 268 stießen die Alamannen über den Brenner bis nach Italien vor, bevor sie im November desselben Jahres in der Schlacht am Lacus Benacus (Gardasee) besiegt wurden.

Mittelalter Aufgrund der guten Bauweise und des Unterbaus hielt sich die Handelsroute als Teil der Via Imperii bis ins Mittelalter. Entscheidend aufgewertet wurde die Route über den Brennerpass ab ca. 900, als durch die Ungarneinfälle das östliche Oberitalien verheert wurde und der Brennerweg einen der wenigen sicheren Verkehrswege darstellte.Vgl. Mark Mersiowsky: Ungarnzüge im frühmittelalterlichen Alpenraum. In: Verona-Tirol. Kunst und Wirtschaft am Brennerweg (899–1516) (= Runkelsteiner Schriften zur Kulturgeschichte 7). Bozen 2015, ISBN 978-88-6839-093-8, S. 15–48. Einer der Förderer dieses Verkehrsweges war Bischof Zacharias von Säben (890–907).