mini|René Goscinny (1966) René Goscinny [] (* 14. August 1926 in Paris; † 5. November 1977 ebenda) war ein französischer Comicautor, Publizist und Regisseur. Er gilt als einer der bekanntesten Comicautoren des 20. Jahrhunderts.

Mit dem Zeichner Albert Uderzo schuf er die Comics über den Indianer Umpah-Pah (ab 1951) und den unbeugsamen Gallier Asterix (ab 1959). Ab 1955 textete er außerdem die Comics über den von Morris gezeichneten Cowboy Lucky Luke und den von Jean Tabary gezeichneten Großwesir Isnogud. Als Kinderbuchautor wurde er durch seine von Sempé illustrierten Geschichten über den Kleinen Nick (Le Petit Nicolas) berühmt.

Leben und Werk Goscinnys Eltern waren jüdische Einwanderer aus Polen. Seine Mutter Hanna Bereśniak-Gościnna stammte aus Chodorków und war Hausfrau. Der in Warschau geborene Stanisław Simkha Gościnny war Chemieingenieur und bei der Jewish Colonisation Association angestellt, die die Auswanderung verfolgter russischer Juden nach Nord- und Südamerika sowie Palästina förderte; für diese Organisation führte Goscinnys Vater einen landwirtschaftlichen Betrieb in Argentinien.

1927 holte er seine Familie von Frankreich nach Buenos Aires, wo René und sein älterer Bruder Claude eine französischsprachige Schule besuchten. Nach dem Abitur arbeitete Goscinny als Hilfsbuchhalter und später als Zeichner in einer Werbeagentur.

Der Vater starb 1943; zwei Jahre später wanderte Goscinny mit seiner Mutter, an der er zeitlebens hing und die 1974 in Paris starb, nach New York aus. Hier hoffte er, als Zeichner für Walt Disney arbeiten zu können, erhielt jedoch nach mehreren Versuchen keine Anstellung und verdiente sich seinen Lebensunterhalt mit Gelegenheitsarbeiten. Der spätere Gründer des Satiremagazins Mad, Harvey Kurtzman, verschaffte ihm die Möglichkeit, Kinderbücher zu kolorieren. So lernte Goscinny 1949 den belgischen Zeichner Morris (Maurice de Bévère) kennen, der ihn bestärkte, weiter an Comics zu arbeiten.

1950 zog Goscinny nach Brüssel, wo er erstmals seine Comics veröffentlichen konnte. Seine im selben Jahr entstandene Serie Dick Dicks, die Parodie einer Detektivgeschichte, wurde in einigen Tageszeitungen veröffentlicht, so 1955/56 in La Libre Junior, der Kinderbeilage von La Libre Belgique. Die einzige weitere von ihm gezeichnete Serie ist Le capitaine Bibobu, die 1955/56 in Risque-Tout erschien.Luc Junior. Gesamtausgabe. Egmont Comic Collection 2015, S. 4. Danach stellte er seine zeichnerische Arbeit ein und widmete sich ausschließlich dem Schreiben von Comicszenarios für andere Künstler.

Im Jahr 1951 traf Goscinny den Zeichner Albert Uderzo, mit dem er eine fruchtbare Zusammenarbeit als Szenarist begann. Gemeinsam schufen sie folgende Figuren: den Kaperkapitän Pitt Pistol (1952–1956 in La Libre Junior) den jungen Reporter Luc Junior (1954–1957 in La Libre Junior) (mit gewissen Ähnlichkeiten zu Tim und Struppi) das Geschwisterpaar Benjamin & Benjamine (1956–1959 im gleichnamigen Magazin sowie in Top) den Indianer Umpah-Pah (1958–1962 in Tintin) den Gallier Asterix – ihren größten Erfolg, der 1959–1974 in Pilote vorveröffentlicht wurde und heute ausschließlich in Albenform erscheint.

mini|Goscinny (links) und Morris mit Ausgaben von Asterix und Lucky Luke in Amsterdam (1971) Ab 1952 wurde Goscinny als Autor bei dem Magazin Spirou tätig. Hier schrieb er drei Onkel-Paul-Episoden sowie für Jijé ein Jerry-Spring-Abenteuer, konzentrierte sich jedoch ab 1955 auf Lucky Luke, die beliebte Comicreihe von Morris, den er vor Jahren in Amerika kennengelernt hatte.

Ab 1956 schrieb Goscinny auch Szenarios und Gags für das Magazin Tintin, wo er mit etlichen Zeichnern zusammenarbeitete, u. a. mit André Franquin an Mausi und Paul, mit Maurice Maréchal an Prudence Petitpas (deutsch: Oma Pfiffig in Fix und Foxi), mit Berck an Strapontin (deutsch: Kasimir in der Zeitschrift Zack), mit Dino Attanasio an Spaghetti und nicht zuletzt mit Uderzo an Umpah-Pah.

Neben den Comics schrieb er zwischen 1959 und 1965 für die Zeitschrift Sud-Ouest-Dimanche wöchentlich eine Episode von Der kleine Nick (Le Petit Nicolas), der wenig später auch in Pilote (siehe unten) erschien. Die Kurzgeschichten wurden von Jean-Jacques Sempé illustriert, der die Titelfigur bereits 1954 für die belgische Fernsehzeitschrift Le Moustique erfunden hatte, wo sie unter Goscinnys Einfluss 1955/56 sogar kurzzeitig als Comic erschien. Auf Deutsch ist der Kinderbuchklassiker in sieben Sammelbänden erschienen, übersetzt von Hans-Georg Lenzen.

Im Jahr 1959 hob Goscinny zusammen mit Uderzo, Jean-Michel Charlier und Jean Hébrard das Magazin Pilote aus der Taufe, dessen Chefredakteur er von 1963 bis 1974 war. Asterix hatte sein Debüt in der ersten Ausgabe, und auch Der kleine Nick gehörte von Anfang an zum Programm. 1965 schuf Goscinny mit Gotlib (Marcel Gotlieb) für das Magazin die Dingodossiers, eine durch das Magazin MAD beeinflusste Serie von zumeist zweiseitigen Gag-Comics, die den „Wahnsinn“ des Alltags thematisieren. 1968 importierte er Lucky Luke aus Spirou sowie die Serie Isnogud, die in Zusammenarbeit mit Jean Tabary 1962 für die Zeitschrift Record entstanden war. Darüber hinaus bot er jüngeren experimentierfreudigen Zeichnern wie Gotlib, Claire Bretécher, Jean-Marc Reiser, Enki Bilal, Jacques Tardi und dem späteren Filmregisseur Terry Gilliam in Pilote ein Sprungbrett für ihre Karriere. 1964 war er am Drehbuch von Tim und Struppi und die blauen Orangen beteiligt.

Ende der 1960er Jahre kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Goscinny und seinen Mitarbeitern, als die politischen Unruhen jener Zeit (Pariser Mai 1968) auch die Redaktion erreichten. 1974 lehnte der Verlag Dargaud (seit 1960 Eigentümer des Magazins) Goscinnys Vorschlag ab, für die Albenproduktion der Bestseller Asterix und Lucky Luke eine eigene Gesellschaft zu gründen, an der er zur Hälfte beteiligt sein sollte. Goscinny verließ Pilote, und Asterix erschien fortan ohne Vorveröffentlichung in Pilote oder anderen Zeitschriften als Album bei Dargaud. Goscinny gründete im selben Jahr mit Pierre Tchernia und Uderzo das Studio Idéfix (benannt nach einer Figur aus Asterix) in Paris. Dort wurden die Zeichentrickfilme Asterix erobert Rom und Lucky Luke – Sein größter Trick produziert, die beide auf Vorlagen Goscinnys beruhten. Mehrfach führte Goscinny selbst Regie.

mini|Grabstelle von René Goscinny in Nizza (F)

René Goscinny starb am 5. November 1977 mit 51 Jahren an einem Herzinfarkt bei einem ärztlichen Belastungstest in Paris. Er hinterließ seine Ehefrau Gilberte, mit der er seit 1967 verheiratet war, und die 1968 geborene Tochter Anne.

Nach dem Tod Nicht lange nach seinem Tod wurde das Studio Idéfix mangels weiterer Aufträge geschlossen. Ende 1979 vollzog Uderzo die endgültige Trennung von Dargaud, indem er für die Publikation der Asterix-Alben einen eigenen Verlag gründete: Les Editions Albert René. Daran beteiligt ist auch Goscinnys Tochter, die sich seit dem Tod ihrer Mutter 1994 um das Werk ihres Vaters kümmert.

Im Sommer 2026 erschienen die Erinnerungen von Anne Goscinny Das Klimpern der Schlüssel. Brief an meinen Vater auf Deutsch im Schweizer Verlag Diogenes.

Filmografie (Auswahl) Eigene Werke 1964: Tim und Struppi und die blauen Orangen (Tintin et les oranges bleues, Drehbuch) 1968: Asterix und Kleopatra (Astérix et Cléopâtre, Regie) 1971: Lucky Luke (Regie/Drehbuch) 1974: Abgetaucht (Drehbuch) 1976: Asterix erobert Rom (Les Douze Travaux d’Astérix, Regie/Drehbuch) 1978: Lucky Luke – Sein größter Trick (La ballade des Dalton, Regie)

Weiteres 1967: Asterix der Gallier (basierend auf dem gleichnamigen Band, ohne Einverständnis von Goscinny und Uderzo entstanden) 1971: Le Juge (Realfilm, basierend auf dem Lucky-Luke-Band Der Richter) 1976: Inspektor Clouseau, der „beste“ Mann bei Interpol (The Pink Panther Strikes Again), PlagiatsbeschwerdeGoscinny hatte Peter Sellers ein sehr ähnliches Drehbuch geschickt, ohne eine Antwort von ihm erhalten zu haben – das Verfahren wurde mit dem Tod von Goscinny eingestellt. 1983: Lucky Luke – Das große Abenteuer (Les Dalton en cavale, basierend auf der Comicserie)

Dokumentationen René Goscinny – Der Autor von Astérix und Co. Regie: Guillaume Podrovnik, Produktion: Jaraprod/ARTE France, Frankreich 2017, 52 Minuten.

Ausstellungen 2017/2018: René Goscinny - Au-delà du rire, Musée d’art et d’histoire du Judaïsme, Paris. Katalog. 2017/2018: Goscinny et le Cinéma - Astérix, Lucky Luke & Cie., Cinémathèque française, Paris. Katalog.

Ehrungen mini|Straßenschild in Paris mini|Statue vor dem Lycée René Goscinny in Drap 1967 erhielt er den Ordre des Arts et des Lettres im Rang eines Chevaliers.

In den französischen Städten Angoulême, Avignon, Bobigny, Carrières-sur-Seine, Chessy, Cormeilles-en-Parisis, Eysines, La Chapelle-sur-Erdre, La Roche-sur-Yon, Paris, Montpellier, Orvault, Pau, Poitiers, Toulouse und Torcy sind Straßen nach Goscinny benannt. In Fismes gibt es eine „Allée Goscinny Uderzo“. In Viernheim (D) gibt es einen René-Goscinny-Weg.

In den französischen Orten Auzeville-Tolosane, Beaulieu-sous-la-Roche, Cannes, Ceaucé, Cléon, Divion, Drap, Le Louroux-Béconnais, Saint-André-sur-Orne, Taverny, Vaires-sur-Marne und Valdoie wurden Schulen nach Goscinny benannt. In Warschau wurde ein Gymnasium nach ihm benannt.

In Aire-sur-l’Adour, Athis-Mons, Dammarie-les-Lys und Saint-Sulpice-la-Pointe wurden Kultur-, Freizeit- und Gemeindezentren nach ihm benannt.

In Athis-Mons, Langres und Sainte-Luce-sur-Loire gibt es René-Goscinny-Bibliotheken.

Seit 1988 werden Szenaristen auf dem Comicfestival in Angoulême mit dem Prix René Goscinny geehrt.

2017 wurde vor dem Bahnhof von Angoulême ein 4,5 m hoher und 7 t schwerer Obélisque René Goscinny errichtet.

Am 23. Januar 2020 wurde in Paris in der Nähe seines früheren Wohnhauses eine lebensgroße Statue in Bronze – auf einem Bücherregal – enthüllt. Die Statue ist eine Kopie der Statue in Drap von 2012.

Literatur

Weblinks

René Goscinny bei Lambiek

Einzelnachweise

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