Rheindahlen (bis 1878 Dahlen und vom frühen Mittelalter bis zur Frühen Neuzeit um das Jahr 1700 Dalen) ist ein Ort im Westen der kreisfreien Stadt Mönchengladbach in Nordrhein-Westfalen. Seit der Neugliederung der Mönchengladbacher Stadtbezirke am 22. Oktober 2009 ist Rheindahlen dem flächenmäßig größten Stadtbezirk West zugeordnet. Seit der Verleihung der Nideggener Stadtrechte im Jahr 1354 bis zur Eingemeindung der Bürgermeisterei Rheindahlen zur Stadt München-Gladbach am 30. Juni 1921 war der Ort eine eigenständige Stadt.
Der ursprüngliche Ortsname Dahlen wurde im Jahr 1878 im preußischen Regierungsbezirk Düsseldorf auf Erlass Kaiser Wilhelms I. in Rheindahlen umbenannt. Die Umbenennung hatte in erster Linie postalische Gründe, um eine Verwechslung des Dahlen in der Rheinprovinz mit der im Norddeutschen Postbezirk liegenden Gemeinde Dahlen in Sachsen zu vermeiden. Die alten Namen bedeuten sprachhistorisch „Delle“, was die Lage des Ortes in einer Vertiefung ausdrückt.
Geografie Lage und Umgebung Rheindahlen liegt im Stadtbezirk West, der flächenmäßig größte Stadtbezirk der Stadt Mönchengladbach. Er liegt im Südwesten des Stadtgebiets und grenzt im Westen an die Gemeinde Schwalmtal und im Südwesten an die Stadt Wegberg im Kreis Heinsberg. Nachbargemeinden im Stadtgebiet von Mönchengladbach sind Hardt im Norden, Rheydt im Osten und Wickrath im Süden. Das Zentrum von Rheindahlen liegt rund 7,5 Kilometer südwestlich des Mönchengladbacher Stadtzentrums.
Landschaft und Geologie Rund um Rheindahlen ist das Landschaftsbild von den westlichen Ausläufern der Jülich-Zülpicher Börde geprägt. Der Ort liegt am Südrand des Niederrheinischen Tieflandes auf der Schwalm-Nette-Platte, die sich im westlichen Teil des Stadtgebietes durch wasser- und waldreiche Gebiete auszeichnet. Im Süden befindet sich das Niersquellgebiet. Die Rheindahlener Landschaft liegt am Südrand der Mönchengladbacher Lehmebene und steigt nach Süden hin an. Der niedrigste Punkt misst , der höchste Punkt . Der Ort selbst liegt 70– .
Geologisch gehört das Ortsgebiet zur Niederrheinischen Bucht an deren Westrand es liegt. Die oberste Bodenschicht besteht überwiegend aus dem landwirtschaftlich gut nutzbaren Löss, der in der letzten Kaltzeit in bis zu 10 m mächtigen Schichten auf Kies und Sand des Rheins abgelagert wurde. Darunter liegen Kiese, Sande, Tone und Braunkohleschichten des Tertiärs. Die Braunkohle der Niederrheinischen Bucht erreicht zum Teil große Mächtigkeit und wird in großen Tagebauen abgebaut (im Gebiet von Rheindalen im Tagebau Garzweiler); das Braunkohle-Flöz Morken hat zum Beispiel eine Mächtigkeit von rund 150 m. In durchlässigen Schichten wie Kiesen und Sanden ist Grundwasser in mehreren übereinander liegenden Stockwerken vorhanden. Die Stockwerke werden von wenig durchlässigen Schluff- und Tonschichten getrennt.
Das Grundwasser wird durch Brunnen und Sümpfungsmaßnahmen rund um den Tagebau Garzweiler abgepumpt. Durch das Abpumpen des Grundwassers kommt es verbreitet zu Bergschäden infolge von Bodensenkungen. In einzelnen Fällen verursacht die Sümpfung sogar Bewegungen auf den ansonsten nicht oder kaum aktiven geologischen Verwerfungen, die die Niederrheinische Bucht untergliedern. Der in Ost-West-Richtung verlaufende Rheindahlener Sprung etwa ist durch die Sümpfungsmaßnahmen in Bewegung geraten. Er verläuft aus Richtung des JHQ Rheindahlen bis in den Stadtteil Rheydt und sorgt bedingt durch die Grundwasserabsenkungen und der resultierenden Sedimentbewegungen entlang des Versatzes der Rheydter- und Günhovener Teilschollen für Bergschäden im Stadtgebiet von Mönchengladbach.
Klima Das Klima Rheindahlens ist insbesondere durch den atlantischen Golfstrom und dem Übergang zwischen ozeanischem und kontinentalem Klima beeinflusst. Niederschläge gibt es zu jeder Jahreszeit und er herrscht vorwiegend Wind aus südwestlichen Richtungen. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt rund 730 Millimeter, wobei der Juli der niederschlagsreichste und der September der niederschlagsärmste Monat ist. Die Sommer sind in der Regel warm und die Winter durch maritimes Klima bedingt mild. Im Juli liegt die mittlere Temperatur bei 20 °C, im Januar bei 0,5 °C. Die Dauer der kalten Periode mit einem Temperatur-Minimum unter 0 °C beträgt im Durchschnitt weniger als 60 Tage, die Anzahl der Sommertage mit Temperaturen über 25 °C liegt bei 30 Tagen, wobei es zusätzlich acht Tropentage mit Tagestemperaturen von mehr als 30 °C und Nachttemperaturen über 20 °C geben kann und insgesamt an 20 Tagen mit Gewittern zu rechnen ist.
Gliederung
Der ehemalige Stadtbezirk Rheindahlen (seit 2009 Mönchengladbach West) besteht aus den neun Stadtteilen Wickrath-Mitte, Wickrath-West, Wickrathberg, Wanlo, Hehn, Holt, Hauptquartier, Rheindahlen-Land und Rheindahlen-Mitte.
Während sich Rheindahlen-Mitte auf den Stadtkern und die umliegenden, nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen Straßen und Wohngebiete beschränkt, umfasst Rheindahlen-Land 36 Honschaften rund um das Zentrum Rheindahlens. Die Honschaften sind folgende:
Honschaften, Rheindahlen-LandMönchengladbach, Stadtbezirk West 300px Übersichtskarte von Rheindahlen-Landim Mönchengladbacher Stadtgebiet Bau Gerkerathwinkel Merreter Baum Griesbarth Peel Broich Grotherath Saas Dorthausen Günhoven Schriefers Eickelnberg Herdt Schriefersmühle Gatzweiler Hilderath Sittard Genhausen Knoor Sittardheide Genhodder Koch Viehstraße Genholland Kothausen Voosen Genhülsen Mennrath Wolfsittard Gerkerath Mennrathheide Woof Gerkerathmühle Mennrathschmidt Wyenhütte Informationen zu Mönchengladbacher Stadtbezirken und Stadtteilen
Im Jahr 1833 werden zur Bürgermeisterei Dahlen folgende Honschaften gezählt: Die Weiler: Bau, Baum, Bockert (nicht das Bockert, Ortsteil von Viersen), Dorthausen, Eickelnberg, Genhausen, Genhodder, Griesbart, Grotherath, Günhoverhütte, Knoor, Kothausen, Mennratherheid, Saas, Schmidt, Schrievers, Viehstraß, Winkel Die Dörfer: Broich, Genhülsen, Gerkerath, Günhoven, Koch, Mennrath. Wolfsittard Die Honschaften: Aufm Feldchen, Gatzweiler, Genholland, Herdt, Hilderath, Merreter, Sittard, Sittardheid, Voosen, Woof, Wyenhütt Die Bauernhöfe: Gennenhöfchen, Martinenhöfchen, Südderatherhof Die Mühlen: Gerkerathermühle (Windmühle), Knippertzmühle (Wassermühle), Schriefersmühle (Windmühle), Vollmühle (Wassermühle) Die Einzelhäuser: Peel, An der Stappen
Die Postleitzahl Rheindahlens ist 41179. Bis zur Einführung der fünfstelligen Postleitzahlen war die Bezeichnung 4050 Mönchengladbach 5.
Geschichte mini|Kartenausschnitt Niederrhein zwischen Rhein, Erft und Rur von 1557 mit der Ortschaft Dalen im Norden mini|hochkant=1|Dalen im Manuskriptatlas des Christian Sgrothen, vor 1573 mini|Phantasievolle Darstellung der Stadt von Isaac Commelin zur Zeit der hessischen Plünderung am 9. Mai 1644. Der offenbar holländische Stich hält sich im linken Teil an die Vorlage von Frans Hogenberg. Der Kupferstecher kann keine Ortskenntnis gehabt haben, was an der falschen Anzahl der Türme sowie der dargestellten Stadtmauer mit Schlitzscharten und Zinnengiebeln ersichtlich ist. mini|Dahlen mit Umgebung auf der Tranchot-Karte von 1806/07
Vor- und Frühgeschichte In Rheindahlen wurden Überreste von Siedlungen aus der Alt- und Jungsteinzeit zwischen 220.000 und 120.000 vor heute gefunden, es konnten zudem Fossilien von Homo heidelbergensis und Neandertalern nachgewiesen werden. Rheindahlen ist mithin eine äußerst ergiebige Fundstätte von fossilen Überresten, die sich vorbildlich im Boden, der vorwiegend aus Lehm besteht, erhalten haben. In archäologischen Fachkreisen ist dieser Fundort seit 1908 überregional bekannt. In der nahen Vergangenheit wurden im südlichen Stadtgebiet, in der Nähe der stillgelegten Ziegelei Dreesen archäologische Ausgrabungen getätigt, die maßgeblich zur Bestimmung des Jagd- und Siedlungsraumes des Neandertalers beigetragen haben. Ein 1994 gefundener Faustkeil wurde im Stadtzentrum Rheindahlens im Jahr 2003 als dreizehnfach vergrößerte Bronzeplastik aufgestellt; er erinnert an die Frühgeschichte des Ortes.
Aus dem 3. Jahrhundert ist eine römische Siedlung im Hardter Wald nördlich des Stadtgebietes nachweisbar. Diese wurden 1954 im beim Bau des NATO-Hauptquartiers nördlich von Rheindahlen entdeckt. Hinweise auf römische Siedlungen wurden unter anderem bei Genholland, Genhülsen, Griesbarth, Hilderath, Merreter und Peel gefunden, darunter ein 1961 entdeckter 89 Zentimeter hoher Matronenstein aus dem 2. Jahrhundert und vermutlich Reste einer Straße. Bei Ausgrabungen im Rheindahlener Stadtkern wurden 2010 Überreste von Kellergewölben und Bebauung gefunden, die auf einen Zeitraum zwischen dem 10. und 13. Jahrhundert datiert werden konnten. Daneben gab es in Mennrath, Sittard und Schriefershof frühmittelalterliche Motten.
Etymologie Der ursprüngliche Name Rheindahlens lautete „Dale“. Er entstand wahrscheinlich im 9. oder 10. Jahrhundert, als Geländebeschaffenheiten für Siedlungen gebräuchlich waren. Der Name „Dale“ leitet sich in diesem Fall von Dal ab, was Tal oder Mulde bedeutet.
Während der heutige Name Rheindahlens mindestens bis um 1500 und spätestens bis in das Jahr 1700 Dalen lautete, änderte er sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Dahlen. Aufgrund der Vielzahl an Orten mit den Namen Dahl, Dalheim, Dalem und Dalhem wurde es für den um 1870 aufkommenden Postverkehr immer schwieriger, die einzelnen Orte auseinanderzuhalten. Aufgrund der Lage Dahlens in der Rheinprovinz wurde vorgeschlagen, die Stadt in Rheindahlen umzubenennen. Dies genehmigte ein Erlass des preußischen Königs Wilhelm I. vom 24. Dezember 1877. Veröffentlicht wurde der Erlass im Preußischen Ministerialblatt am 15. Februar 1878.
Anfang des 20. Jahrhunderts beriet die Gemeindevertretung der Stadt Rheindahlen über eine Eingemeindung in die Stadt Gladbach. Der damalige Gladbacher Oberbürgermeister Hermann Piecq plante die Eingemeindungen von Neuwerk, München-Gladbach-Land und Rheindahlen. Sie kam am 18. Juli 1921 zustande, somit verlor Rheindahlen die Selbständigkeit und hieß von da an M.Gladbach-Rheindahlen. Nach dem Zweiten Weltkrieg lautet der Name Rheindahlen.
Grundherrschaft Erstmals wird Dalen im Jahr 861 als ein im Mühlgau () gelegenes Dorf () erwähnt, welches zur Diözese Lüttich gehörte. Sechs Jahre später findet sich eine urkundliche Erwähnung als Dalon, eine Rodungssiedlung vermutlich auf Königsgut zur Zeit der Karolinger. Etymologisch leitet sich Dalen von Delle oder kleines Tal ab. In den Archiven der Abtei Prüm findet sich die Abschrift einer Urkunde, nach der König Lothar II. am 20. Januar 867 mit Otbert, einem Vasallen des Grafen Matfried II. aus dem Eifelgau Güter und Ländereien tauscht. Unter anderem überließ der König diesem im Moselgau in der Mark wanolon ein Amtslehen des Sigar:
Aufgrund dieses Übersetzungsfehlers wurde Dalon daraufhin fälschlicherweise für das heutige Rheindahlen gehalten. Viel mehr ist das heutige Spangdahlem bei Prüm in der Eifel gemeint. Einen Beweis dafür liefern erhaltene Schriften des Kölner Klosters Cunibert, die Zehntrechte des Stifts in Wehlen an der Mosel beschreiben. Ein weiterer Beweis dafür, dass mit Dalon nicht das spätere Dahlen gemeint sein kann, wird dadurch erhärtet, dass weder im heutigen Rheindahlen selbst, noch in den umliegenden Ortschaften Spuren aus der Zeit der Karolinger oder der Merowinger Zeit gefunden wurden.