Rheydt ist ein Stadtteil der kreisfreien Stadt Mönchengladbach. Bis 1929 und von 1933 bis 1974 war Rheydt eine eigenständige Stadt in der Rheinprovinz und Nordrhein-Westfalen. Zum 1. Januar 1975 wurde die Stadt Rheydt durch das Düsseldorf-Gesetz im Zuge der Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen mit der Stadt Mönchengladbach und der Gemeinde Wickrath zur heutigen Stadt Mönchengladbach vereinigt.
Geschichte
mini|Landkarte von 1620 – korrekt verzeichnet Rheydt (Rheid), auf früheren Karten mit Giesenkirchen verwechselt, sowie Schloss Rheydt (Hus Rheid)
Zwischen 985 und 999 tauschten die Bistümer Köln und Lüttich mehrere Pfarreien, darunter die parochiam Reithe, untereinander aus. Das Gebiet am Niederrhein wurde ursprünglich keltisch besiedelt, in römischer Zeit ist ebenfalls eine Besiedlung nachgewiesen. Zu dieser Zeit war der germanische Stamm der Ubier hier von den Römern angesiedelt worden.
Rheydt gehörte gegen Ende des 14. Jahrhunderts zum Herzogtum Jülich-Berg, zuvor regierten die Markgrafen Walram von Jülich (1277–1297), Gerhard VII. von Jülich (1297–1328) und Wilhelm VI. von Jülich (1328–1356). 1348 kommt das Herzogtum Berg zu Jülich. Danach entwickelte sich Rheydt zur Unterherrschaft mit eigener Verwaltung.
Im 18. Jahrhundert gehörte Rheydt zum Herzogtum Jülich. 1794 kam Rheydt unter französische Herrschaft und bildete nun eine Mairie nach französischem Vorbild im Kanton Odenkirchen, der zum Arrondissement Krefeld des Rur-Departements gehörte.GenWiki: Kanton Odenkirchen Nachdem 1814 der gesamte Niederrhein auf dem Wiener Kongress dem Königreich Preußen zugeschlagen wurde, kam Rheydt 1816 im Zuge der Preußischen Verwaltungsorganisation zum neuen Kreis Gladbach in der Provinz Jülich-Kleve-Berg, der späteren Rheinprovinz. Aus der Mairie Rheydt der Franzosenzeit wurde die preußische Bürgermeisterei Rheydt.
Seit 1827 Titularstadt, erhielt Rheydt 1856 die Rheinische Städteordnung und damit das volle Stadtrecht. Am 1. April 1907 wurde Rheydt eine kreisfreie Stadt (Stadtkreis) im preußischen Regierungsbezirk Düsseldorf. Die Stadt beherbergte 1919 ein Amtsgericht, eine Oberrealschule mit Reformgymnasium, ein Lyzeum, ein Lehrerseminar, eine Handels- und Gewerbeschule für Mädchen sowie Textil-, Eisen- und Papierindustrie und Kabelwerke.
mini|Früheres Wappen der Stadt Gladbach-Rheydt, Verwendung: 21. Juni 1932 bis 31. Juli 1933 Am 1. August 1929 wurde Rheydt mit der kreisfreien Stadt München-Gladbach, der Stadt Odenkirchen (Stadtrechte seit 1856) sowie den Gemeinden Giesenkirchen und Schelsen zur kreisfreien Stadt Gladbach-Rheydt vereinigt, jedoch bereits 1933 auf Veranlassung des aus Rheydt stammenden damaligen Reichspropagandaministers Joseph Goebbels wieder getrennt. Danach umfasste das Rheydter Stadtgebiet die Orte Rheydt, Odenkirchen, Giesenkirchen und Schelsen.
Der Wiederaufbau der stark zerstörten Innenstadt erfolgte nach Plänen des Architekten und Architekturpublizisten Alfons Leitl. Ein besonders prägnantes Element dieser Wiederaufbauplanung ist die Kammbebauung an der Hauptstraße.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1947 in Rheydt der Deutsche Werkbund neu gegründet. Die von Hans Schwippert organisierte Veranstaltung wurde mit dem Rheydter Manifest abgeschlossen.
Am 12. September 1968 überschritt die Einwohnerzahl die Marke von 100.000, und Rheydt wurde damit zur Großstadt. Doch 1974 fiel die Einwohnerzahl wieder unter diese Schwelle. Am 1. Januar 1975 wurde Rheydt schließlich nach Mönchengladbach eingemeindet.
Zu den Religionen in Rheydt siehe den Artikel Mönchengladbach (Religion).
Einwohnerentwicklung
Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bis 1833 handelt es sich meist um Schätzungen, danach um Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter beziehungsweise der Stadtverwaltung selbst. Die Angaben beziehen sich ab 1843 auf die Ortsanwesende Bevölkerung, ab 1925 auf die Wohnbevölkerung und seit 1987 auf die Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung. Vor 1843 wurde die Einwohnerzahl nach uneinheitlichen Erhebungsverfahren ermittelt.
+ 1532 bis 1880 Zeit / Datum Einw. 1532 650 1794 2.776 1804 2.743 1830 2.200 3. Dez. 1849 8.189 3. Dez. 1861 10.200 3. Dez. 1864 11.400 3. Dez. 1867 12.200 1. Dez. 1871 13.766 1. Dez. 1875 15.835 1. Dez. 1880 19.100+ 1885 bis 1933 Zeit / Datum Einw. 1. Dez. 1885 22.658 1. Dez. 1890 26.830 2. Dez. 1895 30.102 1. Dez. 1900 34.036 1. Dez. 1905 40.149 1. Dez. 1910 43.999 1. Dez. 1916 38.468 5. Dez. 1917 37.657 8. Okt. 1919 42.821 16. Juni 1925 45.095 16. Juni 1933 77.261+ ab 1939 Zeit / Datum Einw. 17. Mai 1939 77.339 31. Dez. 1945 65.755 29. Okt. 1946 68.921 13. Sep. 1950 78.302 25. Sep. 1956 89.029 6. Juni 1961 94.004 31. Dez. 1965 98.862 27. Mai 1970 100.077 31. Dez. 1974 99.963
Anmerkungen:
Im Jahre 2000 hatte Rheydt (ohne die bis einschließlich 1974 zu Rheydt gehörigen Orte Odenkirchen, Giesenkirchen und Schelsen) insgesamt 66.283 Einwohner. Diese verteilten sich wie folgt: Rheydt-Mitte 42.206 (mit Schloss Rheydt 29, Bonnenbroich-Geneicken 7.015, Rheydt 12.535, Mülfort 9.788, Heyden 8.382, Geistenbeck 4.457) Rheydt-West 24.077 (mit Pongs 2.088, Schrievers 7.784, Grenzlandstadion 3.003, Schmölderpark 7.446, Hockstein 3.756)
Politik
An der Spitze der Gemeinde Rheydt standen nach der gutsherrlichen Verfassung die Gerichtsschöffen und die Vorsteher der sechs zur Gemeinde gehörigen Honnschaften. Sie vertraten die Gemeinde Rheydt gegenüber dem Landesherrn. In französischer Zeit, ab 1794, gab es drei Mitglieder der Munizipalität. In preußischer Zeit leitete ein Bürgermeister die Stadtverwaltung, der nach 1889 meist den Titel Oberbürgermeister trug. Ihm stand ein Rat zur Seite.
Während der Zeit der Nationalsozialisten wurde der Oberbürgermeister von der NSDAP ernannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte die Militärregierung der Britischen Besatzungszone Carl Marcus als neuen Oberbürgermeister ein. Marcus arbeitete ab 1938 als Sekretär des Geheimdienstlers Kurt Jahnke. Nach seiner Zeit beim Büro Jahnke, einem privaten Nachrichtendienst, der unter der Schirmherrschaft von Rudolf Heß arbeitete und 1941 mutmaßlich an den Vorbereitungen für dessen Flug nach Schottland beteiligt war, wurde er später deutsch-britischer DoppelagentUlrich Schlie, Carl Marcus (1911–1989) und das Jahnke-Büro im Fadenkreuz anglo-amerikanischer Dienste im Zweiten Weltkrieg, in: Reinhard Dörries, Diplomaten und Agenten. Nachrichtendienste in der Geschichte der deutsch-amerikanischen Beziehungen, Winter, Heidelberg 2001, S. 85–111 (vgl. Rezension bei H-Soz-u-Kult). mit dem MI6-Decknamen Dictionary. 1947 wurde kolportiert, dass Marcus die Rennstrecke GrenzlandringDer Grenzlandring entdeckt habe. Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt 1948 nahm er neue Aufgaben im kulturpolitischen Bereich wahr.Kulturpolitiker im Wiederaufbau 1946 führte sie die Kommunalverfassung nach britischem Vorbild ein; danach gab es einen vom Volk gewählten Rat der Stadt, dessen Mitglieder man als Stadtverordnete bezeichnet. Der Rat wählte anfangs aus seiner Mitte den Oberbürgermeister als Vorsitzenden und Repräsentanten der Stadt, welcher ehrenamtlich tätig war. Des Weiteren wählte der Rat ab 1946 einen ebenfalls hauptamtlichen Oberstadtdirektor als Leiter der Stadtverwaltung. Dieser Verwaltungsaufbau bestand bis zur kommunalen Neugliederung am 1. Januar 1975.
Bürgermeister bzw. Oberbürgermeister 1808–1974
Bürgermeister (und Oberbürgermeister) der Stadt Rheydt
1808–1823: Dietrich Lenssen 1823–1857: Johann David Büschgens 1857–1877: Carl Theodor von Velsen 1877–1893: Emil Pahlke (ab 1889 Oberbürgermeister) 1893–1901: Wilhelm Strauß (ab 1897 Oberbürgermeister) 1901–1905: Karl Tettenborn (Oberbürgermeister)
Oberbürgermeister des Stadtkreises / der kreisfreien Stadt Rheydt
1906–1920: Paul Lehwald (ab 1909 Oberbürgermeister) 1920–1929: Oskar Graemer 1929–1930: Franz Gielen (ab 1. Juli 1929 kommissarischer Oberbürgermeister von Gladbach-Rheydt) 1930–1933: Johannes Handschumacher, Zentrum (Oberbürgermeister von Gladbach-Rheydt) 1933–: Wilhelm Pelzer, NSDAP (kommissarisch) 1933–1936: Edwin Renatus Hasenjaeger, DNVP, dann parteilos 1936–1940: Heinz Gebauer, NSDAP 1940–1945: Alexander Doemens 1945–: Heinrich Vogelsang (parteilos) 1945–: August Brocher (Zentrum) 1945–1948: Carl Marcus (CDU) 1948–1950: Heinrich Pesch (CDU) 1950–1956: Johannes Scheulen (CDU) 1956–1961: Wilhelm Schiffer (SPD) 1961–1963: Friedrich Hinnah 1963–1964: Fritz Rahmen (CDU) 1964–1969: Wilhelm Schiffer (SPD, ab 1969 FWGWS) (zum zweiten Mal) 1969–1974: Fritz Rahmen (CDU) (zum zweiten Mal)
Oberstadtdirektoren 1946–1974
1946–: Ernst Alex 1946–1949: Heinrich Raskin 1949–1950: Peter Heck 1950–1956: Carl Rüther 1956–1968: Josef Orth 1968–1974: Helmut Freuen
Wappen
Verkehr
mini|Hauptbahnhof Rheydt
Ab 1956 gab es das Kfz-Unterscheidungszeichen RY der kreisfreien Stadt Rheydt. Im Zuge der Gebietsreform in NRW wurde Rheydt im Jahre 1975 in die Stadt Mönchengladbach eingemeindet und mit dem Verlust ihrer Unabhängigkeit verlor sie auch das eigene Kfz-Kennzeichen. 2010 waren noch 150 Fahrzeuge mit RY angemeldet.Noch 150 PKW haben die alte Ortsmarke, rp-online, 23. März 2010, aufgerufen am 11. März 2024 Eine Wiedereinführung des Unterscheidungszeichens wurde zuletzt 2016 abgelehnt.
Im Kern der alten Stadt Rheydt befinden sich zwei Bahnhöfe, Rheydt Hauptbahnhof und Rheydt Güterbahnhof. Letzterer wird jedoch nur noch zum Abstellen von Güterzügen, Sonderzügen zu Fußballspielen im Borussia-Park und von Zügen für das Prüfcenter Wegberg-Wildenrath genutzt. Trotz der Eingliederung in die Stadt Mönchengladbach im Jahr 1975 wurde der Hauptbahnhof nicht umbenannt, so dass Mönchengladbach als deutschlandweit einzige Stadt zwei Hauptbahnhöfe hat.
Diese beiden Rheydter Bahnhöfe liegen an der Bahnstrecke Aachen–Mönchengladbach und dem im Hauptbahnhof beginnenden Eisernen Rhein, der bis zum Güterbahnhof parallel zur Strecke nach Aachen verläuft. Außerdem beginnt am Hauptbahnhof auch die Bahnstrecke Rheydt–Köln-Ehrenfeld.
Ein weiterer Personenbahnhof im Gebiet der ehemaligen Stadt Rheydt ist der Bahnhof Rheydt-Odenkirchen, der sich an der Strecke nach Köln befindet. Bis in die 1980er Jahre verlief zwischen dem Bahnhof Rheydt-Odenkirchen und Mönchengladbach Hauptbahnhof auf einer zur Strecke zwischen Mönchengladbach Hauptbahnhof und Rheydt Hauptbahnhof parallelen Trasse über die Bahnhöfe Rheydt-Mülfort und Rheydt-Geneicken die Bahnstrecke Mönchengladbach–Stolberg. Von dieser Strecke ist heute nur noch das Teilstück zwischen Mönchengladbach Hauptbahnhof und Rheydt-Geneicken erhalten, das für Güterverkehr genutzt wird.
Der ÖPNV in Rheydt wird abgesehen von der Eisenbahn hauptsächlich durch die Busse der NEW mobil und aktiv geleistet. Rheydt liegt als Stadtteil von Mönchengladbach im Tarifgebiet des Verkehrsverbund Rhein-Ruhr. Früher wurde der Nahverkehr in der Stadt von der Straßenbahn Rheydt (1881 bis 1959) beziehungsweise dem Oberleitungsbus Rheydt (1952 bis 1973) der Stadtwerke Rheydt gewährleistet.
Veranstaltungen
Seit 2006 wird im Schloss Rheydt die Sommermusik Schloss Rheydt aufgeführt. Dabei treten im Zeitraum von einer Woche Musiker aus den Bereichen Klassik, Rock, Pop, Jazz, Swing und Beat auf. Vertreten sind sowohl lokale Gruppen aus Mönchengladbach als auch internationale bekannte Künstler. Im Jahr 2011 hat etwa Gilbert O’Sullivan dort seinen einzigen Auftritt in Nordrhein-Westfalen.
In Rheydt wird im Rahmen des Rheydter Blumenkorsos die Goldene Blume von Rheydt verliehen. Der Preis gilt als der älteste deutsche Umweltschutzpreis.
Sport
mini|150px|Wappen des Rheydter SV