Wickrath ist Teil des Stadtbezirks West von Mönchengladbach und war bis zur Gebietsreform eine eigenständige Gemeinde im Kreis Grevenbroich. Am 1. Januar 1975 wurde sie im Zuge der Verschmelzung von Mönchengladbach mit Rheydt eingemeindet.
Gliederung Zur früheren ehemaligen Gemeinde gehören die Stadtteile Wickrath-Mitte, Wickrath-West, Wickrathhahn, Wickrathberg, Buchholz, Beckrath, Herrath und Wanlo.
Am 31. Dezember 2020 wohnten im Stadtbezirk Wickrath 17.188 Einwohner, die sich wie folgt auf die Stadtteile der ehemaligen Gemeinde verteilten:
Wickrath-Mitte = 10.322 Einwohner Wickrath-West = 3.401 Einwohner (mit Buchholz, Beckrath, Herrath, Wickrathhahn) Wickrathberg = 2.232 Einwohner Wanlo = 1.107 Einwohner
Die Postleitzahl von Wickrath ist 41189. Bis zur Einführung der fünfstelligen Postleitzahlen 1993 war die Bezeichnung 4050 Mönchengladbach 4, vor der Gemeindereform lautete die Postleitzahl 4072.
Geschichte Urgeschichte In Wickrathberg und Wanlo sind steinzeitliche Spuren entdeckt worden. Besonders nach der letzten Eiszeit, am Schluss der Altsteinzeit (11.700–9600 v. Chr.) lebten im Großraum Wanlo, unweit der zahlreichen Quellen der Niers, Menschen. Verzierte Gefäße aus Keramik, aus dem Zeitraum von 5000 bis 2000 v. Chr., sind in diesem Gebiet außerdem gefunden worden.
Römerzeit Schon zur Römerzeit um 200 n. Chr. wurde das Gebiet des heutigen Wickrath besiedelt. Es existieren zahlreiche Trümmerstellen im Gebiet des heutigen Wickrath, Wickrathberg, Wanlo, Beckrath, Buchholz und Wickrathhahn. Diese Trümmerstellen waren vermutlich alles Bauernhöfe (Villa rustica), die das nur wenige Kilometer entfernte römische Dorf (Vicus Mülfort) und die Römerlager am Rhein, versorgten. Diese Bauernhöfe wurden durch den Überfall der Franken im Jahr 274 n. Chr. zerstört.
Fränkische Zeit Erst im 9. und 10. Jahrhundert wurde das Gebiet, vermutlich zeitgleich mit Dahlen, Holzweiler, Borschemich sowie Beckrath und Herrath, und unmittelbar später Wickrathberg von den über den Rhein kommenden Franken neu entdeckt und besiedelt. Zwei fränkische Stämme siedelten sich links und rechts der Niers an. In Wickrath lebten Menschen des salischen und in Wickrathberg des ripuarischen Frankenstamms. Die früheste schriftliche Erwähnung des Ortsnamens Wickrath ist nach neuesten Untersuchungen nicht durch Urkunden von 961 und 1068, die beide Fälschungen sind, sondern erst für die Jahre 1104/1105 belegt. Zu dieser Zeit tauchte in der abgefassten Lebensgeschichte des Kölner Erzbischofs Anno II. ein Graf Gerlach, der Besitzer der Burg Wichinrod, auf. Diese Burg dürfte dort gelegen haben, wo heute noch das Schloss ist, und sie war eine Wasserburg. Des Weiteren wurde hier auch Gerhard I. als erster Herrscher über Wickrath aus dem Hause Hostaden (Hochstaden) erwähnt.Wickrather Geschichte – Heimatverein Wickrath.
1166 verstarb der Burgherr Otto I. und mit ihm das alte Geschlecht Hochstadens. Den Titel erbte der älteste Sohn Dietrich, der sich Graf von Are-Hochstaden nannte. Sein Sohn Otto der I. behielt den Titel Herr von Wickerode. Zur Herrschaft Wickrath gehörten bereits im 12. Jahrhundert neben dem Hauptort die Dörfer Wickrathberg, Beckrath, Herrath sowie die im 12. und 13. Jahrhundert neu besiedelten Gebiete Wickrathhahn und Buchholz, sowie Teile von Hockstein, Mennrath und Wetschewell. Neben diesem Gebiet verfügten die Grafen von Hochstaden-Wickrath über das Prämonstrantenserstift Hamborn bei Duisburg sowie weiteren Streubesitz. Die Herrschaft Schwanenberg mit dem Hauptort und den Siedlungen Lentholt, Genhof und einem Teil von Genfeld blieb – mit einer Unterbrechung – ein inkorporierter Teil der Herrschaft Wickrath. Von 1200 bis 1205 ließ er die romanische Kirche in Wickrath erbauen. 1205 wurde die kleine Pfarrkirche von Wickrath als Salvatorkirche geweiht. 1418 bekam sie ein größeres Mittelschiff und wurde mit dem dort stehenden Altar des hl. Antonius geweiht. (PDF) – Unser Wickrath. mini|Wappen der Are-Hochstaden Im Jahr 1309 starb das Geschlecht der Hochstaden aus, und Wickrath fiel an die Grafen von Geldern. Die Burg wurde bis ins 15. Jahrhundert dadurch häufig an verschiedene Eigentümer verlehnt. mini|Die frühere Schlossmühle, jetzt Lohmühle (2013) 1363 wurde die Lohmühle, früher Schlossmühle, das erste Mal erwähnt. Ursprünglich handelte es sich dabei um eine Korn-, später um eine Ölmühle.
Das alte Wickrath war einst von einer Mauer, einem Graben und einem Wall umgeben und hatte eine obere und untere Pforte, später kam noch eine dritte Pforte an der Schaumburggasse hinzu. Innerhalb der Mauern nannte sich der Ort Freiheit Wickrath, das umliegende Land hieß, soweit es zur Herrschaft gehörte, Herrlichkeit. Nach einer Urkunde aus dem Jahr 1363 sprach man bereits von einer Veste und 1436 von „die Vestinge von Wikerode“.
Zur Freiheit Wickrath gehörte im Mittelalter nur die Gegend um die Burg und Kirche. Zur Herrschaft Wickrath gehörten noch Beckrath, Herrath, Wickrathberg, Wickrathhahn, Teile von Buchholz, Hockstein, Mennrath und Wetschewell, außerdem die Exklave Schwanenberg, zwischen Erkelenz und Wegberg.
1482 bekam Wickrath Stadt- und Marktrechte Im Jahr 1482 eroberte der Erzherzog Maximilian von Habsburg, Schloss Wickrath mit bewaffneter Hand und übergab Burg und Ort an seinen Freund und Berater Heinrich von Hompesch. Heinrich v. Hompesch entstammte rheinischem Adel und hatte im Herzogtum Jülich nicht nur bedeutende Güter, er hatte dort auch als Erbhofmeister und Marschall zwei der höchsten erblichen Staatsämter inne. 1488 wurde aus dem Flecken Wickrath eine Stadtfreiheit. Dies wurde möglich, da Maximilian I. Wickrath zur reichsunmittelbaren Herrschaft erhob und das Lehen an den Ritter Heinrich von Hompesch übergab. Wickrath gehörte zum Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis. Gleichzeitig erhält der Flecken Wickrath Stadt- und Marktrechte. (PDF) – Stadt Mönchengladbach.
Im Jahr 1491 gründete die Gattin Heinrichs von Hompesch das Kreuzherrenkloster beziehungsweise Kreuzbrüderkloster. Durch dessen Lateinschule in Wickrathberg wurde Wickrath über die Grenzen hinaus bekannt. Nach dem Tode Heinrichs von Hompesch, um 1502, ging das Erbe Wickrath an die Stiefsöhne, die späteren Grafen von Quadt. Das Geschlecht der Quadt-Wickrath wird zunächst dem rheinischen Ritterkreis und zugeordnet. Diese traten Mitte des 16. Jahrhunderts zum evangelischen Glauben über. Die kleine Barockkirche in Wickrathberg, erstmals 1220 erwähnt, wurde 1529 evangelisch. Das Kloster mit der romanischen Kirche blieb im Besitz der katholischen Kreuzherren. mini|Wickrath (Wyckrayd) (1573) Johann von Quadt wird seit 1568 als Herr von Wickrath genannt. Er nimmt dem Orden der Kreuzherren die Pfarrkirche ab, die allerdings elf Jahre später von den Kreuzherren zurück erstritten wird.
1586 wurde Wanlo von 200 marodierenden Söldnern überfallen und geplündert. 13 Häuser und die Kirche wurden angezündet.
1620 erfolgt die förmliche Standeserhebung der von Quadt zu Reichsfreiherren.
Ständige Überfälle und Belagerungen im 16., 17. und 18. Jahrhundert Zu Beginn des Achtzigjährigen Krieges (1568–1648), während des Spanisch-Niederländischen Krieges sowie des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) fielen mehrfach spanische Truppen in Wickrath ein. Im benachbarten Dahlen kam es 1568 sogar zu einer Belagerung, der Schlacht bei Dahlen. Nach dem Westfälischen Frieden von 1648 kam Wickrath nicht zu Ruhe. 1650–1655 marschierten geldrische Fußtruppen und Kavallerie, die auf der katholischen, spanischen Seite standen, erneut in Wickrath ein. Es kam zu Sanktionen, Arresten und Plünderungen. Dies wiederholte sich 1659 und 1660. Aber auch andere Soldaten und Truppen der evangelischen Seite fielen in Wickrath ein. 1633 kamen schwedische Soldaten, 1677/78, 1696 und 1698 Truppen aus Brandenburg, 1678 Truppen des Bischofs von Münster sowie 1703 Truppen von Braunschweig-Lüneburg und Hannovers und bezogen in Wickrath ihre Winterquartiere. Wickrath war durch seine Baronie politisch schwach und ein günstiges Opfer. Des Weiteren bezogen kaiserliche Truppen 1632, 1635 und 1763 Wickrath. Bei einzelnen Überfällen wurde die Burg Wickrath mehrmals zerstört.
Teutschhaus als alternativer Dorfname von Wickrath mini|Baronie Wickrad; das Schloss wird als Wickrad bezeichnet, das Dorf als Teutschhaus (1618–1679).
In der Zeit des 16. und 18. Jahrhunderts wurde in zahlreichen Landkarten zwischen dem Schloss Wickrath und dem Dorf Wickrath, was als „Teutschhaus“ bezeichnet wurde, unterschieden. In Urkunden und Kirchenbüchern ist der Name „Teutschhaus“ nicht zu finden. Der Grund für den alternativen Dorfnamen ist unbekannt. Es wird spekuliert, dass eventuell der aus Wickrathberg stammende historisch-geografische Schriftsteller Matthias Quad, der zwischen 1592 und 1604, unter dem Namen Kinckelbach Landkarten und Bücher, darunter das Buch Teutscher Nation Herligkeit, veröffentlichte, so seine Heimat Wickrath, die zum Orden der Kreuzherren gehörte, besser verdeutlichen beziehungsweise mächtiger aussehen ließ.
Spannungen zwischen der katholischen Bevölkerung und den reformierten Burgherren Im 17. und 18. Jahrhundert gab es größere Spannungen gegen die katholische Bevölkerung von Wickrath, durch die reformierten Obrigkeit von Wickrath. 1700 griff die Kurpfalz ein und drang nach Wickrath ein. In mindestens einem Fall drangen Mitte des 18. Jahrhunderts auch kurkölnische Truppen in die Herrschaft ein, um eine katholische Prozession militärisch gegen Behinderungen des Wickrather Landesherren zu schützen. mini|Wickrath (Wyckrayd) (1721–1750) 1724 ließ der Freiherr Friedrich Wilhelm Quadt hinter der oberen Pforte die Freiheit auslegen, in dem er einige Hausplätze abzeichnen ließ. Es entstand die heutige Quadtstraße, die von den Bürgern Neustadt genannt wurde.
Bau von Schloss Wickrath (1746–1772) mini|Baronie de Wickrad (um 1760) 1745 wurde die Burg Wickrath durch einen Brand größtenteils zerstört. Das kam den Neubauplänen Otto Wilhelm von Quadts entgegen. 1746 und 1772 wurde auf den Fundamenten der abgerissenen Burg das Schloss Wickrath errichtet. Das Schloss wurde nach dem Vorbild französischer Schlösser als Barockanlage erbaut.
1752 erkaufte sich Wilhelm Otto Friedrich von Quadt, der Bauherr von Schloss Wickrath, die Erhebung zum Reichsgrafen. Er wandte dafür an Gebühren und Bestechungsgeldern 20.000 Gulden auf, die seine landesherrlichen Jahreseinkünfte erheblich überschritten.
Franzosenzeit (1794–1813) 1794 floh der damalige Landes- und Schlossherr Graf Otto Wilhelm von Quadt zu Wykradt mit seiner Familie vor den einrückenden Franzosen über den Rhein. Die Reichsunmittelbarkeit Wickraths endete faktisch mit der Besetzung durch die Truppen Napoleons. Das Schloss diente als kaiserlich französisches Hengstdepot. 1801 wurde der linke Niederrhein zum Département de la Roer und somit ein Teil der französischen Republik. Alle reichsunmittelbaren Grafen wurden im Reichsdeputationshauptschluss für ihre Verluste entschädigt. Die Grafen von Quadt erhielten die Reichsabtei Isny sowie die bis dato reichsunmittelbare Stadt Isny im Allgäu als neu gebildete Reichsgrafschaft zugewiesen.
Wickrath bildete in dieser Zeit eine Mairie nach französischem Vorbild, die zum Kanton Odenkirchen im Arrondissement Krefeld gehörte.GenWiki: Kanton Odenkirchen Am Russlandfeldzug 1812 unter Napoleon waren auch Wickrather als Soldaten beteiligt. 1813 zogen die Franzosen nach der Völkerschlacht bei Leipzig wieder aus Deutschland ab und Wickrath kam zu Preußen. Das Schloss wurde zu einer Kavalleriekaserne umgebaut. Diese wurde aber schon 1834 wegen häufig auftretender Fieberfälle aufgelöst.
Industrialisierung und verschiedene Neubauten von Wickrath (1839–1927) mini|Heuernte auf Schloss Wickrath mit Gestütsleiter von Engel (um 1900)