mini|hochkant=1.2|Zwenkau aus der Vogelperspektive von Süden, 2005 mini|hochkant=1.2|Zum Vergleich: Zwenkau im Juni 2019 mit dem neuen Zwenkauer See im Hintergrund. Zwenkau ist eine Kleinstadt südlich von Leipzig im Landkreis Leipzig in der Leipziger Tieflandsbucht zwischen Weißer Elster und Pleiße, am Landschaftsschutzgebiet Elsteraue und an der „Straße der Braunkohle“.

Geographie Geographische Lage Die Stadt liegt etwa 15 km südlich von Leipzig und nordwestlich des Industriestandorts Böhlen/Lippendorf. Im Norden und Osten grenzt unmittelbar der Zwenkauer See.

Geologie Zwenkau befindet sich regionalgeologisch im Bereich des nordwestsächsischen Tertiärgebietes. Die kristalline Basis (Grundgebirge) wird durch mesozonal-metamorphe Serien des nordsächsischen Sattels und marine Abfolgen des Zechsteins und des Buntsandsteins gebildet. Diese räumliche Nähe stratigraphisch und petrographisch höchst unterschiedlicher Serien wird durch die Röthaer Störung bewirkt, an deren Nordflanke das Kristallin des nordsächsischen Sattels kippschollenartig angehoben ist.

Über dem Grundgebirge folgen klastische Sedimente des Tertiärs, in denen die Braunkohlenflöze II („Bornaer Hauptflöz“) und IV („Böhlener Oberflöz“) eingelagert sind. Den oberen Abschluss dieser Sedimentfolge bilden die Böhlener Schichten mitteloligozänen Alters, in die brackisch-marine, glaukonithaltige Feinsande eingelagert sind. Die sogenannten „Pödelwitzer Formsande“ wurden gewonnen und in Leipziger Gießereien verwendet. Den Abschluss des geologischen Normalprofils bildet weichselkaltzeitlicher bis jungholozäner Löss bzw. Lösslehm.L. Eismann: Geologie des Bezirkes Leipzig. Naturkundliches Museum Leipzig, 1970.

Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Zwenkau und gehören zum Landkreis Leipzig bzw. zur Stadt Leipzig:

Ortsteile Zur Stadt Zwenkau gehören folgende Ortsteile: Kotzschbar und Imnitz (seit 1929) Löbschütz (seit dem 1. Januar 1974) Großdalzig, Mausitz, Kleindalzig, Tellschütz und Zitzschen (seit dem 1. Oktober 1993) Rüssen, Kleinstorkwitz und Döhlen (seit dem 1. Oktober 1996)

Zum Gemeindegebiet gehören auch Fluren der durch Braunkohlenabbau abgebaggerten Dörfer Eythra und Bösdorf.

Werden die vier Zitzschener Fluren als Einheit betrachtet, ist die Fläche Zwenkaus mit Stand 2026 in 15 Gemarkungen unterteilbar, wobei Zitzschen, Eythra, Zwenkau und Harth auf insgesamt ca. 812,8 haDatenquelle OpenStreetMap mit dem Zwenkauer See belegt sind.

Gemarkung Flächengrößein ha eingemeindetim Jahr Ortsteil Einwohner(1. Januar 2014) Zwenkau 967,7 Zwenkau Stadt 7.086 Imnitz 270,4 1929 Kotzschbar 207,2 Löbschütz 385,6 1974 Löbschütz 259 Großdalzig 403,3 1993 Großdalzig 406 Mausitz 60,863 Kleindalzig 77,016 Kleindalzig 54 Tellschütz 183,6 Tellschütz 123 Zitzschen 615,0 Zitzschen 454 Rüssen 179,6 1996 Rüssen-Kleinstorkwitz 462 Rüssener Großaue 34,568 Kleinstorkwitz 120,2 Döhlen 43,170 Eythra 575,2 1999 Harth 505,9

Geschichte Vorindustrielle Zeit mini|hochkant=1.2|Zwenkau um 1840 Vorgeschichtliche Besiedelung wurde in der Gegend von Zwenkau durch archäologische Funde für ca. 6000 v. Chr. nachgewiesen.

Zwenkau ist eine der ältesten Städte im heutigen Sachsen. Als slawische Siedlung wurde die Stadt 974Markus Cottin, Václav Vok Filip, Holger Kunde, Vereinigte Domstifter: 1000 Jahre Kaiserdom Merseburg. Michael Imhof Verlag GmbH & Co.KG, Petersberg 2015, ISBN 978-3-7319-0228-7, S. 124. erstmals urkundlich erwähnt und als Civitas im Gau Chutizi bezeichnet. Kaiser Otto II. übertrug die Stadt damals dem Bistum Merseburg.CDS I A1, 18 Hierbei wurde ein Höriger namens Nezan erwähnt.

1195 wurde Zwenkau als Marktort (forum) bezeichnet, 1332 als befestigter Ort (castrum). Seit 1356 hat Zwenkau einen Bürgermeister. 1316 wird zum ersten Mal die Zwenkauer Kirche erwähnt. Um 1525 gehörten zur Pfarrei Zwenkau die Pfarrkirche St. Laurentius und die Filialkirchen von Imnitz (seit 1988 nicht mehr genutzt)Die Imnitzer Kirche und Pulgar (1971 wegen der Kohleförderung abgerissen).

Nach der Reformation kam Zwenkau mit dem Gebiet des Merseburger Stifts 1561/65 unter kursächsische Herrschaft. Schon damals war die Stadt amtsangehörig, das heißt, sie hatte keinen Grundherren. 1655 kamen Stadt und Amt Zwenkau zum Amt Lützen. Dieses gehörte zwischen 1656/57 und 1738 zum Sekundogenitur-Fürstentum Sachsen-Merseburg.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0, S. 84 f.

Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses kam der Westteil des Amts Lützen im Jahr 1815 zu Preußen, damit auch das heute zu Zwenkau gehörende Zitzschen. Die mit dem Ostteil des Amts Lützen beim Königreich Sachsen verbliebene Stadt Zwenkau wurde zunächst dem Kreisamt Leipzig zugeordnet, kam aber später zum Amt Pegau. Mit der Einführung der sächsischen Städteordnung im Jahr 1833 wurden die Vorstädte (z. B. Berg), die bisher unter Verwaltung des Amtes gestanden hatten, dem Zwenkauer Stadtrat unterstellt. 1856 wurde die Stadt Sitz des Gerichtsamts Zwenkau. Seit 1875 gehörte sie zur Amtshauptmannschaft Leipzig. 1929 erfolgte die Eingemeindung der unmittelbar ans Stadtgebiet angrenzenden Dörfer Imnitz und Kotzschbar.

Zwenkau und die Braunkohle Von 1890 bis 1908 wurde durch das Braunkohlenwerk Zwenkau Kohlenabbau im Tiefbau betrieben. Wegen starken Grundwasserflusses musste der Abbau eingestellt werden.

Zwenkau war bis in die Zeit des Zweiten Weltkriegs beliebtes Ausflugsziel der Leipziger Großstadtbevölkerung durch das einst nordöstlich an die Stadt grenzende Waldgebiet Harth. Dieses wurde infolge des 1921 erfolgten Aufschlusses des Tagebaus Böhlen (1969 in Tagebau Zwenkau umbenannt) abgeholzt und abgebaggert. Unter der hauptsächlich aus Nadelgehölzen bestehenden Harth befanden sich mächtige Braunkohlenflöze, die im Zeitraum von 1950 bis etwa 1975 abgebaut wurden. Aufgrund der Weiterführung des Tagebaus über das Jahr 1970 hinaus wurde die Abbaggerung der Orte Bösdorf und Eythra 1970 endgültig beschlossen. Daraufhin wurde in den Jahren 1974 bis 1977 die Weiße Elster zwischen Kleindalzig und Hartmannsdorf in ein Betonbett um den Tagebau Zwenkau geleitet, ebenso musste die Eisenbahnstrecke Zeitz–Leipzig zwischen Großdalzig und Leipzig-Knauthain verlegt werden.

mini|Zwenkauer Wohnsiedlung mit dem Kraftwerk Lippendorf Volkswirtschaftliche Braunkohleplanungen der DDR sahen ab den 1980er Jahren im Rahmen der von der SED verkündeten „radikalen Auskohlung“ aller vorhandenen Braunkohlenreservelagerstätten vor, das gesamte Stadtgebiet von Zwenkau und die südliche Elsteraue (die Kleinstädte Pegau und Groitzsch eingeschlossen) bis vor Zeitz in Etappen bis zum Jahr 2050 abzubaggern, um die Energieversorgung und Industrie der sozialistischen Planwirtschaft weiter aufrechtzuerhalten. Die politische Wende von 1989/90 machte diese Pläne zunichte. Eine Realisierung des Vorhabens hätte auch dazu geführt, den Raum zwischen Leipzig und Zeitz weitestgehend siedlungsfrei zu machen, das Naturschutzgebiet Elsteraue des Südraumes Leipzig wäre verschwunden und die Weiße Elster hätte in ein weiteres betoniertes Kanalbett verlegt werden müssen.

Die Abbaugrenze des sich entgegen der Uhrzeigerrichtung um Zwenkau von 1921 bis 1999 bewegenden Tagebaues Zwenkau (Böhlen) wurde nach Abwägen der Interessen von Stadt und Braunkohlenwirtschaft durch den Planungsverband Westsachsen 1993 festgelegt. Die Tagebauabbaugrenze markiert die ehemalige Straße Eythra–Zitzschen. Mit dieser Entscheidung blieben die Lindenallee des einstigen Schlosses Eythra sowie das Auenwaldgebiet Eichholz erhalten. Der letzte Kohlezug verließ am 30. September 1999 den Tagebau Zwenkau.

Nach der deutschen Wiedervereinigung Nach 1990 setzte eine Revitalisierung der städtischen Struktur Zwenkaus ein, neue Wohnsiedlungen entstanden, die Einkaufspassage Weinhold-Arkade wurde errichtet, und mit dem umgesetzten Konzept „Kap Zwenkau“ am Zwenkauer See hat die Stadt ihren Anteil am entstehenden Leipziger Neuseenland.

Der 2003 eingeweihte Belantis Vergnügungspark liegt – durch den Zwenkauer See von der Stadt getrennt – im Norden Zwenkaus an der Bundesautobahn A 38.

Bevölkerung Im Schatten des aufstrebenden Leipzig entwickelte sich Zwenkau nur langsam. 1748 wurden knapp 90 Haushalte gezählt. Das entspricht 450 bis 500 Einwohnern. Nach dem Siebenjährigen Krieg erlebte die Stadt einen gewerblichen Aufschwung, und die Bevölkerung verfünffachte sich in weniger als 100 Jahren. Noch vor der eigentlichen Industrialisierung zählte man 1834 in Zwenkau 2419 Einwohner. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wuchs Zwenkau vor allem durch den Kohletagebau und die Folgeindustrien stark. Von 1950 bis 1990 verlor der Ort 40 Prozent seiner Einwohner. Der seitdem wieder zu verzeichnende Anstieg ist zum großen Teil auf Eingemeindungen zurückzuführen.

Jahr Einwohner 1834 2.419 1871 3.058 1890 3.628 1910 4.661 1925 5.283 1939 9.513 Jahr Einwohner 1946 11.821 1950 11.937 1964 9.800 1990 7.351 Jahr Einwohner 2002 8.992 2005 8.985 2010 8.749 2015 8.908 2020 9.273 Jahr Einwohner 2021 9.246 2022 9.111 2023 9.260 2024 9.305

ab 2002: Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Politik Stadtrat Der Stadtrat von Zwenkau besteht aus 18 Mitgliedern und dem hauptamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis:

Partei / WählergruppeStimmenanteil2024Sitze2024 Stimmenanteil2019 Sitze2019 Stimmenanteil2014 Sitze2014 CDU33,7 %641,9 %847,2 %9 Freie Wählergemeinschaft „Gemeinsam für Zwenkau“21,7 %443,4 %826,2 %5 AfD19,7 %1–––– Zwenkau Aktiv16,9 %3–––– SPD4,2 %17,0 %111,6 %2 Die Linke3,8 %17,8 %110,9 %2 FDP––––4,0 %– Insgesamt100 %16100 %18100 %18Wahlbeteiligung70,6 %63,5 %51,4 %

Bei der Wahl 2024 entfielen auf die AfD drei Sitze, von denen zwei unbesetzt bleiben, weil die Partei nur einen Kandidaten nominiert hatte.

Bürgermeister 1873–1912: Oswald Ahnert (NLP) u. a. 1915, 1918: Bruno UllmannAdressbücher u. a. 1926: Johannes KöhlerAdressbuch 1926 u. a. 1939: Werner ElstAdressbuch 1939 1990–2008: Herbert Ehme (DSU/CDU) seit 2008: Holger Schulz (CDU)

Schulz wurde in der Bürgermeisterwahl am 12. Juni 2022 mit 71,8 % der gültigen Stimmen für eine weitere Amtszeit von sieben Jahren in seinem Amt bestätigt.

WahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2001Herbert EhmeCDU85,32008Holger Schulz64,4201570,1202271,8

Wappen Das Wappen zeigt in Silber einen blaugekleideten nimbierten Heiligen, in der Rechten einen schwarzen Rost, in der Linken einen grünen Palmzweig haltend. Dargestellt ist der Märtyrer Laurentius, Patron des Bistums Merseburg, zu dem Zwenkau gehörte, und auch der Stadtkirche. Älteste Siegel aus dem 15. Jahrhundert zeigen nur den Rost, seit dem 17. Jahrhundert wird der Heilige selbst dargestellt. Das Führen des Stadtwappens wurde ab 1971 durch die damaligen Staatsorgane untersagt. 1992 wurde die Führung des Wappens in der heutigen Form vom sächsischen Innenministerium genehmigt.

Städtepartnerschaften Zwenkau pflegt mit folgenden Städten kommunale Verbindungen: Nußloch (Baden-Württemberg), seit 2023 Städtepartnerschaft Hatten (Niedersachsen) Amt Britz-Chorin-Oderberg (Brandenburg) Bad Sulza (Thüringen) Burg (Spreewald) (Brandenburg) Teuchern (Sachsen-Anhalt) Leißling (Sachsen-Anhalt)

Seit 2008 besteht der Städteverbund Böhlen – Zwenkau, mit dem die arbeitsteilige Zusammenarbeit der Nachbarstädte hauptsächlich bei der Flächen- und Entwicklungsplanung vereinbart wurde.

Sehenswürdigkeiten und Kultur mini|Stadtkirche St. Laurentius mini|Sattelhof, rechts die umgesetzte Scheune mini|Haus Rabe mini|hochkant|Zwenkauer Wasserturm

Kirchen