Velbert () ist eine große kreisangehörige Stadt des Kreises Mettmann in Nordrhein-Westfalen, Deutschland. Sie liegt rund 20 Kilometer nordöstlich der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf, 18 Kilometer südlich von Essen und 12 Kilometer nordwestlich von Wuppertal auf der linken Seite der Ruhr im Niederbergischen Land und hat ca. 82.000 Einwohner.
Geografie mini|hochkant|Alte Kirche, Velbert-Mitte
Geografische Lage Velbert liegt auf den Höhen des Bergischen Landes und wird auch Herz des Niederbergischen Landes genannt. Es liegt circa 248 Meter (Rathaus) über dem Meer, mit dem höchsten Punkt auf 303 m (Fettenberger Weg im Ortsteil Nordrath am Großen Fettenberg) und dem niedrigsten Punkt (im Deilbach an der Grenze zu Essen in Langenberg) auf 70,6 m über NN. Velberts Nachbarstädte sind die kreisfreien Städte Essen und Wuppertal sowie Hattingen (Ennepe-Ruhr-Kreis), Heiligenhaus und Wülfrath (beide Kreis Mettmann).
Stadtgliederung Die Stadt Velbert gliedert sich in die drei administrativen Stadtbezirke Velbert-Mitte, Neviges und Langenberg.
Historisch gibt es zahlreiche Stadtteile: Stadtbezirk Langenberg: Bonsfeld, Bökenbusch, Eickeshagen, Fronberg, Hopscheider Berg und Nierenhof. Stadtbezirk Neviges: Burgfeld, Im Holz, Donnenberg, Pastoratsberg, Marienberg, Lüpkesberg, Rosenhügel, Siepen, Tönisheide und Wimmersberg. Stadtbezirk Velbert-Mitte: Birth, Dalbecksbaum, Hefel, Kostenberg, Langenhorst, Losenburg, Nordpark, Nordstadt, Obere Flandersbach, Oberstadt, Velbert-Ost, Röbbeck und Unterstadt.
Die Außenbereiche sind mit Einzelhöfen und kleinen Weilern besiedelt und werden vielfach noch heute nach ihren historischen Namen der Bauerschaften und Honschaften unterschieden: Große Höhe, Kleinumstand, Kuhlendahl, Krehwinkel, Nordrath, Richrath, Rottberg, Vossnacken, Wallmichrath und Windrath. Weniger geläufig sind die Namen der Honschaften, die nur teilweise Velbert zugeschlagen wurden wie Niederelfringhausen, Flandersbach, Kleine Höhe, Niederbonsfeld, Rodberg, Rützkausen und Untensiebeneick.
Geschichte Mittelalter Die erste urkundliche Erwähnung Velberts geht auf das Jahr 875 zurück; der damalige Name „Feldbrahti“ lässt sich als „brachliegendes“ oder „frisch gerodetes Feld“ deuten. Um das Jahr 1000 entstanden mit der Kapelle der Heiligen Ida an der Stelle der heutigen Alten Kirche Velberts und der Windrather Kapelle der Heiligen Margarethe die ersten Kirchbauten im Gebiet des heutigen Velbert. 1220 wurden Langenberg und Neviges erstmals in Urkunden erwähnt, 1326 der „Offers“ in Velbert.
Im Jahr 1354 wurde die Herrschaft Hardenberg an den Grafen von Berg und Ravensberg verkauft. Spätestens seit dem Beginn des 14. Jahrhunderts gab es Bergbau in Velbert. Davon zeugt das Baudenkmal der Schleppbahnbrücke Oberlangenhorstbeeke.
Neuzeit Im Jahre 1560 erfolgte die Einführung der Reformation, 1589 tagte die erste Bergische Synode in Neviges, 1769 fand in Velbert die feierliche Einweihung der evangelischen Kirche statt. 1681 wurde Neviges ein katholischer Wallfahrtsort mit einer Gnadenbildwallfahrt.
Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg Ab dem 18. Jahrhundert wurde Velbert ein bedeutender Standort der Schloss- und Beschlägeherstellung und blieb es bis heute. 1802 erfolgte in Langenberg die Fertigstellung der ersten steinernen Synagoge im Bergischen Land. Im Jahre 1847 erfolgte die Eröffnung der Prinz-Wilhelm-Eisenbahn, die Langenberg und Neviges mit Steele und Vohwinkel verbindet. 1849 erschien in Langenberg mit dem „Zeitungs-Boten“ die erste lokale Zeitung. 1851 eröffnete die erste Eisengießerei.
Am 23. Oktober 1856 wurde der Gemeinde Velbert auf königlichen Erlass die Rheinische Städteordnung und damit das Stadtrecht verliehen.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf 1856, S. 839.
1861 wurde die erste Dampfmaschine aufgestellt. 1881 wurde mit Oberbonsfeld zum ersten Mal eine Gemeinde aus der Provinz Westfalen in die Rheinprovinz umgegliedert.Amtsblatt der Regierung Düsseldorf 1881, S. 155 1888 erfolgte der Anschluss von Velbert an das Eisenbahnnetz. 1913 fand die Grundsteinlegung zum Langenberger Bürgerhaus statt und am 15. Januar 1927 ging der Sender Langenberg in Betrieb. Zwei Jahre später öffnete das Deutsche Schloss- und Beschlägemuseum.
1912 errichtete die Westfälische Berggewerkschaftskasse (WBK) Bochum im Schulgarten der Vossnacker Schule eine Magnetische Warte. Sie musste aufgrund der Industrialisierung der Umgebung mit ihren Eisenmassen und vagabundierenden Strömen aus den Oberleitungen der Straßenbahnen aus dem Bochumer Stadtgarten verlegt werden. Dem Hauptlehrer wurden die täglichen Messungen übertragen. Die Warte wurde 1946 stillgelegt, da der zunehmende Streckenausbau der Kohlegruben magnetische Messungen nahezu unmöglich machte.
Auf den Wallmichrather Höhen in Langenberg befand sich von 1928 bis 1952 ein Segelfluggelände, welches in den 1930er Jahren sowohl für die Stadt Langenberg als auch für den Segelflugsport von überregionaler Bedeutung war. 1928 begannen Segelflieger des „Luftfahrtverein Ruhrtal“ aus Kupferdreh mit der Fliegerei auf dem Wallmichrath. Es folgte der „Luftfahrtverein Essen-Oberhausen e. V.“ und weitere Fliegergruppen aus Langenberg, Velbert, Wuppertal und der Umgebung. Man flog durchweg mit so genannten Schulgleitern im Gummiseilstart. Auf dem Wallmichrath wurden zwei Fliegerheime mit Segelflugzeughallen errichtet und das Fluggelände infrastrukturell erschlossen. Fortan entwickelte sich der Wallmichrath zum beliebten Familienausflugsziel. Die Stadt Langenberg warb in den 1930er Jahren mit dem Slogan „Seide – Sender – Segelflug“ für ihre Berühmtheiten und Vorzüge. 1933 wurden die Luftsportvereine im Zuge der Gleichschaltung durch den Nationalsozialismus zusammengeführt und ab 1937 hatte dann das Nationalsozialistische Fliegerkorps (NSFK) die organisatorische Hoheit. Damit bekam die Segelflugausbildung einen vormilitärischen Charakter und der Weg vieler junger Segelflieger führte über das NSFK in die Wehrmacht-Luftwaffe.Jürgen Lohbeck: Seide – Sender – Segelflug. Scala Verlag Velbert 2014, mit umfassender Darstellung des Themas, siehe Literatur
Zweiter Weltkrieg Verglichen mit den im Zweiten Weltkrieg schwer getroffenen und zerstörten umliegenden Städten des Ruhrgebiets und des Bergischen Landes (Wuppertal, Remscheid) wurde die Stadt trotz ihrer zahlreichen metallverarbeitenden Betriebe weniger stark angegriffen, dennoch kam es auch in Velbert, Langenberg und Neviges zu Zerstörungen durch den Bombenkrieg und zu Opfern unter der Zivilbevölkerung. mini|Leitbunker der Kruppschen Nachtscheinanlage Die Luftwaffe betrieb von 1941 bis 1944 auf dem Rottberg eine Nachtscheinanlage zur Ablenkung feindlicher Bombenangriffe. Diese Anlage war eine vereinfachte Nachbildung der Krupp-Gussstahlfabrik in Essen, von der sie ablenken sollte. Die Scheinanlage war bis Anfang 1943 wirksam, bedeutete aber für die umliegenden Bauernhöfe eine permanente Gefahr. Nachdem die Anlage durch die alliierte Luftaufklärung erkannt worden war, wurde sie Anfang 1944 stillgelegt. Auf dem benachbarten Pollen wurde im Zusammenhang eine schwere Flakbatterie eingerichtet und betrieben.Helmut Grau, Jürgen Lohbeck, Sven Polkläser: „Die Krupp’sche Nachtscheinanlage in Velbert“, Scala Verlag Velbert 2017, mit umfassender Darstellung des Themas, siehe Literatur
Mindestens vier alliierte Bomber stürzten im Zweiten Weltkrieg über heutigem Velberter Gebiet ab: zwei in Langenberg, einer in Tönisheide und ein weiterer in Neviges. Bei allen vier Flugzeugen handelte es sich um viermotorige britische Bomber, in drei Fällen nachweislich um den Typ Handley Page Halifax mit einer siebenköpfigen Besatzung.Jürgen Lohbeck: Velbert, Langenberg und Neviges im Luftkrieg 1939–1945. Scala Verlag, Velbert 2018.
Am frühen Morgen des 24. Mai 1943 stürzte ein an einem Luftangriff auf Dortmund beteiligter viermotoriger Bomber in Tönisheide ab. Teile des Flugzeuges fielen auf das Haus Velberter Straße 148 (heute Nevigeser Straße 237). Das Haus wurde dabei völlig zerstört. Im Dachgeschoss kam ein Bewohner durch die Einwirkung des Absturzes ums Leben. Das Heck des Flugzeuges stürzte auf das Dach der Tönisheider Volksschule (heute Grundschule), wo es liegen blieb und einige Schäden verursachte. Bis heute konnte der exakte Nachweis, um welches konkrete Flugzeug es sich handelte, trotz intensiver Forschungen nicht erbracht werden. Zeitzeugenberichten zufolge ist anzunehmen, dass alle Flieger sich vor dem Absturz mit dem Fallschirm retten konnten.
Am frühen Morgen des 28. Mai 1943 stürzte eine kanadische Halifax auf dem Voßnacken in Langenberg ab, nachdem sie Essen angegriffen hatte. Das Flugzeug wurde von der Flak abgeschossen, vier Soldaten kamen dabei ums Leben. Von der Halifax HR-807 konnten 2013 durch ehrenamtliche Mitarbeiter des Amtes für Bodendenkmalpflege auf dem Voßnacken noch viele Teile gefunden werden. Diese waren vom 1. September 2013 bis Dezember 2014 im Rahmen der Dokumentation „Der Krieg vor unserer Haustür“ in der Heimatkundlichen Sammlung des Arbeitskreises Alt-Langenberg im alten Langenberger Rathaus ausgestellt.
Am Abend des 4. November 1944 stürzte eine australische Halifax im Windrather Tal in Neviges ab, nachdem sie Bochum angegriffen hatte. Das Flugzeug wurde von der Flak abgeschossen, es explodierte bereits in großer Höhe. Alle sieben Besatzungsmitglieder konnten das Flugzeug verlassen, dennoch kamen vier Soldaten in der Folge ums Leben. Der Pilot überlebte den Abschuss, obwohl er ohne Fallschirm aus dem Flugzeug geschleudert wurde. 2014 recherchierten ehrenamtliche Mitarbeiter des Amtes für Bodendenkmalpflege die Geschichte der Halifax LV-936, auch hier konnten Teile geborgen und der exakte Absturzort nachgewiesen werden. Zumindest ein Besatzungsmitglied fiel mit hoher Wahrscheinlichkeit einem Flieger-Lynchmord zum Opfer.
Am Abend des 21. November 1944 stürzte eine kanadische Halifax an der Brinker Höhe in Langenberg ab, nachdem sie Castrop-Rauxel angegriffen hatte. Das Flugzeug wurde von einem deutschen Nachtjäger abgeschossen, es explodierte bereits in der Luft über Langenberg. Fünf Soldaten kamen dabei ums Leben.
Auf dem Segelflugplatz auf den Wallmichrather Höhen wurde der Flugbetrieb durch das NSFK etwa bis 1943 aufrechterhalten, dann wurde dieser aufgrund der zunehmenden Kriegseinwirkungen eingestellt.Jürgen Lohbeck: Seide – Sender – Segelflug. Scala Verlag Velbert 2014, mit umfassender Darstellung des Themas, siehe Literatur
Nachkriegszeit bis heute mini|Blick auf Velbert von der Grünheide aus, ca. 1950
Am 14. Oktober 1951 wurde in Velbert die Westdeutsche Frauenfriedensbewegung (WFFB) gegründet.
1968 wurde die neue Wallfahrtskirche in Neviges fertiggestellt. Im Zuge der nordrhein-westfälischen Gemeindereform von 1974 wurden zum 1. Januar 1975 mit § 15 Düsseldorf-Gesetz die Städte Langenberg, Neviges und Velbert zur neuen Stadt Velbert zusammengeschlossen.
Zwecks Privatisierung der örtlichen Wohnungsbaugesellschaft (WOBAU) hatte die Velberter Bevölkerung die Möglichkeit, am 11. März 2007 in einem Bürgerentscheid darüber zu entscheiden, ob die Stadt weiterhin alleiniger Gesellschafter der WOBAU bliebe. Die Beteiligung lag aber nur bei 14,6 %; nach dem (vorläufigen) amtlichen Endergebnis vom 12. März sprachen sich lediglich 8.271 Bürger gegen eine Privatisierung aus. Um dies zu verhindern, hätte es 13.606 Stimmen oder eines Quorums von 20 % bedurft. Mit „Nein“ und damit für die Privatisierung stimmten 1.674 Bürger der Stadt. Damit war der Bürgerentscheid mangels Teilnahme der Stimmberechtigten gescheitert.
Eingemeindungen und Zusammenschlüsse 1930: Der Ortsteil Kleinumstand der Gemeinde Siebenhonnschaften und ein 62 Hektar großer Teil von Kupferdreh Am 1. Januar 1975 wurden die drei Städte Neviges, Langenberg und Velbert zur neuen Stadt Velbert zusammengeschlossen.
Einwohnerentwicklung mini|400px|Einwohnerentwicklung von Velbert von 1840 bis 2017 nach nebenstehender Tabelle. In Rot die Angaben der Stadt (s. u.)