mini|Ettlingen gesehen vom Wattkopf mini|Das Zentrum Ettlingens mini|Rathaus in Ettlingen mini|Die Alb fließt mitten durch die Stadt
Ettlingen () ist eine Stadt südlich von Karlsruhe in Baden-Württemberg. Sie ist nach Bruchsal die zweitgrößte Stadt des Landkreises Karlsruhe und ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden. Seit 1. Januar 1966 ist Ettlingen eine Große Kreisstadt.
Geographie Lage Ettlingen liegt im Übergang der Rheinebene in den nördlichen Schwarzwald und ist Portalgemeinde des Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord und Teil des Albtals. In der Stadt fließt der Fluss Alb, der schließlich in den Rhein mündet. Die Kernstadt liegt hauptsächlich bereits in der Ebene, ein kleiner Südwesthang bildet zusammen mit dem Durlacher Geigersberg die bevorzugte Wohnlage für Karlsruhe. Die eingegliederten Ortschaften liegen teilweise ebenfalls in der Ebene (Bruchhausen, Ettlingenweier, Oberweier), teilweise jedoch auch schon auf den ersten Hügeln des Schwarzwalds (die Höhenstadtteile Spessart, Schöllbronn und Schluttenbach).
Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Ettlingen. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt und gehören alle – außer Durmersheim und der kreisfreien Stadt Karlsruhe – zum Landkreis Karlsruhe: Karlsruhe, Waldbronn, Karlsbad (Baden), Marxzell, Malsch, Durmersheim (Landkreis Rastatt) und Rheinstetten.
Stadtgliederung Seit der Gebietsreform in Baden-Württemberg Anfang der 1970er Jahre besteht das Stadtgebiet aus der Kernstadt und den Stadtteilen Bruchhausen, Ettlingenweier, Oberweier, Schluttenbach, Schöllbronn und Spessart.
Zum Stadtteil Ettlingenweier gehören die Häuser Bahnstation Bruchhausen und Waldsaum. Zum Stadtteil Oberweier gehört das Haus Lochmühle. Zum Stadtteil Schöllbronn gehört das Haus Schöllbronner Mühle. Im Gebiet der Kernstadt liegen die Wüstungen Fürstenzell, Heimersheim und – nicht als Siedlung gesichert – das im 13. Jahrhundert genannte Utental.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe. Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 85–89
Gelegentlich werden innerhalb der Kernstadt noch Wohngebiete mit eigenem Namen unterschieden (z. B. „Siedlung“ für Ettlingen-West oder „Spinnerei“ für Ettlingen-Ost), deren Grenzen meist nicht genau festgelegt sind.
Raumplanung Ettlingen bildet ein Mittelzentrum innerhalb des Verbands Region Karlsruhe, in der die Stadt Karlsruhe als Oberzentrum ausgewiesen ist. Zum Mittelbereich Ettlingen gehören neben der Stadt Ettlingen noch die Gemeinden Karlsbad, Malsch, Marxzell und Waldbronn des Landkreises Karlsruhe.
Klima
Geschichte mini|Hauptfassade des Barockschlosses mini|Gesellschaft für Spinnerei und Weberei Ettlingen, gegründet 1836 mini|Stauferstele
Ettlingen, in römischer Zeit eine wichtige Siedlung mit Straßenkreuzungspunkt (siehe Vicus von Ettlingen), wurde im Jahre 788 als Ediningom in einer Schenkungsurkunde des Klosters Weißenburg im Elsass erstmals erwähnt. Während der Zeit der Stammesherzogtümer gehörte Ettlingen zum Herzogtum Franken. Von Kaiser Otto dem Großen erhielt das Kloster Weißenburg spätestens 973 das Marktrecht für Ettlingen; das genaue Jahr lässt sich aus den Quellen nicht erschließen.Peter Koblank: Postfaktisches aus Ettlingen. Die Datierungen der Markt- und Stadtrechtsverleihung sind frei erfunden. auf stauferstelen.net. Abgerufen am 24. April 2017.
Als 1219 der badische Markgraf Hermann V. von König Friedrich II. mit Ettlingen belehnt wurde, wurde der Ort mit civitas Ettenigen bezeichnet und war demgemäß bereits eine Stadt.Rüdiger Stenzel (1992), S. 5. Dies geht aus einer im Jahre 1234 von Kaiser Friedrich II. in Apricena für den Markgrafen ausgestellten Urkunde hervor.RI V,1,1 n. 2060, in: Regesta Imperii Online. Abgerufen am 16. Januar 2017. Möglicherweise hat Kaiser Heinrich VI. Ettlingen zur Stadt erhoben, als er sich vom 25. Dezember 1191 bis zum 11. März 1192 in der Hagenauer Pfalz aufhielt; einen Beweis dafür gibt es nicht.Rüdiger Stenzel (1992), S. 15–17. In Erinnerung an die Stadtgründung durch die Staufer wurde 2017 auf dem Kurt-Müller-Graf-Platz östlich vom Schloss eine Stauferstele errichtet.Ettlingen 2017 auf stauferstelen.net. Abgerufen am 3. Mai 2017.
Markgraf Rudolf I. von Baden, der Sohn von Hermann V., stand ab 1246 auf der Seite der Staufergegner und unterstützte Heinrich Raspe sowie die diesem nachfolgenden Gegenkönige.Gottfried Peter Rauschnick: Handbuch der Special-Geschichte sämmtlicher deutscher Staaten alter und neuer Zeit: Baiern, Schwaben, Würtemberg, Baden, Pfalz, Schweiz, Oestreich, Band 1. Mainz 1828, S. 163. – Wolfgang Menzel: Geschichte der Deutschen bis auf die neuesten Tage. Cotta 1837, S. 336. Er errichtete Mitte des 13. Jahrhunderts – möglicherweise auf den Resten eines staufischen Vorgängerbaus – in Ettlingen eine Burganlage; ein Vorgängerbau hat sich aber bisher nicht nachweisen lassen.Rüdiger Stenzel (1992), S. 30
Ab 1500 lag die Stadt im Schwäbischen Reichskreis. 1535 wurde Ettlingen innerhalb der durch Teilung entstandenen Markgrafschaft Baden-Baden Amtsstadt. Bis Ettlingen so hieß, wie es heute heißt, dauerte es etwa 740 Jahre: ab 788 ab 1143 1234 im 13. Jahrh. ab 1288 ab 1358 ab 1370 ab 1532 bis heute Ediningom Etiningem Ettenigen Etiningen Ettliningen Ettelingen Etlingen Ettlingen
Im 16. Jahrhundert wurde die Burg in ein Renaissanceschloss umgebaut. 1689 wurde die Stadt im Pfälzischen Erbfolgekrieg von Truppen des französischen Königs Ludwig XIV. fast völlig niedergebrannt, danach aber wieder aufgebaut. An der Stelle des zerstörten Renaissanceschlosses ließ Markgräfin Augusta Sibylla ab 1727 das heutige Barockschloss als ihren Witwensitz bauen. Der alte Bergfried wurde in den Neubau integriert, aber um zwei Geschosse verkürzt und ist heute noch im Innenhof zu erkennen.Rüdiger Stenzel (1992), S. 28–29
Nach dem Aussterben der katholischen Linie von Baden-Baden 1771 kam Ettlingen zur evangelischen Markgrafschaft Baden-Durlach, deren Herrscher 1803 zum Kurfürsten und 1806 zum Großherzog aufstieg. Ettlingen blieb Sitz eines Amtes.
Die Schlacht bei Malsch 1796 ist international auch als Bataille d’Ettlingen bekannt und ist so im Arc de Triomphe de l’Étoile verewigt.
1836 wurde die Spinnerei und Weberei Ettlingen als erste Aktiengesellschaft und größtes Unternehmen der Textilindustrie im Großherzogtum Baden gegründet. Bis in die 1880er Jahre war die Fabrik sogar die größte im gesamten Großherzogtum überhaupt.Ettlingen als Beispiel für Technologietransfer Website der Landeskunde Baden-Württemberg, abgerufen am 2. September 2021
Während des Ersten Weltkriegs befand sich ein Reservelazarett für Typhuskranke in Ettlingen. Dessen dorthin als ordinierender Arzt des XIV. Armeekorps abkommandierter Chefarzt war vom 3. Januar bis 5. September 1915, als dieses Seuchenlazarett in ein chirurgisch-orthopädisches Lazarett umgewandelt wurde, der Heidelberger Bezirksarzt und Sozialhygieniker Ernst Georg Kürz (1859–1937).Walter Artelt: Ernst Georg Kürz (1859–1937). Senckenbergisches Institut für Geschichte der Medizin, Frankfurt am Main 1963, S. 13.
Am 1. April 1937 wurde der Amtsbezirk Ettlingen aufgehoben und sein Gebiet dem Amtsbezirk Karlsruhe zugeordnet, aus dem 1939 der Stadt- und Landkreis Karlsruhe gebildet wurde. Ettlingen gehört seither mit seinem gesamten Umland zum Landkreis Karlsruhe.
Nach Überschreiten der 20.000-Einwohner-Marke beantragte die Stadt Ettlingen die Erhebung zur Großen Kreisstadt, was die Landesregierung von Baden-Württemberg mit Wirkung vom 1. Januar 1966 beschloss.
Durch die Gemeindegebietsreform in Baden-Württemberg Anfang der 1970er Jahre überschritt die Gesamtstadt Ettlingen die 30.000-Einwohnergrenze. 1975 begann eine umfangreiche Sanierung der Innenstadt.
1979 fanden im barocken Innenhof des Schlosses die ersten Ettlinger Schlossfestspiele statt, und 1988 war Ettlingen Gastgeber der baden-württembergischen Landesgartenschau. 1994 fanden in Ettlingen die Heimattage Baden-Württemberg statt.
1995 zogen die amerikanischen Soldaten aus der Rheinlandkaserne ab. 1999 suchte der Orkan Lothar die Stadt heim, der zahlreiche Gebäude und große Waldflächen zerstörte. 2003 wurde mit Gabriela Büssemaker erstmals eine Frau in das Amt des Stadtoberhauptes gewählt. Bei der Kommunalwahl 2004 erreichte die CDU erstmals seit der Gebietsreform 1974 keine absolute Mehrheit.
Im Jahr 2007 wurde nach langen Diskussionen die unechte Teilortswahl durch den Gemeinderat abgeschafft. Daraufhin fand am 27. April 2008 erstmals in der Geschichte der Stadt Ettlingen ein Bürgerentscheid statt. Bei diesem Bürgerentscheid ging es um die Wiedereinführung der unechten Teilortswahl. Durch die geringe Wahlbeteiligung (32,9 %) und das verpasste Quorum von 25 % Ja-Stimmen aller Wahlberechtigten (dies wären 7.513 Stimmen gewesen, es stimmten aber nur 6.374 Personen mit Ja) musste die Entscheidung über die Wiedereinführung an den Gemeinderat zurückverwiesen werden. Dieser entschied sich im Mai 2008 erneut gegen die unechte Teilortswahl, somit blieb sie abgeschafft.
Religionen mini|Die Martinskirche ist das älteste Bauwerk der Stadt mini|Ettlingen, Martinskirche
Ettlingen gehörte ursprünglich zum Bistum Speyer bzw. zum Archidiakonat St. German und Moritz in Speyer. War die Pfarrei anfangs dem Dekanat Durlach zugeordnet, so wurde Ettlingen im 16. Jahrhundert Sitz des Landkapitels. Seit etwa 1520 fasste die Reformation Fuß in Ettlingen. Wegen der Zugehörigkeit der Stadt zur katholischen Linie von Baden-Baden und insbesondere infolge der ab 1624 in Ettlingen tätigen Jesuiten wurde die Stadt jedoch rekatholisiert, so dass sich erst im 19. Jahrhundert wieder Protestanten in Ettlingen niederließen. Nach der Säkularisation gehörte die katholische Pfarrei Ettlingen zum Generalvikariat Bruchsal, 1821 bzw. 1827 kam Ettlingen zum neu gegründeten Erzbistum Freiburg und wurde Sitz eines Dekanats. Dieses umfasst heute neben den Pfarrgemeinden der Stadt Ettlingen das gesamte Umland. Die Pfarreien sind zu Seelsorgeeinheiten zusammengefasst. Im Bereich der Stadt Ettlingen gibt es die Seelsorgeeinheit Ettlingen-Stadt mit den Pfarrgemeinden Herz-Jesu, Liebfrauen und St. Martin (die älteste Kirche der Stadt), die Seelsorgeeinheit Ettlingen Süd mit den Pfarrgemeinden St. Dionysios Ettlingenweier und St. Josef Bruchhausen sowie die Seelsorgeeinheit Ettlingen Höhe mit den Pfarrgemeinden St. Bonifatius Schöllbronn, St. Antonius Spessart und Maria Königin Schluttenbach.
Seit dem 17. Jahrhundert lebten nachweislich jüdische Familien in Ettlingen. Sie waren hauptsächlich in der Färbergasse, die früher Judengasse genannt wurde, ansässig. Im Jahre 1849 wurde in der Albstraße die erste Ettlinger Synagoge erbaut und 1888 wieder abgebrochen, damit in der Pforzheimer Straße ein größerer Neubau errichtet werden konnte. Die neue Synagoge wurde 1889 eingeweiht. Während des Novemberpogroms 1938 wurde sie jedoch zerstört und die meisten noch in Ettlingen lebenden jüdischen Bürger deportiert.W. Lorch: Ettlingen im Wandel der Geschichte. Stadtgeschichte Kommission (Hrsg.), Ettlingen 1986