right|mini|250px|Schematischer Aufbau eines typischen Strickleiternervensystems Das Oberschlundganglion (Supraösophagealganglion) ist bei Gliederfüßern wie Insekten, Krebsen, Spinnentieren und anderen Tieren mit einem Strickleiternervensystem (z. B. Bärtierchen und Regenwürmern) der größte Nervenknoten (Ganglion) des zentralen Nervensystems (ZNS). Es entspricht in seiner Funktion etwa dem Gehirn bei Wirbeltieren und Kopffüßern und befindet sich im Kopf (Deutocephalon) bzw. bei Spinnen und Skorpionen in der Kopfbrust oberhalb der Speiseröhre (d. h. supraösophagial). Durch zwei Nervenstränge (Schlundkonnektive) ist es mit dem Unterschlundganglion (Subösophagealganglion) verbunden. mini|280px|Nervensystem der Insekten (A Termite, B Schwimmkäfer, C Fliege) 1 Oberschlundganglion 2 Unterschlundganglion 3 anderer Nervenknoten
Aufbau mini|hochkant=1.75|Vorderansicht des Gehirns einer Wanderheuschrecke mit 3 Ocelli (siehe oc. und oc.n.) Das Oberschlundganglion besteht aus einem großen Protocerebrum als vorderstem Teil und den nachfolgen Deutocerebrum und Tritocerebrum. Diese drei Teile können je nach Gattung mehr oder weniger ausgeprägt, reduziert oder verwachsen sein. thumb|375px|Schemazeichnung der Anatomie eines Insekts mit Oberschlundganglion (5), Unterschlundganglion (31)
Das Protozerebrum ist mit den Augen (Facettenaugen und Ocelli) verbunden. Dabei ist der Optische Lappen (Lobus opticus, ) als visuelles Zentrum des Gehirns direkt mit den Augen verbunden.Protozerebrum, auf: Spektrum.de, Lexikon der Neurowissenschaft Zum Protozerebrum gehören die Pilzkörper (u. a. für die olfaktorische Wahrnehmung) sowie die Protocerebralbrücke (Pons protocerebralis), der Zentralkörper (Corpus centrale, ) und die Ventralkörper.Oberschlundganglion, auf: Spektrum.de, Lexikon der Biologie Das Deutocerebrum verarbeitet die sensorischen Informationen von den Fühlern. Es besteht aus zwei Teilen, dem Fühlerlappen () und dem Dorsallappen ().--> (auf arizona.edu) Der Dorsallappen enthält auch Motoneuronen, die die Fühlermuskulatur steuern. Chelicerata haben wegen ihrer fehlenden Fühler ein sehr reduziertes oder fehlendes Deutocerebrum. Das Tritocerebrum integriert sensorische Eingaben aus den beiden vorhergehenden Ganglienpaaren. Die Lappen des Tritocerebrums spalten sich, um die Speiseröhre zu umgehen und das Ganglion subösophagealis zu beginnen. Das Tritocerebrum kann teilweise mit dem Unterschlundganglion verschmolzen sein.
Siehe auch Syncerebrum (Evolution des Oberschlundganglions)
Literatur Bernhard Klausnitzer: Insecta (Hexapoda), Insekten. In: Wilfried Westheide, Reinhard Rieger (Hrsg.): Spezielle Zoologie. Teil 1: Einzeller und Wirbellose Tiere. Gustav Fischer, Stuttgart u. a. 1996, ISBN 3-437-20515-3, S. 608 und 613.
Weblinks Moritz Pompl: Geh-Hirn, auf SZ.de
Einzelnachweise
Kategorie:Anatomie der Gliederfüßer Kategorie:Neurobiologie Kategorie:Ganglion