Das Weinviertel, altertümlich Viertel unter dem Manhartsberg, ist eine Region im Nordosten von Niederösterreich.

Seit der Bildung der Politischen Bezirke 1868 haben die Viertel in Niederösterreich keine rechtliche Grundlage mehr und sind reine Landschaftsbezeichnungen. Dabei wurde die ältere Kreiseinteilung ersetzt, die sich noch an den alten Vierteln orientierte.

Der Name „Weinviertel“ ist seit etwa einem Jahrhundert gebräuchlich: Das Weinviertel ist Österreichs größtes Weinbaugebiet. Es entspricht weitgehend einer der Hauptregionen des Landes (Hauptregion Weinviertel bzw. Europaregion Weinviertel, als Teil der Euregio Weinviertel-Südmähren-Westslowakei). In der amtlichen Statistik gibt es eine Gruppe von Bezirken (NUTS:AT125) mit diesem Namen, die aber nur den nördlichen Teil des Gebiets umfasst.

Überblick Die Grenzen des Weinviertels verlaufen im Osten entlang der Staatsgrenze von Österreich zur Slowakei, die durch die March gebildet wird. Im Norden grenzt das Weinviertel an Tschechien, wo im Wesentlichen die Thaya die Grenze bildet. Der Manhartsberg, der östlich des Kamp liegt, stellt die Grenze zum Waldviertel im Westen dar. Im Süden grenzt das Weinviertel an das Mostviertel und das Industrieviertel, hier wird die Grenze von der Donau gebildet. Das Weinviertel umfasst eine Fläche von etwa 4.480 km² und weist eine Einwohnerzahl von etwa 348.000 auf (Stand 2023).

Zum Weinviertel werden die Bezirke Gänserndorf, Hollabrunn, Korneuburg und Mistelbach gezählt. Auch der ehemalige Gerichtsbezirk Kirchberg am Wagram des Bezirkes Tulln sowie kleine Teile der Bezirke Horn und Krems des Waldviertels (Gegend des Manhartsberges, Kremser Donauebenen) liegen traditionell landschaftlich im Weinviertel. Kleinere bergige Westteile der Bezirke Hollabrunn und Tulln hingegen werden aber entsprechend zum Waldviertel gerechnet. Eggenburg liegt am Übergang zwischen Wald- und Weinviertel.

Bevölkerungsreichste Städte und Gemeinden Weinviertler Gemeinden mit mehr als 5000 Einwohnern: Stadt-/Markt-/Gemeinde Einwohner Verwaltungsbezirk Stockerau Korneuburg Korneuburg Korneuburg Hollabrunn Hollabrunn Gänserndorf Gänserndorf Strasshof an der Nordbahn Gänserndorf Groß-Enzersdorf Gänserndorf Gerasdorf bei Wien Korneuburg Mistelbach Mistelbach Deutsch-Wagram Gänserndorf Langenzersdorf Korneuburg Wolkersdorf im Weinviertel Mistelbach Laa an der Thaya Mistelbach Poysdorf Mistelbach Zistersdorf Gänserndorf Leobendorf Korneuburg

Verwaltung und politische Gliederung Historische Verwaltungsregion Im Zuge der Theresianischen Reformen wurde der Kreis Unter-Manhartsberg (im 18. und 19. Jahrhundert abgekürzt V. U. M. B. oder U.M.B.) errichtet, der als unterste staatliche Einheit den lokalen Grundherren gegenüberstand. Sitz des Kreisamtes wurde Korneuburg. Nach dem Umbruch im Jahr 1848 und der Überführung der Herrschaften in freie Gemeinden übernahmen Bezirksämter (siehe Amtsbezirk) viele Aufgabenbereiche der Kreisämter. Derartige Bezirksämter wurden 1853 für die Amtsbezirke Feldsberg, Groß-Enzersdorf, Haugsdorf, Kirchberg am Wagram, Korneuburg, Laa, Marchegg, Matzen, Mistelbach, Hollabrunn, Ravelsbach, Retz, Stockerau, Wolkersdorf und Zistersdorf eingerichtet und das Kreisamt in Korneuburg fungierte nun als zweite Instanz der Bezirksämter und war auch als Aufsichtsbehörde tätig. Diese verwaltungstechnische Struktur war bis 1867 aufrecht. Mit dem Ausgleich 1867 wurde das Weinviertel in der neuen Verfassung Österreichs von 1867, im Jahr 1868 in Bezirke (bzw. Bezirkshauptmannschaften) eingeteilt und damit der Kreis Unter-Manhartsberg aufgehoben.

Das alte Kreisgebilde überdauerte jedoch im Bereich der Justiz als Kreisgericht Korneuburg, das weiterhin die zweite Instanz für die Bezirksgerichte des Weinviertels ist (allerdings nicht mehr ganz in den alten Grenzen). Auch war das Weinviertel bis 1992 auch ein eigener Wahlkreis für den Nationalrat, bis in der Nationalratswahlordnung von 1992 eine Struktur mit kleineren Regionalwahlkreisen festgelegt wurde.

Historische Namensnennung Lange wurde angenommen, der Name Weinviertel sei erst 1888 im 4. Band des Werks „Die österreich-ungarische Monarchie in Wort und Bild“ (kurz „Kronprinzenwerk“, da von Kronprinz Rudolf angeregt) erschienen.

Im Zuge der Recherche zur Geschichte der Weinviertler Rebsorten konnte ein älterer Eintrag entdeckt werden.

Im Werk Archiv der Pharmazie (183. Band) des Deutschen Apothekervereins von 1868 wird eine Botanische Reise zitiert. Während des Deutschen Krieges 1866, der bei Königgrätz entschieden wurde, sammelte der Stabsarzt der Preußischen Armee Dr. Torges verschiedene Pflanzen. Dabei berichtet Torges vom Rückmarsch: „Dann folgten starke Märsche, bis das Heer am 6. August aus dem Weinviertel in das Waldviertel überging. Bei Dietmannsdorf wurde die kurze Rast zur Erforschung der Gegend genutzt.“

Hauptregion mini|hochkant=1.4|Die Hauptregionen Niederösterreichs Niederösterreich ist für die Raumplanung in fünf Hauptregionen eingeteilt. Das Weinviertel wird größtenteils von der Hauptregion Weinviertel abgedeckt. Nicht zu dieser Hauptregion gehören die Gemeinden des Bezirks Tulln links der Donau, die zur Hauptregion NÖ-Mitte gehören und die Gemeinden des Bezirks Horn östlich des Manhartsberges (Hauptregion Waldviertel). Dagegen gehört die Gegend um Hardegg, die landschaftlich zum Waldviertel zählt zur Hauptregion Weinviertel.

Statistikregion Als Gruppe von Bezirken, das ist die NUTS-3-Ebene der amtlichen EU-Statistik für Österreich umfasst AT125 Weinviertel (Stand 2015):Gliederung Österreichs in NUTS-Einheiten. Gebietsstand 1.1.2015 (PDF, statistik.at). Politischer Bezirk Hollabrunn (vollständig) Teile des politischen Bezirks Mistelbach (Gemeinden Altlichtenwarth, Asparn an der Zaya, Bernhardsthal, Drasenhofen, Falkenstein, Fallbach, Gaubitsch, Gaweinstal, Gnadendorf, Großharras, Großkrut, Hausbrunn, Herrnbaumgarten, Laa an der Thaya, Ladendorf, Mistelbach, Neudorf bei Staatz, Niederleis, Ottenthal, Poysdorf, Rabensburg, Schrattenberg, Staatz, Stronsdorf, Unterstinkenbrunn, Wildendürnbach, Wilfersdorf) Teile des politischen Bezirks Gänserndorf (Gemeinden Drösing, Dürnkrut, Hauskirchen, Hohenau an der March, Jedenspeigen, Neusiedl an der Zaya, Palterndorf-Dobermannsdorf, Ringelsdorf-Niederabsdorf, Sulz im Weinviertel, Zistersdorf) Der politische Bezirk Korneuburg gehört zu Wiener Umland/Nordteil (AT126). Als solches entspricht die Statistikregion dem Nordteil des traditionellen Weinviertels.

Die Gliederung geht noch auf die 2013 aufgelassenen Gerichtsbezirke Laa an der Thaya und Zistersdorf zurück, da Niederösterreich in sieben Unterregionen geteilt ist, und die Gruppen von Bezirken teils politische, teils Gerichtsbezirke umfassten, und wird nun statisch vergleichbar weitergeführt.

Geografie und Natur Gliederung in Teilräume Nach dem Naturschutzkonzept von 2015 ist Niederösterreich in 124 Teilräume gegliedert (diese Einteilung wurde bereits in den 1990ern entwickelt), die in 26 Regionen zusammengefasst werden. Ausschlaggebend sind die Grenzen der Hauptregionen, sodass die Einteilung nicht rein naturräumlich ist, sondern sich auch nach der Verwaltungsgliederung orientiert.Naturschutzkonzept Niederösterreich

Orographie und Geologie mini|Oberleiser Berg bei Ernstbrunn mini|Innerhalb der artenarmen, intensiv bewirtschafteten Felder gibt es noch Hügel mit einem abwechslungsreichen Mosaik aus Trockenrasen und Wäldern Landschaftlich umrahmen die Flussniederungen der Thaya, March und Donau das Weinviertel im Norden, Osten und Süden. Im Westen bildet der Manhartsberg den Übergang zum Gneis- und Granithochland. Die höchste Erhebung ist der Buschberg mit 491 m. Weitere wichtige Gewässer im Weinviertel sind Göllersbach, Hamelbach, Pulkau, Rußbach, Schmida, Weidenbach und Zaya.

Innerhalb wird das Weinviertel durch die Waschbergzone (Rohrwald, Leiser Berge, Staatzer Klippe und Falkensteiner Berge) in einen östlichen und einen westlichen Teil getrennt, der Molassezone mit sanften Hügeln und breiten Muldentälern im Westen und dem nördlichen Wiener Becken und dem Marchfeld im Osten.

Höhere Erhebungen

Die höchste Erhebung des Weinviertels ist der Buschberg in den Leiser Bergen mit 491 m ü. A. Im Westen bildet der Manhartsberg die traditionelle Grenze zum benachbarten Waldviertel.

Die folgende Tabelle enthält alle in der zum Datenbestand Digitales Landschaftsmodell – Geographische Namen des Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen (BEV) gehörenden Tabelle Bergnamen mit Höhe mit Stichtag 23. März 2026 verzeichneten benannten Erhebungen, deren Bezugspunkt im traditionellen Weinviertel liegt und deren Seehöhe mindestens 395 m beträgt. Die Zuordnung zu politischer Gemeinde und Bezirk richtet sich nach der Lage des jeweiligen Bezugspunktes. Das BEV führt politische Gemeindegrenzen und Katastralgemeindegrenzen als getrennte Verwaltungsgrenzen. Da die traditionelle Landschaftsgrenze nicht den heutigen Bezirksgrenzen entspricht, sind auch Erhebungen im Bezirk Horn berücksichtigt, sofern sie auf der Weinviertler Seite liegen. Die Gemeinde Straning-Grafenberg liegt etwa im westlichen Weinviertel an der Grenze zum Waldviertel. Erhebungen auf der Waldviertler Seite des Manhartsbergs sind nicht berücksichtigt.

Erhebung Höhein m Politische Gemeinde Bezirk Buschberg 491 Gnadendorf Mistelbach Brenntenberg 476 Pulkau Hollabrunn Schafberg 468 Schrattenthal Hollabrunn Kranawettberg 466 Pulkau Hollabrunn Hardegger Berg 464 Retz Hollabrunn Kühberg 463 Maissau Hollabrunn Steinberg 462 Ernstbrunn Korneuburg Oberleiser Berg 457 Ernstbrunn Korneuburg Zahlberg 451 Ernstbrunn Korneuburg Heidberg 448 Hohenwarth-Mühlbach am Manhartsberg Hollabrunn Lähnischberg 447 Hohenwarth-Mühlbach am Manhartsberg Hollabrunn Winterwiesberg 441 Maissau Hollabrunn Umlaufberg 440 Pulkau Hollabrunn Ladentränkberg 430 Maissau Hollabrunn Schulberg 427 Ernstbrunn Korneuburg Galgenberg 425 Falkenstein Mistelbach Heidberg 420 Poysdorf Mistelbach Buchberg 417 Mailberg Hollabrunn Heidberg 416 Pulkau Hollabrunn Haberg 414 Göllersdorf Hollabrunn Klosterbigl 414 Maissau Hollabrunn Sonnwendberg 414 Pulkau Hollabrunn Vitusberg 414 Straning-Grafenberg Horn Sündlasberg 413 Schrattenthal Hollabrunn Michelberg 409 Niederhollabrunn Korneuburg Juliusberg 407 Maissau Hollabrunn Wolfersberg 397 Straning-Grafenberg Horn Waschberg 395 Leitzersdorf Korneuburg

Gewässer mini|Sommer-Knotenblume in den March-Auen Mitunter aufgrund der niedrigen Niederschläge gibt es heutzutage im Weinviertel nur relativ wenige Feuchtgebiete und die Landschaft gilt als ausgesprochen trocken. Das war jedoch nicht immer so: während Erhebungen auch früher trocken-warmen Biotope beherbergten, erstreckten sich in den Niederungen entlang von Pulkau, Thaya, Zaya, Schmida, Göllersbach, Weidenbach, Stempfelbach, Rußbach und anderer Bäche einst ausgedehnte Feuchtgebiete mit Schilf- und Röhrichtflächen.

Ab dem Spätmittelalter schuf der Mensch weitere Gewässer oder vergrößerte bestehende Feuchtgebiete durch den Bau von Fischteichen und die Anlage von Mühlen samt Wehranlagen. Die ersten Fischteiche wurden Ende des 14. Jahrhunderts angelegt, die Mehrzahl im 15. und 16. Jahrhundert. Die Teichfläche im Weinviertel übertraf während der Blütezeit der Fischzucht im 17. Jhdt. jene im Waldviertel. Mitte des 18. Jahrhunderts hatte das Weinviertel noch einen Anteil von 64 % an der Fischzucht im Lande, das Waldviertel hingegen nur 31,5 %. Die Wasserkraft wurde durch Mühlen ausgiebig genützt, an der Zaya befanden sich einst fast 50 davon, im Schnitt alle 1,2 km eine. Zur Zeit des Böhmischen Kriegs brach die Teichwirtschaft ein und konnte danach nie wieder das zuvor innegehabte Niveau erreichen. Der Betrieb von Teichen war nicht mehr so lukrativ wie früher, daher wurden diese nach und nach abgelassen. Größere Anlagen bestehen heute nur mehr in Bernhardsthal, Katzelsdorf und Nexing.