Der Landkreis Weilheim-Schongau liegt im Voralpenland des Regierungsbezirks Oberbayern. Er umfasst den größten Teil des Pfaffenwinkels und entstand 1972 im Rahmen der Kreisreform aus den wesentlichen Teilen der Landkreise Weilheim in Oberbayern und Schongau. mini|Maximale Ausdehnung des Isar-Loisach-Gletschers in der Würm-Kaltzeit mit Moränenstrukturen (rot) und Gletscherseen (blaugrün). Gezeigt sind jeweils die maximalen Ausdehnungen und keine Momentaufnahme. August Rothpletz, 1917 mini|Ammerniederung südlich von Weilheim mini|Niederbleick (1589 m), höchste Erhebung im Landkreis Weilheim-Schongau
Geographie Lage Im Westen ist der Lech, im Kerngebiet die Ammer (und der Ammersee) und an der Ostgrenze des Landkreises die Loisach das wichtigste Gewässer. Im Nordosten grenzt der Starnberger See an. Der Hohe Peißenberg mit teilt den Raum Schongau vom Raum Weilheim. Höchster Punkt im Landkreis ist die Niederbleick bei Wildsteig mit , niedrigster Punkt die Ammermündung bei Fischen am Ammersee mit .
Die Grenze zwischen dem bairischen und dem schwäbischen Sprachgebiet bildet – anders als am unteren Lech nördlich von Augsburg – hier im oberen Lechgau und im Lechrain mit den wesentlichen Merkmalen einen breiten Übergang zwischen Lech und Ammer.
Nachbarkreise Der Landkreis grenzt im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Landkreise Landsberg am Lech, Starnberg, Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen und Ostallgäu.
Geologie mini|Der Lech bei BernbeurenDas geomorphologische Erscheinungsbild des Landkreises ist besonders geprägt von den Eiszeiten des Quartärs, die vor etwa 2,6 Millionen Jahren einsetzten. In den Eiszeiten bahnten sich wiederholt Gletscher aus den Zentralalpen (beispielsweise dem Ötztal) ihren Weg durch die nördlichen Teile der Alpen bis weit ins Alpenvorland hinein und schabten dabei unter anderem die Seen des Landkreises aus dem zuvor im Tertiär gebildeten Molasseuntergrund heraus. Besonders die Hauptzunge des Isar-Loisach-Gletschers, die zwischen Herzogstand und Jochberg hervorbrach, schob dabei Erd- und Gesteinsmassen fast bis nach München vor sich her. Der Vorstoß und das Abschmelzen des Gletschers in der Würm-Kaltzeit ist für die Gestalt des Naturraums von besonderer Bedeutung, da die dabei abgelagerten Moränenwälle und Tumuli die Grundlagen der vielen Hügel(ketten) im Landkreis bilden.
Für ausführlichere Informationen zur Geologie der Region sei auf den Artikel zum Alpenvorland verwiesen.
Geschichte Frühgeschichte Lange Zeit war das heutige Kreisgebiet mit einem dichten Urwald bewachsen und von Menschen unbewohnt. Die frühesten Funde menschlicher Aktivitäten stammen aus der späteren Steinzeit. Von der Pollinger Kultur (3900 bis 3500 v. Chr.) stammen Funde von Henkeltassen oder Töpfen mit teppichartigen Verzierungen.Walter Irlinger: Die Vorrömischen Perioden und das frühe Mittelalter. In: Georg Paula, Stefanie Berg-Hobohm: Landkreis Weilheim-Schongau: Denkmäler in Bayern. Band 1, Lipp, München 2003.Max Biller: Pollinger Heimat-Lexikon. Polling 1992, Halbband 2, S. 1049. Weitere Besiedlungsspuren stammen aus der Bronzezeit. Vor den Römern, die ab 15 v. Chr. in die Gegend kamen, waren die Kelten im Kreisgebiet. Die römische Provinz, zu der das Gebiet gehörte, hieß Raetien. Um 476 zogen sich die Römer zurück nach Süden.Geschichte. In: Der Landkreis Weilheim-Schongau. Herausgeber: Landratsamt Weilheim-Schongau 2010, Texte: Max Biller (Kreisarchivpfleger), Helmut Schmidbauer (Kreisheimatpfleger), S. 8 f. Dann kamen ins östliche Kreisgebiet die Bajuwaren und im Westen die Alemannen und bis heute gibt es hier eine Sprachgrenze zwischen dem bairischen Dialekt und dem Lechrainer Dialekt bzw. dem ostschwäbischen Dialekt westlich des Lechs. Im Laufe der Zeit hatten Franken, Welfen, die Hohenstaufen, Huosi, Andechs-Meranier, Agilolfinger und die Wittelsbacher die Herrschaft in dem Gebiet.
Landgerichte Im heutigen Kreisgebiet wurden 1803 die Landgerichte Weilheim und Schongau errichtet. Sie gehörten zum Isarkreis, der 1838 in Oberbayern umbenannt wurde.
Bezirksämter Im Jahr 1862 wurden aus den Landgerichten Weilheim in Oberbayern und Schongau die gleichnamigen Bezirksämter gebildet.
Landkreise Am 1. Januar 1939 wurde wie sonst überall im Deutschen Reich die Bezeichnung Landkreis eingeführt. So wurden aus den Bezirksämtern die Landkreise Schongau und Weilheim in Oberbayern.
Landkreis Weilheim-Schongau Im Rahmen der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Juli 1972 aus dem größten Teil des Landkreises Weilheim in Oberbayern, dem größten Teil des Landkreises Schongau (beide Regierungsbezirk Oberbayern) und der Gemeinde Ingenried des Landkreises Marktoberdorf (Regierungsbezirk Schwaben) ein neuer Landkreis gebildet, der zunächst die Bezeichnung „Landkreis Weilheim in Oberbayern“ erhielt. Einige Gemeinden im Norden des Landkreises Schongau kamen zum Landkreis Landsberg am Lech, die Gemeinde Bayersoien sowie mehrere Gemeinden im Süden des Landkreises Weilheim wurden den Landkreisen Garmisch-Partenkirchen und Bad Tölz-Wolfratshausen zugeordnet.Verordnung zur Neugliederung Bayerns in Landkreise und kreisfreie Städte vom 27. Dezember 1971 Am 1. Mai 1973 erhielt der neue Landkreis den Doppelnamen „Landkreis Weilheim-Schongau“.
Einwohnerentwicklung rechts|mini|400x400px|Bevölkerungspyramide für den Kreis Weilheim-Schongau (Datenquelle: Zensus 2011https://ergebnisse2011.zensus2022.de/datenbank/online/ Datenbank Zensus 2011, Kreis Weilheim-Schongau, Alter und Geschlecht)
Der Landkreis Weilheim-Schongau gewann von 1988 bis 2008 rund 23.000 Einwohner hinzu bzw. wuchs um ca. 21 %. Zwischen 1988 und 2018 wuchs der Landkreis von 107.913 auf 135.348 um 27.435 Einwohner bzw. um 25,4 %.
Die nachfolgenden Zahlen beziehen sich auf den Gebietsstand vom 25. Mai 1987:
Jahr Einwohnerzahl 1840 25.872 1871 29.897 1900 40.827 1925 53.209 1939 57.682 1950 89.577 1961 88.024 1970 96.358 1987 106.374 1991 114.562 1995 120.756 2000 127.018 2005 131.034 2010 130.922 2015 132.906 2020 136.134 2025 139.241
Politik Kreistag Die Kreistagswahl 2026 führte zu folgendem Ergebnis:
Parteien und Wählergemeinschaften 2020 2014 2008 2002 1996 % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze CSU Christlich-Soziale Union in Bayern 34,0 20 38,7 23 40,9 25 53,5 33 46,6 29 Grüne Grüne Bayern 17,4 10 10,9 7 9,6 6 7,8 4 8,5 5 SPD SPD Bayern 11,0 7 19,2 12 22,0 13 24,6 15 25,4 15 BfL Bürger für den Landkreis Weilheim-Schongau 10,0 6 13,7 8 15,5 9 – – – – ÖDP Ökologisch-Demokratische Partei 6,5 4 – – – – – – – – FW Freie Wähler Bayern 6,4 4 5,8 3 – – – – – – AfD AfD Bayern 5,0 3 – – – – – – – – Unabh Unabhängige Weilheim-Schongau 2,7 2 – – – – – – – – BfP Bürger für Penzberg 2,3 1 – – – – – – – – FDP FDP Bayern 2,0 1 1,8 1 3,5 2 2,5 1 1,7 1 BP Bayernpartei 1,6 1 2,9 2 – – – – – – Linke Die Linke Bayern 1,1 1 – – – – – – – – Unabh/ÖDP Unabhängige/Ökologisch-Demokratische Partei – – 6,7 4 6,5 4 – – – – REP Die Republikaner – – 0,3 – 2,0 1 1,7 1 2,8 1 PUW Parteifreie und Unabhängige Wählergemeinschaft – – – – – – 10,1 6 15,0 9 gesamt 100,0 60 100,0 60 100,0 60 100,2 60 100,0 60 Wahlbeteiligung 65,5 % 62,1 % 67,1 % 67,2 % 71,0 %
Landräte mini|Landratsamt in Weilheim + Landräte im Landkreis Weilheim-Schongau Amtszeit Landrat Partei 1. Juli 1972 bis 30. April 1978 Georg Bauer CSU 1. Mai 1978 bis 30. April 1996 Manfred Blaschke CSU 1. Mai 1996 bis 30. April 2008 Luitpold Braun CSU 1. Mai 2008 bis 30. April 2014 Friedrich Zeller SPD 1. Mai 2014 bis 30. April 2026 Andrea Jochner-Weiß CSU seit 1. Mai 2026 Johann Bertl CSU
Wappen und Flagge Dem Landkreis Weilheim-Schongau ist nach Beschluss des Kreistags und Zustimmung der Regierung von Oberbayern mit Schreiben derselben vom 21. Mai 1974 die Genehmigung erteilt worden, das nachstehend beschriebene Wappen zu führen.
Flagge „Der Landkreis führt eine Fahne in den Farben Schwarz-Gelb-Blau.“ Der Landkreis führt diese Flagge wie das Wappen ebenfalls seit dem 21. Mai 1974.Flags of the world:
Baudenkmäler Siehe Baudenkmäler im Landkreis Weilheim-Schongau
Wirtschaft und Infrastruktur Der Landkreis gehört zu den zehn deutschen Landkreisen mit der geringsten Arbeitslosigkeit. Das verdankt er seiner gewachsenen und ausgewogenen Wirtschaftsstruktur von Industrie und Handwerk, Landwirtschaft, Handel und Dienstleistungen, der eine von Großbetrieben verursachte Monotonie fehlt. Handwerkliche und mittelständische Betriebe prägen das Wirtschaftsgefüge, fast zwei Drittel der Arbeitnehmer des Landkreises sind hier beschäftigt. In Weilheim ist das Berufsbildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer für München und Oberbayern (BTZ) für fünf oberbayerische Landkreise angesiedelt.
Die Einkommensteuerkraft je Einwohner lag im Jahr 2004 bei 291 Euro (Bundesdurchschnitt 216). Die Kaufkraft je Einwohner im Jahr 2005 lag bei 9.457 Euro (Bundesdurchschnitt 8.523).
Im Zukunftsatlas 2016 belegte der Landkreis Weilheim-Schongau Platz 107 von 402 Landkreisen, Kommunalverbänden und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Regionen mit „Zukunftschancen“. In der Ausgabe von 2019 verbesserte er sich auf Platz 40 von 401.
Verkehr Straßen Der Verkehr durch den Landkreis ist relativ ruhig: Das Autobahnnetz berührt den Landkreis nur im Osten (A 95 München–Garmisch). Die Hauptverkehrsadern sind die B 2, B 23, B 472 und B 17.
Bahn Die Kreisstadt Weilheim mit dem Bahnhof Weilheim (Oberbay) ist ein Knotenpunkt des regionalen Eisenbahnnetzes. Die Stadt hatte im 19. Jahrhundert selbst die Initiative zum Bahnbau ergriffen und auf eigene Kosten die folgenden Strecken eröffnet: 1865: Tutzing–PenzbergLudwig Degele: Die Eisenbahn im Landkreis Weilheim-Schongau. Eigenverlag, Weilheim 1981, S. 32. 1866: Tutzing–Weilheim–UnterpeißenbergPeter Rasch: Die Nebenbahnen zwischen Ammersee, Lech und Wertach. Mit Ammerseebahn, Pfaffenwinkelbahn & Co rund um den Bayerischen Rigi. EOS Verlag, St. Ottilien 2011, ISBN 978-3-8306-7455-9, S. 158 f.
Die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen erweiterten das Schienennetz durch die Verbindungen Unterpeißenberg–Peißenberg (1875) und Weilheim–Murnau (1879). 1898 folgte die Weiterführung von Penzberg über Bichl nach Kochel und die Verbindung Augsburg–Weilheim am Ammersee entlang.
Die Stadt Schongau wurde 1886 zunächst parallel zum Lech mit Landsberg verbunden. Es dauerte über 30 Jahre, bis 1917 von Schongau über Peiting die Lücke nach Peißenberg geschlossen wurde und somit Züge auch nach Weilheim fahren konnten. Schließlich folgte – schon unter der Regie der Deutschen Reichsbahn – im Jahre 1923 die Nebenbahn Schongau–Kaufbeuren. Diese wurde 1972 stillgelegt, ferner 1984 der Personenverkehr der Strecke Schongau–Landsberg, auf der jetzt die DB Cargo Güterzüge betreibt. Für den Personenverkehr sind also noch etwa 75 % des ursprünglichen Netzes von rund 100 km Länge in Betrieb.
Gemeinden
(Einwohner am ) Städte Penzberg () Schongau () Weilheim in Oberbayern ()
Märkte Peißenberg () Peiting ()
Verwaltungsgemeinschaften Altenstadt (Oberbayern)(Gemeinden Altenstadt, Hohenfurch, Ingenried, Schwabbruck und Schwabsoien) Bernbeuren(Gemeinden Bernbeuren und Burggen) Habach(Gemeinden Antdorf, Habach, Obersöchering und Sindelsdorf) Huglfing(Gemeinden Eberfing, Eglfing, Huglfing und Oberhausen)
Rottenbuch(Gemeinden Böbing und Rottenbuch) Seeshaupt(Gemeinden Iffeldorf und Seeshaupt) Steingaden(Gemeinden Prem, Steingaden und Wildsteig)Weitere Gemeinden Altenstadt () Antdorf () Bernbeuren () Bernried am Starnberger See () Böbing () Burggen () Eberfing () Eglfing () Habach () Hohenfurch () Hohenpeißenberg () Huglfing () Iffeldorf () Ingenried () Oberhausen () Obersöchering () Pähl () Polling () Prem () Raisting () Rottenbuch () Schwabbruck () Schwabsoien () Seeshaupt () Sindelsdorf () Steingaden () Wessobrunn () Wielenbach () Wildsteig ()
Keine gemeindefreien Gebiete
Schutzgebiete