mini|280px|Der Landkreis Eichsfeld nach 1994 (rot) im Vergleich zum historischen Eichsfeld (schwarz) mini|Das Mainzer Schloss in Heiligenstadt, 1736 bis 1738 als Residenz des erzbischöflich kurmainzischen Statthalters erbaut, heute Sitz des Landratsamtes des Landkreises Eichsfeld Der Landkreis Eichsfeld [] ist ein Landkreis im äußersten Nordwesten von Thüringen. Die meisten Ortschaften des Landkreises gehören zur namensgebenden historischen Landschaft Eichsfeld.
Geografie Der Landkreis Eichsfeld liegt im Nordwesten des Freistaats Thüringen, eingebettet zwischen dem Harz im Norden, der Werra und dem Osthessischen Bergland im Südwesten und dem Thüringer Becken im Südosten.
Im Süden des Landkreises wird die Landschaft von ca. 450 m hohen Muschelkalkplatten des Oberen Eichsfeldes, des Düns und der Gobert (mit der 543,4 m hohen Goburg) geprägt. Nach Norden schließen sich die Hügellandschaften des mittleren Eichsfeldes an. Auch hier erheben sich Höhenzüge wie das Ohmgebirge mit dem 533,4 m hohen Birkenberg.
Einige Flüsse haben im Landkreis Eichsfeld ihren Ursprung, wie die Unstrut, die Leine, die Wipper, die Helme und die Hahle.
Nachbarlandkreise Nachbarkreise sind im Norden der niedersächsische Landkreis Göttingen, im Osten der Landkreis Nordhausen, im Südosten der Kyffhäuserkreis, im Süden der Unstrut-Hainich-Kreis und im Westen der hessische Werra-Meißner-Kreis.
Geschichte
Bis 1803 gehörte das Eichsfeld zu Kurmainz, daher ist es bis heute vornehmlich katholisch geprägt. Danach gehörte es zunächst zu Preußen, 1815 kam es aber zur heute noch bestehenden Teilung des Eichsfeldes zwischen Hannover und Preußen. Der preußische Teil kam 1945 an Thüringen und wurde mit diesem später Teil der Deutschen Demokratischen Republik.
Am 8. August 1945 wurde durch Zusammenlegung der bisherigen Landkreise Heiligenstadt und Worbis erstmals der Landkreis Eichsfeld mit Sitz in Heiligenstadt gegründet. Ab 30. September 1946 wurde der Kreis in Landkreis Worbis umbenannt. Mit der Verwaltungsreform 1952 wurde der Landkreis wieder aufgelöst und in die Kreise Heiligenstadt und Worbis aufgeteilt.Zur historischen Entwicklung des Eichsfeldes
Der heutige Landkreis wurde am 1. Juli 1994 durch die erneute Zusammenlegung der Landkreise Heiligenstadt und Worbis geschaffen.
Im Vorfeld einer geplanten zweiten Kreisgebietsreform in Thüringen schlug eine Expertenkommission im Januar 2013 vor, den Landkreis mit dem Nachbarkreis Nordhausen zu einem Großkreis zu verschmelzen. Aus Protest gegen diese Pläne brachte Landrat Werner Henning einen Wechsel des Landkreises nach Niedersachsen ins Gespräch.Hessische Niedersächsische Allgemeine
In der neuen Legislaturperiode wurde die Gebietsreform in Thüringen im Koalitionsvertrag genannt. Der Landrat des Landkreises Eichsfeld veröffentlichte 2015 und 2016 mehrere Vorschläge, die u. a. die Angliederung der Eichsfelddörfer Anrode, Dünwald, Südeichsfeld und Rodeberg aus dem Unstrut-Hainich-Kreis vorsahen. Die historische Verbindung berechtige diese Gemeinden zu einem Wechsel. Darüber hinaus sollten auch Teile des Landkreises Nordhausen und die Stadt Mühlhausen dem Kreisgebiet hinzugefügt werden. Während die Eichsfelddörfer sich nicht abgeneigt zeigten, stieß dieser Vorschlag beim Landrat des Unstrut-Hainich-Kreises Harald Zanker auf Kritik.Thüringer Allgemeine, aufgerufen am 12. März 2015
Nachdem im Juni 2016 das Vorschaltgesetz zur Funktional- und Gebietsreform durch den Landtag beschlossen worden war, legte der Innenminister am 11. Oktober 2016 den Regierungsvorschlag zur Neugliederung der Landkreise und kreisfreien Städte vor, der die Fusion des Landkreises Eichsfeld mit dem Unstrut-Hainich-Kreis vorsah.Vorschaltgesetz zur Funktional- und Gebietsreform auf thueringen.de, abgerufen am 4. Februar 2024. auf thueringen.de, aufgerufen am 11. Oktober 2016. Es folgten weitere Vorschläge zu Kreisfusionen, jedoch scheiterte die Gebietsreform im November 2017.
Bevölkerung Einwohnerentwicklung mini|hochkant=1.25|Bevölkerungspyramide für den Kreis Eichsfeld (Datenquelle: Zensus 2011) Jahr Einwohner 1994 117.790 1995 117.588 1996 117.015 1997 116.310 1998 115.379 1999 114.718 2000 114.109 2001 113.427 2002 112.498 2003 111.455 Jahr Einwohner 2004 110.843 2005 109.999 2006 108.883 2007 107.924 2008 106.937 2009 106.052 2010 105.195 2011 104.549 2012 101.312 2013 100.951 Jahr Einwohner 2014 100.730 2015 101.325 2016 101.033 2017 100.645 2018 100.380 2019 100.006 2020 99.463 2021 99.324 2022 99.358 2023 102.699 Jahr Einwohner 2024 103.694 Datenquelle: ab 1994 Thüringer Landesamt für Statistik – Werte vom 31. Dezember
Sprache Durch die Teilung Deutschlands und den Verbleib der Zugehörigkeit zu Thüringen wird im Obereichsfeld ein spezieller Eichsfelder Dialekt gesprochen. Man hört hier den Thüringer heraus, speziell bei harten Konsonanten. Der Dialekt ist aber deutlich nicht so „verwaschen“ und thüringisch angehaucht wie in den angrenzenden thüringischen Landkreisen. Im Untereichsfeld wird ein ziemlich reines Hochdeutsch gesprochen.
Religion Der Landkreis Eichsfeld ist katholisch geprägt. Laut Zensus 2011 waren am Zensusstichtag 70,1 % der Einwohner im Kreis Eichsfeld römisch-katholische Christen. Lediglich 10,8 % waren evangelische Christen und 0,3 % gehörten orthodoxen Kirchen an. Nur 18 % waren keiner öffentlich-rechtlichen Religionsgesellschaft zugehörig. Gemäß dem Zensus 2022 waren 64,2 % der Einwohner katholisch, nur 9,6 % evangelisch, und 26,2 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 11. Januar 2025 Der Anteil der Protestanten und Katholiken an der Gesamtbevölkerung ist somit zwischen 2011 und 2022 gesunken. Der Landkreis Eichsfeld ist der einzige Landkreis mit einem mehrheitlich christlichen Bevölkerungsanteil unter allen Landkreisen und kreisfreien Städten der neuen Bundesländer.
Politik Landrat Landrätin des Kreises Eichsfeld ist seit dem 1. Juli 2024 Marion Frant (CDU). Zuvor war seit der Bildung des Landkreises 1994 Werner Henning (CDU) im Amt.
Kreistag
Die 44 Sitze im Kreistag verteilen sich seit der Kommunalwahl am 26. Mai 2024 folgendermaßen auf die einzelnen Parteien: Partei Sitze CDU21 (−1)AfD9 (+3)FW Eichsfeld6 (+2)DIE LINKE2 (−1)GRÜNE1 (−2)SPD1 (−1)BI2 (±0)FDP1 (−1)ÖDP/Familie.1 (±0)HEIMAT0 (−1)
Wappen Blasonierung: „Auf Silber ein roter, goldbewehrter Adler, auf der Brust ein silbernes sechsspeichiges Rad.“
Das Wappen wurde aus dem Majestätswappen König Friedrich Wilhelms III. von Preußen vom 9. Januar 1817 in der Fassung der Berichtigung vom 11. Januar 1864 übernommen. Während das sechsspeichige silberne Mainzer Rad an die Herrschaft der Kurfürsten und Erzbischöfe von Mainz vom 9. Jahrhundert bis 1802 über deren eichsfeldische Exklave erinnert, verdeutlicht der rote brandenburgisch-preußische Adler die nachfolgende Zugehörigkeit zum Königreich Preußen.
Die einzelnen Wappen der Städte und Gemeinden im Landkreis findet man in der Liste der Wappen im Landkreis Eichsfeld.
Wirtschaft und Infrastruktur Nach dem notwendigen Strukturwandel und dem damit verbundenen Verlust an Arbeitsplätzen in Industrie und Landwirtschaft haben sich die klein- und mittelständischen Betriebe als Motor des wirtschaftlichen Aufschwunges erwiesen. Davon zeugt vor allem ein stets positiver Gewerbeentwicklungssaldo.
Der Landkreis bietet ein investitionsfreudiges Klima und ein Ansiedlungskonzept, welches die Besonderheiten der Region mit den Interessen der Investoren in Einklang bringt. Die Wirtschaftsstruktur im Landkreis ist überwiegend mittelständisch ausgeprägt. Metallverarbeitung, Maschinenbau, Textilverarbeitung und das Papier- und Ernährungsgewerbe sind die führenden Branchen.
Mit der A38 Göttingen–Halle stellt das Eichsfeld hier das verbindende Element zwischen diesen Räumen dar. Die sehr guten verkehrstechnischen Anbindungen wie auch die historischen Bezüge zum niedersächsischen Bereich des Eichsfeldes begründen eine starke wirtschaftliche Ausrichtung zum Landkreis und dem Oberzentrum Göttingen.
Im Zukunftsatlas 2016 belegte der Landkreis Eichsfeld Platz 345 von 402 Landkreisen und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Regionen mit „Zukunftsrisiken“. Diese Einschätzung wurde allerdings im Zukunftsatlas 2019 wesentlich revidiert: In der Rangfolge liegt der Kreis auf Platz 289 von insgesamt 401 Gebietskörperschaften und wird als Region mit hohen Zukunftsaussichten ausgewiesen.Prognos Zukunftsatlas 2019 (PDF; 11 MB), S. 22, auf kreis-calw.de, abgerufen am 4. Februar 2024.
Kreiseigene Unternehmen Der Landkreis Eichsfeld ist ganz oder teilweise an folgenden Unternehmen beteiligt:Landkreis Eichsfeld Beteiligungsbericht für das Geschäftsjahr 2019 Eichsfeldwerke GmbH (Ver- und Entsorgungsunternehmen) Eichsfeld-Klinikum (mit dem Krankenhaus Kloster Reifenstein), mit dem MVZ Eichsfeld Klinikgesellschaft Heilbad Heiligenstadt (Rehabilitation), mit der Gesellschaft für Bildung und Soziales Eichsfelder Kulturbetriebe Der Kreis ist weiterhin Mitglied in mehreren Zweckverbänden und Vereinen (Abfallwirtschaft Nordthüringen, Tierkörperbeseitigung Thüringen, Rettungsdienst Nordthüringen, Regional Planungsgemeinschaft Nordthüringen, HVE Touristik Eichsfeld).
Schutzgebiete Im Landkreis befinden sich sechs ausgewiesene Naturschutzgebiete (Stand Januar 2017).
Verkehr Schiene Die Magdeburg-Leipziger Eisenbahn-Gesellschaft machte 1867 mit der Strecke Nordhausen – Leinefelde – Heiligenstadt – Kassel den Anfang mit dem hiesigen Bahnbau (Bahnstrecke Halle–Hann. Münden). Als 1870 die Thüringische Eisenbahn-Gesellschaft mit der Bahnstrecke Gotha–Leinefelde eine Verbindung mit Erfurt schuf, wurde der Abzweigbahnhof Leinefelde zum Bahnknotenpunkt des Eichsfeldes. Auch die Kanonenbahn der Preußischen Staatsbahn (KPStE) über Dingelstädt und Geismar nach Schwebda nahm 1880 ihren Ausgang in Leinefelde, lief aber von Leinefelde bis Silberhausen Trennungsbahnhof parallel zur Erfurter Strecke.
Weitere Strecken der Preußischen Staatsbahn wurden erbaut: 1897 Bahnstrecke Leinefelde–Wulften über Worbis, Teistungen und Duderstadt 1908–1911 Bahnstrecke Bleicherode–Herzberg über Bischofferode 1914 Bahnstrecke Heiligenstadt–Schwebda
Die Obereichsfelder Kleinbahn AG führte seit 1913 von Silberhausen Kleinbahnhof zum Bergbauort Hüpstedt im Kreis Unstrut-Hainich.
Infolge der Teilung Deutschlands wurden zunächst 53 km Strecke stillgelegt: 1945: Zwinge–Herzberg 2 km; Teistungen–Duderstadt 3 km; Großtöpfer–Schwebda 2 km, Geismar–Schwebda 3 km 1947: Heiligenstadt–Heiligenstadt Ost–Großtöpfer 27 km; Silberhausen Klb–Beberstedt–Hüpstedt 3 km 1972: Bischofferode–Zwinge 13 km
Nach der Wende und friedlichen Revolution in der DDR folgten weitere Strecken mit 41 km Länge im Kreisgebiet: 1994: Dingelstädt–Küllstedt–Geismar 20 km 1996: Silberhausen Tr. Bf.–Dingelstädt 2 km 1998: Großbodungen–Bischofferode 3 km 2001: Bleicherode Ost–Großbodungen 2 km und Leinefelde–Worbis–Teistungen 14 km
Derzeit findet Personenverkehr nur noch auf Strecken von 57 km Länge statt. Ihn betreiben die Deutsche Bahn und seit 2015 die Abellio Rail Mitteldeutschland.
Eine zweigleisige, elektrifizierte Strecke verläuft von Eichenberg am Westrands des Landkreises (durchgehende Verbindungen von Kassel und Göttingen) über Heiligenstadt – Leinefelde – Benterode Richtung Nordhausen – Halle. In Leinefelde zweigt eine eingleisige, nicht elektrifizierte Strecke zur Landkreisgrenze bei Dingelstedt und weiter über Mühlhausen nach Gotha ab; die Züge fahren meist weiter nach Erfurt und bis Gera (Stand 2024). Auf ca. 1800 Einwohner des Landkreises entfällt damit ein Streckenkilometer, im Vergleich zum Bundesdurchschnitt von ca. 2200 Einwohnern je km Bahnstrecke (2016). Bezogen auf die Fläche des Landkreises ist die Gleisdichte dagegen niedriger als der Bundesdurchschnitt.
Busverkehr