mini|Ursprüngliches Stammwappen der Familie Stewart Das Haus Stewart, seit dem 16. Jahrhundert auch Haus Stuart, ist eine aus dem Clan Stewart hervorgegangene schottische Adelsfamilie. Sie stellte von 1371 bis 1567 die Könige von Schottland und von 1603 bis 1714 mit Unterbrechungen auch die Könige von England und Irland bzw. von Großbritannien.

Die letzte Vertreterin der Hauptlinie, Königin Maria I. heiratete 1565 Henry Stuart aus einer Nebenlinie desselben Hauses. Ihre Nachkommen behielten die französische Namensform Stuart bei. Beider Sohn Jakob VI. Stuart regierte seit 1603 als Jakob I. in Personaluniuon auch England und Irland, nachdem Elisabeth I., die letzte Königin aus dem Hause Tudor verstorben war. Sie war eine Cousine seiner Mutter Maria gewesen und hatte diese 1587 wegen ihrer Ansprüche auf die englischen Krone hinrichten lassen. Die Herrschaft der Stuarts wurde zwei Mal gewaltsam beendet: erstmals von 1649 bis 1660 durch die Hinrichtung König Karls I. und die Gründung der englischen Republik unter Oliver Cromwell, ein weiteres Mal durch die Glorious Revolution von 1688 in deren Verlauf König Jakob II. ins französische Exil fliehen musste. Unter der letzten Stuart-Königin, Jakobs Tochter Anne, wurden England und Schottland durch den Act of Union 1707 zum Königreich Großbritannien vereinigt.

Nach Annes Tod 1714 wurde das Haus Stuart durch das Haus Hannover auf dem britischen Thron abgelöst, das seine Erbansprüche von Elisabeth Stuart, der ältesten Tochter Jakobs I. herleitete. Die männlichen Nachkommen Jakobs II. und ihre Anhänger, die Jakobiten, versuchten im 18. Jahrhundert mehrfach vergeblich, das Haus Stuart wieder auf den britischen Thron zu bringen, bis diese Linie 1807 im Mannesstamm ausstarb. Ältere Seitenlinien und Bastardlinien, die sich teils Stewart, teils Stuart schreiben, existieren bis heute.

Geschichte Die Stewarts gingen aus der bretonischen Familie FitzAlan hervor, die aus der Stadt Dol-de-Bretagne stammte. Der dortige Lehnsherr war der Bischof von Dol. Dieser bediente sich für die weltliche Verwaltung seiner Ländereien eines Hofbeamten mit dem Titel eines Dapifers oder Seneschalls. Der erste nachweisbare Vorfahr der Familie Stewart war Alain, der 1086 Dapifer des Bischofs von Dol war. Dessen Enkel Alan fitz Flaad ging an den Hof König Heinrichs I. von England, von dem er verschiedene Ländereien, darunter Oswestry in Shropshire, erhielt.

Von den drei Söhnen Alans kehrte der älteste, Jordan fitz Alan, wieder in die Bretagne zurück, der zweite, William fitz Alan, wurde 1137 Sheriff von Shropshire und ist Stammvater der Earls of Arundel. Der dritte Sohn, Walter fitz Alan, ging um 1136 nach Schottland. Dort wurde er um 1150 Dapifer von König David I. Er erhielt Ländereien in Renfrewshire und gründete 1163 die Abtei Paisley. Um 1157 erhielt er die Erblichkeit seines Hofamts bestätigt. Sein Enkel Walter wählte ab etwa 1219 für sein Amt die angesehenere Bezeichnung Senescallus. Er begründete die guten Beziehungen der Familie zur Familie Bruce of Annandale. Walters Sohn Alexander of Dundonald gehörte während der Minderjährigkeit von König Alexander III. von 1255 bis 1261 als Guardian of Scotland dem Regentschaftsrat an. Vor allem wurde er aber nicht nur als Steward des Königs, sondern auch als Steward of Scotland bezeichnet, was seine Stellung aufwertete. Sein jüngerer Bruder Walter führte als erstes Familienmitglied den Namen Stewart, obwohl er das Amt selbst nie innehatte. mini|Edinburgh Castle

James the Stewart, der älteste Sohn von Alexander of Dundonald, wurde nach dem Tod von Alexander III. 1286 zu einem der sechs Guardians of Scotland gewählt. Obwohl er nie eine führende Rolle einnahm, war er eine treibende Kraft des Unabhängigkeitskampfes gegen England. 1306 unterstützte er Robert Bruce, als dieser sich als Robert I. zum schottischen König erhob. James’ Sohn Walter Stewart kommandierte in der Schlacht von Bannockburn den linken Flügel und trug damit wesentlich zum Sieg über die Engländer bei. Er heiratete Marjorie, die älteste Tochter von Robert I. Nach dem kinderlosen Tod von David II. 1371, dem Sohn von Robert I., fiel die Krone gemäß der 1318 beschlossenen Erbfolgeregelung an Walters Sohn Robert. Dieser wurde als Enkel von Robert I. als Robert II. als erster Stewart schottischer König. Sein Enkel Jakob I. kämpfte den einheimischen Adel nieder, ermordete z. T. eigenhändig seine Rivalen und ordnete das Land neu. Mit Jakob V. starb 1542 die Hauptlinie der Stewarts, das heißt die Nachkommenlinie Roberts II., im Mannesstamm aus. Nur acht Stewartkönige wurden älter als 50 Jahre, und nur fünf von den siebzehn Herrschern der Familie starben eines natürlichen Todes.

Die Linie wurde durch seine Tochter Maria Stuart (und ihren Mann Henry Stuart, Lord Darnley, der einer älteren Nebenlinie der Familie entstammte, sowie ihren Halbbruder James Stewart, 1. Earl of Moray) fortgeführt, die als Frau des französischen Königs Franz II. den Namen von Stewart auf die französische Schreibweise Stuart änderte.

Maria Stuarts Sohn, Jakob VI., wurde 1603 nach dem Tode Elisabeths I. als Jakob I. zugleich auch englischer König. Sein Sohn Karl I. unterlag im englischen Bürgerkrieg den Truppen des Parlaments und wurde auf Betreiben Oliver Cromwells 1649 nach einem Hochverratsprozess enthauptet.

mini|Holyrood Palace in Edinburgh, Residenz Im Zuge der Stuart-Restauration im Jahr 1660 kehrte dessen Sohn Karl II. aus dem Exil zurück, 1688 jedoch wurde sein Bruder und Nachfolger, der zum Katholizismus konvertierte Jakob II., in der Glorious Revolution gestürzt und lebte noch bis 1701 im französischen Exil. Seine beiden protestantischen Töchter aus erster Ehe, Maria II. und Anne, regierten noch bis 1694 bzw. 1714, ehe das englische Parlament im Act of Settlement (1701) die protestantische Erbfolge unter Umgehung der beiden katholischen Kinder Jakobs II. aus zweiter Ehe gesetzlich festschrieb und damit einen Cousin aus dem Haus Hannover, den Kurfürsten Georg Ludwig, als Georg I. auf den Thron berief. Ein Restaurationsversuch des abgesetzten Königs 1689/90 in Irland sowie Umsturzversuche seines nach Rom emigrierten Sohnes James Francis Edward Stuart und eine Invasion des Enkels Charles Edward Stuart (besser bekannt als Bonnie Prince Charlie) in Schottland in den Jahren 1708, 1715 und 1745/46 blieben erfolglos. Mit Charlies Bruder Henry Benedict Stuart, dem Kardinalherzog von York, starben die Stuarts 1807 in der männlichen Hauptlinie aus. Der Thronanspruch der Jakobiten fiel dadurch an Nachfahren einer Schwester Jakobs II. aus dem Haus Savoyen und später über das Haus Habsburg-Lothringen an das Haus Wittelsbach, wobei keines dieser Häuser den Anspruch je tatsächlich vertreten hat. Über Elisabeth Stuart, die Tochter Jakobs I., die Friedrich V. von der Pfalz geheiratet hatte, und ihre Tochter Sophie von der Pfalz, Vorfahrin des Hauses Hannover, stammen auch alle seither regierenden britischen Monarchen in weiblicher Linie von den Stuarts ab.

Oberhäupter des Hauses Stewart bzw. Stuart mini|Tartan der Familie Stuart aus dem Vestiarium Scoticum

High Stewards of Scotland Walter FitzAlan the Steward, 1. High Steward of Scotland (* um 1110; † 1177) Alan fitz Walter, 2. High Steward of Scotland (* um 1150; † 1204) Walter Fitzalan, 3. High Steward of Scotland (* um 1198; † 1241) Alexander of Dundonald, 4. High Steward of Scotland (* um 1220; † 1282) James Stewart, 5. High Steward of Scotland (* um 1243; † 1309) Walter Stewart, 6. High Steward of Scotland (* 1292; † 1327) Robert Stewart, 7. High Steward of Scotland (* 1316; † 1390) (1371 als Robert II. König von Schottland)

Schottische Monarchen mini|270px|Wappen des ersten schottisch-englischen Stuartkönigs Jakob VI./I. ab 1603 Robert II. (1371–1390) Robert III. (1390–1406) Jakob I. (James I.) (1406–1437) Jakob II. (James II.) (1437–1460) Jakob III. (James III.) (1460–1488) Jakob IV. (James IV.) (1488–1513) Jakob V. (James V.) (1513–1542) Maria Stuart (1542–1587) Jakob VI. (James VI.) (1567–1625)

Schottisch-englische Monarchen mini|hochkant=0.7|Karl I. von England und Schottland (1625–1649), Porträt von Anthonis van Dyck Jakob I. von England und VI. von Schottland (1603–1625) Karl I. (1625–1649) Karl II. (1660–1685) Jakob II. von England und VII. von Schottland (1685–1688) Maria II. (1689–1694) ⚭ Wilhelm III. von England und II. von Schottland Anne (1702–1714) (ab 1707 britische Monarchin)

Jakobitische Prätendenten mini|hochkant=0.7|Charles Edward Stuart (1766–1788), als Thronprätendent Karl III. oder Bonnie Prince Charlie Jakob II. von England und VII. von Schottland (1688–1701) Jakob III. von England und VIII. von Schottland (1701–1766) Karl III. (1766–1788) Heinrich IX. von England und I. von Schottland (1788–1807), Kardinalherzog von York, letzter männlicher Stuart

Nebenlinien des Hauses Stewart

Dukes of Albany Duke of Albany war ein erblicher Adelstitel der Peerage of Scotland, der zwischen 1398 und 1660 sechsmal an jüngere Söhne des schottischen Königshauses Stuart verliehen wurde (die siebte und letzte Verleihung ging dann an einen Angehörigen des Hauses Sachsen-Coburg und Gotha).

Stewart of Darnley mini|Henry Stewart, Lord Darnley und seine Gemahlin Königin Maria Stuart

Die Familie Stewart of Darnley ist eine Nebenlinie des Hauses Stewart, die von John Stewart of Bonkyl, einem jüngeren Sohn des 4. High Steward Alexander Stewart begründet wurde. Der Name leitet sich aus der Baronie Derneley in Renfrewshire ab, die 1356 an Sir John Stewart verliehen wurde.

John of Derneley, der 1429 in der Schlacht der Heringe fiel, heiratete 1392 Isabel, Tochter des Duncan, 8. Earl of Lennox. 1488 wurde sein Enkel John Stewart, Lord Darnley zum 1. Earl of Lennox ernannt.

Matthew Stewart, 4. Earl of Lennox heiratete Margaret Douglas, Nichte König Heinrichs VIII. und rückte seine Nachkommen damit nah an den englischen Thron. Sein Sohn Henry Stewart, Lord Darnley heiratete die schottische Königin Maria Stuart und in beider Sohn Jakob I., der auch den englischen Thron erbte, vereinigte sich die Linie Darnley wieder mit dem königlichen Haus Stuart. Ein jüngerer Bruder des 4. Earl of Lennox wurde französischer Staatsbürger und begründete die Linie der Herzöge von Lennox. Die Familie Darnley benutzte sowohl den Namen Stewart, wie auch die französische Namensform Stuart.

Weitere Linien des Hauses Stuart und des Clans Stewart Alexander Stewart, 1. Earl of Buchan (ca. 1343–1394) war der vierte Sohn von König Robert II.; er hatte mit einer Geliebten sechs illegitime Söhne. Von König Robert II. stammen auch die Stewarts of Balquhidder ab, deren Begründer Sir William Stewart of Baldorran (um 1440–um 1500) ein Urenkel von Murdoch Stewart, 2. Duke of Albany, war. Sie spalteten sich später in die Stewarts von Ardvorlich, Glen Buckie, Gartnafuaran, und Annat. Als deren Hauptlinie wird der bis heute auf Ardvorlich House (am Loch Earn) ansässige Zweig angesehen, dessen gegenwärtiges Oberhaupt Alexander Stewart, 15. Laird of Ardvorlich ist.

Auf Murdoch Stewart, 2. Duke of Albany, führt sich auch die im Jahre 1800 in der Peerage of Ireland zu Earls Castle Stewart erhobene Linie zurück, die seit 2023 durch Andrew Stuart, 9. Earl Castle Stewart (* 1953) repräsentiert wird.