mini|Im Chiemgau südlich von Traunstein mini|Der Tachinger See Der Landkreis Traunstein liegt im Südosten des Regierungsbezirks Oberbayern und ist – nach dem Landkreis Ansbach – der nach Fläche zweitgrößte Landkreis in Bayern und der größte in Oberbayern. Er gehört zur EuRegio Salzburg – Berchtesgadener Land – Traunstein und Euregio Inntal und wird innerhalb Bayerns als eigenständige Tourismusregion „Chiemsee-Chiemgau“ ausgewiesen.

Geographie Lage Das Kreisgebiet umfasst im Süden die Chiemgauer Alpen und im Norden große Teile der See-, Fluss- und Hügellandschaft des Chiemgaus und des Rupertiwinkels. Von der südlichsten Landkreisgemeinde Reit im Winkl bis nach Engelsberg im Norden sind es rund 65 Kilometer, von Seebruck am Chiemsee im Westen bis Kirchanschöring im Osten rund 40 Kilometer. Der Chiemsee gehört außer den Inseln fast vollständig zum Kreisgebiet. Die höchste Erhebung ist das Sonntagshorn (), der tiefste Punkt findet sich im Salzachtal bei Tittmoning (). Die größten Flüsse sind die Alz, die dem Chiemsee im Norden entspringt und das nördliche Kreisgebiet in Richtung Inn durchfließt, deren rechter Nebenfluss, die Traun, die das Kreisgebiet von Süden nach Norden durchfließt, sowie die Tiroler Achen, die das südwestliche Kreisgebiet bis zu ihrer Mündung in den Chiemsee durchfließt. Im Osten bildet die Salzach die Grenze zu Österreich.

Nachbarlandkreise bzw. -bezirke Der Landkreis grenzt im Uhrzeigersinn im Westen beginnend an die Landkreise bzw. Bezirke Rosenheim, Mühldorf am Inn, Altötting, Braunau (Oberösterreich), Salzburg-Umgebung (Salzburg), Berchtesgadener Land, Zell am See (Salzburg), Kitzbühel und Kufstein (beide Tirol).

Schutzgebiete Im Landkreis gibt es 13 Naturschutzgebiete, zehn Landschaftsschutzgebiete, 18 FFH-Gebiete und mindestens 44 vom Bayerischen Landesamt für Umwelt ausgewiesene Geotope (Stand Mai 2016).

Siehe auch Liste der Naturschutzgebiete im Landkreis Traunstein Liste der Landschaftsschutzgebiete im Landkreis Traunstein Liste der FFH-Gebiete im Landkreis Traunstein Liste der Geotope im Landkreis Traunstein Liste der Naturdenkmäler im Landkreis Traunstein

Geschichte Vorgeschichte Der Landkreis umfasst unter anderem den östlichen Teil des Chiemgaus, der lange Zeit sowohl den bayerischen Herzögen als auch den Fürsterzbischöfen von Salzburg verbunden war. Im römischen Imperium war die Gegend in der Provinz Noricum gelegen.

Königreich Bayern In Bayern entstanden 1802 die Landgerichte älterer Ordnung. Sie waren zuständig für Verwaltung und Rechtsprechung. Auf dem Gebiet des heutigen Landkreises Traunstein gab es die Landgerichte Traunstein und Trostberg sowie ab 1810 Laufen und Tittmoning. Sie gehörten kurz zum Salzachkreis und kamen 1816 zum Isarkreis, der 1838 in Oberbayern umbenannt wurde.

Das Bezirksamt Traunstein wurde im Jahr 1862 durch den Zusammenschluss der Landgerichte älterer Ordnung Traunstein und Trostberg gebildet. Die Landgerichte Laufen und Tittmoning bildeten das Bezirksamt Laufen.

Am 1. Juli 1876 wurde die Stadt Traunstein eine unmittelbare Stadt und schied aus dem Bezirksamt Traunstein aus.

Anlässlich der Reform des Zuschnitts der bayerischen Bezirksämter erhielt das Bezirksamt Traunstein am 1. Januar 1880 die Gemeinden Heiligkreuz und Lindach des Bezirksamtes Laufen.

Am 1. Januar 1900 trat das Bezirksamt die Gemeinden Breitbrunn, Chiemsee, Gstadt und Eggstätt an das Bezirksamt Rosenheim ab.

Am 1. Januar 1914 gab das Bezirksamt die Gemeinde Au an die Stadt Traunstein ab.

Zeit des Nationalsozialismus Am 1. Januar 1939 wurde wie sonst überall im Deutschen Reich die Bezeichnung Landkreis eingeführt. So wurden aus den Bezirksämtern die Landkreise Laufen und Traunstein.

Am 1. April 1940 wurde die kreisfreie Stadt Traunstein in den Landkreis Traunstein eingegliedert, doch wurde dies am 1. April 1948 wieder rückgängig gemacht.

Nachkriegszeit Am 1. Januar 1970 wurden große Teile der Gemeinde Lauter des Landkreises Laufen in den Landkreis Traunstein um- und in die Gemeinde Surberg eingegliedert.

Gebietsreform mit Bildung des Landkreises Im Rahmen der Gebietsreform in Bayern wurde der Landkreis Traunstein am 1. Juli 1972 deutlich vergrößert. Neu zum Landkreis kamen:Verordnung zur Neugliederung Bayerns in Landkreise und kreisfreie Städte vom 27. Dezember 1971, S. 497 f. die Stadt Traunstein, die im Ausgleich für den Verlust der Kreisfreiheit den Status einer Großen Kreisstadt erhielt ein großer Teil des aufgelösten Landkreises Laufen mit den Gemeinden Asten, Freutsmoos, Fridolfing, Kay, Kirchanschöring, Kirchheim, Lampoding, Otting, Palling, Petting, Pietling, Taching am See, Tengling, Tettenhausen, Tittmoning, Törring, Waging am See und Wonneberg sowie die Gemeinden Eiting, Maisenberg und Peterskirchen des Landkreises Mühldorf am Inn.

Gleichzeitig wurden die Gemeinden Eiting und Maisenberg nach Engelsberg und die Gemeinde Peterskirchen nach Tacherting eingemeindet.

Einwohnerentwicklung mini|400px|Einwohnerentwicklung des Landkreises von 1840 bis 2017 nach nebenstehender Tabelle mini|400x400px|Bevölkerungspyramide für den Kreis Traunstein (Datenquelle: Zensus 2011https://ergebnisse2011.zensus2022.de/datenbank/online/ Datenbank Zensus 2011, Kreis Traunstein, Alter und Geschlecht.) Der Landkreis Traunstein gewann von 1988 bis 2008 rund 23.000 Einwohner hinzu bzw. wuchs um 15,6 %. Zwischen 1988 und 2018 wuchs der Landkreis von 147.628 auf 177.089 um 29.461 Einwohner bzw. um 20 %.

Die nachfolgenden Zahlen beziehen sich auf den Gebietsstand vom 25. Mai 1987: Jahr Einwohner 1840 47.646 1900 64.943 1939 81.874 1950 124.848 1961 120.721 1970 133.623 1987 145.408 1991 156.913 1995 162.876 2000 167.646 2005 170.906 2010 170.521 2015 174.162 2020 177.485 2025 175.319

Kfz-Kennzeichen Noch vor seiner Vergrößerung im Rahmen der Gebietsreform wurde dem Landkreis am 1. Juli 1956 bei Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen TS zugewiesen. Es wird bis heute als Regelkennzeichen für den ganzen Landkreis ausgegeben.

Seit dem 14. Oktober 2016 ist aufgrund der Kennzeichenliberalisierung innerhalb des Landkreises auch wieder das Unterscheidungszeichen LF (für den vormals eigenständigen und überwiegend in Traunstein aufgegangenen Landkreis Laufen) erhältlich.

Politik Kreistag Im Landkreis Traunstein gibt es im Kreistag aufgrund der hohen Einwohnerzahl 70 Kreistagsmitglieder. Die Kommunalwahl 2026 brachte folgendes Ergebnis:Bayerisches Landesamt für Statistik: Endgültiges Ergebnis der Kommunalwahl 2020 im Landkreis TraunsteinKreistagswahl im Landkreis Traunstein 2026, abgerufen am 4. April 2026.

Parteien und Wählergemeinschaften2026 2020 2014 2008 2002 1996%Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze CSU Christlich-Soziale Union in Bayern33,824 39,3 27 40,9 29 43,8 31 47,9 34 45,6 32FW/UWFreie Wähler Bayern/Unabhängige Wähler20,51413,3915,81115,01012,0813,19 Grüne Grüne Bayern13,49 18,9 13 15,5 11 12,8 9 8,9 6 10,1 7 AfD AfD Bayern10,78 4,5 3 – – – – – – – – SPD SPD Bayern8,57 9,3 7 15,8 11 16,2 12 18,0 13 19,4 14 JL Junge Liste4,53 3,8 3 – – – – – – – –ÖDPÖkologisch-Demokratische Partei3,023,734,533,632,823,12 BP/CRL Bayernpartei/Chiemgau-Ruperti-Liste2,82 4,3 3 5,9 4 4,5 3 4,1 3 4,5 3 Linke Die Linke Bayern2,81 1,3 1 – – – – – – – – FDP FDP Bayern–– 1,6 1 1,7 1 2,3 1 1,3 1 1,4 1 REP Die Republikaner–– – – – – 1,8 1 1,6 1 2,8 2 ABU Aktive Bürger Union e. V.–– – – – – – – 3,3 2 – – gesamt100,070 100,0 70 100,1 70 100,0 70 99,9 70 100,0 70 Wahlbeteiligung 60,7 % 56,7 % 62,3 % 66,0 % 69,6 %

Bezirksamtsvorstände (bis 1938) und Landräte (ab 1939) 1910–1928: Adolf Ufer 1929–1933: Karl Friedrich 1933–1936: Otto Mantler 1936–1944: Paul Tremel (1944/45) N. N. 1945–1946: Alfons Graf Mels-Colloredo 1946–1947: Rudolf Pollwein (kommissarisch) 1947–1958: Hans Unnützer (CSU) 1958–1970: Josef Kiene (SPD) 1970–1990: Leonhard Schmucker (CSU) 1990–2002: Jakob Strobl (CSU) 2002–2014: Hermann Steinmaßl (CSU) 2014–2025: Siegfried Walch (CSU) ab 13. Juli 2025: Andreas Danzer (Freie Wähler)

Kreiseinrichtungen mini|Landratsamt Traunstein Der Landkreis Traunstein ist der größte Aktionär des kommunalen Klinikverbundes Kliniken Südostbayern, welcher im Landkreis die bisherigen kreiseigenen Kliniken in Traunstein und Trostberg ebenso betreibt wie das Vinzentinum in Ruhpolding.

Weitere Landkreiskernaufgabe ist der Sachaufwand für weiterführende Schulen. Der Landkreis Traunstein unterhält Realschulen in Traunstein, Trostberg, Traunreut und Marquartstein. Das Annette-Kolb-Gymnasium, das Chiemgau-Gymnasium in Traunstein und das Hertzhaimer-Gymnasium in Trostberg sind ebenfalls Schulen im Sachaufwand des Landkreises, dazu kommen die drei Berufsschulen, die Landwirtschaftsschule, Fachoberschule und Berufsoberschule sowie das Sozialpädagogische Zentrum in Traunstein.

Die Zuständigkeit des Landkreises umfasst ein Kreisstraßennetz von 378 Kilometern.

Im Bereich der Abfallwirtschaft ist der Landkreis Mitglied des Zweckverbandes Zweckverband Abfallverwertung Südostbayern.

Wappen

Als inoffizielle Landkreisfahne wird für lokale Zwecke eine weiß-blaue Flagge mit dem Landkreiswappen verwendet.Eintrag zum Landkreis Traunstein auf der Seite kommunalflaggen.eu

Wirtschaft und Infrastruktur Landwirtschaft, Industrie und Handel, Dienstleistung und Tourismus sind die Hauptsäulen der Wirtschaft im Landkreis. Industrielle Zentren sind die nördlich von Traunstein gelegenen Städte Traunreut und Trostberg, während der Fremdenverkehr vor allem im Süden des Landkreises angesiedelt ist.

Der Landkreis belegt im Landkreis-Ranking 2017 des Wirtschaftsmagazins Focus Money innerhalb Deutschlands den 10. Platz. Im Zukunftsatlas des Handelsblattes stieg der Landkreis Traunstein 2022 mit „hohen Zukunftschancen“ von Platz 96 im Jahr 2016 auf Platz 50 von 400 Landkreisen auf. Zur Wirtschaftsförderung wird seit 2016 der jährliche Wirtschaftspreis Chiemgauer Panther durch den Landrat verliehen.

Im Juni 2017 lag die Arbeitslosenquote im Landkreis bei 2,5 % und damit erheblich unter dem Bundesdurchschnitt.Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Bayern – statistik.arbeitsagentur.de

Wichtige Arbeitgeber (Quelle: )

Traunstein:

Kliniken Südostbayern AG – kommunale Krankenhausträgergesellschaft mit 5 Kliniken Pohlig GmbH – eines der führenden deutschen Unternehmen für Orthopädietechnik J.N. Kreiller KG – Händler und Hersteller von Baustoffen

Traunreut: Dr. Johannes Heidenhain GmbH – Hersteller von mechatronischen Messgeräten BSH Hausgeräte GmbH – Hersteller von Haushaltsgeräten Siteco GmbH – Hersteller von Beleuchtungstechnik Trostberg:

Der Chemiepark Trostberg mit der AlzChem AG, Degussa GmbH und BASF SE als Teil des Bayerischen Chemiedreiecks Hamburger Rieger GmbH – Hersteller von Papiererzeugnissen

Weitere:

Brückner Group GmbH in Siegsdorf – Hersteller von Produktionsanlagen für die Verpackungsindustrie Rosenberger Hochfrequenztechnik GmbH & Co KG in Fridolfing – Hersteller von Hochfrequenztechnik Fossil (Europe) GmbH in Grabenstätt – deutscher Hauptsitz des amerikanischen Fashion-Accessoires Unternehmens Bergader Privatkäserei GmbH in Waging am See – der größte deutsche Produzent von Blaukäse Katek GmbH in Grassau – Hersteller von elektronischen Baugruppen

Tourismus Der Landkreis war mit dem Landkreis Rosenheim Mitglied im Chiemsee-Tourismusverband (1912–2009), dessen Auflösung Ende 2009 mit großer Mehrheit beschlossen wurde. Die damaligen Landräte der beiden Landkreise vertraten im Gegensatz zu vielen Traunsteiner Gemeinden die Ansicht: „Jeder Landkreis soll mit einem eigenen Verband um die Touristen werben.“ Somit sind seit dem 1. Januar 2010 die Gemeinden des Landkreises Traunstein durch die Chiemgau GmbH organisiert, die des Rosenheimer Landkreises im Chiemsee Alpenland-Verband.Chiemsee Tourismusverband: Kein Jubiläum, aktualisierte Meldung vom 16. Dezember 2009, online unter chiemgau24.de.