mini|hochkant=1.3|Das Rathaus von Norrköping Norrköping (, []) ist eine Stadt in der schwedischen Provinz Östergötlands län und der historischen Provinz Östergötland. Die Stadt ist Hauptort der gleichnamigen Gemeinde und hat knapp 98.000 Einwohner (Stand 2023).
Geographie
Norrköping liegt an der Ostseeküste, unweit der Bucht Bråviken. Die Stadt wird vom Motala ström, dem wasserreichen Abfluss des Vättern, durchflossen, der hier nur Strömmen genannt wird. In der Stadt selbst bildet der Fluss, über den mehrere Brücken führen, bedeutende Wasserfälle und Stromschnellen, da er im Stadtgebiet einen Höhenunterschied von 22 Metern bewältigt. Die Stadt liegt auf Sedimenten, die sich über dem alten skandinavischen Felssockel des Baltischen Schildes gebildet haben. Im Norden, Osten und Westen der Siedlung breiten sich landwirtschaftliche Nutzflächen aus, während im Süden noch größere Waldflächen vorhanden sind.
Geschichte mini|links|Felsbilderplätze von Norrköping Ur- und frühgeschichtliche Spuren finden sich im westlich gelegenen Herrebro.
Der Name des Ortes bezieht sich sehr wahrscheinlich auf seine Lage nördlich (norr) in Bezug auf einen Platz, der heute jedoch nicht mehr identifiziert werden kann. Analog dazu erhielt Söderköping seinen Namen durch die südlichere (söder) Lage. Es wird vermutet, dass es sich um einen Gerichtsplatz handelte. Köping ist die schwedische Bezeichnung für eine Minderstadt. Norrköping wurde erstmals zu Ende des 12. Jahrhunderts erwähnt, erhielt aber erst Anfang des 17. Jahrhunderts einige Bedeutung durch die Fabriken des aus Belgien eingewanderten Louis De Geer. So verdoppelte sich die Einwohnerzahl zwischen 1730 und 1770.
In der Stadt wurden mehrere schwedische Reichstage abgehalten. Bedeutend waren der von 1604, als Karl IX. die Königskrone empfing und der von 1800, als Gustav IV. Adolf nebst seiner Gemahlin gekrönt wurde.
Mittelalter Es ist nicht genau datierbar, wann Norrköping gegründet wurde, doch erscheint eine Gründung im frühen Mittelalter als wahrscheinlich. Die Menschen begannen am breiten Fluss zu siedeln, der östlich in den Bråviken mündet, und nutzten das Wasser und die Wasserkraft für Mühlen und Fischfang. Wikingerzeitliche Spuren finden sich im Runenstein von Styrstad.
Die erste Brücke, die über den Motala ström gebaut wurde, entstand an der Stelle, wo der Fluss eine tiefe und schmale Furche durchfloss. Hier liegt heute die Brücke Gamlabro und es wird angenommen, dass sich an gleicher Stelle auch eine Wikingerburg, Knäppingsborg, befand. In der Nähe der Brücke entstand ein Marktplatz, heute Gamla torget („Alter Markt“), und etwas oberhalb eine einfache Holzkirche, die Johannes dem Täufer geweiht war. Später errichtete man eine weitere Kirche, die dem Heiligen Olav geweiht war. Sie soll in einer Bulle des Papstes aus dem 12. Jahrhundert erwähnt worden sein, in der sie als dem Kloster Askeby zugehörig erwähnt wurde, das bereits die Rechte zum Fischfang in Norrköping besessen haben soll. Wie die anderen Kirchen im Stadtgebiet, die dem Heiligen Olav geweiht waren, wurde sie in späterer Zeit durch die Sankt-Olai-Kirche (Sankt Olai kyrka) ersetzt. Als Königin Sofia ihre Lachsfangrechte 1283 an das Kloster St. Martin in Skänninge schenkte, wurde Norrköping als Norkøponge in der Urkunde erwähnt.
Über Jahrhunderte war der Lachsfang im Motala ström von Bedeutung, doch hatte sich der König bereits die besten Angelplätze sichern lassen. Diese lagen auf den ehemaligen Inseln Laxholmen und Kvarnholmen. Auch mehrere Klöster der Umgebung besaßen Fischfangrechte. Neben den bereits genannten waren dies u. a. noch die Klöster Vadstena, Varnhem und Vreta. Es wird angenommen, dass Norrköping die Stadtrechte zum ersten Mal zu Beginn des 14. Jahrhunderts erhielt. Unklar ist jedoch, wer die Stadtrechte verlieh. Dagegen existiert ein Dokument vom 7. April 1384, in dem Albrecht von Mecklenburg diese Rechte bekräftigt.
1404 reiste Königin Margrete I. nach Norrköping, um das Erbe von Schwedens größtem damaligen Grundbesitzer Bo Jonsson Grip aufzuteilen. Eine der Burgen in Jonssons Besitz, auf die sie es abgesehen hatte, war Ringstaholm auf einer Insel im Motala ström westlich der Stadt. Margrete konnte sich durchsetzen und die Burg fiel an die Krone. Während des Engelbrekt-Aufstandes wurde die Burg 1434 von Bauern belagert. Auf der Burg befand sich der von den Aufständischen gehasste Vogt Henrik Styke, der gezwungen wurde, die Burg aufzugeben. Nachdem die Burg zurückerobert wurde, belagerten aufständische Bauern sie erneut im November 1469. Auch diesmal ergab sich der Befehlshaber Bård Munk und noch im selben Jahr wurde Ringstaholm niedergebrannt.
Wie von der Burg existiert vom mittelalterlichen Norrköping oberirdisch heute nichts mehr, da alles Bränden zum Opfer fiel.
16. Jahrhundert mini|Hedvigs kyrka am deutschen Markt König Gustav I. Wasa reiste oft durch Norrköping im Zusammenhang mit Besuchen auf Schloss Stegeborg nahe der Bucht Slätbaken. Er ließ in der Stadt ein königliches Vorratsmagazin anlegen, wo heute die Hedvigskirche steht. Außerdem zog er alle kirchlichen Fischereirechte im Motala ström ein. Die Rolle des Ortes als Exporthafen wuchs in dieser Zeit mit der Bedeutung der Bergbaugebiete in Östergötland.
1567 tobte der Dreikronenkrieg rund um Norrköping und die Stadt wurde zum Schauplatz einer Schlacht zwischen Schweden und Dänen. Die Dänen, angeführt von Daniel Rantzau, drangen von Schonen und Småland kommend immer weiter nach Norden vor. Nach ihrem Einfall in Östergötland konnte die schwedische Armee südlich von Norrköping ein Lager errichten und beschloss, die Dänen an der Brücke Gamlabro zu stoppen. Am 3. Dezember erreichte die dänische Armee Norrköping. Die schwedische Armee hatte bereits die südlich des Strömmen gelegenen Häuser niedergebrannt und erwartete das dänische Heer. Auf der anderen Seite des Ufers hatte man ein Haus errichtet, das von Schützen und Kanonen verteidigt wurde. Nach einigen kleinen Gefechten und einem Überraschungsangriff des schwedischen Heeres, der allerdings entdeckt und zurückgeschlagen wurde, zog sich das dänische Heer zurück.
Einige Zeit später zettelten die Brüder Johann und Karl einen Aufstand gegen König Erik XIV. an und erklärten den König für abgesetzt. Johann wurde als Johann III. der Nachfolger von Erik XIV. Er bot allen Bewohnern von Norrköping, die ein neues Haus aus Stein errichten, zwölf Jahre ohne Steuern an. Sein Ziel war ein Stadtplan mit geraden Straßen und rechteckigen Quartieren. Im Jahre 1581 errichtete Johann III. ein Schloss in der Stadt, Norrköpingshus, von dem es allerdings keine Bilder gibt. Überlieferungen zufolge soll es sich um einen plumpen Bau mit etwa 300 Fenstern, zwei Türmen samt Portal und einem Wallgraben gehandelt haben. Das Schloss lag dort, wo heute Tyska torget (der „deutsche Markt“) liegt; der dazugehörige Garten (Trädgården) erstreckte sich entlang der heutigen Trädgårdsgatan.
Ab 1594 wurde das Schloss von Elisabet Wasa, einer von Gustav Wasas Töchtern, bewohnt. Sie war die Witwe von Christoph von Mecklenburg und zog in die Stadt mit einem Gefolge von etwa 1000 Menschen ein. Durch den Zuzug wuchs die Bevölkerung schlagartig. Das Leben am Hof war glanzvoll und lebhaft, nicht zuletzt, da die königlichen Verwandten in der näheren Umgebung wohnten. Herzog Karl wohnte in Nyköping, Johanns Gemahlin Gunilla Bielke auf Bråborg und weitere Verwandte in Vadstena und Stegeborg. Das Schloss in Stockholm stand zu dieser Zeit leer, da König Johan III. verstorben war und sein Nachfolger Sigismund III. Wasa es vorzog, in Polen zu residieren.
Im Herbst 1598 ging Sigismund mit einer polnischen Armee bei Stegeborg an Land und es dauerte nicht lange, bis er auf Herzog Karls Truppen stieß. Die Truppen des Herzogs landeten in der Klemme und einige hundert Verletzte wurden in Norrköpingshus, das jetzt als Lazarett verwendet wurde, behandelt. Die entscheidende Schlacht bei Stångebro fand etwas außerhalb von Linköping statt und wurde vom Heer des Herzogs Karl gewonnen, aus dem später König Karl IX. wurde.
17. Jahrhundert Herzog Johann und Johannisborg mini|Der Holmenturm, abgeleitet von Holmens Bruk mini|Schlossruine Johannisborg Im Jahre 1604 sollte ein Reichstag in Norrköping abgehalten werden, wo die Erbschaftsfrage geklärt wurde. Dies bedeutete, dass Herzog Karl König wurde und Sigismund abgesetzt wurde. Karls Neffe Johann wurde zum Herzog von Östergötland ernannt, doch war dieser erst 14 Jahre alt. Außerdem brannte Norrköpingshus, wo der Reichstag abgehalten werden sollte, wenige Tage vor der Zusammenkunft nieder.
Fünf Jahre später, 1609, war Johann erwachsen genug und nahm die Rolle eines unabhängigen Fürsten ein. Er hatte großes mit der Stadt vor, wollte sie ausbauen und einen komplett neuen Stadtteil nördlich des Flusses anlegen. Johann versuchte die Leute mit zwölf Jahren Steuerfreiheit und weiteren Vorteilen in seine Stadt zu locken. Er rief deutsche Handwerker nach Norrköping, um eine Waffenfabrik auf Kvarnholmen zu bauen, und legte damit den Grundstein für die spätere Holmens Bruk, die erste Industrie in der Stadt.
Am 3. Mai 1613 begann man mit dem Bau eines neuen Schlosses nördlich des Flusses. Es bekam den Namen Schloss Johannisborg und zeitweise waren über 700 Knechte mit dem Bau beschäftigt. Architekt war Hans Fleming und 1618 war der Bau soweit fertiggestellt, dass die Hofverwaltung einziehen konnte. Kurze Zeit später verstarb Herzog Johann im März 1618 und sechs Monate später auch seine Frau Maria Elisabeth. Somit war die Zeit Östergötlands als Herzogtum erloschen. Bald wurde deutlich, dass der Herzog über seine Verhältnisse gelebt hatte und bei Kaufleuten und am Hof große Schulden angehäuft hatte.
Der Tod des Herzogs zog negative Auswirkung für Norrköping nach sich. Die Hofverwaltung mit allen Angestellten wurde abgewickelt und die Lieferanten und Handwerker hatten keine Aufträge mehr. Norrköping hatte mittlerweile 2.000 Einwohner. Die Arbeiten am Schloss gingen trotz des Todes weiter, und 1639 konnte das Dach fertiggestellt werden. Richtig abgeschlossen wurden die Arbeiten allerdings nie, da sich das Fundament als nicht stabil genug erwies und ständige Reparaturen nötig waren.
Louis De Geer und die ersten Industrien
Im Gegensatz dazu wuchs die Bedeutung des produzierenden Gewerbes. Immer mehr Fuhrwerke steuerten die Stadt an, um die verschiedenen Produkte aus der Grube in Finspång und deren Umgebung zu laden. Auch König Gustav II. Adolf erkannte die Bedeutung einer eigenen Waffenproduktion und kam 1618 nach Finspång, um einen Vertrag über die Produktion von Kanonen bei Wellam de Besche zu unterschreiben.
Wellam De Besche leitete zwar die Arbeit in der Grube Finspång, aber in Wirklichkeit unterschrieb der König den Vertrag mit dessen Teilhaber Louis De Geer. Auf Kvarnholmen begann man nun mit der Herstellung von Waffen. Außerdem baute man eine Hammerschmiede, eine Gewehrfabrik und eine Messinghütte. Die ebenfalls neu errichtete Brauerei hatte das Alleinrecht auf die Belieferung der schwedischen Flotte mit Bier.
De Geer war 1627 nach Norrköping gekommen, obwohl der nächste Mann des Königs, Axel Oxenstierna, De Geer zum Umzug nach Stockholm überreden wollte. De Geer hatte sich jedoch schon für Norrköping entschieden. Er war sehr geschäftig und immer neue Betriebe, so u. a. eine Schiffswerft, eine Seilerei, eine Papiermühle und eine Kleiderfabrik, kamen hinzu. Die Messingfabrik entwickelte sich zur größten in Schweden. De Geer ließ auch im Ausland Arbeitskräfte anwerben. So kamen z. B. Wallonen aus den Ardennen im heutigen Belgien nach Norrköping. Die internationale Ausrichtung der Stadt prägte die Charakter Norrköpings in den 1630ern. Um 1650 war Norrköping nach Stockholm die zweitgrößte Stadt Schwedens mit etwa 6000 Einwohnern.
mini|Ehemalige Fabriken Gryt (links) und Drag (hinten rechts)