mini|NeroMünchner Glyptothek Nero Claudius Caesar Augustus Germanicus (* 15. Dezember 37 in Antium; † 9.Die Chronik des Hieronymus (englische Übersetzung) gibt an, dass Nero für 13 Jahre, sieben Monate und 28 Tage regierte, was bei einem Herrschaftsantritt am 13. Oktober 54 auf den 9. Juni 68 führt. oder 11. JuniCassius Dio 63, 29, 3 und Flavius Josephus, Jüdischer Krieg 4, 9, 491 nennen 13 Jahre und acht Monate als Dauer der Herrschaft Neros. 68 bei Rom) war von 54 bis 68 Kaiser des Römischen Reiches. Er war der fünfte und letzte Kaiser der julisch-claudischen Dynastie.
Nero folgte in der Herrschaft seinem Großonkel Claudius, der ihn adoptiert hatte. Obwohl die ersten Jahre seiner Herrschaft sehr positiv wahrgenommen wurden, wurde Nero von den senatorischen Geschichtsschreibern (wie Tacitus oder Sueton) als Gewaltherrscher beschrieben. Um ihn ranken sich zahlreiche Skandalgeschichten, die ihn als verschwendungssüchtigen, grausamen und wahnsinnigen Kaiser beschreiben. Am bekanntesten ist der Große Brand von Rom, den Nero gelegt haben soll, um einen neuen Palast zu bauen. Von der neueren Forschung wird Neros Urheberschaft allerdings angezweifelt. Er selbst sah sich vermutlich in erster Linie als Künstler. Eine während seiner Regierungszeit überlieferte erste Christenverfolgung befestigte seinen Ruf als Tyrannenkaiser über das Ende des römischen Reiches hinweg auch im christlichen Mittelalter.
Leben Herkunft und Jugend mini|Aureus von 54, der junge Nero mit seiner Mutter Agrippina mini|Das Julisch-Claudische Kaiserhaus Nero wurde als Sohn von Gnaeus Domitius Ahenobarbus und Iulia Agrippina, einer Schwester des Kaisers Caligula, in Antium an der Küste Latiums geboren. Er war über die weibliche Linie ein Ururenkel des Kaisers Augustus. Er trug zunächst den Namen Lucius Domitius Ahenobarbus. Wie die meisten männlichen Mitglieder seiner Familie war Nero blond oder rotblond und blauäugig.Sueton, Nero 51,1; subflavus kann sowohl mit „fast blond“ als auch mit „rotblond“ oder „hellblond“ übersetzt werden. Zum Aussehen der männlichen Ahenobarbi siehe Sueton, Nero 1,1. Er soll, wie Plinius der Ältere berichtet, mit den Füßen zuerst, also in der Steißlage geboren worden sein.Plinius, Naturalis historia 7, 46.
mini|Nero (?) als Knabe. Marmor, Höhe 1,38 Meter, um das Jahr 50, Musée du Louvre (Inventarnummer MR 337 / MA 1210); eine mögliche Deutung als Britannicus diskutiert bei Ulrich W. Hiesinger: The Portraits of Nero. In: American Journal of Archaeology. Band 79, 1975, S. 113–124, hier S. 116; Peter C. Bol (Hrsg.): Forschungen zur Villa Albani. Katalog der antiken Bildwerke. Band 2: Bildwerke in den Portiken, dem Vestibül und der Kapelle des Casino. Mann, Berlin 1990, S. 55 („… als jugendlicher Nero oder Britannicus benannter Togatus im Louvre...“). Siehe auch zur typusgleichen Statue aus Parma, die möglicherweise für Nero aus einer Britannicus darstellenden Statue umgearbeitet wurde: Hans Rupprecht Goette: Studien zu römischen Togadarstellungen (= Beiträge zur Erschließung hellenistischer und kaiserzeitlicher Skulptur und Architektur. Band 10). Philipp von Zabern, Mainz 1990, S. 33 mit Anm. 146. 125 Kat. 246. Weil seine Mutter von Caligula ins Exil geschickt worden war, verbrachte er einen Teil seiner Kleinkindzeit bei seiner Tante Domitia Lepida. Die als schön geltende Agrippina war für ihren Ehrgeiz, Stolz und Mut, aber auch für ihren Machthunger bekannt. Spätestens seit sie nach dem Tod ihres zweiten Mannes Gaius Sallustius Crispus Passienus im Jahr 49 Kaiser Claudius, ihren Onkel, geheiratet hatte, verfolgte sie das Ziel, ihren Sohn Lucius zum Kaiser zu machen.Gerhard Waldherr: Nero. Eine Biografie, S. 29–37. Deshalb sorgte sie für eine hervorragende Ausbildung Neros in Literatur, Latein und Mathematik. Nach Vollendung seines zwölften Lebensjahres betrieb sie die Rückberufung Senecas aus der Verbannung und machte ihn zum Lehrer ihres Sohnes. Seneca war ein bekannter Philosoph und einflussreicher Politiker, der das Leben des späteren Nero entscheidend prägte. Der junge Lucius erhielt eine standesgemäße Ausbildung und interessierte sich vor allem für Kunst, Architektur, Wagenrennen und das Theater.
Aufstieg zum Herrscher mini|Nero und Agrippina (ca. 54–59). Am 25. Februar 50 adoptierte Claudius seinen Stiefsohn Lucius Domitius Ahenobarbus. Dieser hieß jetzt mit vollem Namen Nero Claudius Caesar Drusus Germanicus.Nur vereinzelt und nicht offiziell findet sich auch die Namensform Tiberius Claudius Nero Caesar. Vgl. Dietmar Kienast, Werner Eck, Matthäus Heil: Römische Kaisertabelle. Grundzüge einer römischen Kaiserchronologie. 6., überarbeitete Auflage. Darmstadt 2017, S. 88. Er stand durch Einflussnahme seiner Mutter kurz darauf an erster Stelle in der Thronfolge. Bereits mit 13 Jahren legte er die bulla, das Amulett eines freigeborenen minderjährigen Jungen, ab und erhielt die sogenannte toga virilis, wurde also für erwachsen erklärt, obwohl die Norm hierfür eigentlich bei 14 Jahren lag.Holger Sonnabend: Nero. Inszenierung der Macht. Darmstadt 2016. Außerdem erhielt er umfassende Privilegien und wurde zum Senator und Prokonsul ernannt. Der um drei Jahre jüngere Sohn des Claudius, Britannicus, wurde zwar nicht von der Thronfolge ausgeschlossen, jedoch durch die Adoption und die Ämter, die Nero erhielt, ihm offensichtlich nachgestellt.Waldherr, S. 47 f. Bereits vor der Eheschließung seiner Mutter mit dem Kaiser im Jahr 47 hatte Nero im Alter von neun Jahren bei der 800-Jahr-Feier Roms als Anführer der aristokratischen Jugend bei den Reiterspielen mehr Beifall erhalten als der ebenfalls teilnehmende sechsjährige Kaisersohn.
Drei Jahre später forcierte Agrippina eine Ehe zwischen ihrem 16-jährigen Sohn und der 13-jährigen Tochter des Claudius, Octavia. Um Blutschande zu vermeiden, wurde Claudius’ Tochter von den Octaviern adoptiert, sodass sie kein Mitglied der gens Claudia mehr war und den durch die Adoption zum claudischen Haus gehörenden Nero heiraten konnte.Waldherr, S. 58. Damit war er nicht nur väterlicher- und mütterlicherseits mit dem julisch-claudischen Haus verwandt, sondern faktisch auch mit dem aktuellen Herrscher verschwägert. Allerdings war Neros Position noch nicht endgültig gesichert, denn Claudius schloss eine Machtteilung zwischen ihm und Britannicus, der im März 55 volljährig werden würde, nicht mehr aus. Dies führte zu heftigen Streitigkeiten zwischen dem Kaiser und Agrippina.Waldherr, S. 57–60.
Am 13. Oktober 54 starb Claudius.Zumindest wurde am 13. Oktober der Tod bekannt gegeben. Tacitus, Annalen 12,65–67; Sueton, Claudius, 43–45. Den späteren Chronisten Tacitus und Sueton zufolge wurde er von Agrippina vergiftet, die ihren Sohn auf den Thron bringen wollte, ehe der Adoptivbruder volljährig war. Nero wurde vom Prätorianerpräfekten Burrus, einem Protegé Agrippinas, aus dem Palast geführt, wo die Garde ihn mit Jubel- und Imperatorrufen begrüßte.Tacitus, Annalen 12,69.
Neros Prinzipat Innenpolitik Neros Herrschaft begann positiv. Er zeigte sich in den ersten Jahren als fähiger und eigenständig handelnder Richter, der sein Urteil wohlüberlegt fällte.Sueton, Nero 15,1. Er betonte die Eigenständigkeit der senatorischen Rechtsprechung, schaffte die unter Claudius gefürchteten maiestas-Prozesse ab und war beim Volk durch Senkung des Getreidepreises und die Veranstaltung von Spielen beliebt.Sueton, Nero 10,2–3. Von Nero ist der Satz „Wenn ich doch bloß nicht schreiben könnte!“ überliefert. Er soll ihn gesagt haben, als er zum ersten Mal ein Todesurteil unterschreiben musste.Seneca, De Clementia 2,2; Sueton, Nero 10,2. Die meisten Verbrecher verurteilte er zur Zwangsarbeit, während der Adel ins Exil verbannt oder zum Suizid gedrängt wurde. Die ersten fünf Jahre gelten als quinquennium Neronis, das glückliche Jahrfünft.Aurelius Victor: De Caesaribus 5,2–5. Ob es sich dabei tatsächlich um die ersten fünf Jahre handelt, ist umstritten, vgl. Miriam Griffin: Nero. The End of a Dynasty, S. 37 f. Der Einfluss Senecas, des Burrus und anfangs auch Agrippinas auf Nero in dieser Zeit scheint ursächlich für die guten Regierungsjahre.Zu Seneca und Burrus u. a. Tacitus, Annales 13,4; zum „Golden Age“ allgemein und zur Konstellation Agrippina, Burrus, Nero und Seneca s. Griffin, S. 50–66.
Verhältnis zum Senat Der Senat hatte nur der durch die Prätorianer geschaffenen Lage nach der Ausrufung Neros zum Kaiser zustimmen können. Der Ausschluss des Britannicus stieß vereinzelt auf Argwohn, und die Gerüchte um den Tod des Claudius wollten nicht verstummen. Doch die Lobrede des jungen Princeps auf seinen verstorbenen Adoptivvater, dessen Divinisierung und die Rede vor den Senatoren deuteten auf einen gemäßigten Herrscher hin, der den mos maiorum akzeptierte.Tacitus, Annalen 13,3, der allerdings auch von einer „Trauerkomödie“ spricht; Sueton, Nero 10,1. Er stellte sich in die Tradition von Augustus, lobte den guten Willen des Senats und seine Ratgeber. Insbesondere die Ablehnung kaiserlicher Interventionen in senatorischen Angelegenheiten, einer Praxis, die unter Claudius zu Erbitterung geführt hatte, musste den Senatoren gefallen. Nero stellte heraus, dass er sich in erster Linie um die Außenpolitik kümmern wolle.Tacitus, Annalen 13,4.
Das erste Jahr seines Prinzipats erfuhr einen positiven Abschluss, indem er seine eigenen Standbilder ablehnte und seinem Mitkonsul des Jahres 55 untersagte, auf die Handlungen des Kaisers zu schwören. Damit wurden die Würde und Eigenständigkeit des Konsulats betont, „was hohes Lob bei den Vätern fand“.Tacitus, Annalen 13,11–12. Auch die Unterstützung mittelloser Senatoren, die nur viermalige Besetzung des Konsulats und die Nachbesetzung von Senatsposten in konservativem Sinne zeugten von einem guten Princeps.Sueton, Nero 14–15,2.
Mit dem Tod des Burrus im Jahr 62, dem Wunsch Senecas, sich vom Hofe zurückzuziehen, der Scheidung von Octavia und Benennung des Tigellinus zum Prätorianerpräfekten verschlechterte sich Neros Verhältnis zum Senat stetig.Tacitus, Annalen 14,51 f. Nach dem Brand Roms nahm die Opposition immer mehr zu, mehrere Verschwörungen wurden aufgedeckt. Bekannte Opfer der darauffolgenden Säuberungen waren Seneca, Lucan und Petronius (siehe auch Pisonische Verschwörung). Auch Neros Verschwendungssucht stieß zunehmend auf Ablehnung.
Der große Brand von Rom und die Christenverfolgung
mini|hochkant=1.3|Wandmalerei in der Domus Aurea In der Nacht vom 18. zum 19. Juli 64 brach in Rom ein Brand aus, der sich durch starken Wind sowie dichte und hohe Bebauung rasch ausbreitete. Innerhalb von neun Tagen wurden zehn von 14 Stadtteilen angegriffen und drei komplett vernichtet. Es wurden Gerüchte laut, dass Nero selbst das Feuer habe legen lassen, um die Stadt neu aufzubauen und insbesondere Platz für einen riesigen Palast, das „Goldene Haus“ (Domus Aurea), zu schaffen.Tacitus, Annalen 15,42. Angeblich beobachtete und besang er den Brand vom Turm des Maecenas aus, während er sich selbst auf der Lyra begleitete und Verse vom Fall Trojas deklamierte. Laut Tacitus tat er dies zu Hause.Sueton, Nero 38; Tacitus, Annalen 15, 39; vergleiche Cassius Dio, Historiae Romanae 62, 29, 1.