Die Niederlande ( und , Singular, auf Deutsch informell auch Holland) sind eines der vier autonomen Länder des Königreiches der Niederlande. Das größtenteils im nördlichen Westeuropa liegende Land wird dort durch die Nordsee im Norden und Westen, Belgien im Süden und Deutschland im Osten begrenzt. Der europäische Landesteil Niederlande umfasst 41.543 Quadratkilometer und zählt Einwohner (). Die Hauptstadt der Niederlande ist Amsterdam, der Regierungs- und Parlamentssitz ist Den Haag. Die offizielle Landesfarbe ist Orange (Oranje).
Zum Gebiet der Niederlande gehören, neben den zwölf Provinzen des europäischen Teiles, die Karibikinseln Bonaire, Sint Eustatius und Saba (einschließlich ihrer jeweiligen Nebeninseln), die Besondere Gemeinden des Landes sind. Weitere niederländische karibische Gebiete sind kein Teil des Landes Niederlande, sondern autonome Länder im Königreich der Niederlande. Dies sind die Länder Aruba, Curaçao und Sint Maarten.
Nach Zugehörigkeit zum Mittelreich, Ostfrankenreich und zum Heiligen Römischen Reich gilt das Jahr 1581 mit dem Plakkaat van Verlatinghe als Geburtsstunde der Vereinigten Niederlande, die 1648 mit dem Frieden von Münster endgültig anerkannt wurden. Die Niederlande wurden zu einer Handels-, Kolonial- und Seegroßmacht. Das 17. Jahrhundert wird als Goldenes Zeitalter beschrieben. In dieser Epoche waren die Niederlande das „Labor des Kapitalismus“ und entwickelten Institutionen und Techniken wie etwa Aktiengesellschaften, Börsenhandel und bargeldlosen Zahlungsverkehr.Christoph Driessen: Kleine Geschichte Amsterdams, Regensburg 2010, S. 40. „Die Niederländer können mehr als die meisten anderen Nationen beanspruchen, die Globalisierung erfunden zu haben“ (Christoph Driessen).Christoph Driessen: Geschichte der Niederlande. Von der Seemacht zum Trendland. Regensburg 2022, S. 65. Die Verfassung der Niederlande geht auf die Zeit des Wiener Kongresses 1814/1815 zurück.
Zusammen mit Belgien und Luxemburg bilden die Niederlande die Benelux-Staaten. Die Niederlande sind Gründungsmitglied der Montanunion von 1951, aus der sich mehrere Nachfolger und 1992 die Europäische Union (EU) entwickelten.
Landesname
Der offizielle Name des Landes heißt auf Niederländisch Nederland. Das ist auch der Name, der in der Umgangssprache für Niederländer selbstverständlich ist. Im Deutschen hingegen heißt das Land Niederlande (Plural); in der deutschen Umgangssprache wird oft von „Holland“ gesprochen; die Einwohner werden daher häufig als „Holländer“ statt als „Niederländer“ bezeichnet. Der Name Holland bezieht sich auf eine frühere Grafschaft im Westen der Niederlande.Der Unterschied zwischen Holland und den Niederlanden auf holland.com, abgerufen am 6. März 2022. 1815 wurde das Königreich der Niederlande gegründet. Holland war zunächst eine Provinz, bis es 1840 in die Provinzen Noord-Holland (Hauptstadt Haarlem) und Zuid-Holland (Hauptstadt Den Haag) aufgeteilt wurde.
Im Niederländischen ist der Ausdruck Holland oder holländisch durchaus üblich, wenn dies ironisch oder zur Betonung niederländischer Volksart gemeint ist. Auch beim Fußball lautet die Selbstbezeichnung Holland, zum Beispiel im Schlachtruf Hup Holland Hup. Für den Tourismus in den Niederlanden wird meist das international bekanntere Holland in der Vermarktung auf Englisch, Deutsch und in anderen Sprachen genutzt. Der Internetauftritt der Tourismus-Branche ist daher unter holland.com erreichbar.
Im Jahr 2019 haben Regierung und Wirtschaft beschlossen, dass das Land sich als Niederlande präsentieren soll. Es wird befürchtet, dass der Ausdruck Holland mit Klischees wie Tulpen und Windmühlen verbunden wird, während das Land sich lieber als modern und weltoffen sieht. Zudem wird beabsichtigt, die Besucherströme in die übrigen Gegenden abzuleiten und damit die Hauptstadt Amsterdam zu entlasten.Aybala Carlak: Vergeet Holland, in het buitenland is het voortaan The Netherlands, de Volkskrant, 3. Oktober 2019.
Der Landesname Niederlande (im Plural) ergibt sich aus der Geschichte der Niederlande. Die Niederlande waren am Ende des Mittelalters ein Teil des Herrschaftsgebietes des Hauses Burgund. Deren Ländereien gliederten sich im 15. Jahrhundert unter Karl dem Kühnen in die oberen Lande (das Herzogtum sowie die Freigrafschaft Burgund und Nebenländer) und die niederen Lande (Flandern, Artois mit einem Teil der Picardie, Brabant, Holland, Luxemburg u. a. m.). 1482 gelangte das burgundische Erbe an das Haus Habsburg. Dessen Erblande gliederten sich seinerzeit in Nieder-, Inner- und Oberösterreich (um Wien, Graz bzw. Innsbruck), die Küstenlande (an der Adria) und Vorderösterreich (in Schwaben). So ergab sich einigermaßen konsequent die Bezeichnung (burgundische oder habsburgische) Niederlande (zunächst Spanische Niederlande, seit 1714 Österreichische Niederlande). Das burgundische Oberland – das Herzogtum um Dijon, das schon immer außerhalb der Reichsgrenzen gelegen hatte, also die frühere gleichnamige Region – ging 1493 an Frankreich verloren, ebenso 1678 die Freigrafschaft um Besançon, die heutige Franche-Comté.
Im Niederländischen sagt man zu den historischen Regionen auch de Lage Landen, also die tief oder niedrig liegenden Länder, da es in den Niederlanden kein Gebirge und nur wenige Erhöhungen gibt. Die nordniederländischen Provinzen der Utrechter Union (Holland, Zeeland, Utrecht, Gelderland, Overijssel, Groningen und Fryslân) erklärten sich am 26. Juli 1581 unabhängig vom Landesherrn Philipp II. von Spanien. Im Frieden von Münster im Rahmen der Westfälischen Friedensverhandlungen 1648 erreichte es die Unabhängigkeit von Spanien und verstand sich endgültig als separat vom Heiligen Römischen Reich, das Gebiet entsprach in etwa den späteren Niederlanden. Der südliche Teil des Gebietes, inklusive Flandern, verblieb hingegen beim Reich; später entstand daraus der Staat Belgien. Man sprach dann von den nördlichen und den südlichen Niederlanden.im 16. Jahrhundert findet sich noch „Belgien“, „Niederlande“ und Germania Inferior „Niederdeutschland“ synonym, etwa
Der Wiener Kongress vereinigte Norden und Süden als unabhängiges Königreich der Vereinigten Niederlande noch einmal für kurze Zeit. Jedoch schon 1830 erklärten sich die südlichen Niederlande unter der Bezeichnung Belgien für unabhängig. Belgica ist der Name einer alten römischen Provinz; seit der Renaissance wurde der Ausdruck als lateinischer Name der Niederlande, auch für deren nördliche Provinzen, verwendet.
Im Mittelniederländischen bezeichnete das Adjektiv dietsc (entsprechend dem deutschen deutsch) die niederländische Sprache. Daraus entstand die englische Bezeichnung Dutch.
Batavia ist ein früherer lateinischer Name für die heutigen Niederlande und bezieht sich auf den beim Rheindelta siedelnden germanischen Stamm der Bataver. Die Niederländer nannten die heutige Hauptstadt Indonesiens, Jakarta, während ihrer Kolonialzeit ebenfalls Batavia.
Geographie mini|Gebiete der Niederlande unterhalb des Meeresspiegels mini|hochkant|Der 1932 errichtete Abschlussdeich trennt das IJsselmeer von der Nordsee. mini|hochkant|Das Sturmflutwehr Oosterscheldekering ist Teil der Deltawerke. alt=Bodentafel am höchsten Punkt (822,5 mtr ü NN) des niederländischen Festlands|mini|171x171px|Bodentafel am höchsten Punkt des niederländischen Festlands
Landschaft und Klima Ungefähr die Hälfte des Landes liegt weniger als einen Meter über, rund ein Viertel des Landes unterhalb des Meeresspiegels (gemessen bei Amsterdam; siehe Bild). Daher ist die Entwässerung dieser Gebiete extrem wichtig. Dazu dienten früher die vielen Windpumpen, die zum Wahrzeichen der Niederlande geworden sind. Zentrales Element zur gemeinsamen Wasserabfuhr ist der Nordseekanal zusammen mit dem Amsterdam-Rhein-Kanal und dem Abschluss am Siel- und Pumpwerk in IJmuiden.
Die flachen Gebiete werden in der Regel durch Deiche vor Sturmfluten geschützt, die insgesamt eine Länge von etwa 3000 km haben. Der höchste Punkt im gesamten Staatsgebiet der Niederlande ist mit 870 Metern der Mount Scenery auf der Karibikinsel Saba, im europäischen Teil ist der höchste Punkt der Vaalserberg im äußersten Süden, in der Provinz Limburg im Dreiländereck (Drielandenpunt) mit Deutschland und Belgien; er erreicht 322,5 m über dem Amsterdamer Pegel.
Teile der Niederlande, zum Beispiel fast die gesamte Provinz Flevoland, wurden durch Landgewinnung dem Meer abgewonnen. Sie werden als Polder (an der deutschen Nordseeküste Koog oder Groden) bezeichnet. Das größte Projekt der Landgewinnung ist mit den Zuiderzeewerken verbunden, die damit das Rhein-Maas-Delta mit Sperrwerken vor den Sturmfluten sicherte. Im Jahr 1932 wurde der 29 km lange Abschlussdeich fertig, der die Meeresbucht Zuiderzee von der Nordsee abgetrennt hat und damit die zu schützende Küstenlinie extrem verkürzte. Auf dem Gebiet der ehemaligen Meeresbucht entstanden mehrere Süßwasserseen, von denen das IJsselmeer den größten Teil ausmacht. Von den angelegten Poldern ist der Flevopolder am größten. Er ist (je nach Berechnungsweise) die größte künstliche Insel der Welt.
Die wichtigsten Flüsse der Niederlande (de grote rivieren – ‚die großen Flüsse‘) sind Rhein, Maas und Schelde. Sie teilen das Land in einen Norden und einen Süden. Der Rheinstrom kommt aus Nordrhein-Westfalen (Deutschland) und ist für ein kurzes Stück Grenzfluss. Schon bald verzweigt er sich, auch dank Kanälen, die man zur besseren Verteilung der Wassermassen gegraben hat. Die Verzweigungen des Rheins verbinden sich schließlich mit der Maas, die von Belgien her kommt. Nur streckenweise heißen die Flüsse noch Rhein bzw. Nederrijn oder Oude Rijn. Die Flüsse prägen den Westen der Niederlande, das Rhein-Maas-Delta. Ein wichtiger Arm fließt durch Rotterdam und dann bei Hoek van Holland in die Nordsee; weitere Arme verbinden die Flüsse mit Amsterdam und dem IJsselmeer. In der Westerschelde, dem Ästuar der Schelde, verläuft ein Teil der Grenze zwischen Belgien und den Niederlanden.
Die Hauptwindrichtung ist Südwest, daraus resultiert ein gemäßigtes maritimes Klima mit kühlen Sommern und milden Wintern. Besonders im Westen des Landes, an der Nordseeküste, ist das Klima stärker atlantisch geprägt (milde Winter, kühle Sommer). Nach Osten hin nimmt der atlantische Einfluss etwas ab, sodass man in der Nähe der Grenze zu Deutschland schon eher von subatlantischem Klima sprechen kann mit etwas kälteren Wintern (mild bis mäßig-kalt) und leicht wärmeren Sommern.
Natursehenswürdigkeiten De Hollandse Biesbosch, eine Fluss- und Sumpflandschaft Nationalpark Weerribben-Wieden Die Nationalparks De Hoge Veluwe und Veluwezoom in der Veluwe Die Naturschutzgebiete auf Texel Oostvaardersplassen, ein Naturentwicklungsgebiet, das heute die größten Wildtierherden Europas beherbergt Reeuwijkse Plassen bei Gouda Nieuwkoopse Plassen Schiermonnikoog Die Deltawerke: Schutzwehre gegen Sturmfluten, gebaut nach der Sturmflut von 1953 Der Nationalpark De Meinweg bei Roermond in der Provinz Limburg
Städte Im Jahr 2023 lebten 93 Prozent der Einwohner der Niederlande in Städten.
rand|160px|AmsterdamAmsterdam rand|160px|RotterdamRotterdam rand|160px|Den HaagDen Haag Stadt Einwohner Stadt Einwohner Großraum2020rand|160px|UtrechtUtrecht rand|160px|EindhovenEindhoven rand|160px|GroningenGroningen 1 Amsterdam ~1.009.000 2 Rotterdam ~1.242.000 3 Den Haag ~780.000 4 Utrecht ~455.000 5 Eindhoven ~280.000 6 Groningen ~233.000 7 Tilburg ~220.000 8 Almere ~212.000 9 Breda ~184.000 10 Nijmegen ~178.000 11 Apeldoorn ~164.000 12 Haarlem ~282.000
Bevölkerung
Demografie mini|Bevölkerungspyramide der Niederlande 2016