mini|Manfred Wilde (2022) Manfred Wilde (* 6. Juli 1962 in Wolfen) ist ein deutscher Historiker und Kommunalpolitiker. Seit dem 1. August 2008 ist er in der dritten Wahlperiode Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Delitzsch.

Leben und Wirken Nach einer handwerklichen Berufsausbildung zum Elektromonteur im Zeitraum von 1979 bis 1981 diente Wilde von 1981 bis 1984 im Rahmen seines Wehrdienstes bei der Marine. Danach war er fünf Jahre in der Filmfabrik Wolfen tätig, bevor er 1989 als wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Stadtverwaltung Delitzsch wechselte, wo er bis 1993 fungierte. Parallel dazu studierte er ab 1990 Museumswissenschaften und Geschichte an der HTWK Leipzig, mit dem Abschluss als Diplom-Museologe im Jahr 1995. Seine maßgeblichen wissenschaftlichen Lehrer waren dort Frank-Dietrich Jacob, Arnold Vogt und Katharina Flügel. Bis 1997 war Wilde im Bauplanungsamt und von 1997 bis 1998 als Kulturkoordinator der Stadt Delitzsch tätig. Von 1998 bis 2008 war er Leiter des Museums Barockschloss Delitzsch.

Politisches Wirken Im Herbst 1989 war Wilde Mitglied der Bürgerbewegung in Wolfen. Gemeinsam mit dem evangelischen Stadtpfarrer, Axel Noack, initiierte er dort die Gründung von Ortsverbänden demokratischer Parteien und gründete den Runden Tisch. Am 6. Juni 2008 bewarb sich Wilde erstmals, neben fünf weiteren Kandidaten um das Oberbürgermeisteramt der Stadt Delitzsch. Im zweiten Wahlgang am 22. Juni 2008 wurde er mit 60,2 Prozent der gültigen Stimmen zum Stadtoberhaupt gewählt.Ergebnisse der Oberbürgermeisterwahl 2008 (zweiter Wahlgang), abgerufen am 8. Juni 2015 Bei der Oberbürgermeisterwahl am 7. Juni 2015 kandidierte Wilde erneut und wurde bereits im ersten Wahlgang mit 66,0 Prozent in seinem Amt bestätigt.Ergebnisse der Oberbürgermeisterwahl 2015, abgerufen am 8. Juni 2015 Am 12. Juni 2022 wurde Manfred Wilde im zweiten Wahlgang mit 54,46 Prozent erneut und damit zum dritten Mal in Folge zum Oberbürgermeister von Delitzsch gewählt.https://www.delitzsch.de/portal/seiten/oberbuergermeisterwahl-und-wahl-des-landrates-nordsachsen-2022-900000189-27640.html Seit 2024 ist er auch Mitglied des Kreistages des Landkreises Nordsachsen und dort Mitglied im Finanzausschuss.

Gremienmitwirkung Wilde ist Mitglied im Hauptausschuss des Deutschen Städtetages, seit 2024 Vorsitzender des Aufsichtsrates der Stadtwerke Delitzsch GmbH und seit 2008 Mitglied des Aufsichtsrates der Wohnungsgesellschaft der Stadt Delitzsch GmbH. Er ist Vorsitzender des Zweckverbandes Delitzsch-Rackwitzer Wasserversorgung und Verbandsvorsitzender des Abwasserzweckverbandes Delitzsch. Das Präsidium des Sächsischen Städte- und Gemeindetages hat Manfred Wilde am 25. Oktober 2016 als Mitglied für den Arbeitskreis Garnisonen im Deutschen Städte- und Gemeindebund benannt.

Immaterielles Kulturerbe der UNESCO mini|Beratungssituation In der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba gelang es 2016 der Bundesrepublik Deutschland mit dem ersten eigenen Projekt im Rahmen des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO die Anerkennung der „Genossenschaftsidee“ unter dem Titel „The idea and practice of organizing shared interests in cooperatives“ zu erreichen.Genossenschaftsidee als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt, auf unesco.de Manfred Wilde gilt als Spiritus Rector und gemeinsam mit dem damaligen Flammersfelder Bürgermeister Josef Zolk als Hauptwegbegleiter des Verfahrens auf nationaler und internationaler Ebene. Das Außenministerium und die Deutsche UNESCO-Kommission verständigten sich auf die Entsendung einer Expertendelegation nach Äthiopien, die unter Leitung von Hans-Günter Löffler, Vortragender Legationsrat im Referat Multilaterale Kultur- und Medienpolitik des Auswärtigen Amtes und zuständig für alle Themenbereiche im Kontext der UNESCO, stand. Weiter gehörten dazu Stefan Krawielicki, Botschafter und Leiter der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der UNESCO in Paris, Prof. Dr. Christoph Wulf, Vize-Präsident der deutschen UNESCO-Kommission, Christine M. Merkel, Head Division of Culture, Communication, Memory of the World, Benjamin Hanke, Referent/Programme Specialist, Geschäftsstelle Immaterielles Kulturerbe/Intangible Cultural Heritage, sowie als Fachexperten der Dr. Hermann-Schulze-Delitzsch- und Friedrich-Wilhelm Raiffeisen-Gesellschaft Manfred Wilde und Josef Zolk.Immaterielles Kulturerbe. Wissen.Können.Weitergeben. Dokumentation des Berlin-Symposiums im Jubiläumsjahr 2023. Herausgegeben vom Berliner Komitee für UNESCO-Arbeit e. V. Berlin 2023.

mini|Urkunde Mit der Anerkennung der Genossenschaftsidee als Immaterielles Kulturerbe gab es ein umfangreiches internationales Echo aus allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. In Schwellen- und Entwicklungsländern gab es dadurch einen neuen Schub in der Hilfe zur Selbsthilfe für selbstbestimmte wirtschaftlich tragfähige Projekte. Besonders bemerkenswert waren beispielsweise Kaffee- und Kakao-Kooperativen sowie genossenschaftliche Einrichtungen zur Ausreichung von Mikrokrediten und zur Initiierung von Wohnungsbauprojekten. In Deutschland waren und sind es vor allem zahlreiche neu gegründete Schülergenossenschaften und Bürger-Energieprojekte, die sich durch ihr lokales Wirken auszeichnen.

Für sein Engagement auf dem Weg zur Anerkennung der Genossenschaftsidee als Immaterielles Kulturerbe der UNESCO wurde Manfred Wilde 2018 mit der Goldenen Ehrennadel des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbandes ausgezeichnet.

Wissenschaft Wissenschaftliches Wirken in der Geschichtswissenschaft Nach seinem Studium an der HTWK Leipzig besuchte Wilde ab 1995 das Doktorandenseminar bei Reiner Groß am Lehrstuhl für die Regionalgeschichte Sachsens der Technischen Universität Chemnitz. In seiner Dissertation beschäftigte er sich mit Untersuchungen zur Entwicklungsgeschichte und Spezifik mitteldeutscher Grundherrschaften in Nordwestsachsen.Frank-Dietrich Jacob: Über die Möglichkeit kooperativer Promotionsverfahren zwischen Universität und Fachhochschule im Freistaat Sachsen. In: HTWK Beiträge zur Lehre und Forschung, 4. Jg. (1997), S. 13–14, . Die Promotion zum Dr. phil. erhielt Wilde 1996. Die Dissertation wurde von Reiner Groß und Gerhard Dohrn-van Rossum betreut. In den folgenden Jahren erarbeitete er mehrere eigenständige Projekte für den Atlas zur Geschichte und Landeskunde von Sachsen unter der Leitung von Karlheinz Blaschke. Ab 1998 besuchte Wilde das Doktoranden- und Habilitandenseminar von Heiner Lück am Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Europäische, Deutsche und Sächsische Rechtsgeschichte an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Am 18. Dezember 2002 habilitierte er nach Begutachtung durch Reiner Groß und Heiner Lück mit einer Arbeit über die „Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen – strukturelle und soziale Aspekte eines juristischen Phänomens in der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Strafrechtspraxis“. Im selben Jahr wurde ihm der akademische Grad Dr. phil. habil. von der TU Chemnitz verliehen.Delitzsch und Plauen: Von der Uni ins Rathaus. In: 175 Jahre Technische Universität Chemnitz, hrsg. von der Gesellschaft der Freunde der Technischen Universität Chemnitz. Chemnitz 2011, S. 181. ISBN 978-3-941003-28-6. Am 15. Januar 2003 erhielt er von der Philosophischen Fakultät der TU Chemnitz die Lehrbefugnis (Venia legendi) und das Recht zur Führung der Bezeichnung Privatdozent.Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who. XLIX 2010/2011. Verlag Schmidt-Römhild, Lübeck 2010, S. 1298. In der Folgezeit arbeitete Wilde nebenberuflich als Dozent für Sächsische Landesgeschichte an der TU Chemnitz und für Historische Hilfswissenschaften, mit dem Schwerpunkt Paläografie am Fachbereich Buch und Museum der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (FH). Die auf intensiver archivarischer Quellenforschung basierende Untersuchung der Zauberei- und Hexenprozesse in den historischen Territorien der Bundesländer Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen bildeten den Hauptinhalt seiner wissenschaftlichen Arbeit. Dazu gehören Studien zu den Fürstentümern AnhaltsWilde, Manfred: Hexenprozesse in den anhaltischen Fürstentümern. In: Mitteilungen des Vereins für Anhaltische Landeskunde. Tagungsband Auf dem Weg zu einer Geschichte Anhalts. Wissenschaftliches Kolloquium zur 800-Jahrfeier des Landes Anhalt. Köthen 2012, S. 133–157. und im internationalen Kontext, wie beispielsweise für die Encyclopedia of Witchcraft The Western Tradition unter der Herausgeberschaft von Richard M. GoldenWilde, Manfred: Saxony, Electorate of. In: Richard M. Golden (Hrsg.): Encyclopedia of Witchcraft: The Western Tradition. Volume IV. ABC-Clio, Santa Barbara, Denver, Oxford 2006, S. 1008–1010.. Wilde ist seit dem 3. Dezember 2004 Mitglied in der Historischen Kommission der Sächsischen Akademie der WissenschaftenHistorische Kommission, auf saw-leipzig.de sowie seit 2022 Mitglied der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft mit Sitz in Hannover. In der Schriftenreihe der Leibniz-Gesellschaft studia leibnitiana ist er publizistisch tätig gewesen. Darin widmete er sich einem Korrespondenten von G. W. Leibniz.Wilde, Manfred: Korrespondenten von G. W. Leibniz, 14. Johann Caspar Westphal geb. 28. November 1649 in Rügenwalde/Pommern – gest. 24. März 1722 in Delitzsch/Sachsen. In: studia leibnitiana. Zeitschrift für Geschichte der Philosophie und der Wissenschaften. Im Auftrag der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft e. V. herausgegeben von Herbert Breger, G. H. R. Parkinson, Heinrich Schepers, Wilhelm Totok. Band 38/39, Heft 2 (2006/2007), Stuttgart 2008, S. 219–234. ISSN 0039-3185.

Wissenschaftliches Wirken zur Nachhaltigkeit und Energieeffizienz