mini|Kapitän zur See Lütjens (1934)
Johann Günther Lütjens (* 25. Mai 1889 in Wiesbaden; † 27. Mai 1941 im Nordatlantik (Position )) war ein deutscher Marineoffizier. Als Admiral war er zuletzt Flottenchef der Kriegsmarine im Zweiten Weltkrieg.
Lütjens diente zunächst in der Kaiserlichen Marine. 1907 trat er als Seekadett in die Marine ein, wobei er auf dem Kreuzer Freya diente. 1910 wurde er zum Leutnant ernannt. Unter Beförderung zum Oberleutnant wechselte er 1913 zur 1. Torpedobootdivision. Im Ersten Weltkrieg war er Bootskommandant und Halbflottillenchef bei der Torpedobootwaffe an der flandrischen Küste. 1917 wurde er zum Kapitänleutnant befördert. In die Reichsmarine übernommen, wurde er zusätzlich zu verschiedenen Marinestäben berufen. 1931 wurde er in die Marineleitung des Reichswehrministeriums versetzt. 1933 erfolgte die Beförderung zum Kapitän zur See. 1934 wurde er zum Kommandanten des Leichten Kreuzers Karlsruhe ernannt. Danach war er Chef des Stabes der Marinestation Nordsee, leitete zwischen 1936 und 1937 das Marinepersonalamt im Reichskriegsministerium und stieg 1937 zum Führer der Torpedoboote (F.d.T.) mit dem Rang eines Konteradmirals auf. Bei einem Angriff auf polnische Seestreitkräfte vor der Halbinsel Hel wurde er leicht verletzt. Am 21. Oktober 1939 löste er Vizeadmiral Densch als Befehlshaber der Aufklärungsstreitkräfte (B.d.A.) ab. Als F.d.T. und als B.d.A. veranlasste er die Verlegung von Minen vor der britischen Küste. Am 1. Januar 1940 wurde Lütjens zum Vizeadmiral befördert. 1940 war er als Befehlshaber der Aufklärungsstreitkräfte und stellvertretender Flottenchef bei der Invasion Dänemarks und Norwegens eingesetzt und befehligte die Deckungsgruppe. Anschließend führte der von Zeitgenossen als unnahbar, aristokratisch und streng beschriebene Admiral als Flottenchef den Handelskrieg gegen britische Geleitzüge im Atlantik. Im Rahmen des Unternehmens Rheinübung versenkte Lütjens’ Kampfgruppe im Mai 1941 den britischen Schlachtkreuzer Hood. Lütjens fiel einige Tage später beim Untergang seines Flaggschiffes Bismarck.
Der Zerstörer Lütjens der Bundesmarine wurde 1969 nach ihm benannt.
Privatleben Lütjens’ Eltern waren Johannes Lütjens († 1920) und Luise geb. Volz.Bundesarchiv Personalbogen Günther Lütjens S. 1.Gerhard Hümmelchen: Admiral Günther Lütjens. In: Gerd R. Ueberschär (Hrsg.): Hitlers militärische Elite. Vom Kriegsbeginn bis zum Weltkriegsende, Primus Verlag 2011, S. 407. Seine Jugend verbrachte er in Freiburg im Breisgau, wo er auch am Berthold-Gymnasium sein Abitur ablegte. Sein Vater war KaufmannReinhard Stumpf: Die Wehrmacht-Elite – Rang- und Herkunftsstruktur der deutschen Generale und Admirale 1933–1945. Harald Boldt Verlag 1982, S. 270. und evangelischen Glaubens. Günther entschloss sich zum Dienst in der Kaiserlichen Marine.Werner Rahn: Zum 50. Todestag von Admiral Günther Lütjens. abgedruckt in der Zeitschrift Marineforum Nr. 5, Jahrgang 1991, S. 164. Im Sommer 1929 heiratete Lütjens Margarete Backenköhler, die Tochter des Geheimen Sanitätsrates Gerhard Backenköhler.Alma Kreuter: Deutschsprachige Neurologen und Psychiater – Ein biographisch-bibliographisches Lexikon von den Vorläufern bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, De Gruyter Saur 1996, S. 62. Margarete war die Schwester seines späteren Stabschefs Admiral Otto Backenköhler.Eberhard Kliem: Generaladmiral Hermann Boehm – Ein deutscher Marineoffizier im 20. Jahrhundert, Oldenburg Isensee Verlag 2011, ISBN 978-3-89995-798-3, S. 199. Auch wenn Lütjens über sich selbst sagte, dass er bei seiner Verantwortung überhaupt nicht verheiratet sein dürfte, wird seine Ehe als glücklich beschrieben. Lütjens hatte drei Söhne und eine Tochter.Gerhard Hümmelchen: Admiral Günther Lütjens. In: Gerd R. Ueberschär (Hrsg.): Hitlers militärische Elite. Vom Kriegsbeginn bis zum Weltkriegsende, Primus Verlag 2011, S. 408.
Kaiserliche Marine mini|Auf Hansa war Lütjens etwa zwei Jahre lang als Leutnant zur See eingesetzt.
Lütjens trat am 3. April 1907 als Seekadett in die Kaiserliche Marine ein, besuchte zunächst die Marineschule KielHans H. Hildebrand, Ernest Henriot: Deutschlands Admirale: 1849–1945, Die militärischen Werdegänge der See-, Ingenieur-, Sanitäts-, Waffen- und Verwaltungsoffiziere im Admiralsrang. Band 2 H–O, Biblio-Verlag 1989, S. 407.Manfred Dörr: Die Ritterkreuzträger der Überwasserstreitkräfte der Kriegsmarine. Band 2: L–Z. Biblio Verlag, Osnabrück 1996, S. 20. und wurde dort ab dem 9. April in der Crew 07 zum Seeoffizier ausgebildet. Im Mai 1907 wurde er auf den als Schulschiff genutzten Großen Kreuzer Freya zur praktischen Bordausbildung versetzt. An Bord dieses Kreuzers trat Lütjens auch seine erste Weltreise an. Seine Charakterzüge wurden bereits in diesen Jahren unterschiedlich gesehen, und diese unterschiedliche Bewertung sollte sich auch bis zu Lütjens’ Tod nicht mehr ändern. Wegen seiner Aufrichtigkeit, schnellen Auffassungsgabe und seines trockenen Humors war Lütjens bei den Einen sehr beliebt, andere Zeitgenossen hingegen beschrieben den Kadetten als ehrgeizig, unnahbar und ernst. Lütjens’ erste Bordausbildung ging im März 1908 zu Ende. Im Anschluss daran nahm er ab April 1908 an einem einjährigen Fähnrichslehrgang an der Marineschule Kiel teil. Dort wurde Lütjens am 21. August 1908 zum Fähnrich zur See befördert. Aufgrund seiner Leistungen gehörte er zur Spitzengruppe seines Jahrgangs. In einer später erstellten Rangliste aus dem Jahr 1913 belegte Lütjens den 11. Platz von 132 Absolventen.
Nach der Marineschule besuchte Lütjens einen Artillerie- und Torpedolehrgang und beendete im September 1909 seine Infanterieausbildung im II. Seebataillon in Wilhelmshaven. Die zweite praktische Bordausbildung erfolgte von Oktober 1909 bis Mitte September 1910 auf dem Linienschiff Elsass. Nach dem erfolgreichen Abschluss stand Lütjens im September 1910 kurzfristig der I. Marineinspektion zur Verfügung, bevor er am 26. September 1910 mit seinem ersten Bordkommando betraut wurde. Aufgrund seiner Fähigkeiten wurden ihm die Aufgaben eines Ausbildungsoffiziers auf dem Schulschiff König Wilhelm übertragen. Die alte Panzerfregatte war zu diesem Zeitpunkt ein stationäres Wohn- und Exerzierschiff im Hafen von Flensburg. Dort wurde Lütjens am 28. September 1910 zum Leutnant zur See befördert. Im April 1911 wechselte er als Seekadettenoffizier auf den Großen Kreuzer Hansa, wo er fast die nächsten zwei Jahre verblieb. Auf diesem Schiff nahm Lütjens an zwei weiteren Weltreisen teil. Danach war er von April bis September 1913 wieder Ausbildungsoffizier auf SMS König Wilhelm. Am 27. September 1913 wurde Lütjens zum Oberleutnant zur See befördert und wechselte zur Torpedobootswaffe. Dort wurde er als Kompanieoffizier bei der I. Torpedodivision in Kiel eingesetzt. Im November 1913 kam er als Wachoffizier zur 2. Torpedoboots-Halbflottille unter Korvettenkapitän Heinrich SchuurOtto Groos: Der Krieg in der Nordsee, E.S. Mittler Verlag 1924, S. 289. auf das Torpedoboot G 169. Ab März 1914 übte er die gleiche Funktion auf dem Torpedoboot G 172 aus.
Erster Weltkrieg Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wurde Lütjens im August 1914 als Bootskommandant zur Jade-Hafenflottille kommandiert. Die Jade-Hafenflottille stand unter dem Kommando des Führers der Torpedoboote Konteradmiral Leberecht Maaß und bestand aus dem Führungsboot Alice Roosevelt und weiteren sechs alten bzw. älteren Torpedobooten, die Minensuchzwecken dienten. Ihre Aufgabe bestand in der Sicherung und Aufklärung der Jade.Harald Fock: Z-Vor! Internationale Entwicklung und Kriegseinsätze von Zerstörern und Torpedobooten 1914 bis 1939, Koehlers Verlag 2001, S. 347.Harald Fock: Z-Vor! Internationale Entwicklung und Kriegseinsätze von Zerstörern und Torpedobooten 1914 bis 1939, Koehlers Verlag 2001, S. 349. Ab September 1914 war er Kommandant des zum Minensuchboot umgebauten T 68. Anfang Dezember des gleichen Jahres wechselte er als Kompanieoffizier in die I. Torpedodivision. Dort besuchte Lütjens einen Minensuchlehrgang und war ab Mitte Januar 1915 Kommandant des Torpedobootes T 21. Anfang Mai 1915 kam er zur Torpedobootsflottille Flandern. Dort befehligte Lütjens, der am 6. Oktober 1915 mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet worden war,Manfred Dörr: Die Ritterkreuzträger der Überwasserstreitkräfte der Kriegsmarine. Band 2: L–Z. Biblio Verlag, Osnabrück 1996, S. 21. bis Februar 1916 die neuen, aber wenig kampfkräftigen Torpedoboote A 5 und A 20, bevor er im Februar 1916 den Befehl über die dortige A-Halbflottille übernahm. In dieser Stellung war er zugleich Kommandant des größeren Torpedobootes A 40. Für die Bewährung bei mehreren Unternehmungen als Halbflottillenchef erhielt Lütjens am 17. August 1916 das Eiserne Kreuz I. Klasse. In der Nacht des 25. auf den 26. März 1917 war Lütjens mit vier Torpedobooten an der Beschießung Dünkirchens beteiligt.Harald Fock: Z-Vor! Internationale Entwicklung und Kriegseinsätze von Zerstörern und Torpedobooten 1914 bis 1939, Koehlers Verlag 2001, S. 360. Am 2. Mai, auf der Suche nach Überlebenden eines abgeschossenen deutschen Flugzeugs, lieferte sich Lütjens Boot A 40 zusammen mit dem Schwesterboot A 42 ein Scharmützel mit vier britischen Motortorpedobooten. Dabei konnten Lütjens’ Boote einem Torpedoschuss ausweichen.Walter Gladisch: Die Krieg zur See 1914 – 1918. Der Krieg in der Nordsee. Band 6: Vom Juni 1916 bis Frühjahr 1917. E. S. Mittler & Sohn 1937, S. 328. Am 19. Mai fuhr Lütjens mit fünf Torpedobooten seiner Halbflottille erneut einen Angriff auf Dünkirchen. Dabei griffen seine Boote die französischen Zerstörer Capitaine Mehl, Enseigne Roux, Magon und Bouclier an.Harald Fock: Z-Vor! Internationale Entwicklung und Kriegseinsätze von Zerstörern und Torpedobooten 1914 bis 1939, Koehlers Verlag 2001, S. 361. Im Zusammenhang mit seinem Primärauftrag, die Fahrtwege der deutschen U-Boote freizuhalten, kam es zu Gefechten mit britischen Zerstörern, Motorschnellbooten und Flugzeugen. Diese Aufgaben nahmen in den letzten Kriegsjahren mit dem uneingeschränkten U-Boot-Krieg zu.Erich Raeder: Mein Leben, Oberbefehlshaber der deutschen Kriegsmarine 1935–1943. Bublies Verlag 2009, S. 102. Dabei gab es durch die materielle Überlegenheit des Gegners und die ständige Minengefahr erhebliche Verluste an Mensch und Material in den eigenen Reihen. Am 24. Mai 1917 wurde Lütjens zum Kapitänleutnant befördert.
Besondere Anerkennung durch seine Vorgesetzten erntete Lütjens für die Rückverlegung des Personals der Halbflottille von Antwerpen nach dem Waffenstillstand von Compiègne am 11. November 1918. Bereits am 30. September war der Räumungsbefehl für die Stützpunkte an der flandrischen Küste ergangen. Der Großteil der deutschen Torpedoboote wurde über die Kanäle nach Antwerpen verlegt.Harald Fock: Z-Vor! Internationale Entwicklung und Kriegseinsätze von Zerstörern und Torpedobooten 1914 bis 1939, Koehlers Verlag 2001, S. 365. Aufgrund der Eile bei der Räumung wurden die meisten Boote gesprengt oder gelangten in die holländische Internierung; auch Lütjens entschied sich für diesen Schritt. Eine Rückverlegung seiner Bootseinheiten über den Seeweg nach Wilhelmshaven kam aufgrund der unzureichenden Geschwindigkeit der meisten Fahrzeuge nicht in Frage. Mit dem Personal der Einheit trat er den Rückmarsch durch Belgien an. Diese Aufgabe konnte er bis Ende November abschließen.