Frank Fredericks, meist Frankie Fredericks (* 2. Oktober 1967 in Windhoek, Südwestafrika), ist ein ehemaliger namibischer Leichtathlet, der im 100- und 200-Meter-Lauf die ersten olympischen Medaillen für seine Heimat errang.
Leben Er arbeitete bei Rössing, ehe er 1987 ein Stipendium der Brigham Young University in den Vereinigten Staaten bekam. Nachdem sein Heimatland 1990 die Unabhängigkeit von Südafrika erlangt hatte, konnte er international bei sportlichen Ereignissen für Namibia antreten.
Bei den Weltmeisterschaften 1991 in Tokio gewann er die Silbermedaille über 200 Meter und erreichte Platz fünf über 100 Meter. Bei den Olympischen Spielen in Barcelona gewann er die Silbermedaille im 100-Meter-Lauf hinter Linford Christie (GBR) und vor Dennis Mitchell (USA) sowie die Silbermedaille im 200-Meter-Lauf hinter Michael Marsh (USA) und vor Michael Bates (USA).
1993 siegte er mit 19,85 s, seiner bis dahin besten Zeit, bei den Weltmeisterschaften in Stuttgart über 200 Meter und wurde Sechster über 100 Meter. 1994 gewann er bei den Commonwealth Games in Victoria Bronze über 100 Meter und Gold über 200 Meter. Bei den Weltmeisterschaften 1995 in Göteborg errang er Silber über 200 Meter und belegte den vierten Platz über 100 Meter. Im Jahr darauf stellte er mit 19,92 s den aktuell gültigen Hallenweltrekord über 200 Meter auf.
Bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta wiederholte sich sein Silbermedaillendouble. Über 100 Meter wurde er lediglich von Donovan Bailey (CAN), über 200 Meter lediglich von Michael Johnson (USA) geschlagen. In beiden Rennen verwies er Ato Boldon aus Trinidad und Tobago auf den dritten Platz.
1997 wiederholte er bei den Weltmeisterschaften in Athen seine Platzierungen von Göteborg: Silber über 200 Meter und Rang vier über 100 Meter. 1998 gewann er bei den Commonwealth Games in Kuala Lumpur Silber über 100 Meter, und bei den Hallenweltmeisterschaften 1999 in Maebashi errang er Gold über 200 Meter.
Danach machten ihm Verletzungen zu schaffen, so dass er bei den Weltmeisterschaften 1999 in Sevilla auf beiden Sprintstrecken in der Qualifikation scheiterte.
Am 7. April 1999 gründete er in Windhoek die Frank Fredericks Foundation, eine gemeinnützige Stiftung zur Sportförderung.
Bei den Commonwealth Games 2002 in Manchester meldete er sich zurück und gewann über 200 Meter die Goldmedaille. Bei den Weltmeisterschaften 2003 in Paris wurde er Siebter, und bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen war er der älteste Athlet, der je ein olympisches Finale im Sprint erreichte. Im 200-Meter-Lauf wurde er Vierter.
Als er sich im selben Jahr vom aktiven Sport zurückzog, war er über 100 Meter 27-mal eine Zeit unter 10 Sekunden gelaufen und die Nummer drei in der ewigen Bestenliste. Während der Olympischen Spiele in Athen wurde Fredericks in das IOC gewählt und vertritt seit dem 29. August 2004 Namibia im Internationalen Olympischen Komitee. Im August 2008 wurde er zum Nachfolger Serhij Bubkas als Vorsitzender der Athletenkommission des IOC gewählt und damit Mitglied des IOC-Exekutivkomitees.Peking 2008: Fredericks in der IOK-Athletenkommission, Si-Meldung auf nzz.ch vom 6. August 2008, abgerufen am 3. Juni 2014. Im Juni 2009 wurde er zum Präsidenten von Athletics Namibia gewählt,Mark Ouma: Frank Fredericks elected Athletics Namibia President auf africanathletics.org vom 22. Juni 2009, abgerufen am 3. Juni 2014 (englisch). im Dezember 2011 Nachfolger von Alberto Juantorena als Vorsitzender der Athletenkommission des Internationalen Leichtathletikverbandes.Mike Rowbottom: Coe and Bubka take up new IAAF posts auf insidethegames.biz vom 20. Dezember 2011, abgerufen am 3. Juni 2014 (englisch).
Korruptionsverdacht Anfang März 2017 wurde bekannt, dass ein Unternehmen, mit dem Fredericks in Verbindung gebracht wird, am Tag der Vergabe der Olympischen Spiele an Rio de Janeiro eine Überweisung erhalten hatte.Wie bei der Fifa sueddeutsche.de vom 8. März 2017 Er kontaktierte daraufhin die Ethikkommission des ICO.Frankie Fredericks under investigation for receiving £245,000 payment from disgraced IAAF official. The Telegraph, 3. März 2017. Die Ethikkommission sah sich außerstande, die Beschuldigungen zu beurteilen, verwies auf die Unschuldsvermutung, empfahl jedoch, Fredericks von verschiedenen Posten zu suspendieren, u. a. von seinem Vorsitz der IOC-Prüfkommission für die Spiele 2024.DECISION OF RECOMMENDATION TO THE IOC EXECUTIVE BOARD Decision N° 2017/1. Olympic Committee, 7. März 2017. Mitte Juli 2017 wurde er vom IAAF-Rat suspendiert, damit die anhaltenden Ermittlungen ohne mögliche Konsequenzen blieben. Bereits im März war er von allen seinen Ämtern zurückgetreten.IAAF suspendiert Councilmitglied Fredericks. Spiegel Online, 17. Juli 2017. Anfang November 2017 beschloss die IOC-Exekutive, Fredericks von allen Rechten, Vorrechten und Funktionen, die er als IOC-Mitglied hat, zu entbinden., Skandal um Rio, auf leichtathletik.de vom 8. November 2017, abgerufen am 8. November 2017
Bis März 2020 wurde noch keine Entscheidung in dem Fall gefällt.
Trivia Fredericks ist mit Jessica Fredericks, der Schwester von Nico Motchebon, verheiratet und lebt sowohl in Namibia als auch in Deutschland. In seiner Heimatstadt Windhoek ist eine der Hauptstraßen („Frankie Fredericks Drive“) nach ihm benannt.
Bestzeiten Fredericks hält mit Stand 2020 weiterhin sechs namibische Landesrekorde über die 100 und 200 Meter Freiluft und 60, 100, 200 und 300 Meter in der Halle sowie vier afrikanische Rekorde (200 m Freiluft sowie 100, 200 und 300 m Halle). 100-Meter-Zeiten unter 10 Sekunden ZeitWindDatumOrt 9,86−0,4 Lausanne 9,871,9 Helsinki 9,890,7 Atlanta 9,900,2 Brüssel 9,911,0 Lausanne 9,931,1 Atlanta 9,930,5 Athen 9,93−0,4 Athen 9,94−0,5 Atlanta 9,941,3 Sydney 9,94 A−0,2 Windhoek 9,951,2 Tokio 9,951,1 Saint-Denis 9,950,7 Villeneuve d’Ascq 9,950,2 Athen 9,950,2 Oslo 9,96 A0,4 Johannesburg 9,96−0,1 Kuala Lumpur 9,971,2 Kingston 9,972,0 Athen 9,970,0 Rom 9,970,1 Dakar 9,98−0,7 Zürich 9,980,0 Kuala Lumpur 9,991,0 Villeneuve d’Ascq 9,990,5 Athen 9,990,3 Berlin 200-Meter-Zeiten unter 20 Sekunden ZeitWindDatumOrt 19,680,4 Atlanta 19,810,3 Fukuoka 19,821,1 Oslo 19,850,3 Stuttgart 19,87−1,2 Osaka 19,900,4 Osaka 19,92−0,2 Brüssel 19,921,6 Melbourne 19,93 A0,0 Johannesburg 19,930,7 Stuttgart 19,930,5 Monaco 19,930,2 Monaco 19,95−0,2 Paris 19,960,8 Rieti 19,960,7 Rom 19,962,0 Duisburg 19,97−1,0 Zürich 19,97 A1,8 Sestriere 19,971,5 Victoria 19,970,5 Berlin 19,97 A1,3 Johannesburg 19,980,1 Atlanta 19,99−0,9 Dakar 19,990,6 Rom
Weblinks
Frank Fredericks auf der IOC-Website Website der Frank Fredericks Foundation Fredericks says goodbye – a career tribute, Artikel von Bob Ramsak auf der IAAF-Website, 13. Oktober 2004
Einzelnachweise
Kategorie:Namibischer Meister (Leichtathletik) Kategorie:Teilnehmer der Olympischen Sommerspiele 1992 Kategorie:Teilnehmer der Olympischen Sommerspiele 1996 Kategorie:Teilnehmer der Olympischen Sommerspiele 2004 Kategorie:Teilnehmer an den Commonwealth Games (Namibia) Kategorie:100-Meter-Läufer (Namibia) Kategorie:200-Meter-Läufer (Namibia) Kategorie:Olympiateilnehmer (Namibia) Kategorie:Teilnehmer an den Afrikaspielen (Namibia) Kategorie:Weltmeister (200-Meter-Lauf) Kategorie:Afrikameister (100-Meter-Lauf) Kategorie:Afrikameister (200-Meter-Lauf) Kategorie:Afrikaspielesieger (Leichtathletik) Kategorie:IOC-Mitglied Kategorie:Sportler (Windhoek) Kategorie:Namibier Kategorie:Geboren 1967 Kategorie:Mann