Die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (ABK), kurz Kunstakademie Stuttgart, ist mit ihren rund 850 Studierenden und 22 Studiengängen in den Bereichen Architektur, Design, Kunst, Künstlerisches Lehramt, Konservierung-Restaurierung und Kunstwissenschaften-Ästhetik eine der ältesten und größten Kunsthochschulen in Deutschland.

Geschichte Académie des Arts und Kunstfakultät der Hohen Karlsschule Herzog Carl Eugen von Württemberg gründete per GeneralreskriptDie Urkunde abgeb. In: Wolfgang Kermer: „1968“ und Akademiereform: von den Studentenunruhen zur Neuorganisation der Stuttgarter Akademie in den siebziger Jahren (= Beiträge zur Geschichte der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, hrsg. von Wolfgang Kermer, 9). Cantz, Ostfildern-Ruit 1998, ISBN 3-89322-446-7, Abb. 1 sowie Erläuterung S. 220. vom 25. Juni 1761 die Académie des ArtsEin Überblick über die statusmäßige/rechtliche und personelle Entwicklung in: Wolfgang Kermer: Daten und Bilder zur Geschichte der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Edition Cantz, Stuttgart 1988 (= Verbesserter Sonderdruck aus: Die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart: eine Selbstdarstellung. Edition Cantz, Stuttgart 1988, S. 16–31.) in Stuttgart. Schon bald nach ihrer Gründung verlor die Academia artium Stuttgardensis, die zusammen mit dem herzoglichen Hof zeitweilig auch in Ludwigsburg untergebracht war, an Bedeutung und ging in der im Jahre 1770 beim Schloss Solitude gegründeten Hohen Karlschule auf. In dieser bildete sich eine eigene Kunstabteilung (Fakultät der freye Künste, so A. F. Batz) heraus. Nach verschiedenen Entwicklungsstufen wurde die Hohe Karlsschule im Jahre 1782 in den Universitätsrang erhoben.

In dieser streng reglementierten, mit militärischem Drill geführten Eliteschule – auch die Kunsteleven trugen Uniform und Perücke und hatten den von frühmorgens bis spätabends festgelegten TageslaufKarl Pörnbacher: Briefe des jungen Schiller (1776-1789). Kösel Verlag München, 1969, S. 367–368. zu befolgen – sollten laut Herzog Carl Eugen die „besten Köpfe des Landes“ studieren, aber einige, wie beispielsweise Friedrich Schiller und Joseph Anton KochDas berühmteste der „Spottbilder“ Kochs auf den Kunstunterricht an der Hohen Karlsschule, „ein bemerkenswertes Dokument der Auflehnung freien Künstlergeistes gegen dogmatisierte Erstarrung und Ausnützerei“, abgeb. In: Wolfgang Kermer, ebenda, Abb. 2 sowie Erläuterung S. 220. entzogen sich dem immensen Druck und der Bevormundung auf der „Sklavenplantage“ (Schubart). Für das Kunstgeschehen über Württemberg hinaus so bedeutende Künstler wie Johann Heinrich Dannecker, Philipp Friedrich von Hetsch, Philipp Jakob Scheffauer und Gottlieb Schick erfuhren dort ihre Ausbildung, zum Teil noch durch Lehrer wie Nicolas Guibal und Adolf Friedrich Harper, die bereits dem Lehrkörper der Académie des Arts angehört hatten. Aus deren Ludwigsburger Zeit ging auch später der in Wien zu großem Ansehen gelangte Heinrich Friedrich Füger hervor.

Angesichts der streng regulierten Verhältnisse der Académie des Arts, zum Unterricht der rein männlichen Professorenschaft waren nur männliche Schüler zugelassen, war die Ernennung eines weiblichen Ehrenmitglieds im Jahre 1762 eine Ausnahme: „Frau Therbuschin, Mahlerin zu Berlin“, heißt es in einer offiziellen Verlautbarung unter der Rubrik „Membra Honoraria“,Jezt-florierendes Wuertemberg, oder Herzogl. Würtembergisches Adress-Hand-Buch, In welchem sammtliche Bey Herzogl. Hof, Canzley, Löbl. Landschaft etc. wie auch dem Herzogl. Militair-Etat, und auf dem Land befindliche Hoch- und Niedere Dienerschaft bestmöglichst beschrieben und auf das Jahr 1763 zusammen getragen worden. Mit Herzoglichen Privilegio vor die Rent-Cammer-Cancellist. G. E. Bürckische Relicten. bey der Bürckischen Wittib., Stuttgart, S. 46. Anna Dorothea Therbusch, die zu dieser Zeit Aufträge am herzoglichen Hof in Stuttgart wahrnahm und unter anderem auch ihren Berliner Kollegen Adolf Friedrich Harper porträtierte, wurde als einzige Frau mit dieser Würde bedacht und blieb dies für mehr als zwei Jahrhunderte.Wie die Akademieannalen zeigen, unterbrach die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart erst unter dem Rektorat von Wolfgang Kermer 1981 mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft an Mia Seeger – verdient um Architektur und Design – die lange Kette ausschließlich männlicher Vertreter.

Nach dem Tod Herzog Carl Eugens 1793 wurde die Hohe Karlsschule im darauffolgenden Jahr vor allem aus Kostengründen geschlossen. Nachteilig wirkte sich aber auch aus, dass das Institut nicht in der Landesverfassung verankert war. Damit verlor Württemberg seine einzige, in eine Art Gesamtschul- bzw. Gesamthochschulverbund integrierte Kunstausbildungsstätte, an der zahlreiche Künstler, 26 Architekten, 15 Bildhauer, 9 Stuckateure, 10 Medailleure, 33 Maler, 19 Kupferstecher, 30 Zeichner zusammen mit einer sich ebenso aus Landeskindern und „Ausländern“ rekrutierenden Vielzahl von Medizinern, Juristen, Philologen, Naturwissenschaftlern und anderen akademischen Berufen ausgebildet worden waren, die allesamt das Geistesleben Württembergs bis weit ins 19. Jahrhundert prägten.

Mit der Auflösung der Hohen Karlsschule war auch die Tätigkeit der 1783 eingerichteten „Buch- und Notendruckerei“Wolfgang Kermer: Daten und Bilder zur Geschichte der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Edition Cantz, Stuttgart 1988 (= Verbesserter Sonderdruck aus: Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart: eine Selbstdarstellung. Edition Cantz, Stuttgart 1988), o. P. abrupt beendet, die Drucksachen vielfacher Art ausführte und auch als Verlag hervortrat. Bücher wie etwa die von August Friedrich Batz verfasste Beschreibung der Hohen Karls-Schule zu Stuttgart (1783 in deutscher, 1784 in französischer Sprache erschienen), Christian Friedrich Daniel Schubarts Sämtliche Gedichte (1785), Balthasar Haugs Das gelehrte Wirtemberg (1790), gleichsam das erste „Who’s Who“ der Autoren und bildenden Künstler des Landes, markieren editorische Leistungen, zu denen auch die seit 1776 bestehende Kupferstecherschule unter Johann Gotthard von Müller beitrug.

Mehrere Wiederbelebungsversuche staatlich geförderter Kunstausbildung in Stuttgart scheiterten nach der Auflösung der Hohen Karlsschule, was zu einem institutionellen Vakuum von dreieinhalb Jahrzehnten führte. Auch da die Staatliche Akademie der Bildenden Künste nicht als Nachfolgeorganisation der Hohen Karlschule angesehen werden kann, geht das eigentliche Gründungsdatum auf das Jahr 1829 zurück.

Von der Kunstschule zur Akademie der bildenden Künste (1829–1941) mini|1843–1890 Sitz der Kgl. Kunstschule im Altbau der heutigen Staatsgalerie Stuttgart König Wilhelm I. von Württemberg erteilte am 27. März 1829 die Genehmigung zur Eröffnung einer Kunstschule. Diese stand anfänglich, wie der Name Königliche Vereinigte Kunst-, Real- und Gewerbe-Schule ausdrückt, mit zwei weiteren Lehranstalten im Verbund. Die mit der Leitung der Kunstschule betrauten Johann Heinrich Dannecker und Nikolaus Friedrich von Thouret sowie die künstlerischen Hauptlehrer Johann Friedrich Dieterich, Karl Jakob Theodor Leybold und Gottlob Friedrich Steinkopf garantierten zusammen mit weiteren Lehrkräften trotz organisatorischer, ausstattungsmäßiger und räumlicher Schwierigkeiten einen zukunftsweisenden Aufbruch. Dieser nahm mit der Eröffnung der Anstalt am 26. Oktober 1829 mit 52 eigenen Schülern seinen Anfang.Johannes Zahlten: „Die Kunstanstalten zur Staats- und Nationalsache gemacht...“: Die Stuttgarter Kunstakademie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts (= Beiträge zur Geschichte der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, hrsg. von Wolfgang Kermer; 2). Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Stuttgart 1980, S. 12.

Wegen der steigenden Frequenz der vereinigten Unterrichtsanstalten, vor allem wegen des sich erweiternden Ausbildungsplans der Gewerbe-Schule, wurde 1832 die Verbindung zwischen der Kunstschule und der Gewerbeschule (aus der letztlich die heutige Universität Stuttgart hervorgehen sollte) gelöst. Die institutionelle Entflechtung gab jeder Anstalt die Möglichkeit zu einer eigenständigen Fortentwicklung, die jedoch, vom Räumlichen her, wegen der gemeinsamen Unterbringung im ehemaligen, von dem Karlsschulabsolventen und Architekten Thouret erbauten Offiziers-Pavillon (Königstr. 12) die missliche Lage der Kunstschule keineswegs milderte. Hier eine Lösung zu finden, dienten vermehrt die Bestrebungen im Verlaufe der dreißiger Jahre. Erst mit der Errichtung der von Gottlob Georg Barth geplanten und in den Jahren 1839 bis 1842 zur Ausführung gelangten Kunstanstalt wurde die auch räumlich selbstständige Entwicklung der Kunstschule bei noch bescheidenem Lehrangebot eröffnet. Damit wurden die räumlichen Voraussetzungen für eine Verbindung der Kunstschule mit den ihr als Lehrsammlungen zugeordneten, doch bisher separat untergebrachten staatlichen Kunstsammlungen geschaffen. Dieses neue Gebäude wurde im Jahre 1843 unter dem Namen Museum der bildenden Künste (heute der Altbau der Staatsgalerie Stuttgart) in der damaligen Neckarstraße eröffnet. Dennoch war und blieb die Raumfrage, zumal durch die multiple Nutzung des Gebäudes, auch künftig eines der Hauptprobleme.

Nach vielfachen Entwürfen und Anträgen auf Erweiterung und Neubau gelang es, auf dem Terrain oberhalb des Museums der bildenden Künste zwei zeitlich aufeinanderfolgende Neubauten nach Entwürfen des Stuttgarter Oberbaurats Albert von Bok, der zugleich auch das Museum der bildenden Künste durch zwei hintere Flügelanbauten erweiterte, zu errichten. Zunächst wurde ein als „provisorisch“ deklariertes, in Fachwerk ausgeführtes Ateliergebäude in der Urbanstraße 39 errichtet, das 1880 fertiggestellt wurde, sodann das 1883 begonnene und 1890 zum Abschluss gebrachte eigentliche Hauptgebäude in der Urbanstraße 37. Zu den beiden Gebäuden kam später ein drittes, in der Urbanstraße 50 hinzu. Alle blieben bis zu ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg Sitz der Anstalt. Einzige Erinnerungsstücke dieser alten Gebäude sind zwei im Patio des heutigen Akademiealtbaus aufgestellte Skulpturen des Stuttgarter Bildhauers Georg Emil Rheineck aus dem Fassadenschmuck des einstigen Hauptgebäudes.

Im Jahre 1901 erhielt die Einrichtung den Titel Königliche Akademie der bildenden Künste. Sie wurde nach dem Ende des Ersten Weltkriegs in Württembergische Akademie der bildenden Künste umbenannt.Johannes Zahlten: Urbanstraße 37/39: Kgl. Kunstschule/Akademie der bildenden Künste: die Geschichte eines Provisoriums. Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Stuttgart 1986 (= Beiträge zur Geschichte der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, hrsg. von Wolfgang Kermer; 5).

Die Kunstgewerbeschule und ihre Werkstätten (1869–1941) Die Württembergische Staatliche Kunstgewerbeschule (auch Staatliche Kunstgewerbeschule Stuttgart genannt) ging aus einem „versuchsweise“ zum Wintersemester 1869/70 an der Architekturfachschule des K. Polytechnikums gestarteten kunstgewerblichen Unterricht hervor, der an den dortigen Ateliers für Architektur, Bildhauerei und Malerei stattfand. Erst 1881 wurde sie als eigene Fachschule innerhalb des Polytechnikums von der Architekturfachschule getrennt und schließlich 1886 zur selbständigen Anstalt. Sitz des Instituts, dessen bislang wechselnde Vorstandschaft ab 1881 erstmals mit Christian Friedrich von Leins in eine ständige umgewandelt wurde, war – nach Abzug sämtlicher Unterrichtszweige aus dem Polytechnikum – von 1895 bis 1913 wiederum der zwar altgediente, aber räumlich unzureichende Thouret’sche Offiziers-Pavillon in der Königstraße 12.Abgeb. in: Wolfgang Kermer: Daten und Bilder zur Geschichte der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Edition Cantz, Stuttgart 1988 (= Verbesserter Sonderdruck aus: Die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart: eine Selbstdarstellung. Edition Cantz, Stuttgart 1988), o. P. .