Cusco (außerhalb Perus in der Regel Cuzco; auf Quechua Qusqu oder Qosqo; auf Deutsch historisch auch KuskoSo 1895 bei Ernst Wilhelm Middendorf (Peru. Beobachtungen und Studien über das Land und seine Bewohner. III. Band. Das Hochland von Peru. Berlin 1895, S. 462–486 u. ö.).) ist die Hauptstadt der gleichnamigen Region und der Provinz Cusco im Zentrum des peruanischen Andenhochlandes. Sie liegt in Höhe und hatte beim Zensus 2017 111.930 Einwohner im Stadtgebiet sowie 428.450 Einwohner im Ballungsraum.Instituto Nacional de Estadística e Informatica: Sie ist Sitz des Erzbistums Cuzco und einer Universität. Die historische Bedeutung als Hauptstadt des Inkareiches, die vorkolonialen und kolonialen Baudenkmäler und Sehenswürdigkeiten in der Stadt und ihrer Umgebung und die Lage inmitten der Anden machen sie zum Anziehungspunkt für viele Touristen.
1983 wurde die andine Stadt in die Liste der UNESCO-Welterbestätten aufgenommen. Cusco ist auch Ausgangspunkt für Ausflüge zu der etwa 100 Streckenkilometer entfernten, lange verborgenen Inkastadt Machu Picchu.
Name Der Name der Stadt ist Quechua (Qusqu, Aussprache: ['qos.qɔ]). Dem Wort wird oft die Bedeutung „Nabel der Welt“ oder „Mitte der Welt“ zugeschrieben. Möglicherweise stammt es ursprünglich aus dem Aymara und ist durch eine Verkürzung aus der Benennung qusqu wanka („Felsen der Eule“) entstanden. Laut einem Gründungsmythos der Stadt ließ sich ein geflügeltes Wesen am Ort der späteren Stadtgründung nieder und wurde dort in Stein verwandelt.
Auf Spanisch wurde der Name im 16. Jahrhundert in der Schreibung Cuzco oder Cozco verschriftlicht. Der Uvular /q/ des Quechua wurde als spanischer Alveolar /k/ aufgefasst, wiedergegeben durch „c“, während im damaligen Spanischen (Kastilischen) das z für den dorsalen Sibilanten [s] (wie s im Deutschen und im amerikanischen Spanisch), das „s“ dagegen für den apikalen Sibilanten [ş] stand (wie noch heute im Spanischen Kastiliens oder auch im Griechischen, nicht jedoch im amerikanischen Spanisch, dort gleich wie z und c vor e/i). Statt letzterem Laut steht in anderen Quechua-Varianten (Chinchay einschließlich des in der frühen Kolonialzeit dokumentierten Quechua von Lima sowie Yunkay und Waywash) „sh“ (gesprochen š wie deutsch „sch“). Wie das Kastilische kannte das damals in Cusco gesprochene Quechua offensichtlich zwei unterschiedliche s-Laute. Der Linguist Rodolfo Cerrón Palomino, Muttersprachler des Wanka-Quechua (Waywash), wo z [s] und s [š] nach wie vor unterschieden werden, verteidigt deswegen energisch die Schreibweise Cuzco mit z.Rodolfo Cerrón Palomino: Cuzco: la piedra donde se posó la lechuza. Historia de un nombre. Lexis XXX.1, 2006, S. 143–184.
Am 12. März 1971 beschloss die Provinzgemeinde Cusco, den Namen der Stadt offiziell von Cuzco in Cusco zu ändern. Zu diesem Zeitpunkt wurde im amerikanischen Spanisch, aber auch im modernen Cusco-Quechua, nicht mehr zwischen den beiden s-Lauten unterschieden. Die Academia Mayor de la Lengua Quechua (AMLQ), laut Cerrón eine Akademie allein der modernen Variante Cusco-Quechua, gehörte neben dem Amerikanischen Kunstinstitut (Instituto Americano de Arte) zu den Kräften, die stark hierzu gedrängt hatten. 1986 erklärte auch das peruanischen Bildungsministerium die Form Cusco zur offiziellen Schreibweise. Inzwischen ist sie die in Peru am meisten gebrauchte Form.Esteban Quiroz Cisneros (Hrsg.): Advertencia. In: Revista Universitaria, N° 141, 1912–2012, Universidad Nacional de San Antonio Abad del Cuzco, Cuzco Juli 2012, S. 2.
Am 18. November 1985 wurden in Peru als Standard für Quechua und Aymara Alphabete mit drei Vokalen eingeführt (R. M. n° 1218). Nach dieser Orthographie wird Cusco auf Quechua Qusqu geschrieben. Die AMLQ (wie auch SIL International und die meisten Quechua-Bibelübersetzer) vertraten davor und vertreten bis heute ein Alphabet mit fünf Vokalen, laut dem Cusco auf Quechua Qosqo geschrieben wird. Beide Schreibweisen konkurrieren bis heute im Quechua-Zusammenhang.Beispiel: Qosqo und Qusqu (jeweils mehrfach) in Beiträgen auf: Der Rat der Provinzgemeinde Cusco bestimmte in der Zeit, als Daniel Estrada Pérez Bürgermeister war, dass in sämtlichen Dokumenten der Gemeindeverwaltung der Name Qosqo zu verwenden sei (Acuerdo Municipal n° 078, 23. Juni 1990).
Geschichte mini|Blick auf den Plaza de Armas Inka-Zeit mini|Im Museo Inka mini|Video: Erbebensichere Bauten der Inkas in Cusco trotz der nahen Tambomachay-Verwerfung (2:41 min)|thumbtime=51 Der Sage nach gründete der erste Inka Manco Cápac, der Sohn der Sonne, mit seiner Schwester Mama Ocllo die Stadt. Zuvor soll die Gegend von den Tampu, einem Volk der Quechua, bewohnt gewesen sein. Mit Sicherheit gehörte sie zum Einflussgebiet der Wari-Kultur, deren Machtzentrum im 11. Jahrhundert verfiel. Basierend auf der traditionellen Liste der 12 Inkaherrscher wurde die Gründung Cuscos meist in das 11. oder 12. Jahrhundert europäischer Zeitrechnung datiert, wofür es außer den sagenhaften Überlieferungen aber keine Anhaltspunkte gab. Archäologisch wird die Entwicklung der Siedlung zu einem herausragenden urbanen Zentrum heute etwa in der Zeit zwischen 1250 und 1310 angesetzt, als eine regionale Trockenphase zur Intensivierung der Landwirtschaft zwang und ein starker Bevölkerungszuwachs stattfand. Gegen Ende dieser Phase besaß die Stadt eine Ausdehnung von ca. 50 Hektar und war damit etwa fünfmal so groß wie vergleichbare Ansiedlungen in der weiteren Umgebung. Spätestens zu dieser Zeit hatte auch die Expansion des Inkareichs begonnen.Brian S. Bauer, Douglas K. Smit: Separating the Wheat from the Chaff. Inka Myths, Inka Legends, and the Archaeological Evidence for State Development. In: Izumi Shimada (Hrsg.): The Inka Empire. A Multidisciplinary Approach (William and Bettye Nowlin Series in Art, History, and Cultur). University of Texas Press, Austin 2015. S. 67–81 (hier bes. 74–78).
Die Stadt bestand aus zwei Stadthälften, Ober-Cusco (Hanan Qusqu) und Unter-Cusco (Urin Qusqu). Die ersten fünf Inka-Herrscher, die den Titel Sinchi („Kriegsherr“, eigentlich „stark“) trugen, herrschten von Unter-Cusco aus, die nachfolgenden Herrscher mit dem Titel Sapa Inka residierten in Ober-Cusco. Genauere Überlieferungen gibt es erst seit der Zeit des 9. Inka, Pachacútec Yupanqui. Während seiner Regierung, die gewöhnlich nach der in den 1940er Jahren von John Rowe etablierten Chronologie von 1438 bis 1471 datiert wird, erweiterte er das Inkagebiet in den Zentralanden vom Titicacasee bis nach Junín. Das Reich wurde nach den vier Himmelsrichtungen in vier Teile eingeteilt (auf Quechua Tawantinsuyu, tawa – vier, suyu – Land), seine Flagge war die Regenbogenfahne (Wiphala). Auch in Cusco, dem Zentrum des Reiches, entsprach jedem dieser Reichsteile ein Stadtviertel. Diese Vierteilung war möglicherweise auch im Andenkreuz dargestellt, das Loch in der Mitte könnte die Hauptstadt Cusco repräsentieren.
Pachacútec ließ in der Umgebung landwirtschaftliche Terrassen (Inka-Terrasse) zum Anbau von Mais errichten, um damit die Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten. Kanäle zu den Flüssen Saphi (Quechua: „Wurzel“) und Tullumayu („Knochenfluss“), die durch die gesamte Stadt führten, versorgten die Einwohner mit frischem Wasser und hielten die Stadt sauber. Außerdem ließ er als imperiales Identifikationszentrum in Cusco den Sonnentempel Inticancha errichten, der mit unvorstellbaren Mengen an Goldschmuck ausgestattet war.
Túpac Yupanqui übernahm als 10. Inka die Herrschaft des Reiches von seinem Vater. Unter seiner Führung erreichte das Inkareich die größte Ausdehnung. Durch unterschiedliche Einverleibungsmethoden konnte er das Reich im Norden bis nach Quito im heutigen Ecuador und im Süden bis in die Gegend des heutigen Santiago de Chile ausdehnen. Östlich der Anden reichte das Südviertel des Inkareichs unter seiner Herrschaft mindestens bis zu der Kultstadt Samaipata im heutigen Bolivien. Das Ostviertel des Reiches stieß unter ihm oder seinem Nachfolger bis zu dem Fluss Guaporé im heutigen bolivianisch-brasilianischen Grenzgebiet vor. Hohe Würdenträger der unterlegenen Volksgruppen wurden nach Cusco geschickt und dort ausgebildet. Anschließend wurden sie mit wichtigen Verwaltungsfunktionen in ihren Heimatregionen betraut, was zur Entwicklung und Verbreitung einer einheitlichen imperialen Inkakultur beitrug.
Huayna Cápac, der 11. Inka, übernahm das Reich wenige Jahrzehnte vor der Ankunft der Spanier und trieb die Expansion besonders im Norden voran. Er hielt sich lange in Quito auf und machte es zu einer zweiten, mit Cusco konkurrierenden Hauptstadt. Nach seinem Tod (um 1525) stritten seine Söhne Atahualpa, der in Quito residierte, und Huáscar aus Cusco um die Nachfolge. In den folgenden Jahren eskalierte der Konflikt zum Bürgerkrieg. 1532 unterlag Huáscar seinem Bruder, der über die kampferprobteren Truppen aus dem nördlichen Territorium und über kriegserfahrene Generäle verfügte. Atahualpa, nun der uneingeschränkte Herrscher über das Inkareich, hielt sich von Cusco fern und setzte seinen General Quisquis als dortigen Statthalter ein. Quisquis ließ Huáscars gesamte Familie und einen großen Teil des cusquenischen Inkaadels töten.
Kolonialzeit und Niedergang Am 16. November 1532 nahm Francisco Pizarro Atahualpa in der sogenannten Schlacht von Cajamarca gefangen. Um sich freizukaufen, ließ Atahualpa unermessliche Mengen von Gold und Silber von Cusco nach Cajamarca bringen. Pizarro ließ ihn dennoch töten und zog nach Cusco. Am 15. November 1533 nahm er die Hauptstadt ein. Cusco blieb zunächst weitgehend unzerstört und wurde von den Spaniern geplündert.
1535 gründete Pizarro an der Pazifikküste die Stadt Lima, die verkehrstechnisch viel günstiger lag und das Verwaltungszentrum der Kolonie werden sollte. Im gleichen Jahr floh der von Pizarro eingesetzte Marionettenherrscher Manco Cápac II. aus Cusco und organisierte einen groß angelegten Aufstand. Mit über 100.000 Mann marschierte er gegen Cusco und belagerte die Stadt mehrere Monate lang. Nur mit knapper Not und dank der Rückeroberung der Festung Sacsayhuamán konnten die Spanier dem Untergang entgehen. Cusco wurde bei der Belagerung vor allem durch Brandgeschosse zerstört und in den darauf folgenden Jahren im kolonialen Stil wieder aufgebaut, wobei die aus der Inkazeit stammenden Grundmauern und die alte Straßenführung weitgehend erhalten blieben. 1536 wurde Cusco Sitz eines Bistums, des zweiten (nach Cartagena) auf dem südamerikanischen Kontinent.
Unmittelbar im Anschluss an die Niederschlagung des Inka-Aufstands brach ein Bürgerkrieg unter den Konquistadoren aus, da sowohl Pizarro als auch sein Partner Diego de Almagro Anspruch auf die Stadt erhoben. Im Verlauf der Auseinandersetzungen kamen sowohl Almagro und sein gleichnamiger Sohn (1538 bzw. 1542 in Cusco hingerichtet) als auch sein Widersacher Francisco Pizarro (1541 in Lima ermordet) ums Leben. Auch Gonzalo Pizarro, der eine Rebellion gegen die spanische Krone angeführt hatte, wurde 1548 in Cusco hingerichtet.
Mit der Neuorganisation der Kolonie unter königlicher Verwaltung nach den Bürgerkriegen trat Cusco seine einstige Bedeutung endgültig an die Hauptstadt Lima und die benachbarte Hafenstadt Callao ab und wurde zu einer zweitrangigen Kolonialstadt. Dennoch entstanden in dieser Zeit die historischen Bauwerke, die der Altstadt bis heute ihr Gepräge verleihen, darunter vor allem zahlreiche Kirchen. Der spanische Chronist Pedro de Cieza de León verbreitete in seinem Buch Crónica del Perú (1553) erste authentische Nachrichten über die Stadt und ihre Bewohner. Die Illustrationen zu diesem Buch sind allerdings realitätsferne Fantasiedarstellungen.