mini|300px|Kolorierter Stich von Ingelheim von Matthäus Merian, 1645 mini|300px|Ingelheim im Jahr 2019

Ingelheim am Rhein ist eine große kreisangehörige Stadt im Landkreis Mainz-Bingen in Rheinland-Pfalz und seit 1996 Sitz der Verwaltung dieses Kreises. Sie ist gemäß Landesplanung als Mittelzentrum klassifiziert.

Seit der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts befand sich dort die Ingelheimer Kaiserpfalz, die den Kaisern und Königen bis ins 11. Jahrhundert zeitweise als Aufenthalts- und Regierungsort diente. Auf diese Zeit folgte die Herrschaft der Grafen von Ingelheim in Ober-Ingelheim und die Blütezeit des Ingelheimer Oberhofs im Spätmittelalter, von dessen Prozessen die Ingelheimer Haderbücher zeugen. Bekanntester Sohn der Stadt war Sebastian Münster, Autor der Cosmographia. Er wurde in Nieder-Ingelheim geboren, sein Porträt zierte die vorletzte Version des 100-D-Mark-Scheines. Überregionale Bekanntheit erlangte die Stadt durch das 1885 von Albert Boehringer in Nieder-Ingelheim gegründete Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim.

Ingelheim selbst wurde erst 1939 zur Stadt erhoben. Dabei wurden die zuvor eigenständigen Gemeinden Frei-Weinheim, Ober-Ingelheim und Nieder-Ingelheim zusammengeschlossen. Das Gebiet um den Bahnhof in Nieder-Ingelheim wurde in diesem Kontext zur Stadtmitte bestimmt, in dem sich in den Nachkriegsjahren die heutige Innenstadt entwickelt hat. Aufgrund des dominierenden Anbaus von Rotwein wird Ingelheim als „Rotweinstadt“ bezeichnet.Ingelheim am Rhein auf Rheinhessen.de

Geographie Die Stadt liegt im Südwesten Deutschlands, im Norden von Rheinhessen, am sogenannten Rheinknie und ca. 15 Kilometer westlich der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz. Der Rhein bildet die nördliche Grenze des Stadtgebietes und die Grenze zum Bundesland Hessen. Die Stadt gehört zum westlichen Rhein-Main-Gebiet. Südlich erstreckt sich das Stadtgebiet mit den beiden Stadtteilen Ober-Ingelheim und Großwinternheim in das Selztal hinein. Das Selztal liegt zwischen Mainzer Berg und Westerberg. Nieder-Ingelheim schmiegt sich an die nordwestliche Ecke des Mainzer Berges. Frei-Weinheim liegt nördlich am Rhein, der Stadtteil Sporkenheim südwestlich von Frei-Weinheim. Am Fuße nördlich des Westerbergs liegt der Stadtteil Ingelheim-West. Im Osten liegen die Ortsteile Heidesheim (mit seinen Ortsteilen Heidenfahrt und Uhlerborn) sowie Wackernheim.

Der niedrigste Punkt des Stadtgebietes ist der Rheinhafen im Norden mit bei Frei-Weinheim. Die beiden höchsten Punkte sind der Mainzer Berg mit und der Westerberg mit . Sie sind Ausläufer der rheinhessischen Hochfläche. Die Nord-Süd-Ausdehnung des Stadtgebietes beträgt 7,9 Kilometer, die Ost-West-Ausdehnung 5,0 Kilometer. Nahegelegene größere Städte sind östlich die Landeshauptstädte Mainz und Wiesbaden, südwestlich Bad Kreuznach und südöstlich Worms.

Geologie und Gewässer mini|Mündung der Selz in den Rhein bei Frei-Weinheim

Das Stadtgebiet Ingelheims gehört zum Mainzer Becken. Die Böden in diesem Gebiet werden von tertiären Kalkschichten bestimmt, in der Rheinebene bei Frei-Weinheim und Nieder-Ingelheim ist die Bodenbeschaffenheit sandig mit Kalkflugsanden beziehungsweise Kalkflugsanddünen, (PDF-Datei) im Wesentlichen nördlich der Autobahn entlang der Konrad-Adenauer-Straße, aber auch südlich der Autobahntrasse und innerhalb des Werksgeländes der Firma Boehringer Ingelheim. Ein kleines Vorkommen befindet sich auch im Bereich der Griesmühle. Diese Erdformationen stehen nach dem rheinland-pfälzischen Landespflegegesetz unter Naturschutz. Ihre Beschädigung oder Beseitigung gelten als unausgleichbarer Eingriff in Natur und Landschaft. Städtebauliche Nutzung in Bereichen mit Kalkflugsanden ist daher ausgeschlossen oder wird nur in ganz besonderen Ausnahmefällen genehmigt. Zwei solcher Ausnahmefälle waren der Bau der Konrad-Adenauer-Straße von der Autobahntrasse bis zur Rheinstraße und der Kindertagesstätte an der Sporkenheimer Straße. Der Untergrund besteht zusätzlich aus Oligozän, Ton und Mergel, die beim langsamen Aussüßen eines Meeresarmes entstanden sind.Historischer Verein 1984: Ingelheim S. 13 Der Kiefernwald in der Nieder-Ingelheimer Gemarkung, der sich hauptsächlich auf dem heutigen Gebiet des Stadtteils Ingelheim-West befand, wurde im Laufe der letzten Jahrhunderte zuerst durch den Obst- und Spargelanbau und dann durch den Gebäudebau weitgehend verdrängt.

Durch das Stadtgebiet fließt die Selz aus südlicher Richtung von Schwabenheim kommend in nördlicher Richtung quer durch das Stadtgebiet und mündet bei Frei-Weinheim in den Rhein. Der Ikasee befindet sich in Nieder-Ingelheim zwischen Autobahn und Blumengarten. Da der Stadtteil Frei-Weinheim direkt am Rhein liegt, ist Ingelheim Hafenstadt.

Naturschutzgebiete mini|Ein Bienenfresser über Ingelheim

Rund um Ingelheim gibt es insgesamt sechs Naturschutzgebiete: im Nordwesten des Stadtgebiets das Schutzgebiet Sandlache, an dieses grenzt im Süden das größte Schutzgebiet Ingelheimer Dünen und Sande. Im Nordosten liegt direkt am Rhein das Naturschutzgebiet Fulder Aue–Ilmen Aue und südwestlich der Stadt der Nordausläufer des Westerbergs. Östlich sind die Hangflächen des Mainzer Berges am Heidesheimer Weg unter Naturschutz gestellt. Westlich des Stadtteils Großwinternheim ist die sogenannte Gartenwiese im Uferbereich der Selz Naturschutzgebiet.Naturschutzgebiete der Stadt Ingelheim

Flächennutzung Die Stadtfläche beträgt insgesamt 73,33 km². Der größte Anteil des Stadtgebiets werden hauptsächlich mit Wein- und Obstbau mit 65,4 % landwirtschaftlich genutzt. Siedlungs- und Verkehrsflächen haben einen Anteil von 22,9 % einschließlich der zugehörigen Frei- und Betriebsflächen. Bedingt durch den Rhein hat Ingelheim 5,9 % Wasserfläche. Eine für Rheinhessen übliche kleine Waldfläche entspricht 5,2 % und sonstige Flächen kommen auf 0,6 %.Flächennutzungsdaten des Landes Rheinland-Pfalz Darüber hinaus verfügt die Stadt Ingelheim über einen 1200 ha großen Stadtwald im Hunsrück, der allerdings nicht zur Fläche der Stadt zählt.

Stadtgliederung und Nachbargemeinden Gemeinde Entfernung(km)Gemeinde Ingelheim am Rhein, Abschnitt Orte im regionalen Umkreis von Ingelheim am Rhein 20px Oestrich-Winkel (Hessen) 5,7 20px Eltville am Rhein (Hessen) 6,6 20px Budenheim 9,5 20px Mainz 16,0 20px Essenheim 11,9 20px Schwabenheim an der Selz 5,5 20px Bubenheim (Rheinhessen) 6,6 20px Nieder-Hilbersheim 7,8 20px Appenheim 6,3 20px Gau-Algesheim 3,6 20px Bingen am Rhein 12,5 20px Geisenheim (Hessen) 7,7

Das Stadtgebiet ist in zehn Stadtteile gegliedert. Die vier Gründerdörfer von 1939 Nieder-Ingelheim, Frei-Weinheim, Ober-Ingelheim und Sporkenheim wurden zur Stadt Ingelheim am Rhein zusammengeschlossen. Ingelheim-West ist der jüngste Stadtteil, der im Zuge der Bebauung westlich des Boehringer-Werksgeländes in den 1960er Jahren entstand. 1972 wurde Großwinternheim im Zuge der damaligen Gebietsreform eingemeindet. Die Stadtteile Frei-Weinheim und Ingelheim-West sind seit dem Stadtzusammenschluss seit den 1960er Jahren stetig zusammengewachsen, ebenso die Stadtteile Nieder-Ingelheim mit Ober-Ingelheim und Nieder-Ingelheim mit Ingelheim-West. Baulich getrennt sind Ingelheim-West und Ober-Ingelheim sowie Frei-Weinheim und Nieder-Ingelheim. Abgetrennt vom übrigen Stadtgebiet haben Sporkenheim und Großwinternheim ihren dörflichen Charakter behalten. Am 1. Juli 2019 wurden die Ortsgemeinden Wackernheim und Heidesheim am Rhein mit den Ortsteilen Uhlerborn und Heidenfahrt in die Stadt Ingelheim eingemeindet. Als Ortsbezirke ausgewiesen sind Großwinternheim, Heidesheim und Wackernheim, die deshalb einen Ortsbeirat und einen Ortsvorsteher haben. (PDF; 65 kB)

Ingelheims rheinland-pfälzische Nachbargemeinden sind die Stadt Bingen im Westen, östlich die Verbandsfreie Gemeinde Budenheim sowie die Landeshauptstadt Mainz, südlich die Ortsgemeinde Essenheim aus der Verbandsgemeinde Nieder-Olm, südwestlich die Verbandsgemeinde Gau-Algesheim mit den Ortsgemeinden Schwabenheim, Bubenheim, Nieder-Hilbersheim, Appenheim und der Stadt Gau-Algesheim. Die Stadt Gau-Algesheim weist die geringste Entfernung der Nachbargemeinden auf, da ein Gewerbegebiet von Gau-Algesheim direkt an den Stadtteil Ingelheim-West grenzt. Die hessischen Gemeinden Geisenheim, Oestrich-Winkel und Eltville sind durch den Rhein von Ingelheim getrennt und über eine Fährverbindung zu erreichen. Bei Ingelheim gibt es keine Brücke über den Rhein. Die nächste stromaufwärts ist die Schiersteiner Brücke bei Mainz, stromabwärts die Südbrücke in Koblenz.

Klima Die Stadt befindet sich in der gemäßigten Klimazone. Die durchschnittliche Jahrestemperatur betrug 2024 11,9 °C. Die wärmsten Monate sind Juli und August mit durchschnittlich 18,0 beziehungsweise 18,5 °C, der kälteste Januar mit 1,0 °C im Mittel. Die meisten Niederschläge fallen im Juni und im August mit durchschnittlich 64, die geringsten im März mit durchschnittlich 31 Millimeter. Wie ganz Rheinhessen befindet sich auch Ingelheim wettergeschützt durch Hunsrück, Taunus, Odenwald und Donnersberg. Deshalb liegen die durchschnittlichen Jahresniederschläge nur bei 560 Millimetern.

mini|KlimadiagrammDeutscher Wetterdienst, Normalperiode 1961–1990

Geschichte

Vorgeschichte Der Name Ingel leitet sich womöglich von einem Franken namens Ingilo ab, der sich hier niederließ. Siedlungen und Höfe wurden damals mit dem Namen ihres Herren versehen. Die für Rheinhessen typische Endung -heim geht wohl ebenso auf die fränkische Zeit zurück, wahrscheinlich 5. oder 6. Jahrhundert n. Christus. Der Ortsname ist in Urkunden späterer Zeiten unter anderem als Ingilinhaim, Ingilinheim (782), Ingilenhaim, Engelheim, Hengilonheim, Engilonheim (822), Engilinheim (826), Hingilinheim (855), Ingilunheim (874), Ingulinheim (889), Ingelesheim (891), Ingelenheim (940), Anglia sedes (1051), Ingilheim und Ingelnheim (1286) überliefert. Der Namenszusatz am Rhein wird seit der Verleihung der Stadtrechte 1939 verwendet. Seit 1269 wird zwischen Nieder- und Ober-Ingelheim unterschieden.

Funde von Faustkeilen legen nahe, dass das Gebiet um Ingelheim bereits in der Altsteinzeit vor ungefähr 50.000 Jahren besiedelt wurde. Nach der Eroberung durch die Römer diente die Gegend zur Versorgung der römischen Truppen und der Bevölkerung des damaligen Mogontiacum. Im dritten und vierten Jahrhundert folgten aufgrund der Nähe zu Mainz massive Zerstörungen, was zum Ende des Vicus und aller Villae führte.

Geschichte der Dörfer mini|Eine historische Karte Nieder-Ingelheims um 1840

Mittelalter