mini|Luftbild des Rangierbahnhofes Hagen-Vorhalle (September 2008) mini|Luftaufnahme des Rangierbahnhofes Kornwestheim bei Stuttgart (Mai 2008) mini|Rangierbahnhof Proviso in Chicago, der größte Eisenbahnknoten der Welt (1942) mini|Proviso: Weichensteller bei der Arbeit (1943)

Ein Rangierbahnhof (abgekürzt in Deutschland Rbf, in der Schweiz RB) ist ein Bahnhof, worin Güterzüge des Einzelwagenverkehrs in einzelne Wagen oder Wagengruppen zerlegt und zu neuen Zügen zusammengestellt werden. In Österreich ist dafür die in Deutschland heute veraltete Bezeichnung Verschiebebahnhof (Vbf) gebräuchlich.

Bezeichnung Der Begriff Rangierbahnhof stammt vom französischen , was „ordnungsgemäß aufstellen“ bedeutet. In der deutschen Sprache haben sich die beiden Aussprachvarianten [] () und [] () etabliert. Obwohl der Begriff Rangierbahnhof auf das Französische zurückgeht, wird in Frankreich für solche Bahnhöfe die Bezeichnung verwendet. Zunächst wurde hierfür im Deutschen der Begriff Rangirbahnhof, ab 1901: Rangierbahnhof; und erst später besonders in Norddeutschland der Begriff Verschiebebahnhof (Vbf) benutzt. Der Begriff Vbf wurde ab Anfang der 1960er Jahre in den beiden damaligen Teilen Deutschlands insgesamt offiziell durch Rbf ersetzt; ist aber in Österreich bis heute offiziell sowie in Deutschland gelegentlich noch umgangssprachlich gebräuchlich. Diese Bezeichnung wurde auch 1923 in der Enzyklopädie des Eisenbahnwesens neben Rangierbahnhof und Umstellbahnhof verwendet. Weitere deutschsprachige vereinzelte historische Bezeichnungen sind: Verschubbahnhof, Sammelbahnhof und Gütersammelbahnhof.

Zweck Die im Schienengüterverkehr, hier: Einzelwagenverkehr, beförderten einzelnen oder Gruppen von Güterwagen – im Folgenden nur als Wagen bezeichnet – müssen für den Transport zu Zügen zusammengestellt und die Züge wieder zerlegt werden. Daher wird ein aufgegebener Wagen mehrere Male rangierdienstlich behandelt, und zwar in Abgangs- und Zielbahnhof sowie während des Laufweges in Rangierbahnhöfen und teilweise auch noch in kleineren Eisenbahnknotenpunkten. Grund dafür ist, dass das Ladungsaufkommen nur in sehr wenigen Relationen groß genug für ein behandlungsfreies und damit ganzzugähnliches Verkehren ist. Durch die Bündelung von Wagen mit ähnlichem Ziel wird die Auslastung der Lokomotiven und die Leistungsfähigkeit des Netzes erhöht.

Abgrenzung gegenüber anderen Bahnhöfen Im Gegensatz zu Personen- und Güterbahnhöfen dienen Rangierbahnhöfe nicht als Zugangsstelle zum Eisenbahnnetz, also nicht verkehrlichen, sondern innerhalb des Netzes als Betriebsbahnhöfe des Güterverkehrs betrieblichen Aufgaben. Gleichwohl aber kann ein ganzer Bahnhof baulich aus mehreren nebeneinander liegenden Bahnhofsteilen mit unterschiedlichen Aufgaben zusammengesetzt sein, so dass in diesen Fällen der Rangierbahnhof ein Teil einer kombinierten Bahnhofsanlage ist. Rangierbahnhöfe sind hinsichtlich der Ausdehnung ihrer Gleisanlagen die größten Bahnhöfe überhaupt.

Weiterhin ist selbst innerhalb einzelner Länder nicht immer eindeutig abgrenzbar, welche Bahnhöfe mit Zugbildungsaufgaben im Einzelwagenverkehr als Rangierbahnhöfe bezeichnet werden können, da hierfür mitunter zwischen der eisenbahntechnischen, eisenbahnbetrieblichen und/oder verwaltungsseitigen Sichtweise unterschiedliche Kriterien bestehen:

Es gibt Zugbildungsbahnhöfe, die zwar die unten näher beschriebene eisenbahntechnisch voll ausgebaute Form als Rangierbahnhof aufweisen, jedoch nur örtliche Aufgaben besitzen. Beispiele dafür sind der Bahnhof Bremerhaven-Speckenbüttel oder in einigen Ländern große nichtöffentliche Werks- und Hafenbahnhöfe. Es gibt Bahnhöfe, die nicht die eisenbahntechnische Anlage eines Rangierbahnhofes aufweisen und nur wenige Güterzuggleise haben. Obwohl es, teilweise selbst im gleichen Land, wesentlich größere Güterzugbildungsbahnhöfe gibt, werden sie offiziell in die höchste Kategorie „Rangierbahnhof“ eingestuft. Zum Beispiel ist in der Schweiz der baulich nur kleine Grenzbahnhof Buchs SG ein Rangierbahnhof, nicht aber der größere und mit Rangiertechnik ausgerüstete Bahnhof Genève-La Praille. Es gibt Güterbahnhöfe, die in ihrem offiziellen Namen die landessprachliche Entsprechung des Zusatzes „Rangierbahnhof“ führen, ohne aber diese Funktion auszuüben und/oder den entsprechenden technischen Ausbau zu besitzen. Beispiele dafür sind in Deutschland der nur dem Orts- und Hafenverkehr dienende Bahnhof Emden Rbf oder in Russland der Bahnhof Sowetskaja Gawan-Sortirowotschnaja (russisch: Rangierbahnhof), obwohl der eisenbahnbetrieblich zu diesem Pazifikhafen gehörende Rangierbahnhof tatsächlich der weiter landeinwärts gelegene und größere Bahnhof Toki ist. In manchen Ländern findet zwar Einzelwagenverkehr statt, die zugehörigen Rangieraufgaben werden aber ausschließlich in kleinen Zugbildungsbahnhöfen mit nur jeweils wenigen Gleisen durchgeführt. Beispiele dafür sind die Türkei oder auch Großbritannien, seitdem dort alle Bahnhöfe, die im eisenbahntechnischen Sinne Rangierbahnhöfe waren, stillgelegt wurden.

Standorte Geografische Verteilung weltweit Die größte Anzahl und Dichte von Rangierbahnhöfen, bezogen auf die Streckenlänge der Eisenbahnen, befindet oder befand sich in Mitteleuropa, den Beneluxländern und Frankreich; gefolgt von den übrigen Teilen Europas, der ehemaligen Sowjetunion sowie China und den USA (in diesen beiden Ländern hauptsächlich in der Osthälfte), und früher auch in Japan; also mehrheitlich in überwiegend industriell geprägten Gebieten. Relativ viele Rangierbahnhöfe, aber weniger dicht verteilt, wurden noch in Kanada, Indien und der Republik Südafrika errichtet; in Australien dagegen nur wenige. Auch in den Ländern des Globalen Südens, besonders in Lateinamerika, gibt oder gab es nur wenige Rangierbahnhöfe; meistens aber überhaupt keinen.

Bezogen auf die Spurweiten sind die meisten Rangierbahnhöfe regelspurig (größter Teil Europas, China, Nordamerika usw.), gefolgt von den breitspurigen (ehemalige Sowjetunion, Finnland, Indien). Seltener sind schmalspurige Rangierbahnhöfe: diese sind vor allem kapspurig (Südafrika usw. und früher auch Japan) und vereinzelt gab es auch noch meterspurige (zum Beispiel je ein immerhin mit Gleisbremsen ausgerüsteter Bahnhof in Thailand Bang Sue auf dem Gelände des heutigen Krung Thep Aphiwat Central Terminal bei Bangkok und Brasilien Terminal de Tubarão bei Vitória). Andererseits gibt es nicht nur regel-, sondern auch breitspurige Eisenbahnnetze, in denen niemals Rangierbahnhöfe existierten (letzteres zum Beispiel auf der gesamten Insel Irland und im Breitspurnetz Südostbrasiliens).

Eine geografische Übersicht über Rangierbahnhöfe zunächst in Europa findet sich in der Liste von Rangierbahnhöfen.

Standortfaktoren Rangierbahnhöfe wurden vor allem an folgenden Standorten angelegt: in oder bei Orten mit großem eigenen Güteraufkommen, zumeist gleichzeitig wichtige Eisenbahnknotenpunkte: Bergbau- und/oder Industriegebiete, besonders diejenigen mit Schwerindustrie; großstädtische Ballungsräume, große Hafenstandorte; in weiteren Eisenbahnknoten und -verkehrszentren: wirtschaftlich und im Stadtbild von der Eisenbahn dominierte kleinere oder mittelgroße Orte (siehe Eisenbahnersiedlung) wie Bebra, Offenburg, Simeria (Rumänien) oder Miramas (zwischen Avignon und Marseille), kleinere Groß- oder Industriestädte; sowie in geringerer Anzahl in Grenz- und Spurwechselbahnhöfen, in den USA auch an oft in abgelegenen Ortschaften befindlichen Betriebsmittelpunkten („hub“) der Netze der dort von jeher privat betriebenen Eisenbahngesellschaften.

Meistens treffen oder trafen zwei oder mehr dieser Standortfaktoren zusammen: häufig ist beispielsweise die Kombination Industriegebiet, Ballungsraum und Haupt-Eisenbahnknotenpunkt unter anderem in Köln (Gremberg), Zürich (Limmattal), Lüttich (Kinkempois), Lyon (Sibelin), Mailand, Bukarest oder Charkiw.

Andererseits besitzt nicht jeder Ort, auf den mindestens einer der genannten Standortfaktoren zutrifft, einen Rangierbahnhof. So gibt es selbst in Europa Großstädte wie Münster (Westf.), Pforzheim, Jena, Bern, Eindhoven, Cluj und sogar Florenz oder Sevilla sowie wichtigere Eisenbahnknotenpunkte wie Altenbeken, Treuchtlingen, Bruck an der Mur (Österreich), Culmont-Chalindrey (Frankreich), Voghera (Italien) oder Făurei (Rumänien), welche niemals Rangierbahnhöfe besessen haben.

Eisenbahnkomplexe mit mehreren Rangierbahnhöfen In den Bereichen einiger Großstädte wurden zwei oder gelegentlich auch drei, sowie in den größten Industriegebieten (zum Beispiel: Ruhrgebiet, Hennegau/Hainaut, Saar-Lor-Lux, Oberschlesien, Donezbecken) und einigen der größten städtischen Ballungsräumen (zum Beispiel Berlin, Hamburg, Köln, Paris, Lyon, Moskau) noch mehr Rangierbahnhöfe angelegt. Die meisten Rangierbahnhöfe innerhalb eines Eisenbahnkomplexes weltweit wurden im Ruhrgebiet errichtet. In den größten Städten der USA und Kanadas hat jede der größeren privaten konkurrierenden Bahngesellschaften ihren eigenen Rangierbahnhof angelegt, ergänzt durch einige Rangierbahnhöfe lokaler Übergabe-Bahngesellschaften in Chicago, dem größten Eisenbahnknotenpunkt der Welt, und St. Louis. Auch in manchen anderen Ländern ist das Bestehen mehrerer Rangierbahnhöfe an einem Ort teilweise auf deren Bau durch verschiedene gegebenenfalls später verstaatlichte Privatbahnen zurückzuführen. Häufigere Gründe dafür waren jedoch Kapazitätserweiterung sowie die Aufteilung der Eilgut- und der langsameren Frachtgutbeförderung auf verschiedene Rangierbahnhöfe.

Lage der Rangierbahnhöfe innerhalb der einzelnen Eisenbahnkomplexe Innerhalb der Ballungsräume beziehungsweise Knotenbereiche befinden sich die Rangierbahnhöfe entweder direkt neben dem (Haupt‑)Personenbahnhof oder parallel entlang einer der den Personenbahnhof verlassenden Strecken („radial“) oder an einer nur dem Güterverkehr dienenden Umgehungs- oder Ringbahn („tangential“). Bezogen auf die durchgehenden Gleise der Strecke(n), an der bzw. denen der Rangierbahnhof liegt, kann er entweder vollständig an einer Seite davon oder bei mindestens doppelspurigen Strecken dazwischen liegen; bei zweiseitigen Rangierbahnhöfen auch mit je einem Rangiersystem beidseits der durchgehenden Strecke. In größeren Eisenbahnkomplexen besteht meistens eine vollständige betriebliche Trennung der Gleisanlagen nach Personen- und Güterverkehr: Dabei zweigen die zum Rangierbahnhof führenden Güterzugstrecken entweder direkt vor dem Bahnhofskopf des Rangierbahnhofes selbst oder bereits außerhalb davon am Rande des Komplexes von den durchgehenden Hauptstrecken ab, können gleichwohl aber direkt neben den Personengleisen verlaufen. In modernen Hochleistungs-Eisenbahnkomplexen sind die entsprechenden Abzweigstellen sowie die Einmündungen der Streckengleise in die Rangierbahnhöfe meistens planfrei angelegt. Bei kleineren Anlagen sind die Rangierbahnhöfe dagegen meist an die gemeinsamen Personen- und Gütergleise angeschlossen.

Weiter bestehen insbesondere in Europa auch betriebseigene Rangierbahnhöfe in sehr großen Industrieanlagen (vor allem Eisenhütten und Chemiewerken) und sehr großen Häfen, die meist von deren Anschlussbahnbetrieben selbst und nicht von der öffentlichen oder privaten Eisenbahn des allgemeinen Verkehrs betrieben werden.

Militärische Rolle Während des Ersten Weltkrieges wurden in Frankreich durch die französische, britische und US-amerikanische Armee einige Rangierbahnhöfe für deren militärische Transporte im Rahmen der Rückeroberung des vom Deutschen Kaiserreich besetzten nördlichen Landesteiles angelegt.