mini|Schloss Neuschwanstein mini|Forggensee mini|Südliches Ostallgäu
Der Landkreis Ostallgäu liegt im Südosten des bayerischen Regierungsbezirks Schwaben. Die kreisfreie Stadt Kaufbeuren ist ganz vom Landkreis Ostallgäu umgeben.
Geographie Lage Das Gebiet des Landkreises Ostallgäu umfasst im Süden die Alpen sowie deren Vorland. Im Norden schließt sich die schwäbisch-bayerische Hochebene an. Hier liegt bei Lamerdingen mit 578 m der niedrigste Punkt des Landkreises. Das alpine Gebiet zieht sich hinauf zur Hochplatte () in den Ammergauer Alpen. Das Voralpengebiet besitzt auf rund 800 m Höhe eine Vielzahl von Weihern und Seen, wovon der Forggensee, ein vom Lech durchflossener Stausee, mit rund 16 km² der größte ist. Der Lech durchfließt das südöstliche Kreisgebiet. In der Mitte durchzieht die Wertach, ein linker Nebenfluss des Lechs, die bei Augsburg mündet, den Landkreis Ostallgäu von Süden nach Norden. Ganz im Westen entspringen auf den langgezogenen Riedelhochflächen die westliche und die östliche Günz sowie die Mindel, die bei Günzburg in die Donau münden.
Nachbarkreise Der Landkreis grenzt im Uhrzeigersinn im Westen beginnend an die Landkreise Oberallgäu, Unterallgäu, Augsburg, Landsberg am Lech, Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen. Im Süden grenzt er an den Bezirk Reutte im österreichischen Bundesland Tirol.
Geschichte Landgerichte Bis 1803 gehörten große Teile des Ostallgäus zum Hochstift Augsburg. Nachdem das Gebiet an Bayern gefallen war, wurden 1804 die Landgerichte Buchloe, Füssen, Kaufbeuren, Oberdorf und Obergünzburg errichtet. 1809 wurde Kaufbeuren eine kreisunmittelbare Stadt. Diese gehörte ebenso wie die Landgerichte zunächst zum Illerkreis, ab 1817 zum Oberdonaukreis, der 1838 in Schwaben und Neuburg (später nur noch Schwaben) umbenannt wurde.
Bezirksämter Im Jahr 1862 wurden die Landgerichte Kaufbeuren und Buchloe zum Bezirksamt Kaufbeuren und die Landgerichte Oberdorf und Obergünzburg zum Bezirksamt Oberdorf (später Marktoberdorf) vereinigt, aus dem Landgericht Füssen entstand das gleichnamige Bezirksamt.
Landkreise Am 1. Januar 1939 wurde wie sonst überall im Deutschen Reich die Bezeichnung Landkreis eingeführt. So wurden aus den Bezirksämtern die Landkreise Füssen, Kaufbeuren und Marktoberdorf.
Landkreis Ostallgäu Im Rahmen der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Juli 1972 aus den folgenden Bestandteilen ein neuer Landkreis Marktoberdorf gebildet:Verordnung zur Neugliederung Bayerns in Landkreise und kreisfreie Städte vom 27. Dezember 1971 Alle Gemeinden des alten Landkreises Marktoberdorf mit Ausnahme der Gemeinde Ingenried, die zum Landkreis Weilheim-Schongau im Regierungsbezirk Oberbayern kam Alle Gemeinden des Landkreises Füssen Alle Gemeinden des Landkreises Kaufbeuren mit Ausnahme der Gemeinden Hirschzell und Oberbeuren, die in die kreisfreie Stadt Kaufbeuren eingegliedert wurden, der Gemeinden Asch, Denklingen, Dienhausen, Ellighofen, Leeder, Oberdießen, Seestall und Unterdießen, die zum Landkreis Landsberg am Lech im Regierungsbezirk Oberbayern kamen sowie der Gemeinde Schlingen, die zum Landkreis Unterallgäu kam.
Der neue Landkreis wurde am 1. Mai 1973 in Landkreis Ostallgäu umbenannt. Sitz des Landratsamtes und damit Kreishauptstadt blieb Marktoberdorf.
Einwohnerentwicklung rechts|mini|400x400px|Bevölkerungspyramide für den Kreis Ostallgäu (Datenquelle: Zensus 2011 Datenbank Zensus 2011, Kreis Ostallgäu, Alter und Geschlecht.)
Der 1972 neu entstandene Landkreis Ostallgäu gewann bis 2005 über 28.000 Einwohner hinzu (= 26,6 %). Von 1988 bis 2008 wuchs er um über 18.000 Einwohner bzw. um rund 16 %. Ab 2006 war die Einwohnerzahl leicht rückläufig; sie stagnierte zwischen 2008 und 2013 bei rund 134.000. Seither steigt sie wieder deutlich auf über 140.000 Einwohner an. Zwischen 1988 und 2018 wuchs der Landkreis von 115.954 auf 140.316 um 24.362 Einwohner bzw. um 21 % (entspricht dem schwäbischen Durchschnitt im genannten Zeitraum). Nach dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen ist der Landkreis Ostallgäu der am dünnsten besiedelte Landkreis in Südbayern. Ein Drittel der Kreisbevölkerung lebt in den drei Städten Buchloe (10 %), Füssen (11 %) und Marktoberdorf (13 %), zwei Drittel in den 42 ländlichen Gemeinden. Der Ausländeranteil beträgt 5,1 %.
+ Bevölkerungsentwicklung (Gebietsstand vom 25. Mai 1987) Jahr 1840 1900 1939 1950 1961 1970 1972 1979 1987 1990 1995 2000 2005 2010 2015 2020 Einwohner 47.366 59.033 68.901 107.029 99.038 105.135 106.414 109.542 114.547 121.743 127.068 131.546 134.766 133.881 137.709 141.907
Der Landkreis Ostallgäu liegt unter allen 294 Landkreisen Deutschlands auf Platz 78 hinsichtlich der Fläche und Platz 162 bezogen auf die Einwohnerzahl (Stand: 31. Dezember 2019).
Politik Kreistag Die Kreistagswahl 2026 führte zu folgender Sitzverteilung im Kreistag:
Parteien und Wählergemeinschaften 2026 2020 2014 2008 2002 1996 % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze CSU Christlich-Soziale Union in Bayern 37,3 22 40,4 24 43,6 26 42,4 26 49,8 31 49,2 31 FW Freie Wähler Bayern 21,3 13 18,5 11 – – – – – – – – AfD AfD Bayern 13,3 8 5,1 3 – – – – – – – – Grüne Grüne Bayern 12,9 8 18,3 11 11,8 7 9,6 6 8,3 5 9,8 6 SPD SPD Bayern 6,2 4 6,3 4 11,4 7 9,9 6 14,4 9 16,8 10 JO Junges Ostallgäu 4,5 3 3,8 2 3,4 2 3,5 2 – – – – Linke Die Linke Bayern 1,8 1 0,4 – – – – – – – – – ÖDP Ökologisch-Demokratische Partei 1,8 1 2,6 2 3,4 2 2,4 1 – – – – BP Bayernpartei 0,8 – 2,5 2 6,7 4 4,1 2 4,7 2 4,7 2 FDP FDP Bayern – – 2,1 1 1,7 1 2,8 2 2,4 1 2,6 1 FW/FWG Freie Wähler Bayern/Freie Wählergemeinschaft – – – – 18,0 11 – – – – – – FWG Freie Wählergemeinschaft – – – – – – 25,2 15 20,4 12 17,0 10 gesamt 99,9 60 100,0 60 100,0 60 99,9 60 100,0 60 100,1 60 Wahlbeteiligung 69,9 % 63,7 % 60,0 % 64,0 % 65,0 % 67,9 %
Landrat mini|Landratsamt Ostallgäu
Seit 2026 ist Bernd Stapfner (Freie Wähler) Landrat des Landkreises Ostallgäu.
Wappen
Finanzen Der Kreishaushalt 2018 beläuft sich auf 139,6 Mio. € (u. a. für Soziales 35,1 Mio. €, für Bildung 20,8 Mio. €, für Straßen 5,5 Mio. €). Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt 2018 bei 216 €.
Wirtschaft und Infrastruktur Der Landkreis belegt lt. Magazin Focus Money 2014 bei der Wirtschaftskraft unter 387 untersuchten Kreisen und kreisfreien Städten in Deutschland den 8. Platz. Im „Zukunftsatlas“ von Prognos liegt das Ostallgäu unter den vorderen 20 % von 402 Kreisen und kreisfreien Städten. mini|AGCO Fendt in Marktoberdorf Bedeutende Unternehmen im Landkreis sind der Automobilhersteller Alpina Burkard Bovensiepen und die Karwendel-Werke in Buchloe, sowie der Traktorenhersteller AGCO Fendt in Marktoberdorf, eine Niederlassung der Nestlé S.A. in Biessenhofen, die Otto Bihler Maschinenfabrik in Halblech und Füssen, die Firma Deckel Maho in Pfronten und der finnische Verpackungshersteller Huhtamaki in Ronsberg.
Während im südlichen Landkreis der Tourismus („Königswinkel“) eine große Rolle spielt, sind die Mitte und der Norden neben zahlreichen mittelständischen Betrieben noch stärker landwirtschaftlich (Milchwirtschaft) geprägt.
Die Arbeitslosigkeit war und ist niedrig (Oktober 2018: 1,9 %).
Banken Im Landkreis gibt es noch mehrere selbständige Banken.
Altkreis Kaufbeuren Gabler-Saliter Bankgeschäft AG (Privatbank) Raiffeisenbank Baisweil-Eggenthal-Friesenried eG Raiffeisenbank Kirchweihtal eG Altkreis Marktoberdorf Raiffeisenbank Aitrang-Ruderatshofen Raiffeisenbank Bidingen Raiffeisenbank Wald-Görisried Altkreis Füssen Raiffeisenbank Südliches Ostallgäu eG
Des Weiteren haben diese Banken Zweigstellen im Landkreis: Sparkasse Allgäu VR Bank Augsburg-Ostallgäu eG Raiffeisenbank im Allgäuer Land eG Unicredit Bank
Gemeinden
Der Landkreis Ostallgäu hat 45 Gemeinden, davon 3 Städte und 7 Märkte. 35 Gemeinden gehören 10 Verwaltungsgemeinschaften an.
(Einwohner am )
Städte Buchloe () Füssen () Marktoberdorf ()
Märkte Irsee () Kaltental () Nesselwang () Obergünzburg () Ronsberg () Unterthingau () Waal ()
Weitere Gemeinden Aitrang () Baisweil () Bidingen () Biessenhofen () Eggenthal () Eisenberg () Friesenried () Germaringen () Görisried () Günzach () Halblech () Hopferau () Jengen () Kraftisried () Lamerdingen () Lechbruck am See () Lengenwang () Mauerstetten () Oberostendorf () Osterzell () Pforzen () Pfronten () Rettenbach am Auerberg () Rieden () Rieden am Forggensee () Roßhaupten () Rückholz () Ruderatshofen () Schwangau () Seeg () Stötten am Auerberg () Stöttwang () Untrasried () Wald () Westendorf ()Verwaltungsgemeinschaften Biessenhofen(Gemeinden Aitrang, Bidingen, Biessenhofen und Ruderatshofen) Buchloe (Stadt Buchloe, Markt Waal und Gemeinden Jengen und Lamerdingen) Eggenthal(Gemeinden Baisweil, Eggenthal und Friesenried) Obergünzburg(Markt Obergünzburg und Gemeinden Günzach und Untrasried) Pforzen(Markt Irsee und Gemeinden Pforzen und Rieden) Roßhaupten(Gemeinden Rieden a.Forggensee und Roßhaupten) Seeg(Gemeinden Eisenberg, Hopferau, Lengenwang, Rückholz, Seeg und Wald) Stötten am Auerberg(Gemeinden Rettenbach a.Auerberg und Stötten a.Auerberg) Unterthingau(Markt Unterthingau und Gemeinden Görisried und Kraftisried) Westendorf(Markt Kaltental und Gemeinden Oberostendorf, Osterzell, Stöttwang und Westendorf)mini|Landkreis Ostallgäu
Verkehr Straßenverkehr mini|Neubau der A 7 bei Füssen An das deutsche Autobahnnetz ist der Landkreis Ostallgäu über die Bundesautobahn 7 angeschlossen, welche seit 1992 in mehreren Bauabschnitten durch den Landkreis bis Füssen verlängert wurde. Ebenfalls quert im Norden die Bundesautobahn 96 bei Buchloe den Kreis. Weitere Hauptverkehrsadern sind die Bundesstraße 12 und die Bundesstraße 16. Weitere Bundesstraßen sind die Bundesstraße 17 und die Bundesstraße 310 im südlichen Landkreis. In Marktoberdorf endet zudem die Bundesstraße 472, die vom Irschenberg über Miesbach, Bad Tölz und Schongau ins Allgäu führt. Die frühere Bundesstraße 309 von Kempten zur Bundesgrenze bei Pfronten wurde zum 1. Januar 2016 zur Staatsstraße 2520 herabgestuft.
Bahnverkehr mini|DB Regio im Ostallgäu mini|Buswartehäuschen des Landkreises Ostallgäu Schon 1847 führte die Ludwigs-Süd-Nord-Bahn ihre Strecke von Augsburg nach Süden bis Kaufbeuren und 1852 weiter nach Kempten. Die Ost-West-Linie der Bayerischen Staatsbahn von München nach Memmingen kam 1872/74 hinzu und machte Buchloe zum wichtigen Knotenpunkt.
Von der Süd-Nord-Bahn zweigt seit 1876 die Bahnstrecke Biessenhofen–Marktoberdorf ab, die 1899 ihre Fortsetzung nach Lechbruck fand. Eine weitere Stichbahn ins Alpenvorland, die Bahnstrecke Marktoberdorf–Füssen, war schon 1889 von der Lokalbahn Aktien-Gesellschaft aus München in Betrieb genommen worden.
Im äußersten Süden des Kreises liegt die Außerfernbahn Kempten–Reutte der Bayerischen Staatsbahn, die 1895 Pfronten-Ried erreichte und 1905 über die Grenze nach Tirol geführt wurde. 1913 wurde diese Verbindung bis ins oberbayerische Garmisch-Partenkirchen verlängert.
Eine Verbindung zwischen dem Endpunkt Füssen und dem nur vier Kilometer davon entfernten Haltepunkt Ulrichsbrücke-Füssen an der Außerfernbahn wurde immer wieder geplant, jedoch nie gebaut.
Eine letzte Ergänzung des Bahnnetzes stellte 1922/23 die Verbindung Kaufbeuren–Schongau durch die Deutsche Reichsbahn her. Diese Strecke wurde 1972 wieder stillgelegt, während die Bahn Marktoberdorf–Lechbruck schon 1963 aus dem Kursbuch verschwunden war. Das Netz, das maximal 153 km umfasst hatte, war um fast ein Drittel auf immerhin noch 111 km reduziert worden.
Auf den ehemaligen Bahnlinien Marktoberdorf–Lechbruck und Kaufbeuren–Schongau verläuft heute ein beliebter Radwanderweg, die ca. 80 km lange „Dampflokrunde“.
Fahrradverkehr