mini|250px|Landkreis Lindau (Skizze) mini|250px|Westallgäu bei Simmerberg Der Landkreis Lindau (Bodensee) ist ein Landkreis im Südwesten des bayerischen Schwabens. Der Landkreis hat im Südwesten eine natürliche Grenze am Ufer des Bodensees, an dem die Kreisstadt Lindau liegt.

Geographie Lage Der Landkreis ist Teil des Argengaus und grenzt im Südwesten an die Ufer des Obersees, des östlichen und tiefsten Teils des Bodensees. Auf einer Insel im See befindet sich die Altstadt der Kreisstadt Lindau. Nach Westen folgen Bad Schachen (ein Stadtteil von Lindau), Bodolz, Wasserburg und Nonnenhorn. Die Uferorte sind neben dem Fremdenverkehr auch von der Fischerei und dem Weinanbau geprägt, der vor allem in Nonnenhorn und am Hoyerberg bei Lindau betrieben wird. Nach Nordosten schließt sich ein Hügelland mit Endmoränen und Drumlins an. Der Landkreis ist gleichzeitig Teil des Westallgäus. Der Pfänderstock verläuft in nordnordöstlicher Richtung, die Höhen liegen meist über 700–. Nach Osten folgen weitere parallel zum Pfänderstock verlaufende Bergkämme, der Sulzberg, der Kojen-Schichtkamm und die Salmaser Höhe. Der Landkreis grenzt an das österreichische Bundesland Vorarlberg und durch den Bodensee an die Schweizer Kantone St. Gallen und Thurgau. Höchste Erhebung des Landkreises ist die Kalzhofener Höhe, ein wenig markanter Punkt auf einem Höhenrücken nördlich der Salmaser Höhe mit in der Gemeinde Stiefenhofen.

Im Landkreis werden 62,7 Prozent der Gesamtfläche als landwirtschaftliche Flächen genutzt.Quelle: Statistik für die EUREGIO-Bodensee. In: Aufgelistet! Die zehn Landkreise der Bodenseeregion, … In: Südkurier vom 25. Februar 2011 und in: Ders. vom 2. Juli 2011

Nachbarkreise Der Landkreis grenzt im Uhrzeigersinn im Nordwesten beginnend an den Bodenseekreis und an den Landkreis Ravensburg (beide in Baden-Württemberg), an den Landkreis Oberallgäu (in Bayern), sowie an den Bezirk Bregenz (in Vorarlberg, Österreich) und über den Bodensee an die Schweiz (Kanton Sankt Gallen und Kanton Thurgau).

Geologie Geologisch sind sie vor allem durch tertiäre Nagelfluh-Gesteine geprägt.

Klima Durch die erheblichen Höhenunterschiede gibt es im Landkreis deutliche klimatische Unterschiede: Während am Bodensee bereits die Obstbäume blühen und Temperaturen über 25 °C erreicht werden, kann man im Westallgäu noch meterhohen Schnee vorfinden. Am Pfänderrücken kommt es zu Steigungsregen, daher sind dort die Jahresniederschläge am höchsten (deutlich über 1.000 mm/a), während es im Westen und Osten trockener ist (um 800 mm/a). Das Westallgäu ist durch eine überdurchschnittliche Sonnenscheindauer (bis 2.000 Stunden pro Jahr) gekennzeichnet.

Geschichte Bis 1800 Der Landkreis war, wie das übrige Bodenseegebiet und Allgäu, in vorgeschichtlicher Zeit von den Kelten besiedelt. Aus dieser Zeit existieren noch keltische Fluchtburgen, die aber kaum noch erhalten sind. 15 v. Chr. eroberten die Römer das Gebiet und verleibten es der Provinz Rätien ein. In Lindau bestand eine römische Werft, archäologische Funde sind im Kreisgebiet jedoch selten. Ab dem 3. Jahrhundert kam es zu vermehrten Einfällen von Alemannen, die das Gebiet nach dem Ende des Römischen Reiches besiedelten. Die Christianisierung erfolgte insbesondere durch St. Gallus und St. Magnus. Die ersten urkundlichen Erwähnungen von frühmittelalterlichen Siedlungen betreffen Haddinwilare das heutige Laiblachsberg (zwischen 769 und 773), Wasserburg (784), Lindenberg im Allgäu (857), Opfenbach (872), Weiler im Allgäu (894). Das Gebiet war überwiegend unter der Herrschaft des Klosters St. Gallen, Teile gehörten dem Kloster Mehrerau bei Bregenz. Am stärksten entwickelte sich Lindau, urkundlich zuerst 882 erwähnt, das sich im 13. Jahrhundert zur Freien Reichsstadt aufschwang und insbesondere durch den Handel wohlhabend wurde. Im späten Mittelalter gingen die ländlichen Gebiete in die Herrschaft des Hauses Montfort, der Fugger und der Habsburger über, die im 18. Jahrhundert mehr als die Hälfte des Kreisgebietes regierten.

Landgerichte Durch Napoleon Bonaparte erfolgte eine Neuordnung. 1802 verlor Lindau die Reichsfreiherrlichkeit (Status als Freie Reichsstadt), 1806 erhielt Bayern das Landkreisgebiet. Es wurden die beiden Landgerichte Lindau und Weiler errichtet, die zunächst zum Illerkreis, ab 1808 zum Oberdonaukreis (ab 1838 Schwaben und Neuburg, später nur noch Schwaben) gehörten. Die Stadt Lindau war 1809 aus dem Landgerichtsbezirk ausgeschieden und eine kreisunmittelbare Stadt geworden.

Bezirksamt Das Bezirksamt Lindau wurde im Jahr 1862 durch den Zusammenschluss der Landgerichte älterer Ordnung Lindau und Weiler gebildet.

Am 1. Februar 1922 schieden die drei Gemeinden Aeschach, Hoyren und Reutin aus dem Bezirksamt aus und wurden in die unmittelbare Stadt Lindau eingemeindet.

Bezirksamtmänner/Bezirksoberamtmänner

Amtszeit Name 1875–1879 Julius von Auerterritorial.de 1887–1888 Carl Müller 1905–1925 Emil Graf von Hirschberg 1925–1933 Karl Leyser 1933–1935 Otto Widmann 1935–1938 Richard Kummer

Landkreis vor 1945 Am 1. Januar 1939 wurde wie sonst überall im Deutschen Reich die Bezeichnung Landkreis eingeführt. So wurde aus dem Bezirksamt der Landkreis Lindau (Bodensee).

Am 1. April 1940 wurde die Stadt Lindau in den Landkreis eingegliedert, doch wurde dies am 25. September 1948 wieder rückgängig gemacht.

Bayerischer Kreis Lindau 1946 bis 1956

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebiet des Landkreises der französischen Besatzungszone zugeschlagen und gemeinsam mit Württemberg-Hohenzollern verwaltet, während der Rest Bayerns zur amerikanischen Besatzungszone gehörte. Der Landkreis hatte damit eine territoriale Sonderstellung und gehörte weder zu Württemberg-Hohenzollern noch zu Bayern. Erster und einziger Verwaltungschef war von 1946 bis 1956 der Kreispräsident Anton Zwisler (1888–1977), ein gebürtiger Bregenzer.

Das besondere Staatskonstrukt hatte die französische Militärregierung mit der amerikanischen Militärregierung ausgehandelt, um als Landbrücke freien Zugang zu der französischen Besatzungszone in Österreich (Vorarlberg) zu erhalten,Süddeutsche Zeitung vom 25. März 2016 („Welche Macht Zwisler hatte“) nachdem die französische Militärregierung die bayerischen Kreise Sonthofen und Kempten (Allgäu) an die amerikanische Besatzungszone abgetreten hatte. Mit dem österreichischen Staatsvertrag 1955 und dem Abzug der alliierten Besatzungskräfte wurde die Brückenfunktion für Frankreich hinfällig und damit auch die Notwendigkeit einer Sonderstellung.Peter Brill: Der Bodensee. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 2014, S. 381–384.

Der Landkreis Lindau war mit drei Delegierten in der Beratenden Landesversammlung des Landes Württemberg-Hohenzollern und zusammen mit der am 25. September 1948 aus dem Landkreis ausgegliederten Stadt Lindau (Bodensee) bis zum 19. Dezember 1950 auch im Landtag des neu errichteten Landes Württemberg-Hohenzollern vertreten.

Für das Land Lindau gab es eine Reihe von Kosenamen, wie „Zweites Fürstentum Liechtenstein“, „Paradies“, „Deutschlands Fettfleck“ oder „Monte Carlo am Bodensee“. Letzterer Name ging auf das 1950 in Lindau eröffnete Spielcasino zurück. Die anderen Namen spielten auf die finanzielle Autarkie Lindaus an: Der Kreis Lindau durfte alle Steuern und Zölle für sich behalten. Während in anderen Teilen Deutschlands die Menschen vielerorts Hunger litten, hatte Lindau einen Überschuss an Obst, Fleisch und Milch für den Export und eine rege Bautätigkeit aufzuweisen.

Landkreis ab 1956 mini|Landratsamt Lindau an der Bregenzer Straße Die Rückgliederung des Landkreises nach Bayern erfolgte am 1. September 1955. Allerdings wurde eine Übergangszeit ausgehandelt und das Konstrukt endete förmlich am 27. März 1956 in einem Festakt im Alten Rathaus von Lindau unter Anwesenheit von Kreispräsident Anton Zwisler und des bayerischen Ministerpräsidenten Wilhelm Hoegner.

Die Sportvereine des Landkreises Lindau spielen historisch bedingt teilweise noch heute in baden-württembergischen Ligen.

Am 1. Juli 1970 wurde die Gemeinde Stiefenhofen des Landkreises Sonthofen in den Landkreis Lindau (Bodensee) umgegliedert.

Im Rahmen der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Juli 1972 die bis dahin kreisfreie Stadt Lindau (Bodensee) in den Landkreis eingegliedert. Die Stadt Lindau erhielt für den Verlust der Kreisfreiheit den Status einer Großen Kreisstadt.

Einwohnerstatistik rechts|mini|400x400px|Bevölkerungspyramide für den Kreis Lindau (Bodensee) (Datenquelle: Zensus 2011 Datenbank Zensus 2011, Kreis Lindau (Bodensee), Alter und Geschlecht.)

Der Landkreis Lindau (Bodensee) gewann von 1988 bis 2008 knapp 10.000 Einwohner hinzu bzw. wuchs um ca. 14 %. Zwischen 1988 und 2018 wuchs der Landkreis von 70.274 auf 81.669 um 11.395 Einwohner bzw. um 16,2 % an.

Die nachfolgenden Zahlen beziehen sich auf den Gebietsstand vom 25. Mai 1987.

+ Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1840 27.543 1900 36.275 1939 47.141 1950 59.304 1961 64.442 1970 68.803 1987 69.522 Jahr Einwohner 1991 74.458 1995 75.796 2000 77.106 2005 79.467 2010 79.769 2015 80.429 2020 82.085

Konfessionsstatistik Der Anteil der Protestanten und Katholiken an der Gesamtbevölkerung nimmt jährlich um zirka 1 Prozentpunkt ab. Gemäß dem Zensus 2022 waren (Stand Mai 2022) 44,1 % der Einwohner katholisch, 13,4 % evangelisch, und 42,6 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 19. September 2024.

Baudenkmäler Siehe Baudenkmäler im Landkreis Lindau (Bodensee)

Schutzgebiete Im Landkreis gibt es zehn Naturschutzgebiete, fünf Landschaftsschutzgebiete, elf FFH-Gebiete und mindestens 18 vom Bayerischen Landesamt für Umwelt ausgewiesene Geotope (Stand August 2016).

Siehe auch: Liste der Naturschutzgebiete im Landkreis Lindau (Bodensee) Liste der Landschaftsschutzgebiete im Landkreis Lindau (Bodensee) Liste der FFH-Gebiete im Landkreis Lindau (Bodensee) Liste der Geotope im Landkreis Lindau (Bodensee)

Politik Kreistag Der Kreistag besteht aus 60 Mitgliedern. Die Kreistagswahl am 8. März 2026 führte zu dem in den Diagrammen dargestellten Ergebnis für die Zusammensetzung des Kreistags.Landkreis Lindau, Endergebnis der Kreistagswahl am 8. März 2026, abgerufen am 3. Juni 2026

Ergebnisse der Kreistagswahlen im Landkreis Lindau seit 1996: Parteien und Wählergemeinschaften 2026 2020 2014 2008 2002 1996 % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze CSU Christlich-Soziale Union in Bayern 30,9 18 32,6 20 39,4 24 41,0 25 44,6 27 42,8 27 Grüne Grüne Bayern 15,4 9 21,8 13 14,0 9 11,7 7 9,2 5 11,0 7 FW/FB Freie Wähler Bayern* 16,5 10 13,7 8 18,9 11 21,5 13 – – – – SPD SPD Bayern 8,2 5 9,7 6 13,7 8 14,6 9 19,5 12 17,6 11 FB Freie Bürgerschaft – – 5,3 3 6,4 4 6,8 4 4,8 3 4,6 2 JU Junge Union 4,4 3 4,6 3 – – – – – – – – FDP/LI FDP Bayern** 4,7 3 4,2 2 2,2 1 – – – – – – ÖDP Ökologisch–Demokratische Partei 2,9 2 3,5 2 5,4 3 4,4 2 4,2 2 3,6 2 AfD AfD Bayern 12,7 8 3,2 2 – – – – – – –– Linke Die Linke Bayern 4,2 2 1,5 1 – – – – – – – – FWs Freie Wählerschaft – – – – – – – – 17,7 11 18,1 11 Gesamt 100 % 60 100 % 60 100 % 60 100 % 60 100 % 60 97,7 60 Wahlbeteiligung 65,9 % 55,2 % 50,7 % 55,7 % 61,1 % 66,2 % * 2026 Wahlbündnis mit „Freie Bürgerschaft“ (FB)      ** 2026 Wahlbündnis mit „Lindau Initiative e.V“ (LI)

Landräte Amtszeit Name 1956–1965 Hans Kleiner 1965–1972 Fritz Fugmann (CSU) 1972–1996 Klaus Henninger (CSU) 1996–2002 Manfred Bernhardt (CSU) 2002–2008 Eduard Leifert (SPD) seit 1. Mai 2008 Elmar Stegmann (CSU)