Myanmar, Vollform Republik der Union Myanmar (, Pyidaunzu Thanmăda Myăma Nainngandaw, []), auch Burma oder Birma, ist ein Staat in Südostasien, der an Thailand, Laos, die Volksrepublik China, den Nordosten Indiens, Bangladesch und den Golf von Bengalen grenzt.
Seit 1948 gehört das Land nicht mehr zum Kaiserreich Britisch-Indien und ist somit seitdem auch unabhängig vom Vereinigten Königreich. Das Land steht de facto seit 1962 unter einer Militärherrschaft, die nur von 2011 bis 2021 über einzelne demokratische Elemente verfügte. In einem Putsch am 1. Februar 2021 riss das Militär die gesamte Staatsgewalt wieder an sich. Infolgedessen kam es zu einem Bürgerkrieg zwischen dem vom Militär beherrschten State Administration Council (SAC) und dem oppositionellen National Unity Government of Myanmar (NUG). Bis 2023 hatte das Militär die Kontrolle über große Teile des Landes verloren.
Die Militärregierung herrscht autoritär, es kommt zu vielfältigen Menschenrechtsverletzungen. Im Demokratieindex lag Myanmar deshalb seit 2021 durchgehend auf dem weltweit vorletzten Platz, noch hinter Nordkorea und lediglich vor Afghanistan.
Geographie
Lage Myanmar grenzt im Norden und Osten an die Volksrepublik China sowie weiter südlich im Osten an Laos und Thailand und im Süden an den Indischen Ozean. Der südlichste Teil Myanmars liegt auf der Malaiischen Halbinsel. Das Andamanische Meer trennt Myanmar von den westlich gelegenen indischen Inseln der Andamanen und Nikobaren. Im Westen grenzt Myanmar an den Golf von Bengalen, an Bangladesch und an die indischen Bundesstaaten Mizoram, Manipur, Nagaland und Arunachal Pradesh.
Die Erdbeben heutiger Zeit in Myanmar und den angrenzenden Gebieten Südostasiens sind eine Folge der Plattentektonik und werden vor allem durch die nordwärtsgerichtete Bewegung der Indischen Platte verursacht, die mit der Eurasischen Platte kollidiert.
Landschaften Im Norden liegt das Kachin-Bergland, ein südlicher Ausläufer des Himalaya, und an der Grenze Myanmar–Indien–China liegt der Hkakabo Razi. Mit seinen ist er der höchste Berg Südostasiens. Entlang der Küste am Golf von Bengalen erstrecken sich Sumpfgebiete, dahinter liegt das Arakan-Joma-Gebirge mit bis zu hohen Bergen, das sich weiter im Norden entlang der Grenze zu Indien im Patkai-Gebirge fortsetzt. Im Osten des Landes liegt das Shan-Hochland mit Erhebungen von bis zu . In der Mitte des Landes, entlang des Irrawaddy, liegt Zentralmyanmar mit seinen fruchtbaren Böden. Die bedeutendsten Flüsse neben dem Irrawaddy sind Thanlwin, Sittaung, Chindwin und Mekong.
40 % der Fläche werden von Primärwald bedeckt, wobei die Waldfläche jährlich um 1,2 % abnimmt. Vor der Westküste der Malaiischen Halbinsel liegt eine abgesunkene Gebirgslandschaft, der Mergui-Archipel mit rund 800 Inseln, eine noch weitgehend unberührte Inselgruppe.
Klima Myanmar befindet sich – mit Ausnahme des äußersten Nordens – im Einflussbereich des indischen Monsuns. Durch das Relief bedingt sind die Ausprägungen des Monsuns in den einzelnen Landesteilen unterschiedlich.
Im Wesentlichen lassen sich drei Jahreszeiten unterscheiden: Regenzeit von Ende Mai bis Mitte Oktober kühle Jahreszeit von Ende November bis Ende Februar heiße Jahreszeit in den Monaten März bis Mai
Städte Im Jahr 2023 lebten 32 Prozent der Einwohner Myanmars in Städten. Die größten Städte des Landes sind:
Rang Stadt Einwohner (Stand 2014) 1 Rangun 4.728.524 2 Mandalay 1.225.546 3 Naypyidaw 333.506 4 Taunggyi 264.804 5 Bago 254.424
Bevölkerung Demografie
Myanmar hatte 2023 54,6 Millionen Einwohner. Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug + 0,7 %. Zum Bevölkerungswachstum trug ein Geburtenüberschuss (Geburtenziffer: 16,8 pro 1000 Einwohner vs. Sterbeziffer: 8,7 pro 1000 Einwohner) bei. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 2,1, die der Region Süd-Asien betrug 2,2. Die Lebenserwartung der Einwohner Myanmars ab der Geburt lag 2022 bei 67,3 Jahren. Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 29 Jahren. Im Jahr 2023 waren 24,4 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre, während der Anteil der über 64-Jährigen 7,0 Prozent der Bevölkerung betrug.
+ Entwicklung der Bevölkerung MyanmarsQuelle: UN: Jahr EinwohnerzahlJahr Einwohnerzahl195017.152.000198537.222.000195518.868.000199040.626.000196020.986.000199543.238.000196523.391.000200046.095.000197026.381.000200548.483.000197529.722.000201050.156.000198033.370.000202053.423.000
Bevölkerungsstruktur/Sprachen mini|Ethnolinguistische Karte nach Informationen der CIA (1972)
Bei der letzten Volkszählung 2014 hatte Myanmar 51.486.253 Einwohner, die sich auf folgende ethnische Gruppen aufteilen: Bamar 69 Prozent, Shan 8,5 Prozent, Karen 6,2 Prozent, Rohingya 4,5 Prozent, Mon 2,4 Prozent, Chin 2,2 Prozent, Kachin 1,4 Prozent, Inder 1 Prozent, Han 1–2 Prozent. Insgesamt gibt es rund eine Million Umgesiedelte im eigenen Land. Mit nur 0,1 % der Bevölkerung zählt die Ausländerquote zu den geringsten der Welt.
Die Shan, die zweitgrößte Volksgruppe, leben hauptsächlich im Shan-Staat des Landes, in Gebieten ab etwa 1000 Metern Höhe. Die Karen sind überwiegend Christen. Die Padaung gehören zur Sprachgruppe der Mon-Khmer und leben im südlichen Kachin- und im Shanstaat.
Hauptsächlich im Rakhaing-Staat leben etwa 730.000 Arakanesen. Andere Quellen geben ihren Anteil an der Gesamtbevölkerung sogar mit 4 % an. Ebenfalls im Rakhaing-Staat leben die muslimischen Rohingya, denen der Status als Volksgruppe verwehrt wird.Myanmar’s Outrageous Racism Excused. Asia sentinel, 12. Februar 2009 (englisch). Die Rohingya werden vom Staat nicht als ethnische Gruppe anerkannt, erhalten nicht die myanmarische Staatsangehörigkeit und gelten laut den Vereinten Nationen als „am stärksten verfolgte Minderheit der Welt“.Kim Son Hoang: Die am meisten verfolgte Minderheit der Welt. In: Der Standard, 30. Juli 2012 (Interview mit Ulrich Delius). Sie sprechen eine eng mit dem Bengali verwandte indogermanische Sprache. Viele von ihnen sind aufgrund der massiven Verfolgung nach Bangladesch geflohen.
Die einzelnen Völker sprechen ihre eigenen Sprachen, Englisch ist Handelssprache. Amtssprache ist die birmanische Sprache.
Religion mini|Die Shwedagon-Pagode in Yangon 2013
Anteile der Religionen an der Bevölkerung: Buddhismus: nach offiziellen Angaben 87,9 % Christentum: 6,2 % (zumeist Anhänger des Protestantismus und ca. 1 % der katholischen Kirche) Islam: 4,3 % Hinduismus: 0,5 % Animismus: offiziell 0,8 %, aber dominant unter Buddhisten
Die am weitesten verbreitete Religion in Myanmar ist der Buddhismus. Einige der berühmtesten buddhistischen Kunstwerke (Statuen) im asiatischen Raum befinden sich hier. Vorherrschend ist die frühbuddhistische Theravada-Schule, die im 20. Jahrhundert auch maßgeblichen Einfluss auf die Buddhismus-Rezeption im Westen hatte. So fußen viele der Standardwerke der Vipassana-Meditation (zum Beispiel Nyanaponika: „Geistesschulung durch Achtsamkeit“) auf den Lehren birmanischer Dharma-Meister wie Mahasi Sayadaw, Chanmyay Sayadaw U Janaka, Ledi Sayadaw oder Sayadaw U Pandita. Zu den wichtigsten Heiligtümern zählen vor allem die Shwedagon-Pagode in Rangun, der Goldene Fels südöstlich von Bago und der Mount Popa in der Nähe von Bagan.
In der buddhistischen Volksreligion ist der Geisterglaube an die Nats weit verbreitet. Nats haben menschliche Züge, Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse, sind gut, hilfreich oder böse und gehässig, vor allem aber mächtig. Sie können, wenn erzürnt, großes Unheil bringen. Während der ihnen gewidmeten Feste werden sie durch Nat-Gadaw, weibliche Medien (häufig auch Transvestiten) in Trance und Tanz verkörpert. Bei den niederen Nats ist der Bezug zu animistischen Vorstellungen deutlich, denn sie leben in oder bei alten Bäumen oder Steinen, auf Bergen oder an Flüssen. Häufig haben sie nichtmenschliche Gestalt. Die an Bäumen, Feldern, Gewässern oder in Dörfern errichteten Nat-Schreine (nat-sin) ähneln den Geisterhäuschen (san phra phum) in Thailand.
Zum Christentum bekennen sich nach offiziellen Angaben 4 % der Bevölkerung, vor allem in den Volksgruppen der Chin und der Karen, die einem im Jahre 2007 bekannt gewordenen Regierungsprogramm „zur Zerstörung der christlichen Religion in Myanmar“ zufolge, systematisch vertrieben werden sollen.The Daily Telegraph: Burma 'orders Christians to be wiped out', 21. Januar 2007
Dem Islam gehören vor allem die Rohingya an, die massiver Verfolgung und Vertreibung ausgesetzt sind.
Bildung Historisches
Der Bildungssektor ist in Myanmar, das eine ausgesprochene Bildungstradition hat, unter dem Militärregime besonders stark geschrumpft. Mehrere Hochschulen wurden vorübergehend oder ganz geschlossen, vor allem aus Angst vor Studentenaufständen und vor der Kritik einer intellektuellen Elite. Lernfreiheit und freie Fächerwahl bestehen nicht, dafür ist es möglich, gewisse Fächer per Fernkurs zu studieren. Auch die Verbreitung von Büchern im universitären Bereich ist stark beschränkt, so kann etwa ein Medizinstudent keine Geschichtsbücher ausleihen. Aktuelles In den 1990er und den ersten 15 Jahren des 21. Jahrhunderts stieg der Bildungsgrad an und die mittlere Schulbesuchsdauer über 25-Jähriger konnte von 2,4 Jahren im Jahr 1990 auf 4,7 Jahre im Jahr 2015 gesteigert werden. Im Jahr 2023 hatten Erwachsene über 25 Jahren 6,4 Jahre eine Schule besucht. Im Jahr 2020 betrug die Rate der Über-15-Jährigen, die nach UNESCO-Definition lesen und schreiben konnten, 94%
Gesundheit Die Gesundheitsausgaben des Landes betrugen im Jahr 2021 5,6 % des Bruttoinlandsprodukts. Im Jahr 2017 praktizierten in Myanmar 8,8 Ärzte je 10.000 Einwohner. Die Sterblichkeit bei unter 5-Jährigen betrug 2022 40,1 pro 1000 Lebendgeburten. Die Lebenserwartung der Einwohner Myanmars ab der Geburt lag 2022 bei 67,3 Jahren (Frauen: 70,5, Männer: 64,2). Die Lebenserwartung stieg von 60,2 Jahren im Jahr 2000 bis 2022 um 12 %.
Myanmar ist seit einigen Jahren eines der Länder mit besonders hoher AIDS-Zuwachsrate, die von der Junta lange bestritten wurde, was das Problem verschlimmerte. Ursachen sind vor allem die Prostitution, besonders in Rangun, und die verbreitete, traditionelle Drogenabhängigkeit, die infolge der durch den jahrzehntelangen Bürgerkrieg eingetretenen gesellschaftlichen Zerrüttung noch verschärft wird. Bei der Ernährung der Bevölkerung konnten starke Fortschritte gemacht werden. Während im Jahr 2000 noch 48,1 % der Bevölkerung unterernährt waren, waren es 2015 noch 16,9 %.
Maßeinheiten
In Myanmar galt offiziell noch bis 2013 das angloamerikanische Maßsystem, das weltweit sonst nur von den USA und Liberia verwendet wird. 2013 wurde der Übergang zum metrischen System beschlossen.elevenmyanmar.com
Landesname Zur Aussprache von Myanmar gibt der Duden [] an, also Betonung auf dem ersten a.Duden online: Myanmar. Hinweis: Die dort eingebundene Audio-Datei gibt nicht genau die angegebene Lautschrift [] wieder. Die Sprecherin spricht am Ende einfach ein langes a, als ob der letzte Buchstabe r nicht vorhanden wäre: []. Diese Art der Aussprache ist im Deutschen ebenfalls unüblich, genauso wie die Betonung auf dem ersten a. Im Deutschen ist jedoch die Betonung auf dem zweiten a üblich. Im Englischen variiert die Aussprache von Myanmar erheblich.Vgl. How to Say: Myanmar: In diesem Beitrag der BBC werden zunächst vier verschiedene englische Aussprachen aus diversen Aussprache-Wörterbüchern zitiert. Anschließend wird als Empfehlung der BBC eine andere, fünfte Aussprache angegeben. Myanmar ist im deutschen Sprachraum auch unter der früheren Bezeichnung Birma (in Deutschland und Österreich – Adjektiv birmanisch) resp. Burma (in der Schweiz – Adjektiv burmesisch) und im Vereinigten Königreich,Should it be Burma or Myanmar? BBC News, 26. September 2007 (englisch) in Australien und den USA nach wie vor auch als Burma bekannt.
Hintergrund