Der Europäische Dachs (Meles meles) ist ein Raubtier aus der Familie der Marder und eine von vier Arten der Gattung Meles, die noch bis Anfang der 2000er Jahre in einer Art zusammengefasst waren.Don E. Wilson, DeeAnn M. Reeder et al.: Mammal Species of the World. A Taxonomic and Geographic Reference, 3. Auflage, Johns Hopkins University Press, Baltimore 2005, ISBN 978-0-8018-8221-0Alexei V. Abramov & Andrey Yu. Puzachenko: The taxonomic status of badgers (Mammalia, Mustelidae) from Southwest Asia based on cranial morphometrics, with the redescription of Meles canescens. Zootaxa 3681 (1): 044–058, Jun. 2013, doi:10.11646/zootaxa.3681.1.2 Volkstümlich wird der Dachs auch – vor allem in der Fabel – als „Grimbart“ bezeichnet.
Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich über ganz Europa sowie ostwärts bis zur Wolga, zum Kaukasus und bis nach Afghanistan. Dachsen in anderen Gebieten Asiens, die lange als Unterarten geführt wurden, wird mittlerweile Artstatus zugewiesen. Der Dachs bewohnt meist hügelige, wald- und gehölzbestandene Landschaften, wo er seine umfangreichen Baue meist an Hängen anlegt. Er nutzt ein sehr breites Nahrungsspektrum, das je nach Jahreszeit mehr aus tierischer oder aus pflanzlicher Kost bestehen kann. Einen großen Anteil machen Regenwürmer aus, aber auch Insekten, Kleinsäuger, Feldfrüchte oder Beeren werden gefressen.
Beschreibung mini|Dachspfote mini|Trittsiegel eines Dachses mini|Schädel eines Dachses aus der Sammlung des Museums Wiesbaden
Der Dachs ist ein kompakter, gedrungener Erdmarder mit einem schlanken Kopf, einer rüsselartigen Schnauze und kräftigen Grabpfoten. Die Kopf-Rumpf-Länge liegt zwischen 64 und 88 cm, die Schwanzlänge zwischen 11 und 18 cm. Die Gewichtsspanne reicht von 7 bis 14 kg, selten bis 17 kg. Äußerlich unterscheiden sich die Geschlechter nur geringfügig. Weibchen sind in der Regel kleiner, schlanker und leichter als Männchen. Letztere sind kräftiger gebaut; ihr Schädel ist breiter und oben stärker gerundet. Im Profil wirken die Schnauze stumpfer, der Kopf insgesamt kürzer und der Hals fülliger. Zudem ist der Schwanz oft dünner und mit weißen Haaren durchsetzt. Im Vergleich ist das Weibchen schlanker, trägt einen schmaleren, oberseits flacheren Kopf.Neal (1986), S. 29f, s. Literatur
Charakteristisch ist vor allem die schwarz-weiße Zeichnung des Kopfes. Dieser ist oberseits inklusive Lippen und Kinn überwiegend weiß. Schwarze Streifen ziehen von den Mundwinkeln beiderseits der Schnauze nach hinten, wobei sie sich verbreitern. So „maskieren“ sie die Augen, während die Ohren durch weiße Ränder auffallen. Im Nacken werden die Streifen heller und verlaufen in das silbrige Grau der Oberseite und der Flanken. Die Grannenhaare erreichen teils eine Länge bis 11 cm, an den Flanken bis 12 cm.
Die Flanken können einen strohgelben Farbton aufweisen. Die einzelnen Haare der Oberseite sind hell und nur auf dem hinteren Drittel dunkel gefärbt. Die komplette Unterseite einschließlich der Kehle und der Halsunterseite ist schwarzbraun, wobei der Bauch einen besonders bräunlichen Ton zeigt. Dort und in der Leistengegend ist der Haarwuchs dünn, so dass die Haut durchscheint. Im ersten Lebensjahr ist der Farbkontrast am deutlichsten; ältere Dachse werden zunehmend heller.
Die recht kleinen Augen zeigen eine dunkelbraune Iris und runde Pupillen. Die rüsselartige Nase ragt mindestens 1,5 cm über die Unterlippe hinaus. Die Vorderpfoten tragen lange, hornfarbene und abwärts gebogene Krallen, die zum Graben gut geeignet und doppelt so lang wie die der Hinterpfoten sind. Die Art ist kein reiner Sohlengänger. Beim Auftreten liegen nur die Fingerballen und der Handballen auf dem Boden auf, während der Handwurzelballen – ähnlich wie bei den Zehengängern – denselben nicht berührt.Lüps/Wandeler (1993), S. 889 sowie Neal (1986), S16, siehe Literatur
Der bis zu 154 mm lange Schädel des Dachses ist massig und schwer und zeigt einen bis zu 16 mm hohen Scheitelkamm. Mit Computertomografie vermaßen Veterinärmediziner von fünf erwachsenen Dachsen die Schädel. Deren Volumina ergaben als Mittelwert 61.831 mm³.Yesim Aslan Kanmaz, Baris C Güzel, Saime B Baygeldi, Meryem Karan: Three-dimensional modelling and morphometric analysis of skull of badger (Meles meles) with computed tomography images. In: Vet Med Sci 10, 2, 2024: e1360. PDF. Das Gebiss ist zum Schneiden und Zermahlen ausgelegt. Die Reißzähne der Brechschere sind wenig ausgeprägt. Die Zahnformel lautet I 3/3 – C 1/1 – P 4/4 M 1/2. Abweichungen von der üblichen Gesamtzahl von 38 Zähnen sind aber nicht ungewöhnlich, da oft die ersten Prämolaren nicht ausgebildet sind.
Wie bei allen Mustelidae finden sich bei dieser Art zwei Analbeutel und zudem zwischen Schwanzwurzel und Anus eine 2–6 cm tiefe und breite Analdrüse. Mit deren Sekret werden Territoriumsgrenzen und Material in Baunähe sowie Artgenossen markiert. So könnte über die Gruppenzugehörigkeit der Tiere informiert werden.
Weibchen besitzen im Allgemeinen drei Paar Zitzen, selten weniger oder mehr. In Gefangenschaft können Dachse bis zu 15 Jahre alt werden.Heinrich Dathe, Paul Schöps, unter Mitarbeit von elf Fachwissenschaftlern: Pelztieratlas. VEB Gustav Fischer Verlag Jena, 1986, S. 181
Verbreitung mini|Verbreitung des Europäischen Dachses und des Transkaukasischen Dachses
Das Verbreitungsgebiet des Europäischen Dachses reicht von den Britischen Inseln und der Iberischen Halbinsel ostwärts bis zur Wolga und zum Kaukasusvorland. Die Dachspopulationen südlich des Kaukasusvorlandes und Zentralasiens werden heute zum Transkaukasischen Dachs (M. canescens) gerechnet. Vorkommenslücken gibt es in Europa auf einigen nördlicher gelegenen Britischen Inseln, den Westfriesischen Inseln, in Flandern und der italienischen Poebene. Die Nordgrenze des Areals reicht in Nordeuropa westlich der Ostsee bis etwa 65° N, östlich davon teils bis 66° N. Hier hat vermutlich zudem eine leichte Arealausdehnung nach Norden stattgefunden. Im Süden reicht die Verbreitung bis zum Mittelmeerraum, wo der Dachs auf den meisten Inseln mit Ausnahme der Balearen, Kreta und Rhodos fehlt.
Systematik Bis Ende der 1990er Jahre wurde der Dachs als einzige rezente Art der Gattung Meles angesehen. Neuere morphologische Untersuchungen des BaculumsAlexei V. Abramov: Variation of the baculum structure of the Palearctic badger (Carnivora, Mustelidae, Meles), Russian Journal of Theriology 1/2002, S. 57–60, PDF und der MolarenGennady F. Baryshnikov, Andrey Yu. Puzachenko, Alexei V. Abramov: New analysis of variability of cheek teeth in Eurasian badgers (Carnivora, Mustelidae, Meles), Russian Journal of Theriology, 2002, 1 (2), S. 133–149 sowie Untersuchungen der mitochondrialen DNANaoko Kurose, Yayoi Kaneko, Alexei V. Abramov, Boripat Siriaroonrat, Ryuichi Masuda: Low genetic diversity in Japanese populations of the Eurasian badger Meles meles (Mustelidae, Carnivora) revealed by mitochondrial cytochrome b gene sequences. Zoological Science 18, 2001, S. 1145–1152. haben aber ergeben, dass die vier bislang beschriebenen Subspeziesgruppen jeweils Artstatus verdienen. Die Art wurde daher aufgeteilt in den Europäischen Dachs (Meles meles), den Asiatischen Dachs (Meles leucurus), den Transkaukasischen Dachs (Meles canescens) und den Japanischen Dachs (Meles anakuma).
Geografische Variation Aufgrund der Gesamtgröße, der Schädelmaße und der Maße und Ausprägung der Molaren und des Baculums wurden zahlreiche Unterarten beschrieben, von denen heute vier anerkannt sind. Ein weiteres variierendes Merkmal ist die Färbung der Oberseite, die bei einigen Unterarten mehr ins Bräunliche spielt, sowie die der Flanken, die bei einigen Populationen stark gelblich getönt sind. Die östliche Form M. m. heptneri leitet in mehreren Merkmalen zum Asiatischen Dachs (Meles leucurus) über.
Meles meles meles (, 1758; früher Ursus meles ) – Europa bis zur Wolga und zum Ural, außer Iberische Halbinsel, Rhodos und Kreta Meles meles heptneri , 1931 – Nordkaukasus, Kalmückien, Wolgadelta Meles meles marianensis , 1897 – Iberische Halbinsel, eventuell zählen auch die Dachse der südfranzösischen Mittelmeerküste zu dieser Form.Lüps/Wandeler (1993), S. 865, s. Literatur Meles meles milleri , 2003 – südwestliches Norwegen
Lebensraum Der Dachs besiedelt meist hügelige, reich strukturierte Landschaften mit Waldungen, Gehölzen oder Hecken. Bevorzugt werden Laubmischwälder mit einer ausgeprägten Strauchschicht. Weitgehend gemieden werden große, geschlossene Waldgebiete, reine Koniferenbestände, Dünenlandschaften und ausgedehnte Feuchtgebiete. Baue werden oft in Waldrandhabitaten und an Hängen angelegt, die oft nach Süden oder Westen hin ausgerichtet sind. Sie werden oft über Generationen hinweg genutzt. Zur Nahrungssuche werden nicht selten offene, landwirtschaftlich genutzte Flächen aufgesucht. Diese können im Umkreis von mehreren hundert Metern des Baues liegen.
Die obere Grenze der Höhenverbreitung liegt meist bei 1200–1700 m, seltener ist die Art auch noch in höheren Lagen bis 2000 m in den Alpen oder 2500 m im Kaukasus anzutreffen. Hier gibt es dann aber nur sehr selten noch Baue, es handelt sich größtenteils um Nachweise von Einzeltieren.
Zunehmend sind Dachse auch in Parks und im Randbereich von Siedlungen und Gärten zu finden.https://www.jagd-stmk.at/wildtiere/dachs-2/; https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/sonstige-saeugetiere/11730.html
Ernährung Im Unterschied zu anderen Mardern ist der Dachs kein ausgesprochener Fleischfresser, sondern nimmt überwiegend pflanzliche Kost zu sich, zu denen Wildobst, Wurzeln, Beerenobst, Samen und Pilze zählen. Als Allesfresser zählen jedoch auch kleine Tiere, wie Würmer, Schnecken, Kleinsäuger und Insekten sowie Nestlinge und Eier von bodenbrütenden Vögeln, zu seinem Nahrungsspektrum.Dachse lieben alte Wälder Naturwald Akademie, aufgerufen am 1. September 2022Der Dachs. Meles meles Naturschutzbund Deutschland, aufgerufen am 1. September 2022
Bei der pflanzlichen Kost, die vor allem in Sommer und Herbst eine Rolle spielt, wird das jahreszeitliche Angebot genutzt, das aus Getreide, Mais und Feldfrüchten aller Art, Obst, Beeren, Sämereien, Wurzeln und Knollen bestehen kann. Insbesondere im Mais kann Wildschaden entstehen. In Mastjahren werden Eicheln intensiv als Nahrung genutzt.
Einen großen Anteil der tierischen Nahrung machen, neben Regenwürmern, Insekten aus, wobei insbesondere die Imagines von Hautflüglern, Larven von Mai- und Mistkäfern, Nachtfaltern sowie Laufkäfer beliebt sind. Weitere Wirbellose wie Schnecken oder Muscheln spielen eine untergeordnete Rolle. Bei den Kleinsäugern sind mit einem großen Anteil vor allem Wühlmäuse vertreten. Seltener gehören Spitzmäuse, Maulwürfe oder junge Wildkaninchen zur Beute.
Als natürliche Feinde des Igels sind Dachse in der Lage, diese mit ihren Krallen aufzurollen und zu verzehren, wobei sie ihre Schnauze in die kleine Lücke an der Bauchseite des zusammengerollten Stacheligels stecken. Daher zählen sie in Mitteleuropa neben den Uhus zu deren größten Fressfeinden.Stachliger Überlebenskünstler Bayerischer Rundfunk, aufgerufen am 1. September 2022
Größere Säugetiere werden allenfalls als Aas aufgenommen. Amphibien, Reptilien oder Fische sind eher Zufallsbeute, können aber auch mancherorts einen hohen Gewichtsanteil an der Nahrung ausmachen.
Verhalten mini|Dachse vor ihrem Bau auf einer Zeichnung von Walter Heubach mini|Europäische Dachse vor ihrem Bau bei gegenseitiger Fellpflege
Der Dachs gräbt sich im Waldboden einen Bau, der meist größer als beim Fuchs ist. Dachsbaue können Jahrzehnte alt sein und enorme Ausmaße mit mehreren Etagen annehmen. Dachse gehen gern in die Tiefe.Haseder, S. 150 In etwa fünf Meter Tiefe liegt der Wohnkessel, der über zahlreiche Gänge mit der Oberfläche verbunden ist. Diese Gänge dienen der Luftzufuhr und als Ein- und Ausgänge. Im Gegensatz zum Fuchs polstert der Dachs den Kessel seines Baues mit trockenem Laub, Moos oder Farnkraut aus.