Der Feldhase (Lepus europaeus), kurz auch Hase genannt, ist ein Säugetier aus der Familie der Hasen (Leporidae). Die Art besiedelt offene und halboffene Landschaften. Das natürliche Verbreitungsgebiet umfasst weite Teile der südwestlichen Paläarktis; durch zahlreiche Einbürgerungen kommt der Feldhase heute jedoch auf fast allen Kontinenten vor. Aufgrund der starken Intensivierung der Landwirtschaft ist der Bestand des Feldhasen in vielen Regionen Europas rückläufig. Die Schutzgemeinschaft Deutsches Wild erklärte den Feldhasen für das Jahr 2001 und erneut 2015 zum Tier des Jahres.Daniel Hoffmann: , Schutzgemeinschaft Deutsches Wild, abgerufen am 24. Januar 2015.

Merkmale mini|links|Schädel des Lepus europaeus

Zusammen mit dem Schneehasen ist der Feldhase der größte Hasenartige Europas. Die Kopf-Rumpf-Länge beträgt 55 bis 68 Zentimeter, die Schwanzlänge 75 bis 140 Millimeter, die Länge der Hinterfüße 124 bis 185 und die Ohrlänge 100 bis 140 Millimeter. Ausgewachsene Tiere wiegen 3,5 bis etwa 5,0 Kilogramm.

Das Hasenfell ist lang, die Deckhaare sind im größten Teil des Verbreitungsgebietes gebogen, nur im Kaukasus und in Kleinasien sind sie gerade. Die Wollhaare haben eine weiße Basis. Der Rücken ist variabel gefärbt und kann gelblich grau, ockerbraun oder braunrot mit gelben Schattierungen und schwarz gesprenkelt sein. Der Rücken ist dunkler als die Körperseiten und das Gesicht. Die Flanken sind mehr rostgelb oder rötlich braun. Kopf und Hals, die Brust sowie die Beine sind hellbraun, der Bauch ist cremeweiß. Die Ohren sind blassgrau und zeigen an der Spitze einen schwarzen, etwa dreieckigen Fleck. Der Schwanz ist auf der Oberseite schwarz, unterseits weiß. Im Winterfell sind die Kopfseiten einschließlich der Ohrbasis weißer und die Hüften mehr grau.

Verbreitung und Lebensraum mini|Verbreitung des Feldhasen: ursprünglich (braun), eingebürgert (rot) Das natürliche Verbreitungsgebiet des Feldhasen umfasst große Teile der südwestlichen Paläarktis. Es reicht in West-Ost-Richtung vom nördlichen zentralen Spanien und der Bretagne bis in den Südwesten Sibiriens und in den Nordwesten der Mongolei. In Nord-Süd-Richtung reicht das Areal von Dänemark und – unter Aussparung des größten Teils von Skandinavien – etwa der Mitte Finnlands bis Nordspanien, bis in das nördliche Italien und bis in den Süden Griechenlands; weiter östlich bis in den Norden des Irans.[ Der Feldhase auf der Red List der IUCN, Verbreitungskarte] (engl.), abgerufen am 20. November 2016. Die Art wurde vor allem aus jagdlichen Gründen in vielen weiteren Gebieten Europas und darüber hinaus auf weiteren Kontinenten eingebürgert. In Europa wurde die Art vom Menschen in Großbritannien und Nordirland, in Südschweden, auf Korsika und im Süden Italiens etabliert. Große Bestände gibt es heute außerdem im Nordosten der USA, im Süden Südamerikas, im Süden und Osten Australiens einschließlich Tasmanien sowie in Neuseeland.

Die relativ wärmeliebende Art bewohnt offene und halboffene Landschaften wie lichte Wälder, Steppen, Dünen und die Agrarlandschaft mit Hecken, Büschen oder angrenzenden Wäldern von Meereshöhe bis in 2500 Meter.

In Brandenburg haben statistische Erhebungen zu Beginn des 21. Jahrhunderts ergeben, dass es durchschnittlich noch rund 8–10 Feldhasen pro Quadratkilometer gibt. Umweltschützer und Biologen beobachten, dass Hasenpopulationen immer mehr an den Rand oder in große Grünflächen von Städten umsiedeln. Als Ursache vermuten die Experten, dass die natürlichen Feinde der Hasen hier kaum anzutreffen sind. Der Bezirk Lichtenberg von Berlin hat im Jahr 2016 ein Mitmachprojekt zur Beobachtung und Zählung der Population durch alle Bürger ins Leben gerufen.Steffi Bey: Feldhasen zieht es in die Stadt. Lichtenberg initiiert Projekt zur Erforschung der Tiere. In: Neues Deutschland. 8. Januar 2016 (online), abgerufen am 20. November 2016. Die Zählung im Berliner Bezirk Lichtenberg ergab eine Zahl von 15 Individuen je Quadratkilometer, das sind 4 mehr als der Bundesdurchschnitt.Der Tagesspiegel: Hasen-Heimat Lichtenberg, 12. April 2017, abgerufen am 27. Juli 2017.

Lebensweise mini|Sich in der Sasse drückender Feldhase mit angelegten Ohren und aufmerksamem Blick mini|Boxende Feldhasen auf Spiekeroog Der Feldhase ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, vor allem am Anfang der Fortpflanzungszeit im Spätwinter und im Frühjahr aber auch tagaktiv. Die Tiere sind außerhalb der Paarungszeit Einzelgänger und ruhen am Tag in Sasse genannten, flachen, meist gut gedeckten Mulden. Bei Gefahr drücken sie sich bewegungslos an den Boden und ergreifen erst im letzten Moment die Flucht. Feldhasen erreichen dabei über kurze Distanz Geschwindigkeiten bis zu 70 km pro Stunde und springen bis zu 2 m hoch. Die Tiere können auch gut schwimmen.

Ernährung Feldhasen ernähren sich wie alle Echten Hasen pflanzlich. Sie fressen grüne Pflanzenteile, aber auch Knollen, Wurzeln und Getreide, ihren Blinddarmkot (Caecotrophie) sowie vor allem im Winter die Rinde junger Bäume.

Fortpflanzung und Entwicklung mini|Junger Feldhase mini|Bewegungsablauf bei einem jungen Feldhasen Einerseits kämpfen Männchen um ein empfängnisbereites Weibchen, andererseits beteiligen sich die Weibchen auch an diesen Kämpfen. Dabei jagen sie sich und boxen, schlagen also mit den Vorderpfoten aufeinander ein.Haseder, S. 320. Warum sich die Häsinnen an den Kämpfen beteiligen, wird empirisch damit begründet, dass die Häsin den ausdauerndsten Rammler erst zur Begattung zulässt, wenn die Berührungssperre der solitär lebenden Tiere überwunden ist. Die bei diesen Kämpfen ausgerissenen Haarbüschel werden in der Jägersprache als Rammelwolle bezeichnet.

Die Fortpflanzungszeit dauert in Mitteleuropa von Januar bis Oktober, die Weibchen bekommen im Jahr 3- bis 4-mal Junge. Die Tragzeit beträgt etwa 42 Tage. Die Würfe umfassen 1–5, ausnahmsweise 6 Junge. Bei Feldhasen können parallele Schwangerschaften auftreten, ein Phänomen, das als Superfötation bezeichnet wird. Dies bedeutet, dass ein Weibchen erneut trächtig werden kann, während es noch trächtig ist.

Die frisch geborenen Junghasen wiegen 100–150 g und sind wie bei allen Hasen ausgesprochene „Nestflüchter“, sie werden behaart und sehend geboren. Als Nestflüchter leben die Junghasen allein, aber nicht verlassen und sollten von Menschen weder angefasst, noch mitgenommen werden. Die Häsin kommt nur etwa zweimal am Tag zum Säugen. Das bisher bekannte Maximalalter im Freiland beträgt 12,5 Jahre, jedoch wird über die Hälfte der Hasen kein Jahr alt.

Natürliche Feinde Weltweit zählen Hasen zu den Beutetieren für Prädatoren und Fleischfresser. In Europa sind das unterschiedliche Raubtiere, Greifvögel und Rabenvögel, die insbesondere den Großteil der Junghasen erbeuten.

Parasiten Der Fadenwurm Trichostrongylus retortaeformis ist ein häufiger Dünndarmparasit beim Feldhasen. In Italien wurde auch der mit Florida-Waldkaninchen aus Nordamerika eingeschleppte Magenwurm Obeliscoides cuniculi cuniculi beim Feldhasen nachgewiesen.Paolo Tizzani, Arianna Menzano, Stefano Catalano, Luca Rossi, Pier Giuseppe Meneguz: First report of Obeliscoides cuniculi in European brown hare (Lepus europaeus). In: Parasitology Research. 2011, Band 109, Nummer 3, S. 963–966 .

Systematik Der Feldhase wird als eigenständige Art innerhalb der Gattung der Echten Hasen (Lepus) eingeordnet. Die Art wurde 1778 von dem deutschen Naturforscher Peter Simon Pallas wissenschaftlich beschrieben und in die von Carl von Linné eingerichtete Gattung Lepus eingeordnet. Pallas gab keine Typuslokalität an, spätere Bearbeiter wie Édouard Louis Trouessart und Sergei Iwanowitsch Ognjow grenzten diese auf das südwestliche Polen ein. Teilweise wurde er aufgrund der morphologischen Ähnlichkeit mit dem Kaphasen (Lepus capensis) und dem Tolai-Hasen (Lepus tolai) als Ringspezies zusammengefasst und aufgrund der Benennungspriorität als Lepus capensis betrachtet.

Nach mehreren Analysen wurde der Artstatus der drei Arten etabliert, molekularbiologische Arbeiten legen jedoch teilweise eine erneute Zusammenfassung von Feldhase und Kaphase sowie weiteren Arten in Nordafrika zu einer Art oder einem sehr nahe verwandten Artenkomplex nahe, bei dem es vor allem aufgrund der geografischen Trennung kaum zu einem Genfluss kommt. Die Unterschiede im Genom sind nur sehr gering und würden die Artabgrenzung allein nicht oder nur unzureichend begründen. Die Diskussionen sind nicht abgeschlossen, da es für beide Hypothesen gute Argumente gibt, somit werden der Feldhase und der Kaphase bis zur weiteren Klärung als eigenständige Arten angesehen.

Innerhalb der Art werden zahlreiche Unterarten eingeordnet, wobei die Anzahl abhängig von der Quelle variieren kann. Die Klassifizierung erfolgt dabei vor allem auf der Basis von Körpergröße und Fellfarbe, wobei es vor allem aus Russland Studien gibt, dass es sich bei diesen Merkmalen um klinale Variationen und damit nicht um Unterarten handelt. Trotz der Unsicherheit werden nach aktuellen Systematiken mit der Nominatform aktuell 16 Unterarten unterschieden: Lepus europaeus europaeus , 1778: Nominatform, vor allem in West-Europa L. e. caspicus , 1832: im Bereich der unteren Wolga, Kalmückien und dem westlichen Kasachstan L. e. connori , 1918: im nordwestlichen Iran L. e. creticus , 1903: auf Kreta L. e. cyprius , 1903: auf Zypern L. e. cyrensis , 1905: in Aserbaidschan und Transkaukasien L. e. hybridus , 1822: in den baltischen Staaten, Belarus, der Ukraine, Finnland sowie dem westlichen bis zentralen Russland L. e. judeae (, 1867): in Palästina L. e. karpathorum , 1906: in den Karpaten L. e. medius , 1820: in Dänemark L. e. occidentalis , 1898: in Großbritannien L. e. parnassius , 1903: im zentralen Griechenland L. e. ponticus , 1929: an den russischen Küsten des Schwarzen Meeres L. e. rhodius , 1914: auf Rhodos L. e. syriacus , 1832: in Syrien L. e. transsylvanicus , 1901: in Ost- und Südost-Europa

Bestand, Gefährdung, Invasivität mini|Wachsamer Feldhase mini|Fliehender Feldhase Seit den 1960er Jahren nahm der Bestand in vielen Teilen Europas bis in die 2010er Jahre hinein kontinuierlich und in den letzten Jahrzehnten drastisch ab. Als Hauptgrund wird ziemlich einhellig auf die Intensivierung der Landwirtschaft verwiesen, insbesondere die Flurbereinigung, den massiven Einsatz von Düngern und Pestiziden sowie den intensiven Maschineneinsatz. Untersuchungen aus den Jahren 2004 bis 2009 ergaben, dass sich insbesondere der Anbau von Wintergetreide, Raps und Mais auf immer größeren Feldern negativ auswirkt.ABU: Landwirte helfen Feldhasen, 4. April 2007, abgerufen am 27. Juli 2017.Thomas Gehle, Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung, Bonn: Die Sache mit den Hasen. In: Landwirtschaftliches Wochenblatt Westfalen-Lippe. 04/2013, 24. Januar 2013, Seite 44 f. Schwindende Saum-, Kraut- und Staudenfluren und eine Reduzierung der Brachflächen um fast drei Viertel innerhalb der letzten zehn Jahre sind bedeutende Faktoren des Bestandrückgangs. In Deutschland wurde die Art daher als „gefährdet“ (Kategorie 3) auf die Rote Liste gesetzt, in einigen Bundesländern wie Brandenburg und Sachsen-Anhalt sogar als „stark gefährdet“ (Kategorie 2).