Sieggraben (, ) ist eine Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Mattersburg im Burgenland in Österreich.

Geografie Geografische Lage Der Ortskern von Sieggraben liegt in einer talartigen Absenkung südlich des Sieggrabener Sattels, andere Ortsteile befinden sich größtenteils über hügeliges Gebiet verstreut. Die Sieggrabener Hügel sind Ausläufer der Buckligen Welt. Der Sieggrabener Sattel ist ein markanter geographischer Punkt und wird durch den Zusammenstoß vom Rosaliengebirge mit dem Ödenburger Gebirge gebildet. Der Ort liegt an der engsten, nur vier Kilometer breiten Stelle des Burgenlandes. Durch die Gemeinde fließt der Auwiesenbach, in den im Bereich der Trift der Mausgrabenbach mündet. Das vereinigte Gewässer fließt durch den unteren Sieggrabener Ortsteil Mühlen und trägt ab dem Zusammenfluss mit dem Siegleswiesenbach, kurz nach der Gemeindegrenze zu Kalkgruben, die Bezeichnung Sieggrabenbach, der sich südlich von Weppersdorf mit dem Schwarzenbach vereinigt und ab dort als Stooberbach weiterfließt. Der Brenntenriegel, auf dem sich ein weithin sichtbarer Mobilfunk- und Richtfunksender befindet, ist mit die höchste Erhebung des Ödenburger Gebirges. Eine markante Erhebung ist der dem Rosaliengebirge zugehörige 650 m hohe Sieggrabener Kogel.

Nachbargemeinden Die Gemeinde grenzt an Mattersburg, Marz und Rohrbach bei Mattersburg im Norden, im Osten an einer schmalen Stelle an das ungarische Sopron sowie Lackenbach im Bezirk Oberpullendorf. Im Süden liegen die Orte Kalkgruben (als Katastralgemeinde von Weppersdorf) und Oberpetersdorf (als Katastralgemeinde von Kobersdorf). Im Westen liegt der niederösterreichische Ort Schwarzenbach.

Die Gemeindegrenzen zu den Nachbarorten verlaufen über weite Strecken in bewaldetem Gebiet, sodass man von Sieggraben aus nur Marz über die B 50 sowie Mattersburg über die S 31 im Norden, den zu Weppersdorf gehörigen Ort Kalkgruben im Süden und die westlich gelegene Gemeinde Schwarzenbach auf direktem Weg erreichen kann. Von der Straße nach Schwarzenbach biegt auf Sieggrabener Gemeindegebiet ein Güterweg nach Oberpetersdorf ab, das zur Gemeinde Kobersdorf gehört.

Geschichte mini|Landkarte „Austriae Ducatus Seu Pannoniae Superioris Chorographia Germana“ von Wolfgang Lazius, 1570 (Ausschnitt mit „Sigrabn“ in der Mitte) Von einer Besiedlung in der Bronzezeit zeugt ein Gräberfeld im Sieggrabener Bahnwald, welches 1893 erstmals von dem ungarischen Gymnasiallehrer und Heimatforscher Lajos Bella aus Sopron erwähnt und zuletzt im Sommer 1980 untersucht wurde.Von den ursprünglich etwa 30 Hügeln des Gräberfeldes von Sieggraben aus der Hügelgräber-Bronzezeit sind nur noch 14 flache Bodenerhebungen übrig geblieben. Ab den 1930er Jahren waren die Hügel zunehmend eingeebnet worden, als man den Wald, in dem sie sich befanden, in Ackerland umwandelte. Durch das ehemalige Gräberfeld wurde 1980 bis 1984 die Trasse der Burgenland Schnellstraße S 31 gelegt. Aus diesem Anlass waren 1980 einige Hügel untersucht worden, wobei Körperbestattungen und eine Brandbestattung festgestellt wurden. Vgl. Ernst Probst: Die Hügelgräber-Kultur in Österreich. Mit Zeichnungen von Friederike Hilscher-Ehlert, Grin-Verlag, München 2011, ISBN 978-3-656-08552-2, S. 49 f.Ernst Probst: Österreich in der Mittelbronzezeit, Grin Verlag, München 2011, ISBN 978-3-656-00127-0, S. 66. In keltischer Zeit war das Gebiet Teil des Königreichs Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg. Im Römischen Reich war das Gebiet Teil der Provinz Pannonia. Ein von Markt Sankt Martin und Weppersdorf kommender, westlich an der Sieggrabener Gemeinde- und Landesgrenze vorbeiführender Höhenweg in Richtung Forchtenstein wird als „Römerweg“ bezeichnet.Die Datierung dieses Altweges in die Römerzeit ist bisher durch archäologische Funde nicht gesichert, antiker Ursprung ist laut Allgemeine Landestopographie des Burgenlandes jedoch möglich. Vgl. Allgemeine Landestopographie des Burgenlandes, hrsg. von der Burgenländischen Landesregierung, bearbeitet vom Burgenländischen Landesarchiv. 3. Band: Der Verwaltungsbezirk Mattersburg. 3. Teilband: Topographischer Teil: Pöttelsdorf–Zuzleen. Selbstverlag des Amtes der Burgenländischen Landesregierung, Abt. XII/2 (Landesarchiv und Landesbibliothek), Eisenstadt 1993, S. 752. Die frühesten mittelalterlichen Lebensspuren in Sieggraben gehen laut Auswertung archäologischer Funde auf die Karolingerzeit zurück.Josef Tiefenbach (Hrsg.): Historischer Atlas Burgenland (= Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland, 141). Verlag Burgenländisches Landesmuseum, Eisenstadt 2011, ISBN 978-3-85405-185-5, S. 54.

Der Ort wurde im Jahr 1302 erstmals urkundlich als „Sykrems“ erwähnt. Allerdings wird der auf den Ort bezogene Bach bereits in der Grenzbeschreibung von Weppersdorf aus dem Jahr 1222 als „Sykrin Potok“ (auch „Sikrynpotok“ und „Scikryn Potok“) erwähnt. In der Grenzbeschreibung des Komitates Lutzmannsburg aus dem Jahr 1263 scheint dieser Bach als „Zygun Rivulus“ auf.Eberhard Kranzmayer und Karl Bürger: Burgenländisches Siedlungsnamenbuch (= Burgenländische Forschungen, hrsg. vom Landesarchiv und Landesmuseum, Heft 36), Eisenstadt 1957, S. 143 f. In weiterer Folge finden sich für den OrtsnamenEine ausführliche Erläuterung der Namensformen findet sich im historischen Abschnitt der Ortschronik von Sieggraben. Vgl. Sieggraben 1302–2002, Festschrift zur 700-Jahr-Feier der Gemeinde Sieggraben, hrsg. von der Gemeinde Sieggraben, Strichpunkt Verlag, Hornstein und Ebreichsdorf 2002, S. 23 f. die Schreibweisen „Zikhremp“ (1447), „Sigkhrams“ (1500/1510)Leonhard Prickler: Das älteste Urbar der Grafschaft Forchtenstein von 1500/1510, Eisenstadt 1998 (= Burgenländische Forschungen, hrsg. vom Burgenländischen Landesarchiv, Heft 77), S. 112., Sygrambs und Sigkrembs (1526), „Sigrabn“ (1570)Austriae Ducatus Seu Pannoniae Superioris Chorographia Germana, Plan von Wolfgang Lazius, 1570, Siggrabm (1589); „Csikrom“ und „Sigraben“ (1626); „Siggraben“ (1641), „Sigroben“ (1651), „Szigrab“ und „Szigraben“ (1675), „Sigraben“ (1682) sowie „Siegraben“ (in der Josephinischen Landesaufnahme 1782–1785)Königreich Ungarn (1782–1785) – Josephinische Landesaufnahme und „Siggraben“ (1713). Die spätere magyarische Namensform lautete bis 1921 Szikra, die kroatische Bezeichnung lautet Sigrob.Allgemeine Landestopographie des Burgenlandes, hrsg. von der Burgenländischen Landesregierung, bearbeitet vom Burgenländischen Landesarchiv. 3. Band: Der Verwaltungsbezirk Mattersburg. 3. Teilband: Topographischer Teil: Pöttelsdorf–Zuzleen. Selbstverlag des Amtes der Burgenländischen Landesregierung, Abt. XII/2 (Landesarchiv und Landesbibliothek), Eisenstadt 1993, S. 751.

mini|links|Das Gebiet von Sieggraben (links unten) und das Bergwerk Brennberg westlich von Ödenburg, um 1880 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme) Die Pfarre Sieggraben wurde im Mittelalter gegründet. Die erste Pfarrkirche, deren Turm aus Holz bestand, befand sich im Friedhof, am Ortseingang. Zur Zeit der Reformation erlosch in Sieggraben das katholische Pfarrleben. Nach dem offensichtlichen Verlust der pfarrlichen Eigenständigkeit gehörte Sieggraben Ende des 16. Jahrhunderts zu Oberpetersdorf, der Urpfarre der Herrschaft Kobersdorf.Festschrift 200 Jahre Pfarrkirche zur Kreuzerhöhung in Sieggraben 1797–1997, hrsg. von der Pfarre Sieggraben, Sieggraben 1997, S. 11–13. Noch in der Mitte des 17. Jahrhunderts war die Bevölkerung Sieggrabens konfessionell gemischt (katholisch und evangelisch) gewesenZur Zeit der kanonischen Visitation 1641 gehörte Sieggraben zur Pfarre Marz. Vgl. Hans Paul: Zur Geschichte des Volksschulwesens im burgenländisch-westungarischen Raum vom 17. Jahrhundert bis 1921. Amt der Burgenländischen Landesregierung, Eisenstadt 1999 (= Burgenländische Forschungen, Bd. 78), ISBN 978-3-901517-15-0, S. 146., im Jahr 1659 war sie mehrheitlich protestantischFestschrift 200 Jahre Pfarrkirche zur Kreuzerhöhung in Sieggraben 1797–1997, hrsg. von der Pfarre Sieggraben, Sieggraben 1997, S. 12., ehe sie um 1660 katholisch wurde.Hans Krawarik: Exul Austriacus. Konfessionelle Migration aus Österreich in der frühen Neuzeit, Lit Verlag, Wien 2010, ISBN 978-3-643-50210-0, S. 97.Sieggraben 1302–2002, Festschrift zur 700-Jahr-Feier der Gemeinde Sieggraben, hrsg. von der Gemeinde Sieggraben, Strichpunkt Verlag, Hornstein und Ebreichsdorf 2002, S. 174. Nachdem der Ort seit dem 17. Jahrhundert zur Pfarre Marz gehört hatte, wurde Sieggraben im Jahr 1736 wieder zur eigenständigen Pfarre erhoben.Festschrift 200 Jahre Pfarrkirche zur Kreuzerhöhung in Sieggraben 1797–1997, hrsg. von der Pfarre Sieggraben, Sieggraben 1997, S. 12 f.

Sieggraben gehörte seit 1302 den Grafen von Mattersdorf-Forchtenstein,Im Jahr 1302 hatten die Grafen von Mattersdorf vom Herrn von Osl das Gebiet um Petersdorf und Sieggraben gekauft. Vgl. Ernst Löger (Hrsg.): Heimatkunde des Bezirkes Mattersburg im Burgenland. Deutscher Verlag für Jugend und Volk, Wien und Leipzig 1931, S. 56. später zur Herrschaft Forchtenstein, zur Herrschaft Kobersdorf und fiel schließlich 1622 in den Besitz der Fürsten von Esterházy. In den grundherrschaftlichen Urbaren des 16. und 17. Jahrhunderts sind für Sieggraben größtenteils Kleinbauern verzeichnet.Vgl. Josef Köller: Die Grafschaft Forchtenstein unter besonderer Berücksichtigung der Urbare. Universität Wien, Dissertation, Wien 1960, S. 132 f. und S. 153 ff. Für das 16. Jahrhundert ist im Bereich des Ortsgebietes eine Kohlenmaut nachgewiesen.Ernst Löger (Hrsg.): Heimatkunde des Bezirkes Mattersburg im Burgenland. Deutscher Verlag für Jugend und Volk, Wien und Leipzig 1931, S. 317. Im Urbar der Grafschaft Forchtenstein vom Jahr 1675 sind für Sieggraben eine Schule, ein Gemeindegasthaus und zwei MühlenBis heute befindet sich im Gemeindewappen von Sieggraben ein Mühlrad. ausgewiesen.Vgl. Josef Köller: Die Grafschaft Forchtenstein unter besonderer Berücksichtigung der Urbare. Universität Wien, Dissertation, Wien 1960, S. 132 f. und S. 153 ff.

Nachdem der Ort zuvor zur Grafschaft Forchtenstein gehört hatte, kam er 1738 im Zuge der Neueinteilung der Grundherrschaften der Fürsten von Esterházy zur Herrschaft Kobersdorf, wo er bis zum Ende der Feudalherrschaft im Jahr 1848 verblieb.Sieggraben 1302–2002, Festschrift zur 700-Jahr-Feier der Gemeinde Sieggraben, hrsg. von der Gemeinde Sieggraben, Strichpunkt Verlag, Hornstein und Ebreichsdorf 2002, S. 27. Bei einem Feuer im Jahr 1775 wurden 30 HäuserAus der Franziszeischen Aufnahme vom Jahr 1845 geht hervor, dass es damals in Sieggraben 90 Häuser gab. Vgl. Ernst Löger (Hrsg.): Heimatkunde des Bezirkes Mattersburg im Burgenland. Deutscher Verlag für Jugend und Volk, Wien und Leipzig 1931, S. 157. zerstört. 1848 erfolgte die Einteilung der ungarischen Komitate in Stuhlbezirke, wodurch der Ort Ödenburg zugeteilt wurde. Durch eine weitere Änderung der Bezirke 1870/71 entstand der Bezirk Mattersburg, dem Sieggraben seither angehört.