Sigleß (, ) ist eine Gemeinde im Bezirk Mattersburg im Burgenland in Österreich mit Einwohnern (Stand ). Der ungarische Ortsname der Gemeinde ist Siklós oder Siklósd, der kroatische Ortsname ist Cikleš. Das Gemeindegebiet befindet sich im Naturpark Rosalia-Kogelberg.

Geografie Die Gemeinde liegt in der Ebene zwischen Rosalien- und Leithagebirge und wird vom Edlesbach durchflossen.

Eingemeindungen 1971 wurde im Zuge der Gemeindezusammenlegungen die vordem eigenständige Gemeinde Krensdorf mit der Gemeinde Sigleß zusammengelegt. Was anfangs recht gut zu funktionieren schien, warf im Lauf der Zeit immer größer werdende Probleme auf, sodass die beiden Gemeinden 1998 wieder getrennt wurden.

Nachbargemeinden

Geschichte Wie zahlreiche Fundstellen der Gegend nachweisen, war das Gemeindegebiet von Sigleß schon in der Jungsteinzeit besiedelt.

Vor Christi Geburt war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg. Später im Römischen Reich war das Gebiet Teil der Provinz Pannonia.

In der Römerzeit führte eine Straße, welche die damaligen Römersiedelungen „Scar(a)bantia“ (Ödenburg) und „Aquae“ (Baden) miteinander verband, in der Nähe von Sigleß vorbei. Bei Ausgrabungen im Jahr 2008 wurden römische Urnengräber aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. entdeckt. 2009 wurden neben einem römischen Brandgräberfeld auch spätawarisch-frühkarolingische Funde gemacht.Dorothea Talaa, Ingomar Herrmann: Fundbericht. In: Fundberichte aus Österreich. Herausgegeben vom Bundesdenkmalamt. Band 48, Jahrgang 2009. Wien 2010. Seiten 455–456.

Aus der Zeit der Awaren im 8. und 9. Jahrhundert n. Chr. liegen im Kloaschitzwald außerhalb der Ortschaft zahlreiche Hügelgräber. Seit August 2007 finden dort regelmäßig Ausgrabungen statt. Dabei wurden Gräber einer Nekropole des ausgehenden 8. und beginnenden 9. Jahrhunderts n. Chr., aber auch die Fundamente eines römischen Grabbaues gefunden.Dorothea Talaa, Ingomar Herrmann: Fundbericht. In: Fundberichte aus Österreich. Band 46, Jahrgang 2007. Wien 2008. Seiten 723–724.Dorothea Talaa: Der Sommer 2013. NGÖ im Einsatz. In: Netzwerk Geschichte Österreich. Jahresschrift 2014. Jahrgang 3. Kirchham bei Vorchdorf 2014. ISBN 978-3-200-03639-0. S. 7.

mini|links|Sigleß (links unten) um 1873 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme) Der Ortsname Sigleß wird erstmals 1325 in der Schreibweise „Sykels“ urkundlich erwähnt. Nach einer heute im Ungarischen Staatsarchiv Budapest aufliegenden Urkunde überreichte der Sohn des Grafen Simon von Mattersdorf-Forchtenstein, Magister Paul, seiner aus Österreich stammenden Braut Elisabeth von Pottendorf die Ansiedlung Sigleß als „Hochzeitsgeschenk“. 1346 wurde Sigleß der Grafschaft Forchtenstein eingegliedert, die in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts in den Besitz des Fürsten Nikolaus Esterházy wechselte.

Wie in vielen anderen Orten des Burgenlandes wurden auch in Sigleß im 16. Jahrhundert kroatische Kolonisten angesiedelt, wobei sich die Anteile der Deutschen und der Kroaten – ähnlich wie in den Orten Antau (Otava), Kittsee (Gijeca) und Stegersbach (Santalek) – in der Vergangenheit stets in der Waage hielten. Seit der Zwischenkriegszeit nimmt der Anteil der Kroaten stetig ab, sodass heute nur noch wenige Einwohner zur Volksgruppe der Burgenlandkroaten gezählt werden können (Anteil der Kroaten an der Gesamtbevölkerung – 1910: 36,7 %, 1934: 29,9 %, 1971: 13,2 %, 2001: 3,0 %).

Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname „Siklós“ verwendet werden.

Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (→ Geschichte des Burgenlandes).

Bevölkerungsentwicklung

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant=0.7|Pfarrkirche Sigleß

Katholische Pfarrkirche Sigleß Allerheiligen Marienkapelle Bildstock Olramkreuz

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaftssektoren Von 1999 bis 2010 nahm die Anzahl der landwirtschaftlichen Hauptbetriebe zu, die der Nebenerwerbsbetriebe sank von 18 auf fünf. Im Dienstleistungssektor waren über vierzig Prozent der Erwerbstätigen in sozialen und öffentlichen Diensten, über einem Viertel im Handel beschäftigt. WirtschaftssektorAnzahl BetriebeErwerbstätige 2)2011200120112001Land- und Forstwirtschaft 1)1828814Produktion1195527Dienstleistung59378682 1) Betriebe mit Fläche in den Jahren 2010 und 1999, 2) Erwerbstätige am Arbeitsort

Arbeitsmarkt, Pendeln Von den 533 Erwerbstätigen, die im Jahr 2011 in Sigleß wohnten, arbeiteten 82 in der Gemeinde. 451 Menschen pendelten zur Arbeit in andere Gemeinden aus, 67 aus der Umgebung pendelten nach Sigleß.

Bildung In der Gemeinde befinden sich eine Volksschule und eine Musikschule. Den Kindergarten besuchen die Kinder im Nachbarort Krensdorf.

Verkehr Straße: Im Süden der Gemeinde liegt der Knoten Mattersburg, wo sich die Burgenland Schnellstraße S31 und die Mattersburger Schnellstraße S4 kreuzen. Eisenbahn: Der näheste Bahnhof befindet sich rund fünf Kilometer südlich in Mattersburg.

Politik mini|Gemeindeamt Sigleß Gemeinderat Der Gemeinderat umfasst aufgrund der Einwohnerzahl insgesamt 19 Mitglieder. + Ergebnisse der Gemeinderatswahlen seit 1997 Partei2022 2017 2012 2007 2002 1997Sti.%M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. SPÖ59370,7614 586 71,46 14 509 61,18 12 508 65,89 13 397 50,00 8 380 51,63 8 ÖVP21525,665 234 28,54 5 267 32,09 6 263 34,11 6 225 28,34 4 185 25,14 4 FPÖ303,580 nicht kandidiert 56 6,73 1 nicht kandidiert 11 1,39 0 45 6,11 1 UBLnicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert 161 20,28 3 126 17,12 2 Wahlberechtigte1129 1084 1051 1036 976 915 Wahlbeteiligung79,27 % 81,83 % 84,11 % 80,69 % 87,19 % 88,85 %

Bürgermeister + vor der Zusammenlegung von bis BürgermeisterAtlas Burgenland: Sigleß (abgerufen am 9. Dezember 2017) 1918 1919 Benedikt Marchart (RDP) 1919 1923 Johann Schey (CS) 1923 1930 Bonaventura Berloschnik (SDAP) 1930 1933 Alois Steurer (SDAP) 1933 1938 Josef Stargl (CS) 1938 Franz Rauchwarter (NS) 1945 Franz Leimgstädtner (Kommissar) 1945 1946 Moritz Miletich (SPÖ) 1946 1954 Peter Eckhardt (SPÖ) 1954 1958 Max Tschurlovits (SPÖ) 1958 1967 Josef Frankolin (SPÖ) 1967 1969 Josef Tschögl (SPÖ) 1969 1970 Gottfried Kremsner (SPÖ)+ Sigleß während Zusammenlegung mit Krensdorf von bis Bürgermeister 1971 1986 Gottfried Kremsner (SPÖ) 1986 1992 Heinz Henecker (SPÖ) 1992 1997 Stefan Radislovich (SPÖ)+ nach der Trennung von bis Bürgermeister 1998 2002 Stefan Radislovich (SPÖ) 2002 2012 Alfred Krenn (SPÖ) 2012 2021 Josef Kutrovatz (SPÖ)seit 2021 Ulrike Kitzinger (SPÖ)

Wappen 60px Blasonierung: „In Rot ein aufrechter goldener Löwe, der mit seinen Vorderpranken eine goldene Traube hält.“ Das Wappen wurde Sigleß im Jahr 1982 vom Amt der burgenländischen Landesregierung verliehen.

Persönlichkeiten Ernest Kutrovatz (1841–1913), Pfarrer von Müllendorf und Weihbischof von Győr.Diözese Eisenstadt vom 14. Oktober 2013: (abgerufen am 19. Oktober 2014)ORF Burgenland vom 19. Oktober 2013: Ernest Kutrovatz: Der vergessene Bischof (abgerufen am 19. Oktober 2014) Ernst Rauchwarter (* 1940), Politiker Heinz Bruckschwaiger (20. März 1944 – 29. März 2019), Künstler Wolfgang Millendorfer (* 1977), Journalist und Autor Julia Herr (* 1992), Abgeordnete zum Nationalrat (SPÖ)

Literatur Felix Tobler: Die Kroaten im Bezirk Mattersburg/Hrvati u matrštofskom kotaru. Verlag BENUA, Großpetersdorf 1995, S. 75–89. ISBN 3-85287-001-1.

Bilderbogen von Sigleß

Weblinks

Funde aus Awarengräbern Entdeckung der Awarengräber

Einzelnachweise

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