Der Landkreis Uelzen ist ein Landkreis im Nordosten Niedersachsens.

Geografie Lage Der Landkreis ist Bestandteil der klimatisch subatlantisch geprägten naturräumlichen Haupteinheit Lüneburger Heide im nordwestdeutschen Tiefland. Zentraler Landschaftsraum ist das saaleeiszeitliche „Uelzener-Bevenser Becken“, das von verschiedenen Moränen-Höhenrücken umrahmt wird. Im Osten befindet sich beispielsweise die „Osthannoversche Endmoräne“ (Göhrde-Drawehn-Höhenzug), westlich verläuft die Endmoränenstaffel der „Hohen Heide“, die sich bis zu den Harburger Bergen südlich von Hamburg erstreckt.

Nachbarkreise Der Landkreis grenzt im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Landkreise Lüneburg und Lüchow-Dannenberg (beide in Niedersachsen), an den Altmarkkreis Salzwedel (in Sachsen-Anhalt) sowie an die Landkreise Gifhorn, Celle und Heidekreis (alle wiederum in Niedersachsen).

Geschichte Der Landkreis Uelzen wurde am 1. April 1885 im Rahmen der Bildung von Landkreisen in der Provinz Hannover aus den alten hannoverschen Ämtern Medingen und Oldenstadt sowie der Stadt Uelzen gebildet.Kreisordnung für die Provinz Hannover (1884) Die Kreisverwaltung befand sich bis 1959 in Oldenstadt, das bis zur Eingemeindung in das benachbarte Uelzen im Jahr 1972 selbständige Gemeinde und einer der kleinsten Kreissitze in Deutschland war. Seit August 2022 befindet sich der Sitz der Kreisverwaltung in der Albrecht-Thaer-Straße 101 in Uelzen.

Eine Reihe von Kleingemeinden wurde 1928/29 in größere Nachbargemeinden eingegliedert. Im Rahmen der Gebietsreform in Niedersachsen kam es am 1. Juli 1972 zu zahlreichen Gemeindefusionen und mehreren Grenzänderungen des Landkreises. Die Gemeinden Meußließen und Reddien schieden aus dem Landkreis aus und wurden in die Gemeinden Clenze bzw. Zernien im Landkreis Lüchow-Dannenberg eingegliedert. Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Lüchow, 27. Juni 1972 Die Gemeinde Lopau schied ebenfalls aus dem Landkreis aus und kam zur Stadt Munster im Landkreis Soltau. Die beiden Gemeinden Kakau und Varbitz aus dem Landkreis Lüchow-Dannenberg wurden in die Gemeinde Soltendieck im Landkreis Uelzen eingegliedert. Aus dem Landkreis Lüneburg kamen die Gemeinden Grünhagen, Hohenbostel, Niendorf und Wulfstorf zur Gemeinde Bienenbüttel im Landkreis Uelzen.Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Uelzen und im Bereich der Stadt Münster, 16. Mai 1972

Zum 1. November 2011 löste sich die Samtgemeinde Wrestedt mit den Gemeinden Stadensen, Wieren und Wrestedt auf und bildete die neue Gemeinde Wrestedt, die mit der Samtgemeinde Bodenteich die neue Samtgemeinde Aue bildete.Gesetz über den Zusammenschluss der Samtgemeinden Bodenteich und Wrestedt und über die Neubildung der Gemeinde Wrestedt, 28. April 2011 Ebenfalls zum 1. November 2011 fusionierten die Samtgemeinden Bevensen und Altes Amt Ebstorf zur neuen Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf.

Einwohnerentwicklung mini|400px|Bevölkerungspyramide für den Kreis Uelzen (Datenquelle: Zensus 2011Datenbank Zensus 2011, Kreis Uelzen, Alter + Geschlecht)

Jahr Einwohner Quelle 1890 44.833 1900 47.576 1910 52.216 1925 56.998 1939 61.382 1950 117.614 1960 95.400 1970 95.900 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972 1980 95.600 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1981 1990 93.490 Regionaldatenbank Niedersachsen 2000 97.285 2010 94.020 2020 92.566 2022 94.362

Konfessionsstatistik 2011 waren 63,6 % der Einwohner evangelisch, 6,6 % römisch-katholisch und 29,9 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Religionsgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Landkreis Uelzen Religion, Zensus 2011 Die Zahl der Protestanten ist seitdem gesunken. Derzeit (Stand 31. Dezember 2019) sind laut kirchlicher Statistik im Landkreis 51.885 evangelische Mitglieder, das sind gut 56 % der Landkreisbevölkerung. Laut Kirchenkreis gibt es rund 50.000 Gemeindemitglieder (53 % der Gesamtbevölkerung) in 26 Kirchengemeinden., abgerufen am 8. Juni 2024

Politik Kreistag Der Kreistag setzt sich wie folgt zusammen:

Parteien und WählergemeinschaftenProzent2021Sitze2021 Prozent2016 Sitze2016 Prozent2011 Sitze2011 Prozent2006 Sitze2006 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands35,61536,01539,71744,419 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands23,71027,11130,81334,814 Grüne Bündnis 90/Die Grünen16,8713,6615,467,43 UWG Unabhängige Wählergemeinschaft9,748,947,736,33 FDP Freie Demokratische Partei5,933,523,014,52 AfD Alternative für Deutschland5,127,73––––LinkeDie Linke1,711,60–––– WG KEINE A39 Wählergemeinschaft KEINE Autobahn A39––1,001,712,61 RRP Rentnerinnen- und Rentner-Partei––––1,471–– Sonstige1,600,700,000,10Gesamt10042100421004210043Wahlbeteiligung in Prozent60,056,457,062,6 letzte Kommunalwahl am 12. September 2021

Landräte mini|Neubau des Uelzener Kreishauses (2022) mini|Altes Amtshaus (Sitz der Kreisverwaltung von 1884–1954) mini|hochkant=0.7|Konrad von Massow war erster Landrat des Kreises Uelzen Konrad von Massow, 1885 Walter von Tzschoppe, 1885–1897 Gustav Albrecht, 1897–1929 Siegfried von Campe, 1929–1937 Gustav Berlin, 1937–1943 Magnus von Klinkowström, 1943–1944 Carl Düvel, 1944–1945 Wilhelm Harder, 1945–1946 Heinrich Becker, 1946–1947 Jürgen Früchte, 1947–1951 Hermann Busse, 1951 Heinrich Becker, 1951–1952 Hermann Busse, 1952–1953 Willi Scharnhop, 1953–1968 Erich Schulze, 1968–1986 Gerhard Schulze, 1986–2004 Theodor Elster, 2004–2011Brohm, Ulrich; Vierck, Sigrid, 125 Jahre Landkreis Uelzen (Veröffentlichungen des Kreisarchivs Uelzen 6), hrsg. v. Landkreis Uelzen, Kreisarchiv), Uelzen 2010, S. 141. Heiko Blume, seit 2011

Oberkreisdirektoren ab 1945 Wilhelm Harder, 1945–1946 Friedrich von Rappard, 1946–1952 Reinhart Berger, Oberkreisdirektor 1952–1975 Rolf Sander, kommissarisch 1975–1977 Dietrich Hoppenstedt, 1977–1979 Gerhard Geerdts, 1979–1986 Rolf Sander, kommissarisch 1986 Theodor Elster, 1986–2004 (Abschaffung des Oberkreisdirektors)Brohm; Vierck, wie oben, S. 155.

Wappen Vorbild für das Wappen des Landkreises Uelzen war offenbar das Wappen des benachbarten Landkreises Lüneburg. Die Beschreibung lautet wie folgt: In silbernem Schild, bestreut mit roten Herzen ein steigender Löwe in Blau. Das rote Schildhaupt belegt mit drei silbernen geradarmigen Tatzenkreuzen.

Die drei Kreuze schmücken das Wappen des Landkreises Uelzen zur Erinnerung an das Wirken der drei alten Klöster Ebstorf, Medingen und Oldenstadt. Die Herzen wurden wiederum in Anlehnung an das dänische Königswappen infolge der Heirat Herzog Wilhelms von Lüneburg mit Prinzessin Helena von Dänemark in das Wappen integriert.

Wirtschaft und Infrastruktur mini|Zuckerfabrik Uelzen Im Zukunftsatlas 2016 belegte der Landkreis Uelzen Platz 301 von 402 Landkreisen, Kommunalverbänden und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Regionen mit „ausgeglichenem Chancen-Risiko Mix“ für die Zukunft.

Der Landkreis Uelzen gehört zu den agrarisch am intensivsten bewirtschafteten Landkreisen Niedersachsens. Begünstigt wird diese Struktur durch lehmige Böden mit hoher Bonitierung auf den Sohllagen des Uelzener-Bevenser Beckens. Zugleich werden ertragsschwächere Standorte auf Moränen- oder Flugsand in besonders hohem Ausmaß künstlich beregnet. Neben Getreide und Zuckerrüben werden vor allem Kartoffeln angebaut. Örtlich wird auch in größerem Umfang Obstbau betrieben. Von überregionaler Bedeutung sind die Zuckerfabrik der Nordzucker AG (eine der größten in Europa), die Vereinigte Saatzuchten eG (VSE), aus der einige bekannte Kartoffelsorten stammen, sowie die Molkerei- und Nahrungsmittelgruppe Uelzena eG, die Bohlsener Mühle GmbH & Co. KG, die Bauck GmbH, Froneri Schöller und das Unternehmen Dreyer-Bienenhonig GmbH, das als Verarbeiter von Honig deutschlandweit bekannt ist.

Der Landkreis Uelzen ist ein Teil des Lüneburgischen Landschaftsverbands.

Für den Tourismus sind neben der Kreisstadt vor allem die Kurorte Bad Bevensen und Bad Bodenteich sowie der Klosterflecken Ebstorf, das Museumsdorf Hösseringen oder das Mühlenmuseum Suhlendorf relevant. In Suderburg befindet sich ein Standort mit zwei Fakultäten der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften.

Verkehr Straße Den Landkreis durchzieht von Norden nach Süden die wichtige Bundesstraße 4 („Harz-Heide-Straße“), die seit Ende 2002 komplett an der Kreisstadt vorbeigeführt wird und im Nordkreis immer noch einige kleinere Orte durchquert. Es laufen kontrovers diskutierte Planungen zur Verlängerung der Bundesautobahn 39 von Wolfsburg bis nach Lüneburg, die östlich zur Bundesstraße nahezu parallel verlaufen und in Höhe Uelzen mit einer weiteren Bundesstraße an die ebenfalls geplante Verlängerung der Bundesautobahn 14 Magdeburg–Schwerin angeschlossen werden soll. Der erste Bauabschnitt soll ab 2020 Uelzen mit Lüneburg und damit der Bundesautobahn 39 nach Hamburg verbinden. Von West (Soltau) nach Ost und ebenfalls durch die Hansestadt Uelzen verläuft die Bundesstraße 71.

Eisenbahn mini|Die metronom Eisenbahngesellschaft hat ihren Sitz in Uelzen Die Hansestadt Uelzen ist ein historischer Knotenpunkt der Bahnstrecke Lehrte–Hamburg-Harburg – Teil der Hauptachse Hannover–Hamburg – und der als Amerikalinie bekannten Strecke Bremen–Stendal–Berlin, von der in Wieren eine Verbindung nach Braunschweig abzweigt. Die Bahnstrecke Uelzen–Dannenberg-West ist stillgelegt.

An der Strecke Hamburg–Hannover liegen die Zugangsstellen Bienenbüttel, Bad Bevensen, Uelzen und Suderburg, an der Amerikalinie Ebstorf, Uelzen, Stederdorf, Wieren und Soltendieck, an der Bahn nach Braunschweig der Bahnhof Bad Bodenteich.

Der Regionalverkehr auf den Strecken Uelzen–Hamburg und Hamburg–Bremen führt seit dem Dezember 2003 die metronom Eisenbahngesellschaft durch, die seit Dezember 2005 zusätzlich von Göttingen über Hannover nach Uelzen fährt. Da die ehemaligen Betriebswerke im Bereich des Bahnhofes aufgelöst und die Flächen samt Gebäuden verkauft worden sind, entstand für das Verkehrsunternehmen im Norden der Hansestadt Uelzen ein neues Betriebswerk.

Zum Fahrplanwechsel 2017/18 soll der SPNV im Landkreis Uelzen in den Hamburger Verkehrsverbund eingegliedert werden.Ab Dezember 2017: Bahnverkehr im Landkreis Uelzen kommt in den HVV in Nahverkehr Aktuell, abgerufen am 24. Oktober 2016

Binnenschifffahrt mini|Schleusengruppe Uelzen Der größte Fluss des Kreises, die Ilmenau, ist zwar hier nicht schiffbar, der Elbe-Seitenkanal jedoch verbindet die wichtigen Schifffahrtsrouten Elbe im Norden und Mittellandkanal im Süden. Durch den Hafen am Elbe-Seitenkanal ist die Hansestadt Uelzen an das europäische Binnenwasserstraßennetz angeschlossen und mit den Seehäfen der Hansestädte Hamburg und Lübeck sowie mit den Industrie- und Handelszentren Hannover, Braunschweig, Salzgitter und Magdeburg verbunden. Der Hafen kann von Schiffen der Binnenschiffsklasse Vb (Europaschiff) und Schubverbänden bis 200 m Länge angelaufen werden und verfügt, wie das angrenzende Industriegebiet, über einen Gleisanschluss.

Aufgrund der stetig steigenden Umschlagzahlen (zuletzt 430.000 Tonnen pro Jahr) existieren Überlegungen, ein neues bis zu 100 Hektar großes Industrie- und Gewerbegebiet am Ostufer des Elbe-Seitenkanals auszuweisen und einen weiteren Kai zu errichten.20 Millionen für den Uelzener Hafen. AZ-Online, 8. April 2016. Die südöstlich der Stadt bei Esterholz gelegene Schleuse Uelzen II wurde bis 2006 für 122 Millionen Euro erbaut und ist mit einer Hubhöhe von 23 Metern und einer Kammerlänge von 190 Metern – nach den neuen Schleusen des Panama-Kanals – die größte Sparschleuse der Welt. Sie kann im 24-Stunden-Betrieb von der Berufsschifffahrt genutzt werden. Auch die parallel bestehende Schleuse Uelzen I mit 185 Metern Kammerlänge ist aufgrund des zeitweise hohen Verkehrsaufkommens weiterhin in Betrieb. In Uelzen-Groß Liedern gibt es einen Sportboothafen mit über 40 Liegeplätzen.

Luftverkehr mini|Westlich der Stadt gelegener Flugplatz Uelzen